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Gegner-Check

Gegner-Check Fürth: Die Schießbude will dichtmachen

11.02.2026, 14:38 Uhr - Autor: Eric Scherer

Die SpVgg Fürth kommt. Als Tabellenletzter und als "Schießbude der Liga" gebrandmarkt. Und der 1. FC Kaiserslautern steht unter Siegdruck. Da sollte also nichts anbrennen. Oder? Abwarten. Die Franken können besser verteidigen, als die nackten Zahlen es aussagen.

Titelfoto

Foto: Imago Images

So lief's seit dem Hinspiel: Die 0:3-Heimniederlage gegen den FCK war aus Fürther Sicht natürlich extrem ärgerlich, da Abwehrspieler Noah König bereits in der ersten Minute vom Platz flog und die Zeichen damit früh auf Sieg der Gäste standen. Anlass, deshalb gleich für die komplette Restsaison schwarz zu sehen, bot die Schlappe aber nicht. Die Franken waren zuvor mit zwei Siegen und zwei Remis in die Spielzeit gestartet. In der Woche zuvor hatten sie zudem einen spektakulären 5:4-Auswärtssieg in Magdeburg gelandet. Die Elf von Coach Thomas Kleine antwortete auf die Heimniederlage dann auch prompt mit einem 3:1 in Bielefeld. Danach aber hagelte es bis zum 14. Spieltag sechs Niederlagen, dazu gelang nur noch ein knappes 1:0 gegen Münster.

Nach dem 0:3 zuhause gegen Bochum zog Sportdirektor Stephan Fürstner die berühmte Reißleine: Kleine musste gehen, der gebürtige Bad Dürkheimer Heiko Vogel übernahm. Ein Mann mit einer etwas merkwürdigen Trainer-Vita. Als Cheftrainer gewann er mit dem FC Basel (Schweiz) und Sturm Graz (Österreich) Titel, dazwischen war er bei Bayern München "nur" im Nachwuchsbereich und bei der Zweitauswahl von Borussia Mönchengladbach tätig, außerdem mal beim damaligen Drittligisten KFC Uerdingen. Nach einem erneuten Intermezzo in Basel 2023 hatte Vogel gar kein Team mehr betreut - bis jetzt. Bislang liest sich die Bilanz des wiederentdeckten Übungsleiters noch nicht berauschend: ein Sieg in sieben Spielen. Die Fürther kommen als Tabellenletzter auf den Betzenberg.



Zu beachten ist allerdings: Vor drei Wochen blieben sie beim 0:0 gegen Braunschweig erstmals ohne Gegentreffer - obwohl sie Defensivkraft Maximilian Dietz (24) bereits in der 3. Minute durch einen Platzverweis verloren. Und ihr 2:1-Erfolg bei Holstein Kiel liegt erst zwei Wochen zurück. Das Rückspiel gegen Magdeburg vergangene Woche endete abermals 5:4, diesmal aber zuungunsten des Kleeblatts. Immerhin arbeitete es sich nach einem 1:5-Rückstand noch einmal heran. Das zeigt: Wille ist in diesem Team durchaus vorhanden. Außerdem wurde der Kader in der Winterpause personell ordentlich aufgefrischt. Die Neuen sind noch dabei, in die Mannschaft hineinzuwachsen - ein Aufwärtstrend ist also zumindest verschwommen erkennbar.

Das hat sich geändert: Gleich sechsmal schlug Fürstner in der Winterpause auf dem Transfermarkt zu. Aus Kaiserslautern lieh er bekanntlich Innenverteidiger Jan Elvedi (29), der sich gegen Magdeburg bereits in die Torschützenliste eintrug - ebenso wie Sayfallah Ltaief (25), ein Leihstürmer aus Enschede. Aus Darmstadt holte man den Ex-Lautrer Paul Will (26), der seither einen festen Platz im defensiven Mittelfeld hat. An seiner Seite startete in den jüngsten Partien die 1,95-Meter-Kante Doni Arifi (23), die fest aus Finnland verpflichtet wurde. Die Offensivkräfte Keyan Varela (19) und Aiman Dardari (20), aus Genf und Augsburg geholt, kamen bislang nur als Teilzeitkräfte zum Einsatz. Dardari durfte zuletzt gegen Magdeburg erstmals von Beginn an ran.

Gewinner und Verlierer: Trotz seiner bereits 32 Lenze wäre Felix Klaus (32) eigentlich als Gewinner zu nennen: Mit sieben Treffern und sieben Vorlagen mutierte er zum Topscorer seines Teams, allerdings setzte ihn vor zwei Wochen eine Muskelverletzung matt. Gut entwickelt hat sich auch Mittelstürmer Noel Futkeu (23), der schon zehnmal traf. Gegen Magdeburg überraschte Vogel allerdings, indem er seinen Goalgetter auf die Bank setzte und Neuzugang Ltaief starten ließ.

