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Gegner-Check

Gegner-Check FCM: Vorm Weihnachtsmann kommt der Sand(er)-Mann

17.12.2025, 15:32 Uhr - Autor: Eric Scherer

Zum Jahresabschluss empfängt der 1. FC Kaiserslautern den Tabellen-16. Also erneut eine lösbare Aufgabe gegen ein "Kellerkind"? Wie so oft trügt der Schein: Seit Petrik Sander den 1. FC Magdeburg betreut, repräsentiert dieses Team solide Liga-Mittelklasse.

Titelfoto

Foto: Imago Images

Anspruch und Wirklichkeit: Nach viereinhalb Jahren erfolgreicher Arbeit in Magdeburg wechselte Trainer Christian Titz im Sommer nach Hannover. Torjäger und Laufwunder Martijn Kaars zog es nach St. Pauli. Für ihn flossen immerhin vier Millionen Euro Ablöse, die Stammkräfte Xavier Amaechi und Mohammed El Hankouri dagegen gingen ablösefrei. Leihspieler Livan Burcu, der ebenfalls gut performt hatte, kehrte zu Stammverein Union Berlin zurück. Das klingt rein quantitativ gar nicht mal nach dem totalen Abgangs-Super-GAU. Qualitativ betrachtet aber war's einer. Dass sich unter diesen Vorzeichen der 5. Platz des Vorjahres kaum bestätigen lassen würde, dürfte den Verantwortlichen klar gewesen sein. Der 1. FC Magdeburg stand vor einer gewaltigen Zäsur. In Angriff nahm sie Sport-Geschäftsführer Otmar Schork mit Trainer Markus Fiedler vor, der sich im Nachwuchsbereich des VfB Stuttgart profiliert hatte. Nach einem schwachen Saisonstart mit nur drei Punkten aus acht Spielen und sechs Niederlagen in Folge mochte der Sportchef aber nicht mehr länger zuschauen. Fiedler musste wieder gehen, für ihn kam Petrik Sander, der zuletzt das Magdeburger Regionalliga-Team betreut hatte. Der 65-Jährige ist alles andere als ein Newcomer, hat 2007 mit Energie Cottbus sogar mal in der Bundesliga gecoacht, im Südwesten kennt man ihn zudem als langjährigen Trainer der TuS Koblenz. Sander stabilisierte das Team, indem er, so heißt es, wieder an das anknüpfte, was den FCM unter Titz ausgezeichnet hatte: gepflegter, dominanter "Ballbesitzfußball". Der war eigentlich auch von Fiedler erwartet worden, doch irgendwas hatte da nicht hingehauen. Zuletzt blieb das Sander-Team drei Mal in Folge ungeschlagen, holte sieben Punkte. Besonders hellhörig machte der Auftritt in Berlin vor zwei Wochen: Nur vier Tage, nachdem die Hertha den FCK mit 6:1 aus dem Olympiastadion schoss, landete der FCM gegen den gleichen Gegner einen 2:0-Auswärtssieg - souverän und verdient. Und beim 3:3 gegen Kiel zuletzt fiel der Ausgleichstreffer für die Störche erst in der Nachspielzeit, die beiden übrigen Gegentore nach umstrittenen Elfmeterentscheidungen. Wären diese anders ausgefallen, hätten die Mitteldeutschen stolze neun Punkte in Serie im Gepäck.



Die Neuen: Mit einer kolportierten Ablöse von einer Million Euro, die die TSG Hoffenheim einstrich, ist der Finne Luka Hyryläinen (21) teuerster Sommer-Einkauf der Magdeburger. So richtig zündete der Zwei-Meter-Mann für die Sechser-Position jedoch noch nicht, und seit Spieltag 12 fällt er ganz aus. Andere Neuzugänge drehten erst unter Sander auf: Der für Kaars auf die Schnelle verpflichtete Pole Mateusz Zukowski (24) etwa kurierte erst noch die Folgen einer Fuß-OP, seit Spieltag 13 aber ist er regelmäßig dabei, hat schon dreimal getroffen und einmal aufgelegt. Flügelstürmer Noah Pesch (20), Leihgabe aus Mönchengladbach, stand zuletzt zwei Mal in Folge in der Startelf, traf gegen Kiel. Dreimal zugeschlagen hat auch schon der Franzose Rayan Ghrieb (26), der zuletzt aber nur noch von der Bank kam und gegen Kiel gelbgesperrt fehlte. Fest etabliert hat sich bereits der zentrale Mittelfeldspieler Laurin Ulrich, den Schork aus Stuttgart leaste. Anderen Neuzugängen glückte der Durchbruch nicht oder noch nicht. Der ablösefrei aus Auxerre verpflichtete Ado Onaiwu (30) etwa spielt bereits seit dem 4. Spieltag gar keine Rolle mehr. Nick Meier (20), offensives Mittelfeldtalent aus Hannover, kam bislang ebenso nur zu Kurzeinsätzen wie der vom französischen Erstligisten geholte Kandet Diawara (25). Heidenheim-Leihgabe Maximilian Breunig (25), als Kandidat für die Kaars-Nachfolge geholt, startete nur viermal, hat aber schon zweimal getroffen. Der linksfüßige Innenverteidiger Max Geschwill (24), aus Kiel geliehen, durfte fünf Mal von Anfang an ran.

