Sorry, aber mir ist das zu uninspiriert.
Viele Ecken, keine Tore -> mehr kopfballstarke Spieler.
Viele Chancen auf dem Papier -> ein neuer Mittelstürmer.
Viele Kontergegentore -> ein Zweikampf- und Kopfballstarker 6er (und, was Hillmann hier mal ausnahmsweise unerwähnt gelassen aber an anderer Stelle angemerkt hat: eine schnellere Besetzung der Innenverteidigung).
Fazit: Alles nur ein Qualitätsproblem! Und das Beste: Im Zweifelsfall reichen tatsächlich die berühmten 2-3 Verstärkungen – ein IV der Geschwindigkeit mitbringt, ein 6er der abräumt und unsere Kopfballstärke bei Standards erhöht, ein Mittelstürmer der die Dinger alle reinmacht und ebenfalls bei Standards den Kopf hinhält.
Nicht falsch verstehen: Das ist an sich alles nicht falsch – aber halt am Ende doch nur das Prinzip Flickschusterei.
Was, wenn die gezählten Chancen der letzten Saison vielleicht in der Regel auch nicht sooo dicke waren weil wir oft schon in wenig aussichtsreicher Position abschließen mussten weil wir nicht hinter die Abwehr gekommen sind? Dann kann auch der Isländer nix machen, und alles schimpft in ein paar Monaten über Thiele 2.0 (der diese Saison oft genauso arm dran war).
Was, wenn man bei Ecken auch in Liga 3 mehr machen muss als nur hoch rein Chippen und auf einen der Leuchttürme hoffen? Dann diskutieren wir in ein paar Monaten wieder warum der Neuzugang aus Würzburg – wie diese Saison Bergmann –, der es doch "eigentlich kann" bei uns so glücklos ist.
Und was, wenn wir uns die Konter regelmäßig über außen fangen? Dann müssen wir wieder fix auf Viererkette und doppelte Außen stellen. Im 4-4-2 ist im Spielaufbau kein Platz für einen reinen Abräumen auf der 6, und unser Schlüsseltransfer ist der nächste qualitativ hochwertige zentrale Mittelfeldspieler der teuer auf der Bank versauert.
Aber hey, dann heißt es nach der Saisonanalyse wieder "wir wissen jetzt wo die Qualität fehlt", nächstes Jahr dann zwei starke Außenverteidiger, ein Standardspezialist und
zwei kopfballstarke Mittelstürmer.
Wozu also erst das große Ganze denken und dann runterdeklinieren, wenn man doch auch so schön an was rumdoktern kann das schon im Ansatz nicht funktioniert.
Ich weiß, die "Faustregel" in Liga 3 lautet physisch starke Spieler holen, mit Mentalität verteidigen – und wer das besser hinkriegt kann auf Standards hoffen bzw. – wenn man's ganz, ganz gut macht – den ersten Platz im Umschaltspiel belegen. Ich weiß, damit ist das Spiel von Karlsruhe in der letzten Saison (und mit wenigen Ausnahmen auch das von Osnabrück) recht gut beschrieben. Aber diesen Ansatz verfolgen eben 70-80% der Teams in dieser Liga (was eben auch heißt das gut 14 Teams mit diesem Ansatz leer ausgehen). Für mich ist es durchaus einen Hinweis wert, dass die zwei Überraschungsteams der letzten Saison aus Halle und Wehen – und mit letzteren das einzige Team dass im letzten Saisondrittel stabil Siege eingefahren hat und eine der wenigen Mannschaften die dann auch in der Relegation mal mit dem höherklassigen Team mithalten konnte – nicht so bieder aufgetreten sind, sondern jeweils auch ein echtes Spielkonzept hatten. Halle mit eher ligauntypischen, spiel- und dribbelstarken offensiven Außenspielern die zudem im Verbund oft extrem hoch pressen durften, Wehen mit sehr variablem Offensivspiel, das meist nur um einen klassischen Stürmer gebaut war.
