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Neuzugang-Porträt

Finne, Freigeist, Filou - und Pokalschreck: Naatan Skyttä im DBB-Porträt

05.08.2025, 13:00 Uhr - Autor: Eric Scherer

Mit Naatan Skyttä kommt die bislang spannendste Neuerwerbung dieses Sommers zum 1. FC Kaiserslautern. Und die teuerste, an der am längsten gebaggert wurde. Der 23-Jährige hat das Potenzial, als Ideengeber im Betze-Spiel "MR7" herauszufordern.

Titelfoto

Foto: Imago Images

Und wieder kommt ein Spätstarter zum FCK. Einer, der über den "zweiten oder dritten Bildungsweg" nach oben kam, wie es Torsten Lieberknecht jüngst im großen DBB-Interview formulierte. In der vergangenen Saison beeindruckte Naatan Skyttä beim französischen Zweitligisten USL Dünkirchen. Zuvor, beim FC Toulouse, war seine Karriere empfindlich ins Stocken geraten, und das über drei Jahre hinweg. In Kaiserslautern soll es nun weiter aufwärts gehen. Ein erstes FCK-Angebot über - laut Medienberichten - 700.000 Euro hatte Dünkirchen im Juni noch abgelehnt. Mit kolportierten 1,5 bis 1,8 Millionen Euro Ablöse, die sich mit Boni auf maximal zwei Millionen erhöhen könnten, stellt er nun Lauterns teuersten Transfer seit dem Aufstieg dar. Ähnlich viel kostete vor zwei Jahren Ragnar Ache. Skyttä hat laut Medienberichten für drei Jahre bis 2028 unterschrieben.

Geboren ist Naatan Skyttä in Ylöjärvi, einer 33.000-Seelen-Stadt im Westen Finnlands. Im 14 Kilometer entfernten Tampere, beim Erstligaklub Ilves, wurde er fußballerisch ausgebildet. Sein Debüt in der höchsten Spielklasse seines Heimatlandes gab er im August 2018, noch als 16-Jähriger. In dieser Spielzeit kam er auch zu ersten Startelf-Einsätzen. Im Jahr darauf war er, obwohl noch nicht einmal volljährig, bereits Stammspieler und erzielte als offensiver Mittelfeldspieler sieben Treffer und zwei Vorlagen.

Über Finnlands U21 nach Frankreich

Im Oktober 2020 debütierte Skyttä in der U21-Nationalmannschaft Finnlands, für die er in den folgenden Jahren 29 Einsätze bestritt und beachtliche Scorer-Ergebnisse erzielte: Zehn Treffer, fünf Vorlagen. Womit der nunmehr 20-Jährige ins Visier ausländischer Späher geriet. Im Februar 2021 wechselte er nach Frankreich, zum FC Toulouse, der gerade an seiner Rückkehr in die Ligue 1 arbeitete. Gelingen sollte diese erst aber erst anderthalb Jahre später.

An seine Sturm- und Drang-Zeit in Tampere erinnert dieses schöne Highlight-Video: ein Zauberlehrling in seiner Maienblüte.

Wieso er in Toulouse nie den Durchbruch schaffte? Darüber grübeln die Südfranzosen heute vermutlich heftiger denn je. Selbst seine Mitspieler in Dünkirchen wunderten sich, nachdem sie seine Fähigkeiten schätzen gelernt hatten, etwa der international erfahrene Vincent Sasso: "Ich weiß nicht, warum Toulouse ihn hat gehen lassen", wird der Abwehrveteran in einem französischem Medium zitiert. "Ich denke, er hat das Niveau, um oben mitzuspielen."

