Neuzugang-Porträt
Mergim Berisha im DBB-Porträt: Torgefährlich, beweglich und guter Schlenzer

Foto: Imago Images
Im März 2023 war er auf dem Gipfel seiner bisherigen Fußballer-Laufbahn angelangt. Der damals 24-Jährige Mergim Berisha betrat erstmals ein Spielfeld im Trikot der deutschen A-Nationalmannschaft. Der damalige Bundestrainer Hansi Flick brachte ihn in der 75. Minute der Freundschaftspartie gegen Peru für Niclas Füllkrug.
Knapp zwei Wochen zuvor hatte er in der Bundesliga seine Saisontreffer sieben und acht markiert, bei der 3:5-Niederlage des FC Augsburg gegen die von Julian Nagelsmann trainierten Bayern. Sein Gegenspieler war der französische Nationalspieler Dayot Upamecano, der schon den Besten der Welt gegenüberstand. "Mit seinen beiden Toren war Mergim gegen Upamecano erfolgreicher, als Kylian Mbappé und Lionel Messi es waren", stellte FCA-Keeper Rafal Gikiewicz hinterher fest.
Mit Fenerbahce Vize-Meister und Torschütze in der Euro-League
Der Sohn kosovo-albanischer Eltern, der in Berchtesgaden geboren ist, schien in Deutschland nun endlich durchzustarten. In Diensten des FCA stand Mergim Berisha damals allerdings nur als Leihspieler von Fenerbahce unter Vertrag, wo er mit seinen Einsatzzeiten unzufrieden war.
In der Süper Lig durfte er in der Saison zuvor nur zehnmal von Beginn an ran, traf dabei immerhin viermal und beendete die Spielzeit als türkischer Vize-Meister. Besser für ihn lief's in der Europa League, wo er gegen Eintracht Frankfurt netzte und in Antwerpen einen Treffer erzielte, der zum schönsten dieses Wettbewerbs gewählt wurde. Hier zu sehen ab Minute 1:05:
Fußballerisch ausgebildet wurde Mergim Berisha in Salzburg, das nur knapp 30 Kilometer von seinem Geburtsort entfernt liegt. Sein Profidebüt gab er beim RB-Farmteam Liefering, für das er in 41 Spielen 17 Treffer erzielte. Zudem lieh ihn der Konzernklub gern mal aus: nach Linz, nach Altach sowie - im zweiten Halbjahr 2018 - nach Magdeburg in die Zweite Liga, wo er aber nur auf ein paar Kurzeinsätze kam. Bei RB selbst kam er zwischen 2017 und 2021 auf 39 Einsätze, in denen er 16 Treffer markierte.
Aus dieser Zeit stammt das nachfolgende "Best of"-Video, das ihn nicht als klassischen Strafraumstürmer ausweist. Eher als bewegliche Spitze, die auch gerne vorbereitet. Obendrein scheint er ein Spezialist für Schlenzbälle zu sein.
Nach dem Länderspieldebüt verließ ihn das Glück
Im bayrischen Schwaben genoss er nun die Wertschätzung seines Trainers Enrico Maaßen in vollen Zügen. "Fußballerisch, aber auch privat hätte es nicht besser sein können. Ich habe Leuten, die nicht an mich geglaubt haben, gezeigt, dass ich es schaffe und ich ein guter Spieler bin", erklärte er seinerzeit, wie wohl er sich in Augsburg fühlte.
Im finalen Saisondrittel jedoch verließ ihn das Glück. Probleme mit dem Sprunggelenk zwangen ihn zu einer vierwöchigen Pause, so dass es nach einem weiteren Kurzeinsatz gegen Belgien auch zu keinen weiteren Berufungen ins Nationalteam mehr kam. Dennoch verpflichtete ihn Augsburg im Sommer 2023 fest für kolportierte vier Millionen Euro - um ihn ein paar Wochen später für 14 Millionen Euro an die TSG Hoffenheim weiterzuverkaufen. Tja, auch Geschäfte wie dieses sind in der Branche nichts Neues mehr, erst recht nicht mit Berishas damaliger Berateragentur "Rogon", von der er aber zwischenzeitlich zu "CAA Stellar" gewechselt ist.
