Gegner-Check
Gegner-Check SVE: Das Schlüsselduell heißt Kunze gegen Conté

Foto: Imago Images
So lief's seit dem Hinspiel: Niederlagen gegen die SV Elversberg treffen den Anhang des 1. FC Kaiserslautern immer hart. Für das 1:2 im Hinspiel gilt dies besonders. Zum einen, weil der Siegtreffer der Gastgeber erst in der Nachspielzeit fiel. Zum anderen, weil zu diesem Zeitpunkt noch als herrschende Meinung galt, die Lautrer hätten sich diese Peinlichkeit gegen einen potenziellen Abstiegskandidaten geleistet - nach dem brutalen personellen Aderlass, den die Saarländer im Sommer zu verschmerzen hatten. In diesem Punkt aber lag der Mainstream völlig falsch. Auf diesen Sieg folgten in den kommenden sechs Spieltagen fünf weitere - insgesamt holte die SVE von Spieltag 3 an 19 von 21 möglichen Punkten und erklomm die Tabellenspitze. Von Spieltag 10 bis zur Winterpause gab's nur noch drei Siege zu feiern, die aber genügten, um die Hinrunde auf Aufstiegsplatz 2 abzuschließen. Irgendwie haben Sportvorstand Nils-Ole Book und Trainer Vincent Wagner es geschafft, aus dem neuformierten Kader erneut ein Spitzenteam zu formen. Zum Shooting-Star avancierte Stürmer Younes Ebnoutalib (22), der in den ersten drei Partien noch von der Bank kam, sich danach aber einen festen Startelfplatz eroberte und zwölf Treffer erzielte. Die Branche reagiert auf solche Erfolgsgeschichten bekanntlich immer aufgeregter - und gnadenloser. Eintracht Frankfurt schnappte sich das Toptalent schon im Winter, als Ablöse werden acht Millionen Euro kolportiert. Und nun? Geht's den Elversbergern wie den Karlsruhern im vergangenen Winter, deren Aufstiegschancen sich nach dem Verkauf von Budu Zivzivadze brutal minimierten? Das ist nicht gesagt. Die SVE hat in den vergangenen Jahren immer wieder neu entstandene Lücken zügig und gleichwertig geschlossen. Die Ergebnisse zum Start ins neue Jahr allerdings waren wenig berauschend: 2:3 in Nürnberg, 1:1 zuhause gegen Bochum. Doch die Resultate spiegeln nicht die gezeigte Leistung wider: Bei der Niederlage in Franken fiel der entscheidende Treffer erst in der Nachspielzeit. Und gegen Bochum waren die Elversberger drückend überlegen.
Das hat sich geändert: Für Ebnoutalib verpflichteten die Elversberger David Mokwa (21), der zuletzt für die U23 der TSG Hoffenheim in der 3. Liga kickte. Dort fiel er in der Hinrunde mit insgesamt drei Treffern gar nicht mal sonderlich auf. Wagner kennt den Jungen aber aus seiner Zeit als TSG-Nachwuchstrainer und ist von ihm überzeugt. Die Laufwege, die er von seinem Mittelstürmer verlangt, habe Mokwa schneller verinnerlicht als einst Ebnoutalib - entsprechend bedachte Wagner den Neuen bereits mit Lob. Aus dem Nachwuchs des Hamburger SV kam Flügelstürmer Raif Adam (20), der in der Regionalliga Nord beachtlich Scorer-Punkte sammelte. Was seine Grundordnung angeht, ist Coach Wagner dem 4-2-3-1 treu geblieben, das schon sein Vorgänger Horst Steffen bevorzugte. In seinen Startelf-Besetzungen ergaben sich im Lauf der Hinrunde jedoch einige Verschiebungen, die so nicht zu erwarten waren.
Gewinner und Verlierer: Frederik Schmahl (23), der im Hinspiel gegen den FCK als Einwechselspieler das 2:1 markierte, ist zum Stammspieler mutiert und bildet nun mit der Hamburger Leihgabe Lukasz Poreba (25) das Duo im hinteren Mittelfeld. Amara Condé (29), den man als Nachfolger des nach Lautern abgewanderten Semih Sahin als ordnende Hand im Mittelfeld erwartet hatte, kommt seit Ende der Hinrunde nur noch von der Bank - oder gar nicht. Auf der Zehn hat Bambasé Conté (22) das Erbe von Muhammed Damar angetreten. Beide waren, beziehungsweise sind Leihgaben aus Hoffenheim. Conté erzielte bislang drei Treffer und gab fünf Vorlagen - auch diese Rechnung ging auf. Generell fällt die Leistungsdichte des Kaders auf. Auf der linken Abwehrseite sitzt dem schnellen und gut flankenden Lasse Günther (22) permanent Nicholas Mickelson (26) im Nacken, der zuletzt auch den Vorzug erhielt. Rechts ringt der Ex-FCK'ler Jan Gyamerah (30) fortwährend mit Felix Keidel (22) um einen Startplatz - Keidel kann allerdings auch links eingesetzt werden. In der Innenverteidigung starteten Kapitän Lukas Pinckert (26) und Maximilian Rohr (30) ins Jahr, doch Florian Le Joncour (30), in der Hinrunde noch Stammkraft, steht Gewehr bei Fuß. Feste Größen sind Keeper Nicolas Kristof (26) sowie Lukas Petkov (25) und Tom Zimmerschied (27), die in allen 19 Partien bislang schon beim Anpfiff auf dem Rasen standen. Der Ex-Magdeburger Jason Ceka, der sich als Alternative anbieten sollte, enttäuschte und wanderte in der Winterpause nach Dresden ab. Der Ex-Lautrer Carlo Sickinger (28) stand nur an den ersten beiden Spieltagen in der Startelf, dann nimmermehr. In Nürnberg ersetzte der junge Jarzinho Malanga (19) kurzfristig Conté und machte direkt mit einem Treffer auf sich aufmerksam.
