Stadion
Geschichte des Fritz-Walter-Stadions
Eine Tatsache machte die Fans des 1. FC Kaiserslautern lange Zeit besonders stolz: Das Fritz-Walter-Stadion war Eigentum des Vereins, der damit einige Jahre als einziger Bundesligist ein Stadion zu 100 Prozent sein Eigen nennen durfte. Leider musste der Verein das Stadion im Jahre 2003 aufgrund einer akuten Finanznot und drohenden Insolvenz verkaufen.
Während zwischenzeitlich nahezu alle größeren Stadien in Deutschland Sponsorennamen trugen und tragen, hat der FCK ein Stadion, das seit 1985 nach Fritz Walter, dem ersten Ehrenspielführer des DFB, benannt ist. Der 2002 verstorbene Weltmeister-Kapitän sagte einst, dass diese die einzige seiner unzähligen Ehrungen sei, die ihm wirklich etwas bedeute. Allein diese Tatsache sollte für alle Beteiligten Verpflichtung genug sein, daran heute und in Zukunft nichts zu ändern.
[ 1900 bis 1962 ] [ 1963 bis 1999 ] [ 2000 bis heute ]
1900 bis 1962
Bevor der FV Kaiserslautern auf dem Betzenberg einen geeigneten Platz für seine Spielstätte findet und schließlich dort sesshaft wird, tragen die Vorgängervereine des aus der Fusion von FC 1900, FC Palatia 1901 (ab 1907: FV Palatia) und FC Bavaria 1902 ihre Wettkampfspiele in den Jahren 1900 bis 1919 an verschiedenen Spielstätten aus. Der FC 1900 ist zunächst auf dem Spielgelände "Im Ländel" an der Friedenstraße ansässig und nutzt ab 1908 den Sportplatz am Waldschlösschen. Dazu kommt nach der 1909 erfolgten Fusion der drei genannten Mannschaften noch der vom FC Palatia 1901 genutzte Sportplatz Eselsfürth im Barbarossa Park, den der Verein 1905 in Eigenarbeit im Innenraum der dortigen Radrennbahn angelegt hatte. Nachdem 1915 der FVK sein Pachtverhältnis für das Gelände am Waldschlösschen wegen fehlender Einnahmen kündigen muss und 1919 der Pachtvertrag des Sportplatz Eselsfürth ausläuft, ist der Verein auf der Suche nach einem neuen Gelände. Auf den "luftigen Höhen des Betzenbergs" südlich des Hauptbahnhofs findet man schließlich ein geeignetes Gelände, dass dem Verein zu seiner bis heute geliebten Heimat werden soll.
1919: Der 1. FC Kaiserslautern (damals noch FV Kaiserslautern) beschließt, auf dem Betzenberg eine Sportanlage zu errichten. Auf dem Gelände, welches teilweise gekauft und teilweise gepachtet wird, entsteht ein Sandplatz. Zusätzlich werden an der Südseite des Spielfelds Zuschauerränge, eine kleine Holztribüne und Umkleide- und Geräteräume gebaut. Zur Finanzierung gibt der Verein Schuldscheine aus, die jährlich mit fünf Prozent verzinst werden sollen.
13. Mai 1920: Der Sportplatz am Betzenberg wird mit einem Spiel gegen den amtierenden Rheinkreismeister FC Pfalz Ludwigshafen (Endergebnis: 0:2) eröffnet. Der Stehplatz kostet zwischen 1 und 3 Mark. er Verein kann 3.500 Zuschauer zu diesem ersten Spiel auf dem Betzenberg begrüßen.

Der Sportpark Betzenberg in den 1920er Jahren; Foto: Archiv Hagen Leopold
21. Juni 1925: Das Denkmal zur Erinnerung der Toten des Ersten Weltkriegs aus den Reihen des Vereins wird enthüllt. An ihm findet bis heute die jährliche Totenehrung statt.
1926: Der bisherige Sandplatz auf dem Betzenberg wird durch eine erste Rasenspielfläche ersetzt.
23. November 1930: In der Nacht vom 22. auf den 23. November fegt ein Orkan über die Stadt hinweg. Dabei wird die Südseite der Sportanlage mit der 1925 erweiterten Holztribüne vollständig zerstört.
