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Taktik-Nachlese zum Spiel SVD-FCK

Die DBB-Analyse: Schlimmer geht's immer

08.02.2026, 13:00 Uhr - Autor: Eric Scherer

Das 0:4 bei Darmstadt 98 trifft das umformierte Team des 1. FC Kaiserslautern ins Mark. Bis zum nächsten Heimspiel muss Trainer Lieberknecht sein Personalpuzzle abermals neu zusammensetzen. Alternativen haben sich, der Abfuhr zum Trotz, durchaus angeboten.

Titelfoto

Ob sich Augenzeugen dieser Partie tatsächlich noch eine differenzierte Analyse zu diesem Auftritt antun möchten? Wir könnten es verstehen, wenn nicht - wollen sie aber dennoch anbieten.

Insbesondere, wer die Übertragung auf "Sky" verfolgt hat, dürfte sich bereits dem Urteil von FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen angeschlossen haben, der die Nicht-Leistung seines Personals schon in der Halbzeitpause zerlegte.

Keine Emotion, keine Überzeugung, Stellungsfehler und lasches Zweikampfverhalten im und vorm Strafraum, keine funktionierende Flügelverteidigung, falsches Verhalten bei gegnerischen Doppelpässen und Seitenwechseln, sogar einen Eckball ließen sie sich ins Netz köpfen, trotz dreier Innenverteidiger und eines Sechsers mit Gardemaß - stand da überhaupt ein Profiteam auf dem Platz? Und: Hatte dieses denn so etwas wie einen Plan?

Doch, ein Plan war erkennbar. Phasenweise



Sagen wir mal so: Ein Plan existierte sehr wohl. Und in den knapp 25 Minuten zwischen dem 0:1 und dem 0:2 war er auch mal zu erkennen. Da gelangen den früh anlaufenden Teufeln ein paar Ballgewinne, brachte der emsige Semih Sahin ein wenig Struktur ins Spiel seines Teams. Denn er war wieder in die Startelf gerückt, nachdem er in den Partien zuvor nur von der Bank kam. Interessanterweise für Marlon Ritter.

Den Platz im Mittelfeld, den Leon Robinson durch seinen Platzverweis gegen Elversberg in der Vorwoche freigeräumt hatte, besetzte Luca Sirch. Dafür startete Winter-Neuzugang Jacob Rasmussen als linker, Atanas Chernev als rechter Innenverteidiger. Im Prinzip also so, wie wir es in unserem Gegner-Check vermutet hatten. Im Sturm mühten sich, im Spiel eins nach Ivan Prtajins neuerlicher Verletzung, Daniel Hanslik und Naatan Skyttä.

Lautern hat Lufthoheit - außer, wenn's drauf ankommt

Sirch sollte aus seiner Achter-Rolle heraus für Tiefenläufe sorgen und die "gegnerische Statik durcheinanderbringen", wie FCK-Trainer Torsten Lieberknecht später erklärte. Er verfolgte auch, wie von uns ebenfalls vermutet, Darmstadts Taktgeber Hiroki Akiyama. Doch der smarte Japaner trennte sich meist so schnell wieder vom Leder, dass eine Attacke zu spät gekommen wäre.

Dennoch: In der besagten Phase sah das Lautrer Spiel gar nicht so schlecht aus. Auch in den Zweikämpfen hatten die Gäste gar nicht so oft das Nachsehen, wie es später - wohl unter dem Eindruck des Halbzeitergebnisses von 0:3 - dargestellt wurde. Was sich sogar statistisch belegen lässt: Die "Wyscout"-Analysten errechneten in dieser Phase eine Erfolgsquote von 57 Prozent. In den Luftzweikämpfen behielten die Pfälzer sogar bis zum Schluss die Oberhand: Sie entschieden 61 Prozent dieser Duelle für sich, meldet der "Kicker".