In Toulouse war er immerhin im Pokal gefragt



Ganz so deprimierend ist Skyttäs Bilanz in Toulouse allerdings auch nicht. In der Ligue 1 kam er zwar fast nur zu Kurzeinsätzen, im französischem Pokal aber durfte er mehrmals von Beginn an ran. Von seinem 28 Minuten-Einsatz gegen den AC Ajaccio ist ein kurzes Video überliefert. Es ist interessant, gerade weil es kein Highlight-Video ist, das die besten Momente einer Saison hintereinander abspult.

In diesen "kleinen" Szenen ist schön zu sehen, wie Skyttä seinen Mitspielern entgegenkommt. Wie er sich auf engem Raum behauptet. Wie er sich nach der Ablage nach hinten um die eigene Achse dreht und nach vorne durchstartet. Aber auch, dass er Qualitäten als Balleroberer hat. Schon erstaunlich, dass er all diese Fähigkeiten erst später in Dünkirchen dauerhaft zur Schau stellen durfte. Skyttä trägt in dieser Partie die Nummer 20.

In der zweiten Jahreshälfte 2022 verlieh Toulouse ihn an den norwegischen Erstligisten Viking FK, bei dem er regelmäßig Startelf-Einsätze verzeichnete. Sein Team spielte jedoch eine äußerst schwache Halbserie, in der sie lediglich ein Ligaspiel gewann. Sein schönstes Erfolgserlebnis feierte Skytää abermals im Pokal, bei einem 1:0-Sieg über Kristiansand.

Leihe nach Odense endet mit Beinbruch

Im Februar 2023 verschickten ihn die Südfranzosen für ein halbes Jahr nach Dänemark, zu Erstligist Odense BK. Mit dem musste er sich durch die Abstiegsrunde quälen. Und hatte Pech: Als er sich im April fest im Team etabliert hatte, in drei Spielen zweimal getroffen und zwei weitere Buden vorbereitet hatte, erlitt er einen Schienbeinbruch. Der auch nach seiner Rückkehr nach Toulouse noch nicht verheilt war. Dadurch verpasste er die komplette Saisonvorbereitung und fand auch danach keinen Anschluss.

Allerdings durfte er erneut im Coupe de France auftrumpfen. Beim 3:0 gegen Drittligist Chambery gelangen ihm zwei Treffer. Auch von dieser Partie existiert ein Video. Skyttä trägt die Nummer 7.

Im Spiel um den französischen Supercup zwischen Pokalsieger Toulouse und Meister Paris St. Germain durfte Skyttä immerhin für 24 Minuten ran. Paris gewann 2:0.

Endlich: In Dünkirchen läuft's richtig rund

Im Sommer 2024 wechselte er dann aus dem Süden Frankreichs an den nördlichsten Zipfel der Grande Nation, zum USL Dünkirchen. Sein Trainer Luis Castro räumte später ein, Skyttä bis dato gar nicht gekannt zu haben. Doch der Klub fahndete nach einem offensiven Mittelfeldspieler, und nach intensiver Sichtung kam außer dem Finnen für ihn noch ein zweiter Kandidat in Frage. Skyttä erhielt schließlich den Zuschlag.

Coach Castro dürfte für deutsche Fußballfans ein unbeschriebenes Blatt sein. Der Name des Sport-Geschäftsführers von Dünkirchen allerdings wird zumindest die älteren hellhörig machen: Demba Ba, ehemaliger Nationalstürmer Senegals. Von 2007 bis 2011 schnürte er die Stiefel für die TSG Hoffenheim.

Für Skyttä, aber auch für sein Team lief es anschließend in jeder Hinsicht rund. Der Beinahe-Absteiger, der die Vorsaison auf Rang 16 beendet, mutierte zur Überraschungsmannschaft, griff oben an, schaffte es am Ende als Tabellenvierter in die Aufstiegsrunde zur Ligue 1 und scheiterte am Ende knapp mit 0:1 gegen den FC Metz.