1932: Im Frühjahr beginnt mit Unterstützung durch den freiwilligen Arbeitsdienst die Umgestaltung des "Sportparks Betzenberg". Ein neuer Rasenplatz wird angelegt. Im Süden und Osten entstehen Stehränge mit Betonstufen und an der Nordseite des Spielfeldes wird eine Tribüne gebaut. Das Stadion bietet jetzt Platz für 18.000 Zuschauer.
25. September 1932: Mit einem Spiel gegen Pirmasens wird die neue Anlage vor 11.000 Zuschauern eingeweiht.
27. Januar 1935: Nach Zuschauer-Ausschreitungen beim Meisterschaftsspiel gegen Saar 05 Saarbrücken wird der FCK mit einer dreimonatigen Platzsperre belegt.
1945: Die französischen Besatzungsmächte beschlagnahmen die Sportanlage auf dem Betzenberg und benutzen das Gelände als Abstellplatz für militärisches Gerät. Nach dem Befehlshaber der Besatzungsstreitkräfte, General Goislard de Montsabert, heißt der "Betze" nun "Stade de Montsabert". Bis zur Rückgabe und vollständigen Instandsetzung des Betzenbergs finden Training und Freundschaftsspiele auf dem benachbarten Erbsenberg statt, wo Lokalrivale VfR großzügig Gastfreundschaft gewährt.
Winter 1945/1946: Der FCK erhält sein Stadion von den französischen Besatzern zurück. In Eigenarbeit beseitigen die Vereinsmitglieder die Schäden und richten die Sportanlage wieder her. Gegner beim ersten Spiel im renovierten Stadion ist die französische Spitzenmannschaft St. Etienne.
1948: Zur Saison 1948/1949 wird ein neuer Rasen angelegt und unter der Nordtribüne entstehen neue moderne Umkleide-, Wasch- und Duschräume sowie eine Stadion-Gaststätte. Die neuen, für die damalige Zeit mustergültigen Räumlichkeiten erregen die Bewunderung der Gastmannschaften.

Um das Jahr 1950: Der Sportpark Betzenberg zu Zeiten von Fritz Walter; Foto: Archiv Hagen Leopold
Sommer 1953: Da das Spielfeld nicht die vom DFB vorgeschriebenen Maße hat, wird der aus sportlichen und finanziellen Gründen dringend notwendige Ausbau des Stadions begonnen. Denn bis dahin trägt der FCK wegen der geringen Größe des eigenen Stadions seine Endrundenspiele um die Deutschen Meisterschaft im mehr als doppelt so großen Südweststadion in Ludwigshafen aus. Durch Erhöhung der Stehwälle wird die Kapazität zwar auf annähernd 30.000 Plätze erhöht, jedoch die in der Planung angestrebte Zahl von 40.000 deutlich nicht erreicht, so dass der Verein auch 1956 seine drei Heimspiele der Meisterschafts-Endrunde in Ludwigshafen austrägt und am 31. Mai 1956 beim Spiel gegen den Karlsruher SC mit 83.000 Besuchern einen Heimspiel-Zuschauerrekord - gleichzeitig auch Zuschauerrekord des Südweststadions - aufstellt, der wohl für die Ewigkeit Bestand haben wird.
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1963 bis 1999
Nach dem großen Ausbau von 1953 kam es zunächst zu keinen weiteren nennenswerten Änderungen auf dem Betzenberg. Dies sollte sich jedoch 1963 mit Einführung der Bundesliga, zu deren 16 Gründungsmitgliedern der 1. FC Kaiserslautern zählte, ändern. Zur Erlangung der Spiellizenz musste jeder Verein neben der sportlichen Qualifikation und dem Nachweis seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ein geeignetes Stadion mit mindestens 35.000 Plätzen und einer Flutlichtanlage vorweisen.