Zahlenspiele: Mit 34 erzielten Buden stellt die SVE gemeinsam mit Darmstadt und dem FCK aktuell die stärkste Offensive der Liga. Nach xGoals hätte die "Elv" allerdings zwei mehr schießen können, Lautern dagegen fünf weniger. Ob die Schere nach Ebnoutalibs Abgang nun noch weiter auseinanderklafft? Beim 2:3 in Nürnberg lautete das xGoals-Ergebnis 2,8 : 2,58 für den FCN - das ist beachtlich und war recht knapp. Beim 1:1 gegen Bochum 1,49 : 0,5. Elversberg hätte also gewinnen müssen, traf zudem zweimal Aluminium. Da war also nicht das Fehlen eines Torjägers ursächlich, sondern schlicht und ergreifend Pech. An Spielstärke haben die Saarländer ohnehin nichts eingebüßt. 84,2 Prozent Passpräzision und durchschnittlich 54 Prozent Ballbesitz bedeuten im Liga-Vergleich die Plätze 2 und 4 - Werte, wie man sie auch aus Horst Steffens Zeiten noch kennt. Und: War Ebnoutalib wirklich ihr überragender Spieler - oder ist's nicht eigentlich Conté? Den subjektiven "Kicker"-Noten zufolge ist er der beste Feldspieler der 2. Bundesliga. Er verfügt laut DFL-Statistik mit 33,54 km/h über eine beachtliche Geschwindigkeit. Er gewinnt - erstaunlich für einen Zehner - die meisten Zweikämpfe in der Liga, wird laut "Wyscout" aber auch öfter gefoult als jeder andere. Da kann es sowohl zum Fluch als auch zum Segen werden, dass seine Wege am Samstagabend die von Lauterns Mann fürs Rustikale kreuzen: dem Gelbe-Karten-König Fabian Kunze. Einerseits ist er genau der Richtige, Conté den Schneid abzukaufen, andererseits muss er aufpassen, dass der gelbe Karton nicht mal die Farbe wechselt. Im Falle einer weiteren Verwarnung am Samstag wäre Kunze übrigens die Woche darauf beim nächsten Topspiel in Darmstadt gesperrt, denn es wäre seine zehnte. Signifikant überlegen ist der FCK den Statistiken zufolge nur in der Luft. Im Ranking der "gewonnenen Kopfbälle" stehen die Elversberger auf Platz 18, Lautern ist gemeinsam mit Schalke Tabellenführer.
Fazit: Dass es gleich zum Jahresauftakt hintereinander gegen vier Topteams geht, haben in der Winterpause viele als richtungsweisend für den restlichen Saisonverlauf angesehen. Gegen Hannover gewann der FCK glücklich mit 3:1, beim 2:2 in Schalke gab er unglücklich zwei Punkte ab. Wettbewerbsfähig gegen die Besten der Liga ist er also. Nun also Elversberg. Das ist von der Spielanlage eher mit Hannover zu vergleichen - und mit Schalke gar nicht. Auf die Rezeptur, mit der sein Team in Gelsenkirchen 87 Minuten lang bestens aussah, wird Torsten Lieberknecht also nicht noch einmal setzen können. Sondern auf die Mittel, die wir schon in früheren Beiträgen als die besten Mittel gegen Ballbesitz- und Positionsspiel identifiziert haben: mannorientiertes, hohes Anlaufen, zumindest über weite Phasen. Dass die Elversberger - das 1:1 zum Jahresabschluss gegen Münster eingeschlossen - seit drei Partien sieglos sind, ist nicht mehr als eine Momentaufnahme. An Spielstärke haben sie kein bisschen eingebüßt. Es ist also alles angerichtet für ein Topspiel am Samstagabend. Kunze gegen Conté könnte das Schlüsselduell werden.
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