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Back to Glory: Lasst den Teufel langsam wachsen (Der Betze brennt)

Neuigkeiten und Pressemeldungen zum 1. FC Kaiserslautern.
Gerrit1993
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Beitrag von Gerrit1993 »

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Kummt Senf druff
Back to Glory: Lasst den Teufel langsam wachsen


Der 1. FC Kaiserslautern hat sein erstes Jahr in der 2. Bundesliga souverän gemeistert. Auch neben dem Platz ist der Stolz der Region zurückgekehrt. Ein zartes Pflänzchen, das behutsam gegossen werden sollte, findet DBB-Autor Gerrit.

Es war ein spezielles Saisonfinale auf dem Betzenberg im Mai 2023. Das Fritz-Walter-Stadion war nahezu ausverkauft, der Gegner mit Fortuna Düsseldorf ein attraktiver. Am Ende verloren die Roten Teufel deutlich mit 0:3 - die dritte Pleite in Serie. Nicht schön, ohne Zweifel. Und auch der Gesamtverlauf der Rückrunde konnte nicht zufrieden stellen. Doch egal welche Statistik, welchen Bericht, welche Warnungen einer angeblichen fehlenden Entwicklung der Mannschaft ich mir in diesen Tagen durchlas: Einfach nichts davon konnte meine innere Grundzufriedenheit und Gelassenheit vertreiben. Warum? Das ist nicht zu erklären, ohne einen Blick in die jüngere Vergangenheit zu werfen. Zu nervenaufreibend waren die Saisonfinals der vergangenen Jahre gewesen.

Mai 2021: Nach einem Jahr voller Tiefen mit Insolvenz und Fast-Abstieg in die Regionalliga - inklusive Abriss-Horrorszenarien rund um das Fritz-Walter-Stadion - schafften die Männer von Marco Antwerpen erst am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt. Der ultimative Exodus war abgewendet. Mehr nicht, aber dennoch war das zwischenzeitlich kaum noch für möglich gehalten worden. In den letzten Saisonwochen wurde trotz Geisterspielen ein enormer Spirit rund um den FCK wiederbelebt. Ein Spirit, der die Entwicklung der darauffolgenden Monate erst möglich machen sollte. So lang's in Deutschland Fußball gibt, gibt’s eben auch den FCK!

Mehr als ein Jahr später. 24. Mai 2022, circa 17:00 Uhr: Schon den ganzen Tag laufe ich auf und ab. Die Nacht war kurz, an Schlaf war eigentlich nicht zu denken. Noch etwas mehr als drei Stunden bis zum Anpfiff des Relegations-Rückspiels bei Dynamo Dresden. Schaffen wir es? Kehren wir nach vier unendlich langen und so turbulenten Jahren in die 2. Bundesliga zurück? Oder verspielen wir am Ende alles und bringen uns um den verdienten Lohn? Ich fühle mich schon jetzt leer und kaputt. Der Druck, die Anspannung der vergangenen Wochen war immens. Und so bin ich zumindest um eine Gewissheit dankbar: Heute Abend ist es vorbei. Ganz gleich, wie es ausgeht. Ich sehne mich nach einem Stück dieser Normalität. Kurz vor 19:00 Uhr steige ich die Treppen zum Betzenberg hinauf, wo ein großes Public Viewing stattfindet. Wie oft habe ich diese Treppen nach Feierabend schon zur Entspannung genommen. An diesem Tag fühlt sich jede Stufe schwer wie Blei an und der Weg scheint unendlich lang zu sein. Fast sinnbildlich für den sportlichen Weg der Männer in Rot. Genauso fühlt sich dann das Spiel selbst an. Noch nie waren 90 Minuten so lang, noch nie gegnerische Standardsituationen und Ballbesitzphasen potentiell so beängstigend wie an diesem Tag. Doch dann kommen die 59. Minute und Daniel Hanslik. Urschreie pfälzischer Glückseligkeit werden ausgestoßen, die ich wahrscheinlich mein ganzes Leben nie vergessen werde. Bei Philipp Herchers 2:0 dagegen sinke ich in mich zusammen. Von jetzt auf gleich fällt all die Anspannung der letzten Zeit ab. Schlusspfiff. "We are the Champions" erklingt. Ein Moment, den ich mir immer und immer wieder herbeigesehnt habe. Im Aberglaube, den fast jeder Fußballfan pflegt, hatte ich den Song von "Queen" immer wieder weggedrückt, wenn er durch Zufall in meine Playlist gespült wurde. Ich wollte ihn erst hören, wenn der FCK wieder einen Grund zum Feiern hätte. Jetzt war es soweit. Lautre war widder do!