Sommer 1963: Der Betzenberg wird zu einer Großbaustelle. Mit tatkräftiger Unterstützung der amerikanischen Streitkräfte entsteht die neue Südtribüne mit insgesamt 9.000 Sitz- und Stehplätzen. Deren Überdachung ist allerdings zum Bundesligastart noch nicht komplett fertig gestell. In der Westkurve werden die Stehwälle deutlich erhöht. Da aber die vom DFB festgelegte Mindestkapazität mit den nun vorhandenen 34.000 Plätzen zunächst nicht erreicht und die erforderliche Flutlichtanlage erst Ende des Jahres eingeweiht wird, startet der FCK mit einer einjährigen Ausnahmegenehmigung in die erste Bundesliga-Saison. Der vom Architekten Egon Opp geplante Ausbau kostet drei Millionen Mark.
18. Dezember 1963: Mit einem Spiel gegen den alten Oberliga-Rivalen Wormatia Worms wird die neu errichtete Flutlichtanlage eingeweiht.
7. November 1964: Beim ausverkauften Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FC Köln kommt es auf der überfüllten Südtribüne zu einem Unglück. Im damals vorhandenen Stehplatz-Sektor im oberen Drittel der ein Jahr zuvor erbauten Tribüne wird der Zuschauer Emil Heim von den mit "Hau ruck!"-Rufen nachdrängenden Zuschauermassen gegen eine zum Sitzplatzblock hin angebrachte Absperrkette gedrückt, wo er zusammenbricht und schließlich im Krankenhaus seinen schweren inneren Verletzungen erliegt.
Im Zuge der Ermittlungen und dem im Februar 1966 folgenden Prozess am Kaiserslauterer Landgericht stellt sich heraus, dass der Architekt Egon Opp das Fassungsvermögen der Südtribüne und den restlichen Stehbereichen des Stadions falsch berechnet hatte und Adolf Jung, damals Leiter der Baupolizei, die Zahlen ungeprüft übernommen hatte.
Opp und Jung sowie der damalige FCK-Geschäftsführer Erich Schicketanz werden an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von zwei Monaten zu jeweils 2.400 DM Geldstrafe und zur Übernahme der Verfahrenskosten verurteilt.
Dieser Vorfall und das vom Landgericht ausgesprochene Urteil ziehen fast allerorts Konsequenzen nach sich, so dass bei vielen Stadien Deutschlands die Fassungsvermögen überprüft und zum Teil deutlich nach unten korrigiert wird.
1966: Das aus den 1930er Jahren stammende Holzdach der Nordtribüne wird durch eine Stahlrohr-Konstruktion ersetzt.
Herbst 1971: Der Verein betraut den Kaiserslauterer Architekten Folker Fiebiger, der mit seinem Büro bis heute die Pläne für alle folgenden Baumaßnahmen auf dem Betzenberg entwarf, mit den Vorplanungen für den Bau einer größeren und zeitgemäßen Tribüne an der Nordseite des Spielfelds.
Juni 1972: Der Abriss der alten Nordtribüne wird begonnen. An ihrer Stelle wird eine Stahlbeton-Tribüne mit zunächst 1.968 Sitz- und 2.565 Stehplätzen entstehen, die später nach Umwandlung der Steh- in Sitzplätze 3.300 Besuchern einen Platz bietet.
18. November 1972: Wegen der Bauarbeiten auf dem heimischen Betzenberg und der dadurch reduzierten Kapazität trägt der 1. FC Kaiserslautern sein Spiel gegen Bayern München im Ludwigshafener Südweststadion aus. Dabei stellt er mit 60.0000 Zuschauern seinen bis heute gültigen Zuschauerrekord für Bundesliga-Heimspiele auf.
20. Juli 1973: Knapp ein Jahr nach dem Baubeginn wird die neue entstandene Tribüne beim Freundschaftsspiel gegen den Bayern München offiziell eingeweiht.

Kein WM-Stadion in Deutschland, aber trotzdem längst eine Kultstätte: Das Betzenberg-Stadion anno 1974; Foto: Archiv Hagen Leopold
Frühjahr 1976: Der Neubau der Nordtribüne ist endgültig abgeschlossen. In der Zwischenzeit entstanden im zweistöckigen Bauch der Tribüne Umkleide-, Dusch- und verschiedene Nebenräume, die Stadiongaststätte, die Geschäftsstelle mit Präsidiums- und Sitzungszimmer sowie zwei Wohnungen für die Platzwarte.