Die Formation: Sander setzt auf das 4-3-3, das Titz einst in Magdeburg etabliert hat. "Den Gegner kaputt spielen, bis die Räume aufgehen", beschrieb Baris Atik (30) gerade im "Kicker" die wiederentdeckte Spielphilosophie viel plastischer, als es das langweilige Wort "Ballbesitzfußball" ausdrückt. Apropos: Giftgnom Atik kommt mittlerweile zwar nicht mehr auf die Scorer-Werte vergangener Tage, ist aber immer noch gesetzt und präsentiert sich gerade in Spielen gegen den FCK gerne als "Pain in the Ass". Im Tor versieht weiter Dominik Reimann (28) seinen Dienst, in der Innenverteidigung dürften auch auf dem Betzenberg die erfahrenen Marcus Mathisen (29) und Tobias Müller (31) erste Wahl sein, Alexander Nollenberger (28) wird links verteidigen, rechts muss Sander umstellen: Lubambo Musonda (30) ist von seinem Heimatland Sambia zum Afrika Cup abberufen worden. Für ihn stünden der Luxemburger Eldin Dzogovic (22) oder der Ex-Lautrer Philipp Hercher (29) bereit, der in dieser Saison erst fünf Mal in die Startelf berufen wurde. Herbert Bockhorn (30) wäre auch noch da. Im defensiven Mittelfeld gibt nach wie vor Silas Gnaka (26) den Ton an, auf den Halbpositionen flankieren Ulrich und Falko Michel (24). Zwingende Gründe, den zuletzt erstarkten Dreier-Sturm Pesch-Zukowski-Atik umzubauen, gibt's eigentlich nicht. Der Schwede Alexander Ahl-Holmström (26), eigentlich erster Kandidat für die Kaars-Nachfolge, fällt seit dem 12. Spieltag wegen einer Schambeinverletzung aus. Dauerhaft verletzt fehlen auch die einstigen Stammkräfte Jean Hugonet und Daniel Heber (31). Der alte Kämpe Connor Krempicki (31) scheint von Sanders Radar verschwunden zu sein.

Zahlenspiele: In einer ab dem 9. Spieltag gerechneten "Sander-Tabelle" behauptet der FCM einen soliden 10. Rang - dies vorweg an alle, die vom FCK am Samstag einen klaren Sieg gegen einen Abstiegskandidaten fordern, weil dieser Gegner faktisch noch auf Relegationsplatz 16 steht. Keine andere Mannschaft weist so krassen Unterschied zwischen xGoals und tatsächlich erzielten Treffern auf: 18 Tore hat der FCM bislang real auf dem Konto, den errechneten Trefferwahrscheinlichkeiten zufolge müssten es über 30 sein. Von daher wundert's auch nicht, dass die Elf in dieser Liga die meisten Schüsse aufs Tor abgibt. Den "xGoals against" zufolge könnten sie allerdings auch schon drei Buden mehr kassiert haben als die 27, die in der Tabelle stehen. Aufgrund des Trainerwechsels macht es jedoch wenig Sinn, Zahlen zu betrachten, die über den Verlauf der gesamten bisherigen Hinrunde erhoben worden sind. Daher hier ein paar Daten von Magdeburgs imposantem Auswärtsauftritt in Berlin, um den Roten Teufeln die Sinne zu schärfen: 2,95 : 2,53 gewannen die Sander-Männer nach xGoals, hatten 54 Prozent Ballbesitz, spielten 84 Prozent ihrer Pässe exakt, gewannen 57 Prozent ihrer Zweikämpfe. Gut anschauen sollten sich die Roten Teufel in der Spielvorbereitung die kurze Ecke vor Nollenbergers 1:0. Nach diesem Muster haben die Magdeburger auch schon bei ihrem 2:0-Sieg gegen Münster zugeschlagen.

Fazit: Mit Braunschweig und Bielefeld traf der FCK zuletzt auf Gegner aus der unteren Tabellenhälfte, die zuvor schlecht gepunktet hatten. Einmal verloren die Betze-Buben glatt und glanzlos mit 0:2, einmal mühten sie sich gerade so zu einem 0:0. Mit Kellerkind Dresden kam ein Gegner ins Fritz-Walter-Stadion, der zuvor zwei Mal hintereinander siegreich war - und der wurde mit einem ungefährdeten 3:1 nach Hause geschickt. Darf man für Samstag also optimistisch sein? Klar darf man - Lautern stellt nach wie vor mit das heimstärkste Team der Liga und würde mit einem Sieg gegen den FCM die "Heim-Herbstmeisterschaft" vor Darmstadt und Schalke eintüten. Die Warnzeichen dürfen aber ebenso wenig übersehen werden. Das gerade erstarkte Sturm-Trio Pesch-Zukowski-Atik kann mit Tempo kontern - wie Braunschweig, wie Bielefeld. Und die Lieberknecht-Elf wird einen solchen Gegner auf dem Betze definitiv nicht so tief stehend erwarten wie vor Wochenfrist auf der Alm. Da ist konzentrierte Restverteidigung gefragt, wenn die vordere Pressinglinie überspielt wird, vor allem die Schnelligkeit von Luca Sirch, Maxwell Gyamfi und Leon Robinson gefordert. Mika Haas kehrt nach abgesessener Gelb-Sperre zurück, Paul Joly und Naatan Skyttä, die in Bielefeld ein bisschen angeschlagen ranmussten, sind nach dieser Trainingswoche hoffentlich wieder bei 100 Prozent. Also, auf zum letzten Gefecht des Jahres 2025!

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