Nach einigen Zwischenaufenthalten auf der Bank hatte sich Routinier Julian Green (30) wieder fest ins Mannschaftsgefüge integriert, doch auch ihn legen seit drei Wochen Adduktorenbeschwerden lahm. Von den für Fürther Verhältnisse teuren Neuverpflichtungen schlägt sich Aaron Keller (21) ordentlich und dürfte nach Klaus' Ausfall unverzichtbar sein. Rechtsverteidiger Lukas Reich (19) stand zuletzt nicht mehr im Spieltagskader. Nach wie vor stets dabei, aber nicht mehr so effektiv wie zu seinen Glanzzeiten ist Kapitän Branimir Hrgota (33). Der erfahrene Stürmer Dennis Srbeny (31) und der im Sommer aus Ulm verpflichtete Felix Higl (29) kommen fast nur noch von der Bank. Dazu hat das Verletzungspech die Franken schwer gebeutelt: Neben Klaus und Green fallen auch Luca Itter (27), Sacha Bansé (24) und Marco John (23) aus - zum Teil langfristig.

Zahlenspiele: Wie fast alle Trainer, die ein Kellerkind übernehmen, hat Vogel sich zum Ziel gesetzt, die Defensive zu stabilisieren. Beim Blick auf die nackten Zahlen sieht es bislang nicht so aus, als sei er dabei erfolgreich: 15 Gegentreffer in sieben Spielen, die sich mit den 32 Gegentoren aus 14 Partien unter Kleine auf 52 summieren - damit gilt der Ronhof weiterhin als Schießbude der Liga.

Wie immer lohnt sich aber ein genaueres Hinsehen. Fünf Gegentreffer fielen in den beiden ersten Partien unter Vogel in Nürnberg (2:2) und gegen Hertha (3:3) - da konnte seine Arbeit noch kaum greifen. Und fünf allein am vergangenen Freitag gegen Magdeburg; das lässt sich mit etwas Wohlwollen als "Ausreißer" betrachten. In den übrigen vier Begegnungen zeigten die Franken durchaus geordnete Abwehrleistungen.

Da es wegen des Trainerwechsels kaum Sinn ergibt, über die gesamte Saison erhobene Mittelwerte zu bewerten, lohnt stattdessen ein Blick auf konkrete Muster - etwa aus dem 2:1 in Kiel vor zwei Wochen. Dort verzeichnete Fürth nur 34 Prozent Ballbesitz, und nur bei sieben Prozent seiner Ballbesitze erreichte es den gegnerischen Strafraum. Nach xGoals gewann das Kleeblatt 1,25 : 0,72, wobei Futkeus Siegtreffer per Elfmeter fiel, was den Wert um rund 0,75 nach oben schiebt. Unterm Strich: Fürth gewann, obwohl es weniger klare Tor-Aktionen herausspielte als der Gegner - und gestattete zugleich nicht viel. Minimalismus pur. Und man kann davon ausgehen, dass Vogel sich am Betzenberg daran orientiert.

Fazit: Es geht gegen den Tabellenletzten. Und nach den jüngsten Ergebnissen - darüber gibt's an dieser Stelle nichts zu diskutieren - steht Lautern unter hundertprozentigem Siegesdruck. Wie die personellen Besetzungen aussehen könnten, lässt sich kaum vorhersagen. Heiko Vogel hat nicht zuletzt mit seinem Futkeu/Ltaief-Move vergangene Woche gezeigt, dass er für Überraschungen gut ist. Torsten Lieberknecht hat nach dem 0:4 in Darmstadt angedeutet, dass er sich diese Woche einige tiefergehende Gedanken machen will, wie es nun personell weitergehen soll. Auswahl hat er reichlich, um sich nach zuletzt vier Änderungen eine abermals deutlich durchgewechselte Startelf zusammenzupuzzeln. Allein das, was am "Bölle" von der Bank kam, könnte am Samstag auch von Anfang an auflaufen: Norman Bassette, Simon Asta, Kenny Redondo, Mergim Berisha. Und Marlon Ritter war ganz außen vor geblieben - das wird sich wohl kaum wiederholen. Mit dem Kapitän rechnen wir, sofern er fit ist, wieder in der Startelf. Außerdem kehrt Leon Robinson nach Rot-Pause zurück, während Fabian Kunze seine nächste Gelbsperre absitzt. Denkbar ist da vieles. Einigermaßen sicher dürfte nur eines sein: Die Schießbude der Liga wird alles versuchen, um hinten dicht zu machen.

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