Sommer 1978: In der WM-bedingten langen Sommerpause wird die unüberdachte Ostkurve begradigt und überdacht sowie eine neue Flutlichtanlage gebaut. Die Kosten für die 14.500 Zuschauer fassende Stehtribüne und die neue Stadionbeleuchtung betragen 6,8 Millionen Euro. Da sie jedoch erst zum dritten Heimspiel der Saison fertig sind, weicht der FCK wieder einmal ins Südweststadion, sein zweites Wohnzimmer, nach Ludwigshafen aus. In den Spielen gegen Stuttgart und Köln begrüßen die Lautrer dort 38.000 bzw. 41.000 Besucher.
16. September 1978: Zum dritten Heimspiel der Saison, Gegner ist der 1. FC Nürnberg, wird die neue Osttribüne erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
29. September 1978: Feyenoord Rotterdam ist zu Gast auf dem Betzenberg bei der offiziellen Einweihung der Osttribüne und des neuen, vom damaligen Torjäger (und Bauingenieur) Klaus Toppmöller mitgeplanten Flutlichts.
8. Juni 1980: Mit Bob Marley, Fleetwood Mac, Fischer Z und Rockpile findet erstmals ein größeres Konzert auf dem Betzenberg statt. Mehr als 30.000 Fans sind mit dabei
2. November 1985: Anläßlich des zwei Tage zuvor gefeierten 65. Geburtstag des berühmtesten Sohn des Betzenbergs benennt der 1. FC Kaiserslautern seine Spielstätte in Fritz-Walter-Stadion um.

Der Sportpark Betzenberg nach der Umbenennung in Fritz-Walter-Stadion 1985 und der Begradigung sowie Überdachung der Westkurve 1986; Foto: Archiv Hagen Leopold
Sommer 1986: Erneut nutzt der FCK eine lange WM-Sommerpause, um den Ausbau des Stadions voranzutreiben. Dieses Mal wird die Heimat der besonders eingefleischten Fans, die Westkurve, analog zur Osttribüne begradigt und ebenfalls überdacht. Zudem erhält das Fritz-Walter-Stadion seine erste Rasenheizung und seine ersten beiden elektronischen Anzeigetafeln, die jeweils über den Toren am vorderen Rand der Ost- und Westtribüne montiert werden.
16. August 1986: Rechtzeitig zum ersten Heimspiel der Saison 1986/1987 gegen Borussia Mönchengladbach wird der 8,9 Millionen Mark teure Ausbau des nun 38.000 Zuschauer fassenden Fritz-Walter-Stadions abgeschlossen.
27. April 1988: Vor 30.150 Zuschauern findet erstmals ein Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in Kaiserslautern statt. Das Team von Franz Beckenbauer gewinnt durch einen Treffer von Jürgen Klinsmann mit 1:0 gegen die Schweiz.
5. Dezember 1990: Das Präsidium um Norbert Thines präsentiert der Öffentlichkeit erstmals Pläne für den Neubau der Nordtribüne. Die so genannte "große Lösung" sah eine überdachte Tribüne mit rund 15.000 Plätzen, verteilt auf zwei Ränge, und einem integrierten Konferenz- und Veranstaltungszentrum nebst Parkhaus mit 600 Stellplätzen vor. Es folgen zahlreiche Beschwerden der Anwohner und Einsprüche von Naturschützern, so dass sich der Baubeginn der zwischenzeitlich deutlich abgespeckten Tribüne immer weiter nach hinten verschiebt.
Frühjahr 1993: Endlich kann die Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus Dyckerhoff&Widmann, Fillibeck und Bilfinger+Berger, die Arbeiten an dem Neubau beginnen. Während des laufenden Spielbetriebs der Saison 1993/1994 wächst die neue Tribüne vom Fuß des alten Steinbruchs, unterhalb des Stadions, zunächst recht unbemerkt bis auf das Niveau der alten Haupttribüne heran.
12. März 1994: Zum Heimspiel gegen Freiburg sitzen die Zuschauer auf der alten Nordtribüne erstmals im "Freien", da zuvor das Dach abmontiert wurde, und der mächtige Oberrang des neuen Bauwerks nun erstmals gut zu sehen ist. In den restlichen Heimspielen der Rückrunde werden nach und nach mehr Plätze auf dem neuen Rang freigegeben und die Reste der knapp 20 Jahre alten Tribüne werden abgerissen.