Auch neben dem Platz: Der Stolz einer ganzen Region ist zurück

Was folgte war ein einziger Freudentaumel. Nicht nur während des verlängerten Partywochenendes in der Altstadt nach dem Aufstieg. Die Vorfreude und die Sehnsucht der ganzen Pfalz auf die 2. Bundesliga war nahezu an jeder Straßenecke zu spüren. Bei der FCK-Generalprobe in Pirmasens sah ich auf dem Mannschaftsbus zum ersten Mal wieder das Bundesliga-Logo mit einer Zwei prangen. Früher wäre das für mich nichts besonderes gewesen - heute platze ich beinahe vor Freude und Stolz. Und dieser Stolz war der ganzen Stadt, nein der ganzen Region anzumerken. Lief man in den vorherigen Jahren durch die Fußgängerzone oder schaute sich auf den Fußballplätzen und Schulhöfen in und um Kaiserslautern um, sah man Kinder vor allem in Trikots des BVB oder gar der verhassten Bayern. Der FCK, der einstige Stolz der Pfalz, verschwand mehr und mehr von der Bildfläche. Und wenn er dann doch mal da war, dann erntete er nicht einmal mehr Spott oder Häme - viel schlimmer noch: Mitleid. Dies hatte sich seit der Aufstiegssaison geändert und nun, wo die Roten Teufel der Drittliga-Hölle endgültig wieder entkommen waren, war auch ein Stück Identität und Selbstbewusstsein der ansonsten so gebeutelten Region wieder hergestellt. Die Pfalz lebt eben den FCK, und der FCK lebt die Pfalz. Das ist keine Binse. Jeder, der aus dieser Region kommt oder hier lebt, spürt diese Realität tagtäglich.

Demut muss mehr sein als eine Floskel

Eine Schar von Schulkindern bei öffentlichen Trainings in den Sommerferien, lange Schlangen vor dem Einlass am Betze und ein über die Saison immer wieder rappelvolles Fritz-Walter-Stadion zeigen, wie groß das Interesse am FCK wieder geworden ist. Dieses Zusammenwachsen ist neben dem sportlichen Erfolg, den der FCK in den vergangenen zwei Jahren erlebt hat, mindestens genauso wichtig. Viel mehr noch: Das eine bedingt das andere. Ohne das emotionale Feuer, ohne den Schulterschluss zwischen Verein, Fans und Region, ohne den Glauben, am Betzenberg auch das Unmögliche möglich zu machen, kann der FCK nicht erfolgreich sein. Und umgekehrt entsteht dieses Feuer nur, wenn die Roten Teufel es auf dem Platz durch Wille, Kampf und Leistung entfachen. Daher war der Auftakt gegen Hannover 96, der in guter alter Betze-Manier in der Nachspielzeit gewonnen wurde, wahrscheinlich ein Grundbaustein der erfolgreichen Zweitliga-Saison. Es sollte zugleich der Auftakt einer ganzen Reihe von Nachspielzeit-Ekstasen und Aufholjagden sein. Ob ein 3:1 nach 0:1-Rückstand in Fürth oder das fast schon legendäre 2:2 gegen Heidenheim, bei dem der spätere Zweitliga-Meister noch in der zweiten Minute der Nachspielzeit die Chance auf eine 3:0-Führung liegen ließ und schließlich die Brutalität des Betzenbergs erleben musste. Der Betze hat durch diese Erlebnisse ein Stück seiner DNA zurückerlangt und damit eine ganze Generation an Fans mit dem FCK-Virus geimpft, die den Verein nie wieder loslassen werden.

Allein unter diesem Gesichtspunkt ist die Leistung des Aufsteigers, von Thomas Hengen, der das Team zusammengestellt, und Dirk Schuster, der es geformt hat, nicht hoch genug anzuerkennen. Und sie wird auch nicht von einer punktemäßig mauen Rückrunde geschmälert. Ohne Zweifel: Eine Ergebniskrise, insbesondere in den letzten zehn Spielen der Saison darf nicht weggeredet werden. Aus ihr müssen jetzt die richtigen Schlüsse gezogen werden. Deswegen aber einen Trainer in Frage zu stellen, dessen Aufsteiger selbst in der schwachen Rückrundentabelle noch über dem Strich steht, ist mir insbesondere aufgrund der jüngsten FCK-Vergangenheit unbegreiflich.

Haben wir vergessen, wo wir herkommen? Haben wir vergessen, wie knapp wir der absoluten Höllenfahrt entkommen sind? Und haben wir wirklich schon vergessen, was wir uns vor der Spielzeit vorgenommen haben? Wer das Wort Demut in den Mund nimmt, der muss es auch in schwierigen Phasen mit Leben füllen. Stattdessen verfiel eine Minderheit schon nach den Niederlagen gegen St. Pauli und Paderborn in erste Panik. Was wäre da erst gewesen, wenn der FCK - für einen Aufsteiger ein wenig überraschendes Szenario - wirklich einmal auf einem Abstiegsplatz gestanden hätte? Und was wird sein, wenn dies vielleicht in der kommenden Saison einmal der Fall sein sollte? Aber in Traditionsvereinen wie dem FCK regieren eben oftmals die Extreme, es dann nur zwei Bewertungen: Schwarz oder Weiß. Und im Grunde macht dies ja auch die Strahlkraft aus, die im Positiven vom Fritz-Walter-Klub ausgeht, und um die uns fast ganz Fußball-Deutschland beneidet.

