Tagesspiegel hat geschrieben:Welche Nachrichten dringen wieso und warum durch den Vorhang, bzw. bleiben dahinter versteckt?
Das ist der Punkt. Warum ist den Medien eine kleinere Rauferei am Rande eines Fußballspiels eine Meldung wert, die hunderten Verletzten bei Volksfesten aber nicht? Warum geifern Moderatoren und Kommentatoren mit Schaum vor dem Mund gegen die "gefährlichen Idioten", die ein Pyro zünden, finden aber kaum Worte für das sinnlose, allwöchentliche Komasaufen in den Städten mit all seinen Begleiterscheinungen? Warum wird seit einigen Jahren auf einmal die "Fußballszene" als Ganzes kriminalisiert, obwohl es vorher jahrzehntelang Niemanden gekümmert hat, ob sich im Stadion zwei Holzköpfe auf die Glocke hauen? Warum berichten selbst seriöse Medien, die sich ansonsten um Ausgewogenheit und Sachlichkeit bemühen bei Fußballthemen nachlässig,ja tendenziös und teilweise hetzerisch?
Der Schlüssel zu all der derzeitigen Hysterie sind die Medien. Eine andere Rezeption etwa der Geschehnisse in Düsseldorf (wo Niemand verletzt wurde) hätte zu völlig unterschiedlichen Reaktionen der Politik geführt. Hätte man den Platzsturm als harmlosen und letztlich lästigen, aber ungefährlichen und singulären Ausdruck überschäumender Freude gesehen, gäbe das das derzeit diskutierte Papier so nicht. Wer also profitiert an dieser Medienhetze? Die unter Druck geratenden Vereine nicht, die in ihrer Autonomie bedrohten Verbände auch nicht, die Fans schon gar nicht. Und doch passiert es. Die Medien erscheinen mir geradezu ferngesteuert, gleichgeschaltet, als folgten sie einer Agenda. Erst sie treten durch ihre Berichterstattung den Mechanismus los, schaffen den Druck auf die Politik, geben den Hardlinern und Polizeistaatlern eine Präsentationsfläche, schreiben bürgerkriegsähnliche Verhältnisse herbei und heizen das Feuer an. Warum wird wiederholt wahrheitswidrig der Eindruck erweckt, dass Normalos im Stadion nicht sicher seien? Warum wird Pyro mit Gewalt gleichgesetzt? Wem nützen all diese Verdrehungen, Lügen, Übertreibungen? Warum geschieht das so und nicht anders?
Ich habe keine Antwort auf diese Frage, jedenfalls keine eindeutige. Aber eines weiß ich: Kämen die Medien ihrer Aufgabe einer differenzierten Berichterstattung nach, so würden wir die Diskussion so nicht führen. Vielleicht ist meine Meinung nicht mehrheitsfähig, aber ich glaube, dass die Verbrecher gegen die Fankultur weniger beim DFB oder in den Innenministerien sitzen, sondern in den Redaktionen, die längst jedes Maß verloren haben.