30. April 1994: Beim letzten Heimspiel gegen Borussia Dortmund sorgen 40.500 Zuschauer für einen neuen Zuschauerrekord im Fritz-Walter-Stadion. Dieser Wert wird auch nach der vollständigen Fertigstellung der Nordtribüne nicht wieder erreicht wird, da ein Teil der Stehplätze auf der Osttribüne während der Sommerpause in Sitzplätze umgewandelt wird.
29. Juli 1994: Mit einem internationalen Freundschaftsspiel gegen die Glasgow Rangers wird die neue Nordtribüne offiziell eingeweiht. Die Baukosten betragen rund 63 Millionen Mark statt der anfangs veranschlagten 34,5 Millionen und bringen den FCK trotz Zuschüssen von Stadt und Land in Höhe von jeweils 14 Millionen in finanzielle Nöte. Im Gegenzug erhält der FCK allerdings eines der schönsten Stadien Deutschlands und die bis heute gern genutzte und damals einzigartige Fan-Halle im Inneren der Nordtribüne. Des Weiteren beherbergt die erst zur Rückrunde der Saison 1994/1995 komplett fertig gestellte Tribüne noch zwölf VIP-Logen, ein Restaurant mit mehreren Tagungsräumen, großzügige Umkleidekabinen, ein kleines Fernsehstudio und die Geschäftstelle sowie den Fan-Shop des Vereins.
18. Dezember 1994: Pünktlich zum Europameisterschaft-Qualifikationsspiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen Albanien werden die zwei neuen, Astrovison genannten, Video-Anzeigetafeln anstelle der alten monochromen Vorgängermodelle an den Dächern der West- und Osttribüne montiert.
25. März 1995: Deutschland wird durch ein 3:2 gegen Schweden zum dritten Mal Fußball-Europameister der Frauen. Das Endspiel der EM, die ohne offizielles Gastgeberland kontinental als K.o.-Runde ausgetragen wird, findet vor 8.500 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion statt.
14. April 1998: Die Arge "Südtribüne 1. FCK", bestehend aus der Philipp Holzmann AG, der imbau GmbH und der Stahlbau Schäfer GmbH, erhält den Zuschlag für den Abriss und Neubau der Südtribüne.
Mai 1998: Beim letzten Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg, in dem der vorzeitige Gewinn der vierten Deutschen Meisterschaft gefeiert wird, ist bereits das Dach der 1963 erbauten Südtribüne abmontiert und direkt nach dem Spiel beginnen die Abrissarbeiten der Ränge.
22. August 1998: In Rekordzeit gelingt es der Arge das neue, rund 23 Millionen Mark teure Bauwerk zum ersten Heimspiel der Saison 1998/1999 gegen Borussia Mönchengladbach fertgigzustellen. Da die Kapazität der Südtribüne auf knapp 9.500 Sitzlätze gesteigert wird und dadurch das Fassungsvermögen des Fritz-Walter-Stadions auf 41.500 Zuschauer ansteigt, wird bei diesem ausverkauften Spiel ein neuer Zuschauerrekord aufgestellt, der bis zur Verringerung der Stehplatzkapazitäten Anfang des neuen Jahrtausends mehrmals eingestellt wird. Die Baukosten für die neue Südtribüne werden teilweise durch den Verkauf von Fünf-Jahres-Dauerkarten getragen.

Sommerpause 1998: Die Südtribüne wird neugebaut; Foto: Archiv Hagen Leopold
[ 1900 bis 1962 ] [ 1963 bis 1999 ] [ 2000 bis heute ]
2000 bis heute
Nachdem die Stadt Kaiserslautern und der Verein im Vorfeld der WM 1974 zunächst zugunsten der vorderpfälzischen "Stadt der Chemie" Ludwigshafen auf eine Bewerbung als Austragungsstätte verzichtet hatten und später mit einem kurzfristig entwickelten Konzept bei der Vergabe der neun Spielstätten nicht berücksichtigt wurden, arbeitete der Verein dieses Mal bereits frühzeitig an seiner Bewerbung als Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2006.
31. Mai 2000: Vor 28.000 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion feiert der 1. FC Kaiserslautern mit einem Konzert von Eros Ramazzotti und der populären Teenie-Band Echt sein 100-jähriges Bestehen.