Wir sollten nicht vergessen, uns zu freuen

Dennoch sollten wir in diesen Tagen auch nicht vergessen, uns zu freuen. Uns zu freuen, dass wir schon in wenigen Wochen in die neue Zweitliga-Saison starten. Uns zu freuen, dass der FCK wieder die Massen begeistert, und dankbar zu sein, dass es den FCK in der Form wieder gibt, wie wir ihn alle lieben. Als kleiner David, mit dem niemand rechnet, der den großen Goliath ärgert und schließlich sogar zu Fall bringt. Und der endlich nicht mehr bemitleidet wird. Denn nicht erst seit Wilhelm Busch wissen wir: "Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung." Doch dieses Pflänzchen ist gerade erst wieder zum Leben erwacht. Wir müssen es sachte gießen und düngen, aber dürfen es nicht direkt wieder überfordern. Gelingt uns das, dann ist die Fahrt der Unzerstörbar noch lange nicht am Ende.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Gerrit Schnabel
Excelsior
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Beitrag von Excelsior »

Greife mal das letzte Bildnis bewusst überspitzt nach eigenem Gusto auf:
Im Prinzip ist das zarte Pflänzchen vor 11 bis 12 Monaten aus dem Boden geschossen, wie Bambus.
So schnell es gewachsen ist, hat es jedoch auch zuletzt aus irgendeinem Grund eine Vielzahl brauner Blätter bekommen.
"Pflegeaufgabe" ist es nunmehr, jene zu entfernen und der Ursache des "Verderbens" adäquat entgegenzuwirken.

Oder um die Metapher wieder zu verlassen: Stand heute ist dem aktuellen Kader ein gewisses Maß an Demut inhärent.
Je nach etwaig noch folgenden Investitionen wird sich aber naturgemäß eine geeignete Zielstellung für die kommende Saison erst noch herausstellen müssen.
Entwickeln sich die zukünftigen Resultate im Zeitablauf so, dass die ökonomisch plausible Zielstellung signifikant verfehlt wird, ebnet sich konsequenterweise natürlich auch im engeren oder weiteren Umfeld (zu Recht) Kritik ihren Weg ... da wird wohl auf Dauer auch keine mantraartige "Einschwörung" auf Gelassenheit helfen.
Übrigens ebenso wenig, wie eine bewusst untertriebene Zielvorgabe und stetige Beteuerung derer...

Fußball ist nun mal Sport.
Im Sport geht es stets darum, das Maximum aus sich herauszuholen.
Schafft man dies, wird man entsprechend gewürdigt.
Schafft man es nicht, sind Schulterklopfer nur noch blanker Ausdruck von Mitleid... egal, wie "lieb" sie gemeint sind oder welcher Agenda damit gefolgt wird...

Darüber hinaus aber insgesamt eine schöne Reminiszenz von @Gerrit.
flammendes Inferno
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Beitrag von flammendes Inferno »

Bambus gibt es im Pfälzer Wald nicht.
Der FCK ist eher eine kleine Eiche,die sich gegen größere
und 3 kleinere Bäume durchsetzen muß.
Sie hat aber viele Tausend Waldbewohner ,die sie unterstützen gegen Wind und Sturm, und einen guten Förster,der aufpasst ,dass sie nicht abgeholzt wird.
Kohlmeyer schrieb:Da muss man am Betzenberg leider pessimistisch bleiben. Die Geschwindigkeit, mit der auch berechtigte Kritik in üble Polemik und Unflat ausufert, wenn die Ergebnisse mal über mehrere Wochen nicht stimmen, ist nach wie vor schwindelerregend.
Lautern91
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Beitrag von Lautern91 »

Sehr schön geschrieben!
"Flammendes Inferno" Ebenfalls sehr gut ausgedrückt - da muss man nichts mehr ergänzen! :teufel2:
Ke07111978
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Beitrag von Ke07111978 »

Mal losgelöst von dem gut geschriebenen Bericht, muss ich jetzt mal was zu dem beim FCK mittlerweile inflationär gebrauchten Wort Demut loswerden:

Demut ist ein faszinierendes Wort. Dessen originäre Bedeutung ist wohl weder von Gerrit noch von Eric gemeint, denn der Demütige erkennt und akzeptiert aus freien Stücken, dass es etwas für ihn Unerreichbares, Höheres gibt.

Was wohl eher sinnvoll ist, ist ein Demutsbegriff, der sich an die Managementlehre anlehnt. Ich kopiere jetzt mal aus Wikepedia, die sich auf Ownes beziehen, ähnliche Definitionen gibt es aber von anderen. Demnach hat Demut wer
1) die eigenen Stärken und Schwächen erkennt,
2) andere dafür anerkennt, was sie tun,
3) immer lernbereit und offen ist und
4) versteht, dass er/sie nur ein kleiner Teil eines größeren Ganzen sind.

Diese Art der Demut (die weniger die Fans, als vielmehr den Verein und seine Mitarbeiter betrifft) ist immer und jederzeit essentiell und eine Grundvoraussetzung für gutes Management. Dazu gehört z.B. auch Demut vor dem Votum der Mitglieder (4) oder Demut vor den Fans, die bei Kapilendo über EUR 2,5 Mio. verloren haben (2). Oder den Fans die sich gerne an einer Fansäule beteiligen wollen.

