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Hall of Fame | Werner Kohlmeyer - Ein gefallener Held (Der Betze brennt)

Fragen, Antworten und Anekdoten zur Geschichte des FCK.
pebe
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Beitrag von pebe »

WällerDevil
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Beitrag von WällerDevil »

Hallo,

Erst mal klasse geschrieben.

Sollten sich vieleicht mal nen parr mainzer und hopp jünger durchlesen dann verstehn die auch mal was fussball traditon ist.

Und die sache das der DFB Kohli keine karten für die wm gab ist echt das lezte.

Im Ganzen eine echt tragische Geschichte schade das er sich nicht hat Helfen lassen von Herberger und dem Fritz.

Also trozdem Schöne grüße aus dem Westerwald
Mit dem FCK ist es wie mit der Großen Liebe sie kann dir manchmal tierisch auf den Sack gehen.
BernddasBrot2
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Beitrag von BernddasBrot2 »

Der Absturtz eines Weltmeisters, damals wie heute ist das Leben gnadenlos und verzeiht keine Fehler.
Wenn wir uns die Geschichte des FCK ansehen, haben wir schon immer an Fritz uns messen lassen müssen.
Darum wollte SK die Salatschüssel auch an ihn weiterreichen.
Keiner der WM Helden hatte das Glück, sein ganzes Leben mit der Bürde so umzugehen wie Fritz Walter,zumindest nach aussen.
Kohli hat das ganze leider nicht geschafft, die Gründe spielen erstmal keine Rolle.
Wichtig ist, dass WIR alle sein Andenken pflegen und nicht verbuddeln.
... und wenn du glaubst es könnte nicht schlimmer werden, lass mal TH machen, der zeigt DIR wie es noch schlimmer werden wird.
Mathias
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Beitrag von Mathias »

Wirklich ein guter, aber auch trauriger Text, der nachdenklich macht.
Aber so war das leider damals in den Sechzigern. Man musste immer zurückstecken und immer dicht halten. Immer den starken Mann mimen.
Schade, daß er es nicht gepackt hat, es sich einzugestehen.
Weil Depressionen echt scheiße sind, schau Dir das Video an. (Quelle: br.de)
Kümmert Euch um Eure Freunde!
Piranha
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Beitrag von Piranha »

Das Schicksal Kohlmeyers mit Allgemeinplätzen wie "so ist halt das Leben" trifft die Ursachen für die Selbstzerstörung von Kohli nicht. Mit dieser Vordergründigkeit können keine Lehren für die Zukunft gezogen werden.

Ich bin schon erstaunt über die Bekenntnisse hier, von Kohlmeyer vor dem Artikel so wenig gewußt zu haben. Seine Bedeutung wird von Steffberts Erinnerungen an seinen Opa einigermaßen begreifbar.

Einige Attribute Kohlmeyers wurden hier schon genannt, erstklassiger Kamerad und Kumpel, sehr gutmütig, freigebig, aber auch stolz und empfindlich, gern gegen den Strom schwimmend, aber in der Sache verläßlich. Alles Attribute eines guten Charakters. Einem solchen Menschen soll nicht zu helfen gewesen sein?

Die Erregung über das Verhalten des DFB ist verständlich. Aber für den abgrundtiefen Fall Kohlis ist das ohne Bedeutung. Viel gravierender ist das Desinteresse des FCK und der Stadt Kaiserslautern an seinem Schicksal gewesen. Die Einebnung seines Grabes durch die Stadt ist da nur der Endpunkt. Die in der Öffentlichkeit getragenen "Hilfsangebote" von Herberger u.a. waren lediglich förmliche Akte ohne tatkräftigen Willen. Den brachten gegen Ende seines Lebens andere auf, an einem anderen Ort als Kaiserslautern. Wenn es je eine FCK-Familie gegeben hat, dann war Kohli deren Stiefsohn. In einem anderen ähnlichen Fall hat man sich da viel engagierter verhalten.