13. Oktober 2000: Nach dem Zuschlag für Deutschland als Gastgeber der WM 2006 bestätigt der 1. FC Kaiserslautern beim Deutschen Fußball-Bund seine schon vorliegende Bewerbung als Austragungsort.
8. Mai 2001: Einigung über das Finanzierungskonzept für den Ausbau des Fritz-Walter-Stadions auf 48.500 Sitzplätze bei einer Sitzung im Gästehaus der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Für das auf 94,5 Millionen Mark veranschlagte Projekt stellt das Land Rheinland-Pfalz 42,5 Millionen Mark zur Verfügung, die Stadt Kaiserslautern 15 Millionen. 37 Millionen Mark sowie eventuell anfallende Mehrkosten soll der 1. FC Kaiserslautern tragen. Die zunächst auf umgerechnet rund 48,3 Millionen Euro veranschlagten Kosten erhöhen sich im Laufe des knapp vierjährigen Ausbaus um 22,9 Millionen Euro auf 71,2 Millionen Euro und sind damit einer der Hauptgründe für die finanzielle Misere des Klubs im Frühjahr 2003, an deren Ende der Verkauf des Stadions an die Stadt steht.
17. Januar 2002: Erteilung der Baugenehmigung für die Modernisierung des Fritz-Walter-Stadions durch die Stadt Kaiserslautern.
13. Februar 2002: Symbolischer erster Spatenstich für den Umbau der Osttribüne vor dem Länderspiel Deutschland - Israel in Anwesenheit von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, Liga-Präsident Werner Hackmann, DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, des rheinland-pfälzischen Innenministers Walter Zuber und von Kaiserslauterns Oberbürgermeister Bernhard Deubig.
15. April 2002: Die Stadt Kaiserslautern mit dem Fritz-Walter-Stadion als Spielstätte erhält vom WM-Organisationskomitee den Zuschlag als Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2006.
18. Juni 2002: Wieder einmal Baubeginn auf dem Betzenberg. Das Frankfurter Bauunternehmen Philipp Holzmann AG startet - trotz einer erst wenige Monate zuvor angemeldeten Insolvenz - mit dem Ausbau der Osttribüne. Durch Erweiterung der bestehenden Tribüne um weitere 35 Sitzreihen sollen 9.000 zusätzliche Sitzplätze geschaffen werden.
Ende November 2002: Die Holzmann AG stellt die Arbeiten an der Osttribüne zunächst angeblich wegen der schlechten Witterung ein. Anschließend wird der Ausbau wegen Unstimmigkeiten mit dem 1. FC Kaiserslautern nicht fortgesetzt, bis schließlich der Verein Anfang 2003 dem Unternehmen den Auftrag entzieht.
3. Juni 2003: Gründung der Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern GmbH, die zu 100 Prozent der Stadt Kaiserslautern gehört. Die Gründung der neuen Gesellschaft und der Verkauf des Fritz-Walter-Stadions sowie des Trainingsgeländes Fröhnerhof für 65 Millionen Euro sind Teil des Anfang 2003 vom Verein, dem Land, der Stadt und den Gläubigerbanken beschlossenen Sanierungskonzept.
Ende Juli 2003: Nach rund acht Monaten des Stillstands wird der Osttribünen-Ausbau von der Arbeitsgemeinschaft Walter Bau / Bilfinger+Berger fortgeführt. Zuvor konnte der FCK eine außergerichtliche Einigung im seit Ende 2002 andauernden Streit mit der Holzmann AG erzielen.
13. Dezember 2003: Beim Heimspiel gegen Schalke steht erstmals die neue Erweiterung der Osttribüne teilweise zur Verfügung. Das Dach der Tribüne ist nur im Rohbau vorhanden.
Februar 2004: Das Dach der Osttribüne ist endlich fertiggestellt.
3. April 2004: Für das Spiel gegen Bayern München ist die Osttribüne erstmals komplett freigegeben. 47.315 Zuschauer im restlos ausverkauften Fritz-Walter Stadion sorgen für einen neuen Rekord auf dem Betzenberg.