Weiterhin heißt es, wer seine (vorgebliche) Demut zur Schau stellt, ist stolz, nicht demütig. Die Demut besteht dann nur zum Schein. Der Grat ist schmal. Wann dies der Fall ist, liegt natürlich im Auge des Betrachters.

Ich will jetzt nicht weiter in Begriffsdefinitionen abgleiten, aber das, was Eric und Gerrit fordern hat m.E. mit Demut nichts zu tun, sondern vielmehr mit einer Korrektur der Erwartungshaltung. Teile der Fans haben schlicht eine andere Erwartungshaltung oder eben eine andere Einschätzung der Stärken und Schwächen. Aus welchen Gründen auch immer.

Von diesen Leuten Demut zu fordern ist maßlos - vielmehr wäre es angebracht, sie inhaltlich zu überzeugen und somit ihre Erwartungshaltung anzupassen. Aber Demut zu fordern? Das bedeutet, ich erkenne an, dass ich nichts bewirken kann und renne einfach hinterher. Ich erkenne an, dass es was Höheres gibt. Kann natürlich sein, dass einige genau das meinen und wollen. Aber dass es genau Eric und Gerit sind, die das fordern, verwundert mich dann schon. Bzw. kann ich mir nicht vorstellen.
Zuletzt geändert von Ke07111978 am 14.06.2023, 13:40, insgesamt 1-mal geändert.
BetziLover
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Beitrag von BetziLover »

Danke Gerrit für diesen wunderbaren Bericht.
Mir ist gerade beim lesen eine Gäsehaut nach de anderen gekommen und man spürt direkt wieder die Emotionen die der FCK in einem hervorrufen.
Ein Leben ohne FCK wäre vorstellbar aber Sinnlos :teufel2:
Hans P
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Beitrag von Hans P »

Ein ganz großes Bravo, Gerrit, für diesen sehr authentischen Bericht. Gibt genau das wieder, was ich empfunden habe und immer noch empfinde. Seit meiner Jugend verfolge ich das Ab und Auf meines FCK, seit mehr als 5Jahrzehnten jetzt auch aus der Ferne. Es hat im letzten Jahr richtig Freude gemacht, die Spiele bis zum Ende zu verfolgen - das war in den Jahren zuvor nicht immer der Fall. Ich würde mir so wünschen, dass das auch künftig wieder öfter so ist. Mein Vertrauen in die Vereinsführung ist inzwischen wieder so groß, dass ich mit Zuversicht in die neue Runde schaue.
Nochmals herzlichen Dank für diesen feinen Bericht.
breisgaubetze
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Beitrag von breisgaubetze »

@Ke07111978:
Wie wäre es denn mit „Bescheidenheit „? Darin war doch Fritz Walter schon ein großer Lehrmeister. Ansonsten hast du sicher recht @ken und Demut ist tatsächlich sehr überfrachtet bzw wird fast schon inflationär benutzt, wenn :teufel2: man etwas auf dem Boden halten möchte. Aber halt auch nur eine Vokabel, die ohne Inhalt eine Phrase bleibt.
Bescheidenheit steht dem FCK „gut zu Gesicht „(wie Schuster gerne zu sagen pflegt).
Der Klügere gibt nach! Eine traurige Wahrheit, sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit.
Schulbu_1900
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Beitrag von Schulbu_1900 »

Mit dem Begriff Demut kann ich in diesem Geschäft wenig anfangen, leider. Wenn es eine Entscheidung gibt wird die umgesetzt, basta. Dann gibt es auch wenig Dankbarkeit. Ob man oder ich das gut findet oder nicht, steht da auf einem ganz anderen Papier.
Wenn man spätestens nach dem 0:0 zuhause gegen LU-Ost den Mannschaftsgeist entstehen erlebt hat und ihn in der Hinrunde gegen Hannover oder in der Rückrunde z.B. gegen Heidenheim wieder gespürt hat, dann muss man auch einen Negativtrend wahrnehmen. Ist schon ne Weile her, als der gute Elan spürbar war.
Danke für Deinen Bericht @Gerrit

Ich bin Megastolz auf das geleistete und reibe mir die Augen wie gut die Mannschaft insgesamt mitgehalten hat, war so nicht zu erwarten, mehr wäre Quatsch oder Utopie gewesen. Schade das so abrupt die Luft raus war, ist aber auch irgendwie verständlich.
Die nächste Runde in der Liga wird deutlich schwerer werden. Die Analyse und die Konsequenz aus der gespielten muss man abwarten.
Ich bin da aufgewachsen, da rutscht man automatisch rein, wenn man die Stimmung mitbekommt, weil es was großes ist, das ist Tradition.....jetzt bin ich irgendwo anders...
M.Klose Nov.24

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Lautern-Fahne
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Beitrag von Lautern-Fahne »

Demut ist wie richtig angemerkt wurde ein Wort, bei dem man sich klein macht. Man schaut zu einem anderen hinauf- sei es ein Wunder der Natur, ein legendärer König oder sonst eine übermächtige Gestalt. Ein fast schon religiöses Wort. Bescheidenheit, Vernunft, Berechenbarkeit, Überlegtes Handeln- die sollen wohl in diesem einen Ausdruck gebündelt werden. Natürlich stößt das Leuten, die breite Brust wollen erstmal sauer auf.

