Blick in die Kurve
Betze-Fans in Berlin mit Ansage an das Team
Kann eine Auswärtsfahrt noch weniger Spaß machen als diese nach Berlin? Dienstag, 18:00 Uhr, Anfang Dezember, Temperaturen um den Gefrierpunkt, Stimmungsboykott, Stadion mit Laufbahn, teilweise chaotische Anreise und fast zu spät im Stadion … und dann eine 1:6-Niederlage für den eigenen Verein. Trotz der schon vorher ungünstigen Vorzeichen machten sich rund 5.000 FCK-Fans auf den 700 Kilometer langen Weg in die Hauptstadt, was zwar erstmals in dieser Saison einen nicht ausverkauften Gästeblock bedeutete, aber angesichts der Terminierung und bei vielen schon verbrauchter Urlaubstage trotzdem eine stolze Zahl ist.
Die "Fanszenen Deutschlands" hatten den dritten Spieltag in Folge zum Protest gegen die bevorstehende Innenministerkonferenz aufgerufen, auf der übertriebene Regelverschärfungen für den Stadionbesuch befürchtet werden. Das Motto lautete diesmal "Keine Wahrheiten - Keine Kompromisse" und wurde mit Spruchbändern in beiden Kurven sowie gespenstischer Stille in den ersten zwölf Spielminuten untermalt.
Dass nach dem Protest das Spiel schnell zuungunsten des FCK gelaufen war, tat der Anfeuerung im Gästeblock zunächst keinen Abbruch. Mit geschlossenem Support, Schwenkfahnen und auch vielen Zaunfahnen der mitgereisten Fanclubs sowie mehrfach gezündeten Bengalos unter Flutlicht wurde immer wieder versucht, die Mannschaft doch nochmal nach vorne zu peitschen. Erst als es endgültig aussichtslos war, herrschte kurz Stille im Gästeblock, ehe trotzig die Schals in die Höhe gereckt und der Verein gefeiert wurde: "Olé rot-weiß …"
Nach der höchsten Niederlage seit dem 1:5 vor fast genau einem Jahr in Darmstadt schlug den Spielern dann zunächst viel Wut und Enttäuschung entgegen, als sie mit Trainer Lieberknecht in vorderster Reihe zum Gästeblock kamen. Vorsänger Justin machte stellvertretend mit dem Megaphon eine Ansage: Eigentlich müsse die Mannschaft jetzt per Bus nachhause gurken und die Fans gemütlich per Flugzeug. Der heutige Auftritt sei inakzeptabel gewesen und der Anhang erwarte nun eine Reaktion im kommenden Heimspiel gegen Dresden. Dass das Band zwischen Kurve und Team jedoch nicht gänzlich zerschnitten ist, wurde bei der Verabschiedung deutlich, die wieder mit Anfeuerung statt mit Buhrufen gestaltet wurde.
Gut zu feiern hatten derweil die Berliner Fans, auch wenn das Olympiastadion diesmal mit "nur" rund 51.000 Zuschauern gefüllt und nicht wie beim Viertelfinale vor zwei Jahren mit knapp 75.000 ausverkauft war. Nach dem zwölfminütigen Stimmungsboykott zeigte die Ostkurve eine Choreo, die zwar nicht an jene der FCK-Fans an selber Stelle beim Pokalfinale heranreichte, aber dennoch gut anzusehen war: "Sehet die Fahne der Alten Dame - Fliehet ihr fremden Dämonen", stand auf einem Spruchband, zu dem eine Art Heiligenfigur als Hochziehelement emporstieg. Dazu gab es ein paar Bengalos und blau-silberne Folien.
Zur kompletten Fotogalerie vom FCK-Spiel in Berlin:
- Fotogalerie | DFB-Pokal: Hertha BSC - 1. FC Kaiserslautern
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