13. November 2004: Vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund kommt es zum symbolischen ersten Spatenstich für den Restausbau des Fritz-Walter-Stadions in eine WM-gerechte Spielstätte. Bestandteile des an die Arbeitsgemeinschaft "Hochtief Construction/Heberger Bau" vergebenen Auftrags sind die Erweiterung der West- und Südtribüne, die Anhebung des Südtribünendachs, der Bau des Medien- und Logenturms in den Ecken Nord-Ost und Nord-West sowie Umbauten an der Nordtribüne.
Dezember 2004: Zum Beginn der Arbeiten werden die letzten beiden Flutlichtmasten, einst weithin sichtbare Erkennungsmerkmale des Stadions, demontiert. Ihnen folgt während der Winterpause das Dach der Westtribüne. Zudem werden die Eckplätze der West- und Osttribüne zur Nordtribüne hin, die Blöcke 11 und 1a, abgerissen.
12. Februar 2005: Vor und während der Bundesliga-Partie gegen Hansa Rostock lösen Sturmböen Abschlussbleche des Dachs der Südtribüne. In der Halbzeitpause trifft eines der Bleche einen der am Mittelkreis stehenden Ordner, der sich jedoch glücklicherweise nicht schwer verletzt. Die herbeigerufene Feuerwehr sichert die restlichen Bauteile, so dass Schiedsrichter Dr. Franz-Xaver Wack die zweite Halbzeit mit sieben Minuten Verspätung anpfeift und das Spiel zu Ende geführt werden kann.
Sommer 2005: Während der Sommerpause wird die Spielfläche des Fritz-Walter-Stadions samt Rasenheizung komplett erneuert. Im Zuge der Baumaßnahmen für die WM werden Positionen der TV-Kameras wieder auf die Nordtribüne verlegt, die Medienplätze deutlich erweitert, und in der Mitte der Tribüne ein neuer Spielertunnel geschaffen, der jedoch erst im Laufe der Rückrunde zum Einsatz kommt.
25. September 2005: Das 1.200 Tonnen schwere Dach der Südtribüne wird in Einzelhüben von jeweils 28 Zentimetern um insgesamt 4,5 Meter angehoben. Der mehrmals verschobene Hubvorgang, bei dem 30 Arbeiter zum Einsatz kommen, die 16 hydraulisch gesteuerte Einzelheber und 14 Rückhalter bedienen, dauert lediglich zwei Stunden. Nach der Anhebung des Südtribünendachs vermittelt das Stadion nun wieder einen harmonischen Gesamteindruck.
2. Dezember 2005: Knapp zwei Monate nach der Dachanhebung werden Risse in der Stahlkonstruktion des Osttribünendaches entdeckt und das für den nächsten Tag angesetzte Spiel FCK gegen Eintracht Frankfurt wird abgesagt. Bis zur Neuansetzung des Spiels am 13. Dezember werden Hilfsstützen an Stelle der alten Dachstützen der Südtribüne eingebaut, die erst Ende April 2006 wieder entfernt werden. Ein ebenfalls nur als vorübergehende Lösung gedachter Pylon mit Stahlseilen ragt bis heute aus der südöstlichen Ecke des Stadiondaches.
24. Januar 2006: Mit Beginn der Rückrunde steht dem FCK im Spiel gegen Schalke 04 erstmals die volle Kapazität von 48.500 Plätzen und die zwei neuen rund 50 Quadratmeter großen Anzeigetafeln vor den Ecktürmen zur Verfügung.
6. Mai 2006: Beim letzten Heimspiel der Saison 2005/2006 ist Bayern München zu Gast und 50.574 Zuschauer füllen das bis auf den letzten Platz gefüllte Fritz-Walter-Stadion. Diese neue Rekord-Besucherzahl für Heimspiele auf dem Betzenberg wird durch eine Ausnahmegenehmigung der örtlichen Behörden, die den Verkauf von zusätzlichen Karten in den Stehplatzblöcken 6.1 bis 10.1 erlaubt, möglich.
Im Beisein der zwei noch lebenden "Lautrer Helden" Horst Eckel und Ottmar Walter wird vor dem Spiel im Eingangsbereich der Westtribüne das Denkmal für die "Helden von Bern" eingeweiht. Das vom Lautrer Bildhauer Richard Henkel geschaffene Kunstwerk zeigt die fünf FCK-Spieler Fritz und Ottmar Walter, Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich sowie Horst Eckel in der Sekunde ihres größten sportlichen Erfolgs nach dem Abpfiff in Bern, mit Blick auf den Coupe Jules Rimet.