In unserem Fall ist es passend. Der FCK schmolz von der Überraschungsmannschaft von 1998 zu einem insolventen Drittligisten zusammen wie ein Eis in der Sonne.
Gründe gab es viele - die eigene Hybris, mit München mithalten zu wollen, welche auch den BVB in die fast Insolvenz führte. Schlechtes Management (Jäggi) paarte sich mit politische Großmannssucht (Beck) und später dann mit dem Willen eines Teils der Mitglieder, es besser machen zu wollen indem man aktiv von außen Druck macht.

Dieser Cocktail führte dazu, dass der FCK nach Schalke der heißeste Stuhl Fußballdeutschlands wurde. Manager, Spieler, Aufsichtsräte, Trainer und sogar ein Pressesprecher standen über 2 Jahrzehnte in Dauerfeuer und wurden verbrannt. Nur Anfänger und absolute Nulpen wollten bewarben sich gegen Ende noch bei Deutschlands höchst gelegenen Haifischbecken. Mit Glück und Sonderregeln zog man den Hals nochmals aus der Schlinge, startete neu- und eigentlich änderte sich bis zur Einstellung von Antwerpen nicht viel. Der AR führte einen Grabenkrieg der mit Anzeigen endete. Ein ehemaliger SD tritt -weil der AR ihn öffentlich demontierte- in einem Brief nach und enthüllt angebliche Internas. Kasperletheater. "Game of Betze". Oder in kurz: Chaos, welches ausschließlich auf persönlicher Ebene ausgetragen wurde. Man wollte einfach nur den anderen fertigmachen und sich selbst ein Podest bauen- nicht den FCK voranbringen.

Wir haben jetzt eine zweite Chance. Die Frage ist nur: was wollen wir? Wie soll der Verein arbeiten?

-Mehr "Game of Betze" mit dem Ziel, die Interessen der eigenen Lobby durchzudrücken? Zur Not mit hinterrücksen Anzeigen und einfach nur gegen Personen gerichtet? Was von vielen Vereinsgremien in einem offenen Brief kritisiert wurde? Also quasi die Zeit unter Kuntz mit Hardcore dbb Fundamentalopposition?

-Ein "Mehr an Thineszeit" mit Präsident und gallischer Dorf Mentalität wie es Remy vorschwebt? Auch in Liga 2, wenn man das Stadionproblem irgendwie löst?

-"100 Kapitalgesellschaft" mit freiverkäuflichen Aktien, was zu mehr Kapital aber auch mehr Machtkampf und definitiv Fraktionenbildung im Beirat führen würde? Der FCK ist als Kapitalgesellschaft nicht so groß, dass 5,6 gutebetuchte Fans (Investmentbanker, internationale Anwälte, Unternehmer) sich nicht bis zu 25% sichern könnten um zur Not überall ein Veto einzulegen. In Dortmund schaffte es ein einzelner Kaufmann immerhin bis zu 20% der Aktien einzusammeln. Dazu kassierte Uli Hoeness über Jahre beim aufstrebenden Konkurrenten mit. Die Chance ist natürlich, dass wir mit mehr Geld den Kader so aufgerüstet bekommen, um das Tor in Liga 1 aufzustoßen. Oder das Stadion ausgelöst bekommen.

Ich interpretiere das Verhalten der aktuellen Führung so, dass sie versuchen den Spagat zwischen diesen 3 Extremen irgendwie hinzubekommen. Einerseits rüstet man mit ausgewählten Investoren, denen man wohl ein stückweit vertraut, die Kasse auf; andererseits soll in der Satzung verankert werden, dass der sportliche Geschäftsführer den VEREINSMITGLIEDERN bei jeder JHV Bericht erstattet. Das ist für mich ein gangbarer Kompromiss- die Hauptangst bei der Ausgliederung war ja, dass das Vereinsmitglied anschließend keine Mitsprache mehr hat.
Die Fansäule scheint man zu meiden, weil man als Firma die aus der Insolvenz kommt und die Kleininvestoren um 2,5 Mio geprellt hat sowas kein zweites Mal erlauben will. Muss man nicht mögen- ich hätte gern meine FCK Aktien.

Ich denke jeder im Vereinsumfeld sollte sich ein Stück weit zurücknehmen und sich nicht als den einzigen Kenner der Wahrheit sehen. Spieler, Funktionäre, Fans- alle sollten versuchen, das Gesamtbild wieder ins Auge zu nehmen.
"Nutzt es dem FCK?" sollte bei jeder Handlung die Devise sein. Das fängt beim Reinhauen in die Tastatur an und hört bei der Leistung auf dem Platz auf. Gerne hart diskutieren aber den Gegenüber auch mal fragen "Wie kommst du eigentlich zu deinem Standpunkt?" Und wie es Ken mal richtig sagte: lasst den anderen auch mal leben.