Insofern sei auch nicht hinterm Berg damit gehalten was mich an dem Interview so enttäuscht:
Dafür dass Sessa "absagt" kann Hildmann nichts. Aber angesichts der schon fast unzähligen Gerüchte zu Spielern die meist sowohl auf der 10 als auch auf dem Flügel spielen können in den letzten 2 Wochen hatte ich die große Hoffnung, dass Hildmann was wagt und auf ein variables Offensivspiel statt auf Schema F setzt. mMn hätten wir mit einem 4-2-3-1 oder 4-3-3 die besten Chancen in dieser Liga etwas Eigenständiges auf die Beine zu stellen. Ein 4-4-2? Meinetwegen, wenn's sein muss - aber dann nur mit einem pressingstarken Halbstürmer, zwei verkappten 10ern auf den Mittelfeldaußen und offensivstarken Außenverteidigern. Mit einer Raute im 4-4-2 gehst Du in dieser Liga unter, ein "klassisches" 4-4-2 – wie das was wir das erste Drittel der letzten Saison gespielt haben – ist wieder viel zu statisch um aktiv das Spiel an sich zu reißen. Daher lieber eine Wuseltruppe vorne um den "Wandspieler" herum und ein Ansatz der es erlaubt hoch zu stehen ohne die Außen komplett aufzumachen (read: Viererkette). Dazu passte auch das Gerücht mit dem Außenverteidiger für beide Seiten der noch geholt werden sollte.
Und jetzt?
4-4-2 als Ausgangspunkt und 3-5-2 als Option. Praktisch die letzte Rückrunde, nur mit vertauschter Regel und Ausnahme. Wie gesagt, man muss das gar nicht an den System-Zahlen festmachen. Aber für mich ist das als Taktikansage zusammen mit den Aussagen zur Transferplanung wieder ein Scheitern mit Ansage.
Was hätte einer wie Sessa im 4-4-2 gemacht? Okay, vielleicht auf Außen stellen. Aber im 4-2-2-2 brauchst Du für Flankenläufe offensivstarke Außenverteidiger. Wir haben Schad als halbwegs sichere Bank (obwohl der bei allem Lob hinten noch einiges verbessern kann), Sternberg als jemanden der im Einzelfall mal stark, in der Regel bisher meist blass spielt – und dahinter gar nichts mehr. Eine Formschwäche, Verletzung oder Sperre und wir sind zum Umstellen gezwungen. D.h. unser "Default" soll wieder ein System sein, in dem unsere technisch besten Spieler gar keinen richtigen Platz haben.
Na und, dann halt 3-5-2! Hey, da kann man den gesuchten 10er und Bergmann wenigstens richtig zum Einsatz bringen. Dafür fehlt in dem System auf jeder Seite ein Außenspieler, weshalb wir dann entweder defensiv gut stehen oder offensiv was reißen. Weder Schad noch Sternberg sind solche Ausnahmespieler dass die beides unter einen Hut kriegen würden. Und bei Formschwäche, Sperre, Verletzung? Stellen wir wieder einen Offensivspieler auf die Außenbahn, was dann bedeutet dass 3 richtige Innenverteidiger (ehrlich, es schaudert mich jedes Mal wenn ich das nur schreibe) komplett hinten gebunden sind und die Außen bei Kontern trotzdem nicht zu bekommen. Kurz: Ich mag das 3-5-2 nicht. Entweder Du hast absolute Ausnahmespieler auf den Außen, einen spielstarken Innenverteidiger der die 6 übernehmen kann, einen 6er der dann nach vorne schiebt und Bälle verteilen kann, kreative zentrale Mittelfeldspieler die den Raum zwischen 10 und Flügel bespielen können und die taktische Intelligenz im Verbund um damit nicht grandios ausgekontert zu werden – oder Du bist eben ein Drittligist, der das alles mit maximal solidem Personal versucht und dann entweder hinten offen ist oder de facto Fünferkette und ein System ohne offensive Außen spielen muss.
Was also machen?
Wie schon gesagt: mMn müsste man mindesten noch einen Außenverteidiger holen. Am besten einen für links der mehr als nur ein Back-Up ist. Wenn vor ihm noch jemand spielt kann z.B. auch Fechner mal rechts hinten helfen.
Die Analyse mit der robusten 6 finde ich richtig. Aber nur, wenn man das macht um damit genug Sicherheit zu schaffen um davor ein schnelles und variables Offensivspiel zu ermöglichen, nicht in einem 4er-Mittelfeld, in dem dann wieder die 8 und zwei Außen alleine daran verzweifeln die zwei gut gedeckten Stürmer freizuspielen. Also: 4-2-3-1 (wie Wehen letztes Jahr im Schlussspurt) oder 4-3-3.