17. Mai 2006: Der erste Bauabschnitt der dann im Endausbau größten Photovoltaikanlage auf einem deutschen Fußballstadion wird offiziell in Betrieb genommen. Zunächst befinden sich nur auf dem Dach der Westtribüne Paneele zur Stromgewinnung, die durch zusätzliche Elemente auf den Dächern der Süd- und Osttribüne zu einer Anlage mit insgesamt rund 6.000 Quadratmetern Fläche erweitert werden soll.
Juni 2006: Zwischen dem 12. und 28. Juni finden im Fritz-Walter-Stadion die Weltmeisterschafts-Vorrundenspiele Australien - Japan, USA - Italien, Paraguay - Trinidad & Tobago und Spanien - Saudi-Arabien sowie das Achtelfinale Italien - Australien statt. Jeweils 46.000 Zuschauer pilgern zu den Partien den Berg hinauf und sorgen immer für ein ausverkauftes Haus.

Das Fritz-Walter-Stadion bei der WM 2006 während eines Spiels des späteren Weltmeisters Italien; Foto: Peter Jackson
27. August 2010: Zum ersten Heimspiel nach der Bundesliga-Rückkehr gegen Bayern München finden 49.780 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion Platz. Nach insgesamt drei Ausnahmegenehmigungen in der Zweitliga-Zeit mit 50.000 und mehr Zuschauern bedeutet diese Zahl die neue offizielle Kapazität des Stadions - möglich gemacht unter anderem durch mehr Stehplätze im Gästebereich.
3. August 2017: Aufgrund kleinerer Umbauarbeiten, unter anderem am Gästefanbereich, hat sich die Stadionkapazität nochmals leicht erhöht: Bei Liga-Spielen finden nun offiziell 49.850 Besucher Platz im Fritz-Walter-Stadion, bei internationalen Spielen ohne Stehplätze reduziert sich die Kapazität auf 47.103.
März 2020 bis April 2022: Die Coronavirus-Pandemie hat Deutschland und die ganze Welt im Griff. Nicht nur im Fritz-Walter-Stadion finden beim zwischenzeitlich in die 3. Liga abgestiegenen FCK zahlreiche "Geisterspiele" ganz ohne Zuschauer und Spiele mit stark begrenzter Kapazität statt. Das 100-jährige Jubiläum des Stadions auf dem Betzenberg am 13. Mai 2020 muss ohne große Party gefeiert werden. Erst kurz vor dem Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga werden alle Pandemie-Beschränkungen aufgehoben und gleich das zweite nachfolgende Heimspiel ist gegen den 1. FC Saarbrücken mit 46.895 Zuschauern offiziell ausverkauft.
Frühjahr 2023: Aufgrund der wieder stark gestiegenen Zuschauerzahlen seit dem Wiederaufstieg in die Zweite Liga werden verschiedene Sicherheits- und Umbaumaßnahmen im Stadion durchgeführt. Um das Gedränge auf den Stehplätzen zu verringern, wird ein Zaun zwischen den unteren und oberen Blöcken eingezogen, außerdem werden vor und während der Heimspiele die Durchgänge zwischen den vier Tribünen verschlossen ("Sektorentrennung"). Auf der Osttribüne wird die Trennung zwischen Gästeblock und Heimbereich durch einen sogenannten "Löwengang" baulich neugestaltet. Hierdurch sinkt die offizielle Zuschauerkapazität leicht von 49.850 auf 49.327. Tatsächlich können nun aber wieder mehr Fans ins Stadion, wo zuvor ein seitens der Polizei angeordneter, viel größerer "Pufferblock" auf der Osttribüne die zugelassene Zuschauerzahl auf 46.895 reduziert hatte.

Auch nach über 100 Jahren ziehen am Wochenend' immer noch die Massen ins Fritz-Walter-Stadion, hier 2025 bei einem ausverkauften Zweitliga-Heimspiel mit großer Fan-Choreographie über zwei Tribünen