Bei der TSG erst verletzt, dann keine Chance unter Ilzer
In Sinsheim blieb ihm das Pech treu. Die anschließende Saison endete für ihn nach zehn Spieltagen mit einem Kreuzbandriss. In der darauffolgenden Spielzeit wurde er von TSG-Coach Christian Ilzer nach nur drei Startelf-Einsätzen gegen Ende der Hinrunde aus dem Kader gestrichen und zur Ausleihe angeboten. Werder Bremen und Leeds United waren interessiert, doch Berisha zog es vor, ins vertraute Umfeld nach Augsburg zurückzukehren.
Dort aber warf ihn eine Oberschenkelverletzung zurück, so dass zwei Kurzeinsätze am Ende nicht ausreichten, um sich für eine Weiterverpflichtung oder einen anderen Klub zu empfehlen. Nach seiner Rückkehr zur TSG trainierte er nur noch mit der Zweiten Mannschaft. Christian Ilzer war mit ihm durch.
Unterm Strich also eine Last-Minute-Verpflichtung der Roten Teufel, die im ersten Moment aufhorchen lässt, bei näherer Betrachtung aber zeigt: Im Gegensatz zu den Winterverpflichtungen Atanas Chernev und Jacob Rasmussen kommt Mergim Berisha ohne Spielpraxis. Trainer Torsten Lieberknecht wird erst einmal in Ruhe austesten müssen, wie schnell er ihn wettkampftauglich bekommt. Eine zusätzliche Option für den Kader wird er aber sicherlich schnell sein.
Vergleich mit Prtajin hinkt, soll aber sein
Und ein Eins-zu-Eins-Ersatz für Prtajin ist er vom Spielertyp auch nicht. Insofern ist ein Vergleich zwischen beiden nicht ganz fair. Aber da Berishas Verpflichtung eine unmittelbare Reaktion auf die Verletzung des Kroaten ist, bietet er sich nun einmal an:
Zu erkennen ist also: Balleroberer beziehungsweise Pressingmonster sind beide nicht. Als Vollstrecker beziehungsweise Kopfballspieler ist der Neue Prtajin unterlegen. Dafür sucht er als der beweglichere Stürmer öfter das Dribbling.
Es lässt sich allerdings auch nicht leugnen: Das sind aus sämtlichen Spielzeiten erhobene Durchschnittswerte, die arg relativiert werden müssen. Die Zeiten, in denen Berisha für die Daten sorgte, die seine Werte nach oben trieben, liegen drei Jahre zurück. Man kann es aber auch positiv sehen: Wenn Lieberknecht und Co. es schaffen, Mergim Berisha auf dieses Niveau zurückzuführen, hat sich Lautern ablösefrei einen Spieler gesichert, der das Zeug zum Nationalspieler hat. Und Ivan Prtajin kam ja auch aus einem Jahr ohne Spielpraxis in die Pfalz.
FCK-Trainer Torsten Lieberknecht wird zu der Thematik in der "Rheinpfalz" wie folgt zitiert: "Man kann Ivan Prtajin und Mergim Berisha nicht miteinander vergleichen, aber in einem Punkt haben beide ihre Stärke, zeigen im und um den Strafraum herum eine sehr gute Abschlussqualität. Dort wollen wir Mergim wie zuletzt Ivan auch in Szene setzen."
Klos hatte ihn schon länger auf dem Radar
Sportdirektor Marcel Klos schätzt an Berisha dessen "gute körperliche Präsenz und sein Positionsspiel". Er sei nicht nur ein gefährlicher Torjäger, "sondern auch in der Lage, seine Mitspieler in der Offensive besser zu machen". Überdies hätte man ihn schon länger auf dem Radar gehabt - auch wenn er nun als Last-Minute-Verpflichtung kommt.
Wer ihn noch näher kennenlernen möchte: Der Abo-Sender "Dazn" hat vor zwei Jahren dieses Porträt über ihn angefertigt:
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