Ich zitiere mal aus den Beiträgen unter dem Interview von Markus Merk und nehme auf beide Interviews Bezug
Rheinteufel2222 hat geschrieben:
Merk und die aktuellen Funktionsträger haben die Insolvenz gerade nicht abgewendet.
Das ist der entscheidende Punkt. Allerdings würde ich in der Ableitung eine andere Schlussfolgerung ziehen. Denn der eV ist faktisch insolvent. Wer Rainer Kessler zugehört hat, weiß das.
Das Verschieben von Schulden von A nach B, von der Kapitalgesellschaft in den eV war nämlich gerade keine Sanierung. Auch wenn alle das immer beteuert haben. Man muss sich nur die Interessen eines Sachwalters oder eines Restrukturierungsgeschäftsführers vor Augen führen. Die mussten per Definition die Belange der KGaA optimieren.
Wenn man sich die Argumente, die im Rahmen des Investorenprozesses ins Land geführt wurden, anschaut, fällt einem auf, wie sich vieles in Luft auflöst, was damals als ausschlaggebend für den gewählten Weg benannt wurde. Bei allen Argumenten gegen die Folgeinsolvenz des eV. Sie wäre richtig gewesen. Ein bescheidener, langfristiger Wiederaufbau, der den Verein mehr als eine Perspektive für ein weiteres Jahr gibt. Der Treibsand, auf dem alles gebaut wurde, heißt mal wieder: „Wir wollen den sportlichen Erfolg erzwingen / erkaufen“. Wir stehen schon wieder mit dem Rücken zur Wand, laufen aber durch die Gegend wie das Hoffenheim der dritten Liga und verpflichten Spieler, die man sich eigentlich gar nicht leisten kann. Wir gebären und entwickeln uns mehr wie Uerdingen - nicht wie Union Berlin.
Es war die Chance da, die Strukturen des Vereins zu vereinfachen. Uns wieder auf das zu fokussieren, was den FCK ausmacht. Ein klar geführter Verein mit einem starken Präsidenten und Beisitzern. Der Aufsichtsrat des FCK wurde mal installiert, als eine Art Expertengremium. Leute wie beispielsweise Hans-Peter Briegel, sollten Expertise einbringen und einen Vorstand des eV unterstützen.
Heute wählen wir einen Aufsichtsrat, der sich dann einen handverlesenen Vorstand des eV zusammenstellt, dessen Aufgabe es ist, möglichst keine eigene Meinung zu entwickeln. Wenn ich richtig gezählt habe, haben wir in den letzten zwei Jahren 7 Vorstände im eV verschlissen.
Diese Aufsichtsräte werden dann in einen Beirat entsandt, der das eigentliche neue Machtzentrum darstellt. Denn er kontrolliert die Geschäftsführung der Kapitalgesellschaft. Eine Kapitalgesellschaft, die ja allerdings wiederum selbst einen Aufsichtsrat hat. Der sollte eigentlich von Investorenvertretern besetzt werden. Das finden die aber gar nicht spannend - man will viel lieber in den Beirat. Denn da spielt ja die Musik. Also gründe ich die Saar-Pfalz Invest Gesellschaft und beteilige mich über dieses Vehikel, damit ich doch in den Beirat komme. Alles legitim, aber kilometerweit entfernt von dem, was man den Fans und Mitgliedern bei der Ausgliederung mal versprochen hat. Vielleicht formell korrekt, aber wenig identitätsstiftend.
Den Fan und auch das gemeine Mitglied hat man zu diesem Zeitpunkt schon längst verloren. In Summe hat man über 25 Positionen geschaffen die (teilweise personenidentisch) zu besetzen sind. Bei einem Drittligisten! Viele der Vereine, gegen die wir spielen, haben weniger Angestellte im Verein, als wir Organmitglieder. Und was man aus dem Interview von Markus Merk jetzt heraushört, ist die Unzufriedenheit in dieser Struktur aufgerieben zu werden. Aber ein Aufsichtsrat ist eben kein Geschäftsführer. Und öffentliche Kritik an diesem in dieser Form?
Ich kann den Frust über die Struktur verstehen: Aber dann hätte ich sie eben ändern müssen! Ben Remy und mir wurde eine AOMV zur Satzungsänderung hin zu einem Präsidialsystem in die Hand versprochen. Doch passiert ist nichts. Stattdessen hat man zugelassen, dass im In-vestorenprozess ein Keil zwischen den eV und die Kapitalgesellschaft getrieben wurde. Statt die beginnende Entfremdung zu stoppen, wieder zusammenzuführen, was zusammengehört, ist alles noch weiter auseinandergezogen worden. Eigene anwaltliche Vertreter, die die Interessen des eV in der Insolvenz wahren und vertreten, waren nicht gewünscht.
