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Taktik-Nachlese zum Spiel Hertha-FCK

Die DBB-Analyse: Viel gewollt, nichts gekonnt

03.12.2025, 15:40 Uhr - Autor: Eric Scherer

Der 1. FC Kaiserslautern verabschiedet sich mit einer krachenden 1:6-Klatsche aus dem Pokal. In Berlin sprechen sie von der besten Leistung der Hertha seit Jahren. Der FCK darf mit Fug und Recht das andere Extrem für sich beanspruchen.

Titelfoto

Echt jetzt? Will tatsächlich noch jemand was lesen über diese Zumutung? Alla, versuchen wir, dieser Darbietung ein paar Zeilen ohne negative Emotionen zu widmen. Wird aber nicht einfach.

Fangen wir mal so an. Eigentlich hieß es ja schon nach dem Auftritt gegen Eintracht Braunschweig (0:2) am Wochenende, der sei kaum noch zu unterbieten gewesen. Wie Torsten Lieberknecht gegen Hertha BSC darauf reagieren wollte, um keine negative Dynamik entstehen zu lassen, war schon interessant. Und mutig. Und somit eines Trainers der Roten Teufel würdig. Dass deren stärkster Spieler der Fehlerteufel werden sollte, konnte der Trainer ja nicht ahnen.

Die derzeitige Personalsituation ließ nicht viel Rotation zu, das stand schon vorher fest. Der Trainer nahm nach dem Braunschweig-Desaster lediglich Mika Haas und Leon Robinson aus der Startelf, wollte damit wohl zwei Spielern, die ihre erste Saison als Vollzeit-Stammkräfte bestreiten, eine Pause gönnen. Für sie brachte er Florian Kleinhansl und Maxwell Gyamfi, der in Braunschweig gelbgesperrt gefehlt hatte. Einer für die linke Außenbahn, einer für die linke Innenverteidigung. Eins-zu-eins-Wechsel also. Dafür verschob Lieberknecht das Mannschaftsgefüge andernorts.

Sirch rechts, Kunze im Abwehrzentrum, Abiama im Sturm



Achillesferse in Braunschweig war ohnehin die rechte Abwehrseite gewesen. Drum begann Luca Sirch auf der Außenbahn, dem stärkere Defensivqualitäten zuzutrauen waren als dem gelernten Stürmer Dickson Abiama. Fabian Kunze rückte von der Sechs ins Abwehrzentrum. Ein Move, der sich schon in Niedersachsen als unglücklich erwiesen hatte. An Kunzes rechter Seite verteidigte Jan Elvedi.

Abiama dagegen durfte zu seinen Ursprüngen zurückkehren und neben Ivan Prtajin stürmen. Dahinter positionierten sich die offensiven Mittelfeldspieler Naatan Skyttä und Marlon Ritter. Semih Sahin agierte als Solo-Sechser. Somit ergab sich eine forsche 3-3-2-2-Formation, die wohl ausstrahlen sollte, dass man auf die Peinlichkeit in Braunschweig mit Selbstbewusstsein reagieren will.

Sie wollten also viel. Und konnten wenig.

Wobei es gar nicht mal schlecht begann. Schon nach zwei Minuten ergab sich eine erste gute Tormöglichkeit für die Lautrer. Sirch holte sich nach einem Flankenlauf über die rechte Seite direkt den Ball wieder, nachdem er ihn verloren hatte, spielte Kleinhansl vorm Sechzehner an, der passte halblinks auf Ritter. MR7 flankte auf den im Zentrum lauernden Prtajin. Der aber brachte aus sieben Metern nur einen schwachen Kopfball zustande. Schade. Denn gerade Prtajin kann das normalerweise besser.

Immerhin: ein vielversprechender Start. Dann aber begann der Fehlerteufel, den Abend zu dominieren.

Und dann regierte der rote Fehlerteufel

Vor dem 0:1 leistete sich Gyamfi einen haarsträubenden Fehlpass - es war nicht der erste in dieser Saison. Von der linken Abwehrseite ins Zentrum. Kein Spielmacher der Welt hätte Luca Schuler den Ball präziser in den Lauf legen können. Und der einstige Lautrer Jugendspieler durfte wieder mal gegen seinen Heimatverein treffen - die Nummer wächst sich langsam zum Trauma à la Ronny König aus.

Damit lag der FCK schon nach fünf Minuten hinten. Gegen das aktuell formstärkste Team der Liga, das zuletzt fünf Spiele in Folge gewann, ohne ein Gegentor zu kassieren. Das vor knapp vier Wochen auch auf dem Betzenberg 1:0 siegte. Und gerade in dieser Partie gezeigt hatte, dass es, wenn es in Führung liegt, sich auf diese Spielsituation besonders gut auszurichten versteht: den Gegner kommen lassen, auf die Möglichkeit zur Balleroberung warten und mit schnellen Flügeln ab nach vorne. Banales Fußball-Einmaleins eigentlich. Umso besser aber, wenn man's richtig gut kann.

Die Bestätigung folgte in Minute 20: Gyamfi unternimmt einen Vorstoß über die linke Seite, wird im Strafraum gestoppt, der Ball landet beim tief in der eigenen Hälfte lauernden Marten Winkler. Der zieht über Berlins linke Flanke einen Sprint übers fast komplette Feld an, lässt am gegnerischen Strafraum Elvedi alt aussehen, dringt in die Box ein und schiebt den Ball ins Netz.