Aufstiegsrunde und Pokalfinale

Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel war Naatan Skytää, denn die Dünkirchen-Fans bereits im September 2024 zum besten Spieler des Monats wählten. Und im Oktober gleich wieder. In insgesamt 30 Saisoneinsätzen, davon 26 von Beginn an, erzielte der Finne sieben Treffer und vier Vorlagen. Und, das scheint irgendwie typisch für ihn zu sein, er brillierte mit seinem Team einmal mehr im Coupe de France. Der Zweitligist schaffte es sogar bis ins Halbfinale, das abermals Paris St. Germain mit 4:2 gewann.

Hier das Highlight-Video zu Skyttäs überragender Saison in Dünkirchen:

"Mit ihm gewinnen wir einen technisch starken, flexiblen und torgefährlichen offensiven Mittelfeldspieler hinzu, der in seinen jungen Jahren schon viel Erfahrung auf internationalem Parkett gesammelt hat", lässt sich FCK-Sportdirektor Marcel Klos zitieren. Er sei überzeugt, dass er das Spiel der Roten Teufel "unberechenbarer" mache.

Und an dieser Stelle wird's interessant. Für "Unberechenbarkeit" am Betzenberg ist aktuell doch Marlon Ritter zuständig. Wie sagte Torsten Lieberknecht im DBB-Interview? "Für mich ist Marlon ein Freigeist, ein Filou, der Geistesblitze hat, die andere nicht haben. Der soll sich auf dem Platz austoben. Sich auch mal den Ball im Mittelfeld abholen, sich selbst in Szene setzen oder einen der Stürmer." All die genannten Attribute treffen auch auf Naatan Skyttä zu. Wie der Trainer die beiden Individualisten in einem Team vereint - das zu beobachten, wird spannend.

Skyttä und Ritter im Vergleich: Fast immer gleichauf

Vergleichen wir sie doch mal anhand einiger Zahlen, bewusst ausschließlich aus der Saison 2024/25. In der "MR7" für den FCK achtmal traf und dreimal auflegte - als Scorer liegen sie also schon mal gleichauf, wobei Ritter nach verletzungsbedingt schwacher Hinrunde vor allem in der zweiten Halbserie aufdrehte.

Skyttä verfügt auf den ersten Blick über eine höhere Passsicherheit: Laut "Wyscout" kommen 83,2 Prozent seiner Zuspiele an - bei Ritter lediglich 72,3 Prozent. Was aber auch damit zusammenhängen könnte, dass "MR7" in seinem Spiel schneller den riskanten Pass sucht. Denn was die Genauigkeit langer Bälle angeht, unterscheiden sich beide kaum - Skyttä: 53,1 Prozent, Ritter: 53,5 Prozent.

Auch ihre Qualitäten als Balleroberer ähneln sich: Ritter holt sich im Schnitt 4,68 Bälle pro Spiel, Skyttä 4,26. Der Finne kann allerdings genauer flanken: zu 42,2 Prozent präzise. Ritter: 38,5 Prozent.

Dafür lassen die Statistiker den FCK-Kapitän als den aggressiveren der beiden erscheinen: Ritter gewinnt 50,2 Prozent seiner Zweikämpfe (Skyttä: 41,2 Prozent) und 48,6 Prozent seiner Kopfballduelle (Skyttä: 23,5 Prozent). An einem Größenunterschied kann das kaum liegen. Mit 1,74 Meter ist der Finne sogar noch einen Zentimeter höher gewachsen als Ritter. Da darf der Neue also noch nacharbeiten.

Ob er bereits kommenden Samstag gegen Schalke sein Debüt im Trikot der Roten Teufel gibt? Gut möglich, gegebenenfalls als Einwechselspieler. Falls nicht, böte sich eine Woche später die ideale Gelegenheit für einen Einstand: im DFB-Pokal-Spiel gegen den RSV Eintracht. Denn Pokal kann der Neue so richtig gut.

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Weitere Links zum Thema:

- Offiziell: Naatan Skyttä wechselt von Dünkirchen nach Kaiserslautern