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Die Ultraszene auf dem Betzenberg
Bereits in den 1980er Jahren, lange bevor der Trend bundesweit Einzug hielt, existierten in der Westkurve des Fritz-Walter-Stadions erste Züge von Ultramanie. Seien es pyrotechnische Artikel, ein großflächiges Fahnenmeer, lautstarke Trommeln oder einfach die stimmgewaltige Anfeuerung aus zigtausend Kehlen - die "Hölle Betzenberg" suchte bundesweit ihresgleichen. Geprägt wurde das Kollektiv Westkurve damals von Fanclubs wie den "Lautrer Jungs", "Hells Devils" und "Tribuna Nord", aber auch von den Hooligans der "Rot-Front" und "First Class Limburgerhof". Nach einem Besuch bei Hans-Peter Briegels neuem Verein Hellas Verona (Italien) waren die FCK-Fans im Jahr 1985 die ersten, die Rauchbomben und bengalische Feuer in deutsche Fankurven brachten.
Bei Ultras handelt es sich laut Definition "um fanatische Anhänger, deren Ziel es ist, ihren Verein immer und überall bestmöglich zu unterstützen. Neben dem akustischen Support, der von einem oder mehreren sogenannten Capos am Megafon koordiniert wird, legen Ultras viel Wert auf optische Hilfsmittel."
Mitte der 1990er Jahre, nach den großen Erfolgen unter Trainer Kalli Feldkamp und dem einhergehenden Anstieg der Zuschauerzahlen, aber auch dem allgemeinen kommerziellen Fußball-Boom, bemerkten einige engagierte Fans zunächst eine Verschlechterung der Stimmung auf "Deutschlands höchstem Fußballberg". Zu viele schweigende Besucher und immer unkreativer werdende, teilweise von anderen Vereinen kopierte Gesänge waren zwei der häufigsten Kritikpunkte. Im Sog des Fanzines "Westside Story" gründeten sich erste, kleinere ultraorientierte Gruppen wie "Devils Sups", "Pfalz Front" oder "Support Society", deren Mitglieder durch ihre Erlebnisse beim Groundhopping die Atmosphäre speziell in südeuropäischen Stadien kannten.
Im August 1998 schlossen sich diese Gruppen schließlich mit weiteren Fanszene-Persönlichkeiten und Allesfahrern zu einer Dachorganisation zusammen, der "Generation Luzifer" (GL). Nach einer holprigen Anfangsphase mit hauptsächlich jüngeren Mitgliedern wuchs die GL in den folgenden Jahren immer mehr und wurde zum Mittelpunkt der Lautrer Fanszene. Am 13. März 1999 erstrahlte vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg die erste komplett von Fans organisierte und finanzierte Choreographie in der Westkurve. Seither begleiten die Ultras, die sich teilweise selbst gar nicht als "Ultras" bezeichnen möchten, den FCK in ganz Europa, egal ob bei Heim- oder Auswärtsspielen, zu Anfangszeiten noch im Europacup oder auch im Trainingslager.
Zwischenzeitlich zählte die GL über 500 Mitglieder und sah sich in den 2000er Jahren weiter als Dachorganisation der aktiven Fans. Die im Selbstporträt genannten Hauptziele sind die bestmögliche Unterstützung des Vereins und die Stärkung des Zusammenhalts in der Fanszene. Viele spektakuläre Choreographien bestimmten seither das Bild der Fankurve, etwa die damals größte Blockfahne Deutschlands beim Pokalfinale 2003, das riesige FCK-Wappen gegen Karlsruhe 2007 oder die bewegte Choreo zum 90. Geburtstag Fritz Walters ("Für immer in Ehren: Fritz Walter und sein Stasion"), die von der Akademie für Fußball-Kultur als beste Fan-Aktion des Jahres 2010 ausgezeichnet wurde. Weil der zugehörige Preis jedoch von einer Bank gesponsort wurde, die seinerzeit auch dem heute nach Fritz Walters Weltmeister-Kollege Max Morlock benannten Stadion in Nürnberg ihren Namen aufdrückte, verzichtete die GL auf die Annahme der bundesweit beachteten Auszeichnung. In dieser Reaktion zeigt sich auch die Entwicklung, die die Ultraszene als (nicht nur jugendliche) Subkultur auch heute noch, aber vor allem in ihren Anfangsjahren gemacht hat: Im Jahr 2002 hatten die Lautrer Ultras noch an einem von Coca-Cola gesponsorten Choreo-Award teilgenommen, bei dem sie hinter Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen den dritten Platz belegten - heute und nicht erst seit 2010 undenkbar.