Dennoch: In der 45. Minute steigt SVD-Sechser Kai Klefisch nach einer Ecke von Marco Richter am Fünfer so frei und unbedrängt in die Höhe, als hätte er diesen Freiflug bei einer Tombola gewonnen. Und köpft das 3:0. "Die Krönung des Ganzen", schimpfte Hengen kurz darauf. Zu Recht. Da nämlich liegt der Hase im Pfeffer: Zweikämpfe, ob am Boden oder in der Luft, müssen zur rechten Zeit am rechten Ort gewonnen werden. Und dazu sagen Statistiken, die nur generalisierend aufs große Ganze blicken, nun mal gar nichts aus.

Frühe Gelbe Karten bremsen Kunze und Gyamfi

Denn gerade in diesem Punkt war den Betze-Buben schon früh der Zahn gezogen worden. Atanas Chernev hätte eigentlich schon nach wenigen Sekunden die Gelbe Karte sehen müssen, weil er zu spät in einen Zweikampf kam und nur den Knöchel seines Gegners erwischte. Dafür sah Kunze den Karton schon nach sieben Minuten, in Minute 38 folgte Maxwell Gyamfi. So waren zwei zentrale Defensivspieler gezwungen, fortan nur noch mit gebremstem Schaum zu agieren. Was sicher seinen Teil zur laschen Abwehrleistung beitrug, allerdings nicht allein ursächlich war.

Vor dem Führungstreffer hatte Lilien-Linksverteidiger Fabian Nürnberger seinen Vordermann Luca Marseiler in die Tiefe geschickt. Der schiebt sich vor Paul Joly, dringt in den Strafraum ein. Chernev ist nicht rechtzeitig zur Stelle, um zu übernehmen, Joly attackiert von hinten, Marseiler fällt, Schiri pfeift Elfmeter, Fraser Hornby trifft.

Das 0:2: Krasser Stellungsfehler Rasmussens

Vor dem 2:0 schlägt Darmstadts linksfüßiger Innenverteidiger Matej Maglica seelenruhig aus der hinteren Reihe einen 50-Meter-Diagonalball in Richtung des rechten Flügelspielers Richter, den der haarsträubend falsch positionierte Rasmussen unterläuft. Richter setzt Hornby ein, der dreht im Strafraum einen Kreisel, flankt flach in die Mitte. Fynn Lakenmacher vollstreckt. Gyamfi und Chernev sind in der Nähe, attackieren aber nicht.

Lakenmacher? Richtig. Darmstadts Torjäger Isac Lidberg war kurzfristig ausgefallen, so dass der 25-Jährige zu seinem ersten Startelfeinsatz in dieser Saison kam. Und mit Hornby direkt ein effektiveres Sturmduo bildete, als es Hanslik/Skyttä auf der Gegenseite waren.

Halbzeit. Gyamfi geht raus, Bassette kommt

Zur Pause musste was geschehen. Sowohl im nur noch zaghaft zur Sache gehenden Defensivblock als auch vorne. Lieberknecht brachte Stürmer Norman Bassette für Gyamfi, zog Sirch als zentralen Mann in die Dreierkette zurück.

Kurz nach Wiederanpfiff brachte ein schlimmer Patzer von SVD-Keeper Marcel Schuhen Sahin im gegnerischen Strafraum in Ballbesitz. Der die geschenkte Großchance aber ebenso wenig zu nutzen vermochte wie Skyttä. Ob ein Torerfolg die Roten Teufel genug Auftrieb gegeben hätte, um das Spiel zu wenden? Undenkbar ist das nicht, aber nicht sehr wahrscheinlich - angesichts der Geschlossenheit und des Selbstbewusstseins, das die Gastgeber ausstrahlten.

Unterm Strich erweckten die Lautrer in Hälfte zwei wenigstens den Eindruck, dass sie sich nicht abschlachten lassen wollten. Es war laut geworden in der Kabine, berichteten die Spieler später. Die Partie war jetzt ausgeglichener, obwohl sich auch dem Gegner, der mit diesem Sieg die Tabellenführung übernehmen sollte, noch die ein oder andere Großchance eröffnete, um weiter zu erhöhen. Krahl war jedoch stets zur Stelle.