Wandspieler? Ebenfalls gerne! Aber der muss dann mehr Leute einsetzen können als einen einzigen Sturmpartner. Im 4-4-2 sind die offensiven Außen schnell draußen gebunden, gerade gegen kompakte Gegner. Aber der Wandspieler muss möglichst mehrere Optionen zum Ablegen haben – sonst wird das recht einfach verteidigt. Mehrere Stationen gibt es aber nur im Zusammenspiel mit spielstarken Spielern in der Zone (10er oder dribbelstarke Außen). Also das nächste Argument pro 4-2-3-1.
Und das wichtigste? Auf der 10 und den Außen Spieler die technisch stark sind, gute Pässe spielen und auch mal rochieren können. Pick ist da durchaus solide, der neue Würzburger passt auch ins Schema (Hemlein und Zuck natürlich überhaupt nicht, aber die sind ja wohl auch auf dem Abflug). Nur bräuchte man davon halt nochmals einen, besser 2.
Heißt?
mMn müsste das Anforderungsprofil für Zugänge folgende Positionen umfassen:
- 1 schneller Innenverteidiger (hier wäre der Cottbusser schon altersbedingt nicht meine erste Option gewesen, aber grundsätzlich passt das, muss ja auch im Budget sein)
- 1 Außenverteidiger mit absolutem Stammplatzpotential (gerne für beide Seiten, aber den suchen nunmal fast alle, also mit Prio für die linke Seite)
- ein 6er der zweikampf-, lauf- und kopfballstark ist und im besten Falle den Ball noch einigermaßen sicher auf die 8 oder die 10 bringen kann.
- insgesamt 3 technisch starke, trickreiche Spieler für eine offensive Dreierreihe hinter dem Mittelstürmer (der Würzburger passt wie gesagt schonmal, aber da man mit Bergmann für die 10 und Pick für Außen nur zwei weitere geeignete Spieler hat sollten da noch 2 dazukommen und diese dann möglichst variabel einsetzbar sein).
- 1 Stürmer der Bälle festmachen kann, auch mal nen hohen Ball bekommt und vor allem auch als einzige Spitze funktioniert (Kühlwetter kann das [noch?] eher schlecht als recht, Thiele muss selbst eingesetzt werden und wäre eher was für Spiele in denen wir umschalten müssen, bei Huth stellt sich noch die Qualitätsfrage; Spalvis wäre da eine tolle Lösung, aber...).
Insgesamt also erstmal alles gar nicht soweit weg von der aktuellen Einkaufsliste. Aber die Tatsache, dass man gar nichts mehr über Außenverteidiger hört, der Sessa-Transfer erstmal ersatzlos geplatzt ist und auch die ganzen anderen Gerüchte um potentielle Spieler für eine offensive Dreier-Reihe im Mittelfeld (Firat & Co.) erstmal abgekühlt sind waren für mich erste Warnsignale. Dass jetzt auch noch Hildmann den erneuten Wechsel zwischen 4-4-2 und 3-5-2 ankündigt lässt aus diesen Warnsignalen für mich nun schrillende Alarmglocken werden.
Ein 4-4-2 bräuchte mMn andere Zugänge um den statisch-lahmen Quatsch den wir in der letzten Hinrunde gespielt haben nicht zu wiederholen. Dann bräuchten wir noch eine spielstarke hängende Spitze und (abermals) Außenverteidiger.
Das 3-5-2 wiederum ist für mich – so lange man nicht das Spitzenpersonal oberer Ligen hat – dazu verdammt entweder als offenes Scheunentor oder als Defensivtaktik zu enden.
Schade – aber die Transferphase läuft ja noch eine Weile, bisher haben wir auch noch keinen "falschen" fürs 4-2-3-1 geholt. Vielleicht kommt ja da oben noch irgendjemand auf den Trichter sich mal mit Hildmann hinzusetzen und die Systemfrage nochmals durchzugehen. Vielleicht das ein oder andere Wehen-Spiel aus dem Saisonfinale anmachen. Hohes Pressing, ein kompaktes System ohne Pressing-Lücken Außen oder im Zentrum, ein technisch sicheres, passstarkes offensives Mittelfeld.
Wenn man's so macht muss man nach einem möglichen Aufstieg auch nicht wieder die Spielkultur komplett von Null aufbauen. Soll Paderborn und anderen ja auch schon geholfen haben