Im Sommer 2006 verließen einige aktive Mitglieder die GL, nachdem es bereits seit längerem zu unterschiedlichen Ansichten gekommen war. Das "Pfalz Inferno" (PI), zwischenzeitlich Sektion der GL, spaltete sich ebenso ab wie die neu gegründete "Frenetic Youth" (FY). Bei Auswärtsspielen standen die Ultras dennoch weiter grundsätzlich zusammen und auch bei Heimspielen existiert nach mehreren Umplatzierungen ein gemeinsames "Stimmungszentrum" direkt hinter dem Tor in den Blöcken 7.1 und 8.1. Zuvor hatten seit 2006 die GL und für kurze Zeit ab 2012/13 auch PI und FY in den höher gelegenen Blöcken 7.2 und 8.2 gestanden. Auf Augenhöhe zur GL hat sich mittlerweile die FY als zweite führende Ultragruppe in Kaiserslautern etabliert und trägt auch die Freundschaft zur "Horda Frenetik", den Ultras des französischen Traditionsklubs FC Metz, mit. Seitens des PI wurde seit Ende der 2010er Jahre eine Freunschaft zur "Schwaben Kompanie" des VfB Stuttgart etabliert, die mittlerweile auch von weiteren Gruppen in beiden Vereinen mitgetragen wird. Weitere Freundschaften oder Kontakte der Lautrer Ultras existieren allenfalls auf kleinerer Ebene und/oder sind über die Jahre wieder eingeschlafen, so etwa zu 1860 München ("Giasinga Buam") oder der SpVgg Fürth.
2017 gründeten Vertreter der drei großen Ultragruppen gemeinsam mit mittlerweile mehreren Dutzend weiteren FCK-Fanclubs das "Fanbündnis 1. FC Kaiserslautern". Dieses dient als Schnittstelle zwischen Ultras, Fanclubs und Fanbeirat - mit dem ganz im Gegensatz zu den Anfangsjahren längst eine sehr gute Zusammenarbeit besteht - sowie als Kommunikationsplattform bei geplanten Stadion-Aktionen oder auch bei auftretenden Problemen.
Neue Maßstäbe setzten die Betze-Ultras als mittlerweile unangefochtene Taktgeber der Fankurve nach dem schwierigen Jahren des FCK in der 3. Liga inklusive leeren Stadien während der Corona-Pandemie. Seit 2022 steigen nicht nur die Zuschauer- und Auswärtsfahrer-Zahlen wieder erheblich, sondern auch die Anzahl der Choreographien und sonstigen Stadion-Aktionen. Den vorläufigen Höhepunkt setzte die Lautrer Ultra- und Fanszene beim deutschen Pokalfinale 2024, als im Berliner Olympiastadion aus einer Vulkanlandschaft ein Roter Teufel nach oben stieg (siehe Foto oben) - ein Gänsehaut-Erlebnis, von dem alle Stadionesucher inklusive Spielern und Funktionären noch lange später schwärmten.
Im Gegensatz zu den Anfangsjahren, als die Mitgliederzahlen bei der frei zugänglichen "Generation Luzifer" auf 500 und mehr hochschnellten, sind die Kerngruppen von GL, PI und FY heute deutlich kleiner und geschlossener. Alle bieten aber Umfeld- und Fördergruppen an, in denen man die Arbeit der Ultras unterstützen und Kontakt zu ihnen knüpfen kann.
Neben den genannten gab und gibt es in den vergangenen Jahrzehnten noch einige kleinere Gruppen, die entweder im Laufe der Zeit wieder von der Bildfläche verschwanden oder heute noch existieren. Zu nennen sind hier beispielsweise die "Devil Corps" (DC), "Commando Westpfalz", "Boys Diabolo", "Kerberos" oder "Rojo Diablo".








