Fans
Fan-Initiativen rund um den Betzenberg
Die Anhänger des 1. FC Kaiserslautern sind seit vielen Jahren aktiv in Sachen Fanbelange. Schlagkräftige Slogans wie "Sitzen ist für'n Arsch", "Weg mit dem Netz" oder "Fans brauchen keine Zäune" sorgten bereits in den 1990er Jahren für Aufmerksamkeit. Teilweise in Zusammenarbeit mit Fans anderer Vereine und Gruppen wie dem Bündnis aktiver Fußballfans (BAFF) konnte so beispielsweise die komplette Versitzplatzung der deutschen Stadien bis zum heutigen Tage verhindert werden.
Nachdem die Arbeit auf fanpolitischer Ebene im Umfeld des 1. FC Kaiserslautern Anfang der 2000er Jahre etwas eingeschlafen war, gründete sich 2005 unter anderem aufgrund kontroverser Diskussionen im Forum von Der Betze brennt die Fan-Initiative "Stimmung Westkurve". Diese setzte sich zum Ziel, als Sprachrohr der FCK-Fans gegenüber dem Verein für Verbesserungen der Stimmung und der Rahmenbedingungen in der damals kurz vor dem Umbau befindlichen Westkurve einzutreten. Mit einem großen Fan-Treffen in der Nordtribüne und zahlreichen Gesprächen mit den Verantwortlichen des FCK konnten einige Optimierungen in den Bereichen "Stadionausbau" und "Stadionradio" erreicht werden. Vieles, was heute selbstverständlich erscheint, wurde rund um den WM-Ausbau 2006 in konstruktiven Treffen verhandelt: Echte Stehplätze statt der vorherigen Vario-Sitze in der Westkurve, keine Zäune mehr vor und zwischen den Blöcken oder auch das Vorsängerpodest samt Megafon-Anlage. Darüber hinaus setzte sich die Fan-Initiative "Stimmung Westkurve" für den optischen Auftritt der FCK-Anhänger ein und organisierte 200 kleine und sieben große Schwenkfahnen für die Fankurve.
Gegen Ende des Jahrzehnts besannen sich dann die Ultras ihrer Tugenden und starteten gemeinsam mit der Fankurve gleich mehrere Initiativen. Für besonderes Aufsehen sorgte dabei der Kaiserslauterer Ableger der bundesweiten Kampagne "Kein Kick vor Zwei". Neben unzähligen Stadion-Aktionen gerade in der Zweitliga-Zeit erreichte "KKvZ KL" unter anderem einen einstimmig angenommenen Antrag auf der Mitgliederversammlung 2008, wonach sich der FCK-Vorstand zukünftig bei den Verbänden DFL und DFB für fangerechte Anstoßzeiten einzusetzen habe. Fanszenen anderer Vereine nahmen sich an diesem Erfolg aus Kaiserslautern ein Beispiel und forcierten in den folgenden Jahren ebenfalls Mitglieder-Entscheide zu Anstoßzeiten oder anderen Themen.
Auch bei der um 2011 zunächst sehr vielversprechenden, am Ende aber doch am Rückzieher des DFB gescheiterten Kampagne "Pyrotechnik legalisieren - Emotionen respektieren" waren die FCK-Fans sehr aktiv. In bundesweiten Zusammenschlüssen wie "Pro Fans" (entstanden aus der um 2002 aktiven Anstoßzeiten-Initiative "Pro 15:30"), "Unsere Kurve" oder "Fanszenen Deutschlands" war die Fanszene aus Kaiserslautern über die Jahre ebenfalls mal mehr, mal weniger stark beteiligt.
Darüber hinaus gründete sich im Frühjahr 2010 der Mitglieder-Zusammenschluss "Perspektive FCK", der sich der Gestaltung des Vereinslebens verschrieben hatte, beispielsweise mit neuen Konzepten für die Fanbetreuung und die Mitgliederverwaltung. Daraus gingen für einige Jahre die später wieder abgeschaffte Fanvertretung innerhalb des FCK und auch der Satzungsausschuss zur Modernisierung der Vereinssatzung hervor. 2013 sorgte die "Perspektive FCK" für Pionierarbeit, als sie mithilfe eines Pin-Verkaufs und großer Unterstützung der Fans die erste Replik einer Meisterschale für das neugeschaffene FCK-Museum finanzierte. Andere ließen sich später von dieser Idee inspirieren, so dass mittlerweile alle vier Meisterschalen von 1951, 1953, 1991 und 1998 im Fritz-Walter-Stadion zu bewundern sind. Die versuchte Gründung einer Fanabteilung im FCK e.V. nach dem Beispiel anderer Traditionsvereine scheiterte hingegen am Widerstand der Vereinsführung. Die zunächst ebenfalls nicht durchgesetzte Kampagne zur Gewinnung neuer Vereinsmitglieder wurde hingegen viele Jahre später, ab 2022 von einem neuen FCK-Vorstand aufgegriffen und erfolgreich in die Tat umgesetzt. Die mittlerweile nicht mehr ganz so aktive "Perspektive FCK" löste sich derweil 2020 auf.
Aber auch prominente FCK'ler werden aktiv, wenn es um die Förderung ihres Vereins geht. 2003 gründete Altpräsident Norbert Thines zusammen mit den Lautrer Weltmeistern Horst Eckel und Ottmar Walter die "Initiative Leidenschaft". Zunächst ging es dabei um Spenden und Unterstützung für den FCK in finanziell und sportlich schwierigen Zeiten. Später ging die "Initiative Leidenschaft" im Verein zur Förderung des Fritz-Walter-Vereinsmuseums auf, wo ihre Mitglieder im Sinne des geistigen Erbes von Thines, Eckel und Ottmar bis heute sehr aktiv sind.
Ebenfalls mehr als nur eine Erwähnung wert: Die "Zukunftsinitiative FCK" (anfangs: "Südpfalzinitiative FCK"), die vor allem in der schweren Drittliga-Zeit der Roten Teufel von 2018 bis 2022 für Treue und finanziellen Rückhalt durch zahlreiche Kleinsponsoren sorgte. Und der "Förderverein FCK-NLZ", der sich seit 2021 dem FCK-Nachwuchs im Sportpark Rote Teufel verschrieben hat und hier insbesondere für die Kinder und Jugendlichen schon zehntausende Euro in Fußballplätze, Räumlichkeiten, Materialien, aber auch Fahrten zu internationalen Turnieren sponsern konnte. Regelmäßige Spenden erhält der NLZ-Förderverein von den Ultras, aber auch vom über 2.000 Personen starken Fanclub mitsamt angeschlossener Facebook-Gruppe "Wir sind Betze", der 2017 ebenfalls als eine Art Fan-Initiative gestartet ist: Anfangs ging es bei "WSB" nur um die Spende statt Rückforderung einer FCK-Anleihe. Mittlerweile hat die Gruppe über 100.000 Euro für gute Zwecke gesammelt und ist bei FCK-Heimspielen mit zwei Infoständen in der Westkurve und der Südtribüne aktiv.
Eine weitere wichtige Initiative im heutigen FCK-Kosmos ist das 2017 gegründete "Fanbündnis 1. FC Kaiserslautern", in dem sich über 30 aktive Fanclubs inklusive der wichtigsten Ultragruppen zusammengeschlossen haben. Im Fanbündnis werden gemeinsame Aktionen geplant und angekündigt, der Dialog unter anderem auch mit dem Fanbeirat und dem Verein vorangebracht und der Zusammenhalt in der Fankurve gestärkt.








