FCK-Patrick hat geschrieben:Würden wir wöchentlich begesisternde Spiele erleben, würde (bei gleicher Vorstandsleistung) keiner von einem Graben zwischen Vorstand und Fans sprechen.
Doch, schon. Es gibt eine sich in diesem Forum sammelnde Gruppe von Dauerkritikern an der Vereinsführung, denen "die ganze Richtung" nicht passt.
Manchen stinkt einfach der moderne Fußball mit seinen ätzenden Begleiterscheinungen, von der Pay-Card bis zum Singsang, vom Hubschrauberwahn bis zur Nacktkontrolle, vom Pyroverbot bis zu den Klatschpappen. Für sie ist der FCK Projektionsfläche ihrer Sorgen und steht als teil fürs ganze Elend.
Andere wurden in den 70er und 80ern fußballerisch sozialisiert und wollen am liebsten zurück in die kuschelige Vereinsatmosphäre der Thines Zeit, als da wirklich noch etwas wie eine familiäre Grundstimmung gab und der Vereinschef für jeden ansprechbar war, statt sich nach dem Spiel in ViP-Logen zurückzuziehen und nur noch für den TV-Fan sichtbar zu sein. Diese Traditionalisten verbinden diese Zeit noch mit vielen anderen Dingen, die verloren gingen: Der anarchischen Stimmung im engen Stadion, der Sonderrolle des FCK in der Bundesliga, den ungezügelten Emotionen außerhalb und innerhalb der Arenen.
Dann gibt es jene, die hofftem, dem ganzen Kommerz als das "kleine pfälzische Dorf" a la Asterix trotzden zu können und die deshalb darunter leiden, wie der FCK unter Kuntz - tatsächlich oder vermeintlich - immer stromlinienförmiger gemacht und auf Einnahmenmaximierung getrimmt wurde, so dass die zunächst glaubwürdige Metapher vom "Herzblu" mit der Zeit immer mehr zur sinnentleerten Marketingfloskel verkam.
Andere wollen die Position der Fans stärken, mehr Mitsprache a la HSV. Sie fühlen sich bestärkt, weil SK immer mal wieder Aussetzer hat wie die Zustimmung zum Sicherheitspapier oder die Entschuldigung bei Hopp. Und sie fühlen, wie diese Demokratisierungsprozesse behindert und verschleppt werden.
Und wieder andere haben mit SK ein persönliches Hühnchen zu rupfen, weil sie irgendwann mal Einfluß hatten, gute Geschäfte machten und sich von Kuntz herausgedrängt fühlen. Gerade diese scheuen auch nicht vor Rufmord zurück, wie man in Vorjahr gesehen hat.
All diese Gruppen sorgen in der Melange hier für ein negativ-kritisches Grundrauschen, dass zeitweise im Getöse des sportlichen Erfolges untergehen mag, aber doch latent da ist und unter den derzeitigen Vorzeichen anschwillt zur Kakophonie.
SK ist auf diese Stimmungen und Ängste kaum eingegangen. Er hat sich von Beginn an über den sportlichen Erfolg definiert, alles andere war Marketinggeklimper. Das eröffnet ihm Freiräume, wenn dieser sportliche Erfolg da ist. Bleibt er aber aus, so kommt die ganze Kacke hoch. An dem Punkt waren wir im Vorjahr wieder und wir stehen jetzt wieder kurz davor. Denn das zumindest für den Außenstehenden nicht mehr nachvollziehbare Festhalten an einem Trainer, der es schafft mit einem (weitgehend unbestrittenen) Spitzenkader das Stadion zeitweise leer zu spielen und der auf dem besten Weg ist, das Saisonziel zu verfehlen, liefert den Treibstoff, von dem der aufziehende Shitstorm sich nährt.
All die oben beschriebenen, teil eloquenten, immer aber schreibfleissigen Kritiker liefern dann den theoretischen Unterbau, die Sachargumente gegen Kuntz und viele Schreiber und noch viel mehr Leser in diesem Forum schließen sich der Kritik an.
Kuntz ist in einer prekären Situation. Saisonabschlüsse mit Millionenverlusten, an deren Ende verfehlte sportliche Ziele, entlassene Trainer, Millionenverluste und der Verkauf eigener Talente stehen, sind nicht geeignet, das Vertrauen in ihn zu erhöhen.
Dass Kuntz jetzt quasi untergetaucht ist, in einer Situation, die Führung erfordern würde, statt dessen seinen Marketingvorstand vorschickt, macht ebenfalls alles andere als einen guten Eindruck.
Es wird enger für Stefan Kuntz.