Dreier-Wechsel nach 57 Minuten

Nach 57 Minuten versuchte Lieberknecht, die Seinen ein weiteres Mal zu beleben, diesmal mit einem Dreier-Wechsel. Simon Asta kam für Joly, Kenny Redondo für Fabian Kunze und Last-Minute-Einkauf Mergim Berisha für Hanslik. Jetzt ging's im 4-4-2 weiter. Berisha/Bassette als Doppelspitze, Redondo und Skyttä auf den Flügeln, Chernev und Rasmussen als Innenverteidiger.

Zwingendes kam dabei nicht viel zustande. Den Schlusspunkt setzten dann doch die Gastgeber. Marseiler luchst in letzter Linie Rasmussen das Leder ab und schiebt es an Krahl vorbei.

Womit der Däne sein Startelfdebüt vollends verkackt hatte. Bereits von seiner vorherigen Karrierestation Salzburg war ja zu hören, dass bei ihm Licht und Schatten wechseln. Oder umgekehrt. Von daher müsste er in seiner nächsten Partie nun in gleißendem Licht erstrahlen.

Der Lichtblick in all der Sch ...? Heißt für uns Bassette

Berisha, der bei seinem Einstand natürlich besonders beachtet wurde, deutete mit einer Aktion kurz vor Schluss an, was er draufhat: Annahme eines hohen Balles und Drehschuss in einer schönen, fließenden Bewegung - aber Schuhen pariert.

Für Lieberknecht war der 30-Minuten-Einsatz des zweifachen deutschen Nationalspielers am Ende "ein Lichtblick in all der Scheiße" ... Naja. Wenn, dann würden wir solches eher von der Darbietung Norman Bassettes behaupten, dessen nunmehr vierter Einsatz im FCK-Dress sein bislang auffälligster war. Hätte Berisha einmal auf ihn abgelegt, statt es selbst zu versuchen, hätte der Belgier womöglich den Ehrentreffer erzielt.

Nächsten Samstag gegen Fürth: Neustart ist angesagt

Mit dem zurückgekehrten Asta zeichnet sich zudem eine Alternative für Joly ab, der zurzeit ebenfalls nicht rund läuft. Ebenso steht Robinson wieder zur Verfügung, da er lediglich für ein Spiel gesperrt war. Dafür fehlt im kommenden Heimspiel gegen Fürth Kunze, der in Darmstadt seine zehnte Gelbe Karte sah.

Dennoch bieten sich dem Trainer einige Möglichkeiten, in der kommenden Woche das Puzzle neu zusammenzusetzen, das ihm nach den jüngsten beiden Niederlagen auseinandergefallen ist. Weder ist eine Lösung für den Ausfall Prtajins gefunden, noch sind die vier Neuzugänge der Winterpause integriert. Der Neustart, der mit Beginn der Rückrunde erfolgen sollte, ist nun auf nächsten Samstag vertagt, wenn schon der 22. Spieltag ansteht.

Rasmussen kann Aufbauspiel. Wenn nur diese Fehler nicht wären

Zu den Grafiken. Die xG-Timeline von "Wyscout" schießt den Vogel ab. 2,78 : 3,23 nach xGoals für Lautern, und das bei einem Endstand von 4:0? Ja, wenn man die FCK-Chance kurz nach der Pause und die Berisha-Aktion kurz vor Schluss derart krass überbewertet ... Zum Vergleich: Der "Kicker" hat 1,98 : 1,62 xGoals errechnet, bei "bundesliga.de" sind's 2,65 : 1,54.

xG-Timeline Darmstadt-FCK

Die Positions- und Passgrafik: Rasmussen (Nr. 14) scheint ohne Frage Qualität im Spielaufbau zu haben. Hilft nur nix, wenn er nicht aufhört, solche Fehler zu machen.

Passmap FCK

Die Passmap des SVD: Was soll man dazu groß sagen? Sieht gut aus.

Passmap Darmstadt

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