Vorweg: ich halte es für nicht sinnvoll, die Ultras kollektiv zu verdammen. Was diese Jungs&Mädels für unseren Verein auf die Beine stellen, ist absolut Wahnsinn.
Auf der anderen Seite kann ich durchaus auch manche (auch heftige) Reaktionen nachvollziehen. Denn auch innerhalb der Ultra-Gruppierung(en) sollte man nicht vergessen, dass die West- und Südkurve und der FCK auch aus anderen Anhänger besteht, die vielleicht nicht alle Ansichten und Verhaltensweisen teilen wollen und schon gar nicht akzeptieren, dass dort auch in ihrem Namen gesprochen wird.
Aber insgesamt handelt es sich um ein interessantes Interview, gerade zu einigen wichtigen Themen. Was mir überhaupt nicht gefällt ist die Tatsache, dass es anonym geführt wird. Spricht dort einer der FY, sprechen dort mehrere?
Ein anonymes Interview, indem noch dazu für andere, auch nicht der Gruppe Zugehörige, gesprochen wird, finde ich schwierig, ganz unabhängig davon, wie ich die einzelnen Aussagen bewerte. So bekommt das schnell - gerade wenn es um die Vereinsführung und den eigenen Verein geht - einen unaufrichtigen Charakter. Und das ist sehr, sehr schade, weil ich es dann schnell schwer wird, die Aussagen ernst zu nehmen.
Oder habe ich die Namen nur überlesen??
Zum Inhalt:
Wichtig für uns ist jedoch, dass wir durch die massiven Repressionen noch weiter zusammengerückt sind. Auch der Letzte hat nun verstanden, dass die Polizei nur das ausführende Organ ist, dass die Probleme aber auf höherer Ebene und in der Gesellschaft allgemein liegen. Das kritisch zu hinterfragen, Änderungen anzustoßen und gleichzeitig vollkommen solidarisch zu sein ist unser Weg.
Das ist ja ein durchaus lobenswerter Ansatz, wobei natürlich genauer zu klären wäre,
welche Probleme auf
welcher Ebene in
welchen Teilen der Gesellschaft auszumachen, beziehungsweise überhaupt
für was maßgeblich sind.
Das soll nicht böse klingen, aber zur Gesellschaft gehören wir alle, auch die Frenetic Youth. Und wenn man großartig etwas im Umgang miteinander ändern möchte, dann könnte man damit beim eigenen Verhalten anfangen. Denn das ist bei Teilen dieser Gruppierung, gerade auf Auswärtsfahren und im Verhalten gegenüber anderen und eigenen Anhänger nicht akzeptabel.
Ich weiß, dass es viele vernünftige Leute unter den FY'lern gibt, die alles für diesen Verein tun und wunderbare Ideen haben und umsetzen. Jedem einzelnen dieser vernünftigen Köpfe zolle ich Respekt.
Aber vielleicht müsste man dann auch in der eigenen Gruppe bereit sein, bei der eigenen Außendarstellung und dem eigenen Verhalten mal zu beginnen. Ganz konkret: jede aggressive Provokation, ein totaler "Gewalt"-verzicht gegen Personen und Gegenstände (die Züge!), sozusagen ein bisschen mehr Rücksicht und Umsicht wäre da schon einmal an Anfang, auch wenn's schwer umsetzbar ist.
Denn mit dem Finger auf andere zeigen ist halt immer die kürzeste und einfachste Weg.
Was mit den vielen Traditionsvereinen in den letzten Jahren passiert ist in unseren Augen eine Katastrophe und ein weiterer Beweis dafür, dass Fußball nur noch Business ist. Daraus leitet sich natürlich die Frage ab, die sich viele Gruppen mittlerweile stellen und die auch uns umtreibt: Wie lässt es sich rechtfertigen, dass man als (nicht unerheblicher Teil) zur Attraktivität des Produktes Fußball beiträgt und wie lange will man das noch mitmachen? Wie wohl alle Gruppen haben wir das auch nicht abschließend beantwortet. Mit jedem Drecksverein der nach oben kommt, mit jedem Traditionsverein der stirbt, wird die Frage jedoch akuter.
Immens wichtiger Part!
Und gerade mit Blick auf 12:12 sollte jedem spätestens jetzt klar sein, welche Bedeutung diese Gruppen für die gesamte Fanszene haben. Stirbt dieser Teil der Fankultur, ist der Fußball auf den Tribünen faktisch in der Form nicht mehr zu halten, so wie wir ihn jetzt kennen.
Denn beispielsweise der Abschaffung von Stehplätzen oder ähnlichem wird eine zerstreute, schwach organisierte Fangemeinde nichts entgegen zu setzen haben. England ist mit seiner völlig zersetzten Fankultur dafür das beste und zeitgleich abschreckenste Beispiel.
Wichtig ist aber auch hier, dass die Ultra-Gruppierungen aus ihrer medialen Beleidigt-sein-Ecke herauskommen, über ihren Schatten springen und (verbal) offensiv auftreten und vor allem im Zuge dessen andere, nicht in dem Maße organisierte Fans mit einbinden!
Denn nur so kann man die Akzeptanz anderer gewinnen und gemeinsam auftreten. Kocht man aber sein eigenes Süppchen, versteckt sich in der Anonymität des Gruppennamens und schimpft auf alles andere - dann ist es wenig verwunderlich, wenn das Klima auch im eigenen Verein vergiftet ist.
Alle haben gesehen, was die Kurven für eine Macht haben und dass die Arbeit der Ultras über Fanpolitik zu informieren und zu diskutieren zumindest bis zu einem gewissen Grad gefruchtet hat.
Ganz genau!