Beim 3:0 zehn Minuten später müssen die Herthaner gar nicht mal kontern. Sie finden mit einem einfachen flachen Vertikalpass in die Tiefe den ins Lautrer Heiligtum einlaufenden Youngster Kennet Eichhorn. Der einzige „Trick“, den der von Elvedi markierte Winkler anwenden muss, um die zahlenmäßig ausreichend stehende FCK-Deckung zu düpieren, ist, sich den Ball durch die Beine laufen zu lassen.

MR7s Anschlusstreffer weckt neue Kraft - für exakt 15 Minuten

Der erst 16-Jährige Eichhorn mutiert damit zum jüngsten Torschützen in der Geschichte des DFB-Pokals. Bis zur Pause zimmerten die Gastgeber zudem noch drei weitere Bälle ans Aluminium. Auch das hätte also historisch werden können - als heftigstes Halbzeitergebnis in einem DFB-Pokal-Achtelfinale oder so.

Wenigstens sorgt Marlon Ritter mit einem Distanzschuss aus 18 Metern kurz vor dem Pausenpfiff noch für eine kleine Ergebniskorrektur, die den Seinen tatsächlich noch einmal Mut schöpfen lässt.

Die ersten 15 Minuten nach der Pause sind die ersten - und bleiben die einzigen -, in denen die Gäste wirklich konzentriert zur Sache gehen. Sie gehen endlich auch konsequent auf die zweiten Bälle, tun also das, was sie an guten Tagen auszeichnet.

Lieberknecht hat umgestellt, Elvedi die Möglichkeit genommen, weiter schlecht auszusehen, und Robinson gebracht. Der übernimmt die linke Innenverteidiger-Position, Sirch die rechte, Gyamfi das Abwehrzentrum; auf der rechten Außenbahn ackert nun wieder Abiama. Damit kehren die Gäste zu der 3-4-2-1-Formation der vergangenen Spiele zurück, wobei Skyttä öfter in den Sturm zu Prtajin aufrückt.

Nach Simonis Patzer ist endgültig alles vorbei

Diesmal aber ist es der Fehlerteufel in Pokal-Torwart Simon Simoni, der das zarte Pflänzchen Hoffnung nach knapp einer Stunde sterben lässt. Schuler darf ihm den Ball durch die Beine schieben. Nach einem erneuten Konter, vor dem die Betze-Buben in der gegnerischen Hälfte den Ball verloren und drei Berliner gegen zwei Rote den Gegenangriff vortragen durften. Schon mal was von Restverteidigung gehört?

Die finalen Treffer der eingewechselten Dawid Kownacki und Maurice Krattenmacher näher zu beschreiben, ersparen wir uns. Das wäre endgültig nicht mehr zum Aushalten.

Wem es als FCK-Anhänger tatsächlich gelang, sich angesichts dieses Treibens einen Rest Humor zu bewahren, durfte gegen Ende sogar noch einmal schmunzeln. Ritter wird von der Trainerbank ein Zettel mit neuen Instruktionen gereicht. Den entreißt ihm der des Weges kommende Kownacki kurzerhand - und studiert ihn demonstrativ so intensiv, als sei es ein womöglich kriegsentscheidender Angriffsplan, was in Betracht des Spielstandes reichlich unwahrscheinlich ist. Dann gibt er das Papier an Ritter zurück. Die Szene war irgendwo symbolisch für dieses Spiel: Hertha nahm Lautern wirklich alles aus der Hand.

Am kommenden Samstag kommt der Nikolaus - und Dynamo Dresden ins Fritz-Walter-Stadion. Bis dahin wird Torsten Lieberknecht wohl schlecht schlafen. Denn es gibt einige Nüsse zu knacken, die längst nicht so wohlschmeckend sind wie die, die der Nikolaus bringt. Jetzt droht auch noch Ivan Prtajin auszufallen, der in Berlin verletzt raus musste. Und die Abwehrsorgen werden nicht weniger: Bestenfalls kann Paul Joly auf die rechte Außenbahn zurückkehren. Jisoo weilt zur Behandlung in Brentford (England) und fällt weiter aus, sodass sich in der Innenverteidigung keine neuen Optionen anbieten.

Die großen Fragen vor Samstag

Wie bekommt man endlich den Fehlerteufel aus Gyamfi? Und vor allem: Was zum Roten Teufel ist mit Jan Elvedi los? Der 29-Jährige hat rund 160 Zweitliga-Partien auf dem Buckel, hat, seit er 2023 auf den Betzenberg wechselte, überwiegend solide Leistungen gezeigt. Nachdem die Neuzugänge Kim und Gyamfi zu Saisonbeginn gut einschlugen und Robinson leistungsmäßig einen Sprung nach vorn machte, war der Routinier im Innenverteidiger-Ranking zwischenzeitlich auf Rang 5 zurückgefallen. Die jüngsten Ausfälle haben ihn jedoch wieder in die Startelf gespült, und eigentlich müsste er heiß sein wie Frittenfett, sich seinen Stammplatz zurückzuerobern. In Berlin aber wirkte er nun zum wiederholten Mal desorientiert.

Die üblichen Grafiken bilden wir diesmal nur ab, weil's Chronistenpflicht ist. Kommentieren möchten wir sie nicht.

Hier die xG-Timeline:

xG-Timeline Hertha-FCK

Die Positions- und Passgrafik des FCK:

Passmap FCK

Die Passmap der Hertha:

Passmap Hertha

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Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2025/26: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage