Ein sehr treffende Feststellung, mit der zurecht Kritik an Mannschaft und Trainer geübt wird!
Mit dem folgenden Fazit bin ich nicht einverstanden: "Trotzdem, eine Niederlage auf St. Pauli ist noch längst kein Beinbruch und der FCK hat weiterhin gute Chancen, auf einem Nichtabstiegsplatz zu überwintern."
Warum greift dieses Fazit zu kurz? Nach der Gala gegen Schalke war doch jedem klar, dass das Spiel in St.Pauli das mit Abstand wichtigste vor der Winterpause sein würde:
- Duell gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt
- Vor dem Spiel ist man 3 Punkte vor, d.h.
- mit einem Sieg zieht man 6 Punkte davon
- und selbst mit einem Unentschieden hält man den Gegner auf Distanz
Aber dann wird sang- und klanglos verloren, weil "die Einstellung zum Gegner nicht stimmte".
HALLO?!
Fragt da keiner: "Lieber Trainer, liebe Mannschaft, wo war denn die Einstellung? Wer ist denn dafür zuständig, auf den Gegner vorzubereiten und das später auf dem Platz umzusetzen?"
Sind wir Fans nach den letzten 3-4 erfolgreichen Spielen und mittlerweile passablen 17 Punkten schon so satt, dass wir es als Betriebsunfall abtun, wenn unser Team einer grottigen, verunsicherten Truppe wie St.Pauli den Sieg auf dem Silbertablett serviert (Kein Vorwurf an Tiffert: Sowas kann passieren!).
Im Klartext: Wer gebetsmühlenartig wiederholt, dass wir "von Spieltag zu Spieltag denken" sollten, dem kann man nur sagen, dass diese Niederlage am 15. Spieltag beim FC St.Pauli sehr wohl ein Beinbruch war!
Denn Siege gegen Bayern oder Schalke kann man als Bonuspunkte verbuchen: Schalke kommt da unten raus (auch wenn ihnen der Abstieg zu gönnen wäre!), und wollen wir wirklich nur darauf hoffen, dass Stuttgart und Wolfsburg weiterhin so unter ihren Möglichkeiten spielen?
Unsere direkten Konkurrenten heißen Gladbach, Köln, Nürnberg und eben St.Pauli. Wenn man dort SO (!!!) verliert, kann aus einem einfachen Beinbruch schnell eine komplizierte Fraktur werden: Denn in solchen Spielen wird letztendlich über den Klassenerhalt entschieden!
Und nochwas: Mal im Ernst, Marco Kurz!
Selbstverständlich sind Aufstellung und somit auch Auswechslungen eine Sache des Cheftrainers und ich will mich jetzt nicht in prinzipiellen Fragen (Warum spielt X und nicht Y? Warum kommt Z nicht schon zur Halbzeit? etc.) zu einem der 10.000 Forums- bzw. Stammtischtrainer aufschwingen, die (meistens hinterher!) alles besser wissen.
Aber was war denn das am Freitag Abend? Man liegt 0:1 zurück und wechselt zunächst in der 87. Minute aus, und getrennt davon in der 88. Minute noch einmal.
Der gegnerische Trainer lacht sich kaputt, hält seinen letzten Einwechselspieler natürlich zurück und wechselt ihn in der 89. Minute ein.
Statt für eine Schlussoffensive im gegnerischen Strafraum zu sorgen, wurden die letzten Spielminuten so mit Wechsel-"Aktivitäten" dahin geschleppt und schließlich verplempert.
Aus St.Paulis Sicht waren das sicher 3 taktische Wechsel: Hat sich Holger Stanislawski nach dem Spiel auch artig dafür bedankt?