Die Beiträge von Gerrit und Kohlmeyer interpretiere ich für mich persönlich so, dass dbb aus der Pubertät raus ist. Man startete als kleine Nische im Internet und mauserte sich zu einer der größten Quellen rund um den Betze. Zwischenzeitlich wurde die Plattform wie keine Zweite für politische Einflussnahme, das Streuen von Gerüchten, Falschaussagen und auch Hassaufrufe genutzt. Ist ein stückweit normal- die tatsächlichen Erfolge aber wohl einzigartig. Mittlerweile hat man nicht mehr die Kommentarzahlen wie zur Kuntzzeit wo nach Spielen 600+ an der Tagesordnung waren und sich nach JHVs Kommunikationsberater meldeten und versuchten zu schlichten :lol: . Aber dafür halt mehr seriöse Berichte wie den Taktikthread oder die "Uff ä Wort" Interviews.

Man ist also etwas demütiger - oder eher überlegter geworden.
"Für mich ist Schönheit, dem Gegner nicht zu geben was er will." José Mourinho

"Wir wollen keinen Schönheitspreis, sondern einfach nur punkten" Torsten Lieberknecht
ExilDeiwl
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Beitrag von ExilDeiwl »

Lautern-Fahne hat geschrieben:Demut ist wie richtig angemerkt wurde ein Wort, bei dem man sich klein macht. Man schaut zu einem anderen hinauf- sei es ein Wunder der Natur, ein legendärer König oder sonst eine übermächtige Gestalt. Ein fast schon religiöses Wort. Bescheidenheit, Vernunft, Berechenbarkeit, Überlegtes Handeln- die sollen wohl in diesem einen Ausdruck gebündelt werden. Natürlich stößt das Leuten, die breite Brust wollen erstmal sauer auf.
Hm, wie kommt man darauf, dass Demut bzw. die von Dir genannten Eigenschaften sich mit einer „breiten Brust“ beißen?

Ich versuch‘s mal zu verdeutlichen:
Ich vertrete einen Standpunkt mit Überzeugung (breite Brust). Ich untermauere meinen Standpunkt mit nachvollziehbaren Argumenten und wäge ab (Vernunft), erläutere, weshalb ich diesen Standpunkt gegenüber anderen Standpunkten als des „besseren“ sehe (Berechenbarkeit durch Nachvollziehbarkeit meiner Argumente, überlegtes Handeln) und ich stelle klar: ich kann auch daneben liegen und andere Sichtweisen können durchaus nicht nur ihre Berechtigung haben, sondern auch meiner Sichtweise gegenüber überlegen sein (Bescheidenheit).

Mit breiter Brust aufzutreten heißt in meinen Augen keinesfalls zu sagen: „ich bin der Beste / wir sind die Besten“ und auf die Kacke zu hauen (Pardon für die Wortwahl). Sondern eher auf Grundlage eines gesunden Selbstvertrauens und des Wissens über eigene Stärken, aber auch Schwächen aufzutreten. Und dann, so ist es meine feste Überzeugung (breite Brust :wink: ), dass sich breite Brust und Demut (bzw. die o.g. Attribute) nicht beißen müssen. :daumen:

Darüber hinaus habe ich hier viele gute Beiträge gelesen (auch Deiner, @Lautern-Fahne). :daumen:
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Beitrag von Block8.1-Fan »

Der Abschluss der Saison war ernüchternd, dass kann und darf man so ruhig sagen, aber es gab tatsächlich einige die schon wieder von Aufstieg und UEFA-Cup geträumt haben. Wirklich unverständlich...

Man muss, leider, den Tatsachen ins Auge sehen. Dem FCK fehlen 200-400 Mio um seinen Standortnachteil wettzumachen, Stadion rückzukaufen und zu Sanieren, den Frönerhauf endlich mal so aufzustellen wie es sich gehört und eine Mannschaft aufzustellen die überhaupt langfristig im oberen Drittel der Buli hätte spielen können. Merkt ihr selbst wie abgefahren und träumerisch das klingt.

Langfristig MUSS die Buli das Ziel sein. Aber die HSV und Schalke zeigen wie schwer ist ist da hinzukommen und auch dort zu bleiben. Hertha hat Millionen verbrannt und spielt jetzt trotzdem mit uns in Liga 2. Wir sollten den Tatsachen ins Auge sehen, Geld regiert die Welt und genau das ist das was wir nicht haben.

Das ist kein "kleinmachen" es ist der harten Fussballrealität ins Auge schauen. Die Retorten aus Leipzig, H0$$enheim, Wolfsburg, Leverkusen, etc... zerstören den Traditionsfussball und im gleichen Zuge schwimmen Sie nur auf der EU-Scheich/Investorenwelle der alle Ligen plagt. Ich erinnere mich an Drittligazeiten als einige Fans sagten "lieber Lotte oder Münster als Ho$$enheim!!"

Von Lotte und Münster sind wir, gottseidank, weitenfernt. Ein Grund mehr sich über die 2. Liga zu freuen. Karlsruhe, Hannover, Nürnberg, Braunschweig, HSV, Pauli, Schalke, Hertha das sind alles Namen von Traditionsvereinen die eine lange Buli-Geschichte mitbringen. Wir sind hier gut vertreten.

Zweite Liga.. das ist die Provinz.. würd Dortmund und Bayern wohl sagen.. aber Provinz können wir! Da kommen wir her. Das sind wir! Und damit muss ich einem Vorredner leider widersprechen - Demütig sein passt gut zu unserer Situation die wir in den nächsten Jahren ertragen müssen, um uns dann neu zu erfinden.

Zitat aus der Kariere-Bibel, ein wenig abgeändert: Ein demütiger Verein nimmt sich selbst nicht so wichtig, ist bereit seinen Fans zu dienen oder nimmt Dinge bereitwillig an, die er ohnehin nicht ändern kann. Demut ist eine Form der Genügsamkeit, Dankbarkeit und Hingabe, die zu mehr Ausgeglichenheit, Gesundheit und Lebensfreude führt.

Stück für Stück zum Glück!
Eigentlich bin ich ein Supertyp. Aber ich kann wohl auch ein richtiger Arsch sein. (Mario Basler)
ExilDeiwl
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Beitrag von ExilDeiwl »

Oha, das mit der Provinz darfst Du aber den Big City Club nicht hören lassen… :lol:
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Ke07111978
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Beitrag von Ke07111978 »

@lauternfahne
Ich finde, Du holst da viel zu weit aus. Und du machst alles an der Vergangenheit fest, die dafür eigentlich gar keine Rolle spielt. Das Thema, um das es ganz konkret geht, ist ja recht einfach auf den Punkt zu bringen: Will man mit Dirk Schuster in die nächste Runde gehen oder nicht. Dazu gab es und gibt es Diskussionen / Meinungen auf ganz verschiedenen Ebenen und diese Meinungen / Diskussionen sind keinesfalls so eindimensional, wie man das nach einigen Berichten hier teilweise meinen könnte.

Solche Diskussionen gehören zum Fußball wie der FCK in die Bundesliga :D - Scherz beiseite, diese Diskussionen sind ganz normal und nicht FCK-spezifisch. Jeder Verein, der die Wucht des FCK im Positiven entwickeln kann, kann diese auch ins Negative entwickeln - auf Schalke haben sie vor zwei Jahren Spieler rd. ums Stadion gejagt. Dresden und Bielefeld haben bei ihren Abstiegen jeweils nahezu Spielabbrüche provoziert und Frankfurt hat sich gerade von einem Trainer getrennt, mit dem sie letztes Jahr Europapokalsieger geworden sind, während der FCB seine beiden Vorstände in der Sekunde entlässt, wo das Team Deutscher Meister wird. Ich muss als Verein mit diesen Emotionen leben und sie managen - von einer total inhomogenen Masse von Fans Demut einzufordern ist in meinen Augen dagegen Bullshit.

Das bringt mich zurück zu der Trainerfrage. Diese wurde - so interpretiere ich das aktuell - von den sportlich Verantwortlichen so entschieden, dass man mit Dirk Schuster in die nächste Runde geht. Das ist ja unter anderem möglich, weil es trotz einer ganz miesen Bilanz in den letzten Spielen im Umfeld so ruhig geblieben ist. Die Kritik, egal ob sachlich oder emotional - ob am Stammtisch, im Stadion, an de Buzz, in den Foren oder in den Medien - die bleibt und der muss man sich eben stellen.

Natürlich ergibt sich daraus eine Konstellation zu Beginn der Saison, die schnell kippen kann. Denn knüpfen wir an die Leistungen der Rückrunde an, wird nicht nur das Umfeld schnell unruhiger werden, sondern eben auch der ein oder andere innerhalb des Vereins sich in seiner ggf. anders lautenden Einschätzung bestätigt sehen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich zeigen, ob wir aus der Vergangenheit gelernt haben (um nicht das Demut-Wort zu verwenden). Denn solange der FCK keine Strukturen im sportlichen Bereich geschaffen hat, um ähnlich kontinuierlich wie andere Vereine zu arbeiten, wird es schlicht immer mal wieder notwendig sein, den Trainer zu tauschen. Und da wir da eben auf externe Kandidaten angewiesen sind, bringt ein solcher Wechsel neben Chancen auch immer Risiken mit sich.

Dann nicht das Kind mit dem Bade auszukippen und alles und jeden in Frage zu stellen, das wäre eine Lehre aus der Vergangenheit. Natürlich muss sich Thomas Hengen daran messen lassen, dann einen passenden Trainer in der Hinterhand zu haben und nicht erst anfangen zu suchen, um dann nacheinander bei Meier, Frontzeck und Labbadia anzurufen - aber das traue ich ihm zu. Viel wichtiger ist es, dass man kontinuierlich daran arbeitet, die riesigen Lücken im Jugend- und Profiscouting zu schließen. Den Verein perspektivisch in die Lage zu versetzen, Trainerpositionen mal aus dem eigenen Nachwuchs zu besetzen. Wer Freiburg oder Mainz als Beispiele für kontinuierliches Arbeiten heranzieht, muss eben auch dazu sagen, dass es in diesen Vereinen 3-4 Trainer mit Pro-Lizenz im Nachwuchsbereich gibt, die seit Jahren im Verein arbeiten, diesen und seine Spielphilosophie perfekt kennen und sofort im Profibereich übernehmen könnten. Wir haben mit Uwe Scherr genau einen Pro-Lizenz-Inhaber außer Schuster (OK - Hengen hat sie auch und könnte selbst trainieren ) und unser Oberliga Trainer hat sich gerade mit desaströsen Ergebnisse zum Ende der Saison verabschiedet. Mal wieder. Der FCK hat zu seinen erfolgreichsten Zeiten die kompletten Talente im Südwesten aufgesaugt wie ein Schwamm - und das Ganze bei sehr überschaubaren Investitionen. Diese Zeiten sind vorbei und werden auch nicht wiederkommen. Entsprechend muss hier massiv in die Infrastruktur investiert werden, um überhaupt mal wieder auf Augenhöhe zu kommen. Mainz und Hoffenheim haben in den letzten Jahren locker das 5-10 Faches des FCK in Scouting und Jugendarbeit investiert. Das NLZ des HSV hat Otto bezahlt - über EUR 10 Mio. Investment.