Warum soll ich heute noch Mitglied im eV sein? Worauf kann ich denn noch Einfluss nehmen? Was ist denn noch idenditätsstiftend? Dass mit meinen Mitgliedsbeiträgen die Schulden zurückgezahlt werden, die die Kapitalgesellschaft eigentlich übernommen hatte? Während Investoren sich an einem schuldenfreien KGaA beteiligt haben? Den nächsten Aufsichtsrat wählen, der als Bittsteller in den Beirat geht und dem dort erzählt wird, was er zu tun und zu lassen hat? Meine Einlage bei Kapilendo - die ich wider besseres Wissen zur Verfügung gestellt habe - hat sich nahezu in Luft aufgelöst, aber die regionalen Investoren haben nach wie vor ihre Anteile und ihre Einlagen? An einer entschuldeten KGaA. Und ich soll jetzt mit meinen Mitgliedsbeiträgen einen Teil genau dieser Schulden bezahlen? Ich wäre sogar bereit dazu, wenn ich wenigstens ein bisschen das Gefühl hätte, dass noch etwas FCK übrig ist. Aber so?
Wir beschweren uns ernsthaft über eine Berichterstattung, die unsere Transfers als Wettbewerbsverzerrung anprangert, machen aber gerade genauso weiter wie vor der Insolvenz? Schreiben ungedeckte Schecks in der Hoffnung, dass sie schon irgendjemand bezahlt? Laufen weiter mit horrenden Schulden im eV durch die Gegend ohne einen Plan, wie wir diese jemals bezahlen können? Der eV und die KGaA brauchen Geld. Das wird wohl keiner geben außer den regionalen Investoren. Was dann übrig bleibt, ist das, wovor viele bei "Dubai" soviel Angst hatten - eine Übernahme und nichts anderes. Die KGaA und somit der eV hängt am finanziellen Tropf der Saar Pfalz Invest - und die bestimmt die Musik. Was wurde nicht getönt: Wir können dann in der zweiten Liga die Aktien teurer verkaufen. Die nächste Saison ist im Fall der Fälle auch finanziert. Erfolgreiche Investorengespräche.
Was hat man Herrn Nardi und Herrn Dienes erzählt? Hat man ernsthaft geglaubt, man zerschlägt die DNA des Vereins, man macht das Gegenteil von vielem, für was der Verein mal gestanden hat und alle schauen lächelnd zu und klatschen Beifall? Vereine wie Union Berlin, wie Holstein Kiel, wie Freiburg, diese Vereine zeichnet eine familiäre Atmosphäre aus. Ein gemeinsames Anpacken. Das Einbinden der Fans und Mitglieder. Man gibt den Menschen, auch den Angestellten und Spielern, das Gefühl, Teil eines gemeinsamen großen Ganzen zu sein. Jeder der will, kann helfen und er bekommt auch das Gefühl, dass man ihn braucht. Natürlich nehmen auch ein Zingler oder ein Langness (Kiel, Eigentümer Famila) Einfluss auf die Vereinspolitik. Und natürlich heißt es auch dort irgendwo Geld gegen Einfluss. Aber ihnen ist es gelungen, den Verein, den eV, mit auf die Reise zu nehmen.
Ich habe Rainer Keßler und Markus Merk auch unterstützt und gewählt, weil ich mir verspro-chen habe, dass sie wieder zusammenführen, was zusammengehört. Das sie den Verein, den eV, an oberster Stelle sehen und eigene Ambitionen und eigene Eitelkeiten zurückstellen. Wenn ich mir anschaue, in welcher Geschwindigkeit sich unser Aufsichtsrat zerlegt hat, muss ich leider sagen: Das ist nicht gelungen. Ich will niemanden absprechen, dass er nicht 100% FCK ist - und erst recht nicht, dass er das Beste für den Verein will. Aber gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.
Die Insolvenz war nicht nur die Chance, unseren Verein von Schulden zu befreien, sondern sie war vor allem auch die Chance, ihn von seinen Querelen, von seinen Plagegeistern zu befreien und ihm wieder eine identitätsstifftende DNA zu geben. Ein Selbstverständnis, an dem sich eine FCK-Familie orientieren kann. Keine hohlen Phrasen oder Videos. Jörg Wilhelm, der nur drei Monate Mitglied in unserem Verein war, hatte das besser erkannt, als viele die schon seit Jahrzehnten Mitglied sind. Er war bestimmt kein Heiliger. Und er hat Fehler gemacht. Aber wir als Verein haben eine Hexenjagd zugelassen, in der es nicht mehr um Sachargumente ging. Es ging nur noch darum, einen zu beseitigen, der ein paar Vereinsgranden auf die Füße getreten war. Ob er damit Recht hatte oder nicht, war nicht mehr aus-schlaggebend. Den Pyrrhus-Sieg kann man jetzt betrachten. Und die nachgeholte Insolvenz des eV ist mit Sicherheit keine Option. Natürlich wäre eine Folgeinsolvenz des eV riskant gewesen. Aber es wäre der aufrichtige Weg gewesen. Es ging nie um "Dubai" oder "die Regionalen". Es ging darum, dass man einen Weg geht, der dem Verein, dem eV, das lässt, was ihn ausmacht. Wir haben ihn zu Rudis Resterampe gemacht - oder besser gesagt zur Resterampe der KGaA.