Was ich damit verdeutlichen will: Wir als Verein müssen uns entscheiden, wo wir strategisch hinwollen. Wollen wir ein Verein werden wie Paderborn, Heidenheim, Darmstadt, Fürth oder Bochum, der sich in Liga 2 mehr recht als schlecht über Wasser hält und ab und zu mal an die Tür zu Liga 1 anklopft oder wollen wir wieder ein Erstligist werden, der dort konkurrenzfähig über mehrere Jahre mitspielen kann. Ich lasse jetzt mal bewusst das Stadion Thema außen vor und auch die Frage außen vor, was denn die Investoren wollen, die uns schon signifikat Kohle gegeben haben, sondern stelle nur mal die Frage in den Raum: Wer wollen wir sein?

Und sowohl Gerrit als auch Eric tun so, als könnten sie das für alle Fans beantworten bzw. fordern von denjenigen, die vermeintlich „mehr“ wollen Demut ein. Mit welchem Recht? Das ist unangemessen, weil z.B. einige, die ich kenne, einer Ausgliederung nur zugestimmt haben, um wieder oben anzugreifen. Möglichst schnell. Anteile abgeben, das Geld nehmen und wieder oben angreifen. Das war die Rationale. Auch hier will ich bewusst nicht sagen, was richtig oder falsch ist (das sind sowieso die falschen Kategorien dafür) sondern schlichtweg sagen, dass es bis heute keinerlei konkrete Kommunikation seitens des Vereins dazu gibt.

Ich brauche keinen Bericht zur sportlichen Lage sondern ich will wissen, wo wir mit dem Verein hinwollen. Wo wollen wir wieviel investieren, welche Ziele werden damit verfolgt etc. Dann kann ich als Mitglied auch beurteilen, ob ich mit der Arbeit der Verantwortlichen zufrieden bin oder nicht. Das wird aber nicht - wie bei der Ausgliederung versprochen - transparent kommuniziert, sondern auf einer Hinterzimmer HV der KGaA festgelegt. Ich will also die Vorteile eines Mitgliederverein, den Leuten das Gefühl geben, Teil eines großen Ganzen zu sein, gebe ihnen aber tatsächlich null, null Einblick und Mitbestimmung. Ich degradiere die treusten der Treuen zu reinen Konsumenten, die nun EUR 220,- für ne Dauerkarte in der West bezahlen sollen, während z.B. Eintracht Frankfurt seinen Mitgliedern einen signifikanten Rabatt gewährt und Bundesligafussball für EUR 133,- ermöglicht (regulär 190,-). Ich verhalte mich wie Hoffenheim oder Wolfsburg oder Leverkusen und wundere mich dann, dass ich bei Teilen der Fans genau dieselbe Erwartungshaltung bekomme?

Viele Leute konsumieren FCK. Wir haben bald eine AOMV zur Satzungsänderung. Da werden keine 200 Mitglieder sein, weil es den meisten mittlerweile scheissegal ist. Da wird ein bisschen nach rechts und links verschoben, der Vorstand des eV darf zwar in den Beirat, hat aber keine Stimme etc. Letztlich wurden alle wesentlichen Änderungen im Vorfeld geschreddert. Weil man eben den closed Job im Hinterzimmer aufrechterhalten möchte.

Entsprechend wird auch weiterhin ein erlauchter Kreis von 5-10 Personen ein Hoheitswisssen darüber haben was der Plan für den FCK ist und wie die Mittel eingesetzt werden für die die Mitglieder ihre Anteile hergegeben haben bzw. über wieviel wir überhaupt reden (verkürzt Darstellung, um es deutlich zu machen).

Ich brauche mich also nicht zu wundern, dass die Erwartungen ins Kraut schiessen und von Abstiegskampf 2. Liga bis in zwei Jahren Mittelfeld in Liga 1 alle Erwartungshaltungen im Lostopf sind. Ich muss nicht nur damit leben - sondern ich nehme es bewusst in Kauf. Denn ich könnte das durch mein eigenes Handeln und meine eigene Kommunikation ganz schnell ändern. Stattdessen erzähle ich was von Demut, weil wir vor 3 Jahren unter völlig anderen finanziellen Vorraussetzungen gegen den Abstieg aus Liga 3 gespielt haben.
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