Ich hoffe, daß damit der Erregung über den DFB etwas abgeholfen ist und es der FCK in Zukunft bei einem ähnlichen Fall besser macht.
:nachdenklich: Genauer erinnern? Können wir auch, wenn es sein muß.
pebe
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Beitrag von pebe »

werner liebrich, der erfinder der blutgrätsche, welcher wasserträger war und ferenc puskás gnadenlos an die leine legte im 54iger finale liegt auch auf dem lautrer stadtfriedhof. Viel bekannt darüber ist auch nicht unbedingt geschweige anerkennung für seine verdienste für den verein oder den dfb als verband... Ich weiß aus sicherer quelle, dass dies nicht überall verständnis findet und dem einen oder anderen aufstößt!
pebe
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Beitrag von pebe »

Piranha hat geschrieben:Das Schicksal Kohlmeyers mit Allgemeinplätzen wie "so ist halt das Leben" trifft die Ursachen für die Selbstzerstörung von Kohli nicht. Mit dieser Vordergründigkeit können keine Lehren für die Zukunft gezogen werden.

Ich bin schon erstaunt über die Bekenntnisse hier, von Kohlmeyer vor dem Artikel so wenig gewußt zu haben. Seine Bedeutung wird von Steffberts Erinnerungen an seinen Opa einigermaßen begreifbar.

Einige Attribute Kohlmeyers wurden hier schon genannt, erstklassiger Kamerad und Kumpel, sehr gutmütig, freigebig, aber auch stolz und empfindlich, gern gegen den Strom schwimmend, aber in der Sache verläßlich. Alles Attribute eines guten Charakters. Einem solchen Menschen soll nicht zu helfen gewesen sein?

Die Erregung über das Verhalten des DFB ist verständlich. Aber für den abgrundtiefen Fall Kohlis ist das ohne Bedeutung. Viel gravierender ist das Desinteresse des FCK und der Stadt Kaiserslautern an seinem Schicksal gewesen. Die Einebnung seines Grabes durch die Stadt ist da nur der Endpunkt. Die in der Öffentlichkeit getragenen "Hilfsangebote" von Herberger u.a. waren lediglich förmliche Akte ohne tatkräftigen Willen. Den brachten gegen Ende seines Lebens andere auf, an einem anderen Ort als Kaiserslautern. Wenn es je eine FCK-Familie gegeben hat, dann war Kohli deren Stiefsohn. In einem anderen ähnlichen Fall hat man sich da viel engagierter verhalten.

Ich hoffe, daß damit der Erregung über den DFB etwas abgeholfen ist und es der FCK in Zukunft bei einem ähnlichen Fall besser macht.
:nachdenklich: Genauer erinnern? Können wir auch, wenn es sein muß.
siehe den fall robert enke... Da wurde/wird ein riesen tam tam gemacht und alle sonnen sich medienwirksam in seiner tragödie in talk runden und ähnlichen veranstaltungen. Mutete mich schon so an als sei es zur zeit HIP sich von einer weichen seite zu zeigen. Übrig geblieben ist nicht mehr viel... Anderes beispiel aktuell, der schwätzer neuruher textet über "homosexualität" in der glotze "hart aber fair" um weiter sein blödes gesicht im TV zu belassen. Sicher nicht uneigennützig, hilft evtl. dem verlust seines popularitätsstatues entgegenzuwirken... Für mich alles beispiele der scheinheiligen bei dfb und im allgemeinen. Traurig wie sich die welt in manchen belangen so bewegt.
Fazit: Werner kohlmeyer zu rehabilitieren und ihm offen zu gedenken wäre vielen der verantwortlichen bei dfb oder stadt KL immer noch möglich und sicher kein gesichtsverlust. Warum auch immer scheint es ihnen nur peinlich, getreu der haltung der katholischen kirchenvertreter, schwamm drüber und aussitzen bis zum nächsten dilemma... :nachdenklich:
Rodweisje
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Beitrag von Rodweisje »

Eine traurige Geschichte. Schade, dass ihm der Fußball und der Ruhm kein Glück gebracht haben.
Schlossberg
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Beitrag von Schlossberg »

Grab eingeebnet, keine Straße nach ihm benannt ...
Letztendlich totgeschwiegen.
Ist das der Umgang der Stadt KL mit ihren größten Helden?

Zur Wiedergutmachung sollte KL eine dem Andenken an Werner Kohlmeyer gewidmete Stiftung gründen, die Suchtkranken legaler Drogen (Alkohol, Spiel) hilft.
kepptn
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Beitrag von kepptn »

Schlossberg hat geschrieben:...

Zur Wiedergutmachung sollte KL eine dem Andenken an Werner Kohlmeyer gewidmete Stiftung gründen, die Suchtkranken legaler Drogen (Alkohol, Spiel) hilft.
Oder den Stiftsplatz nach ihm umbenennen. Aber da werden ja heute noch die Trinker verjagt. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Es gibt immer was zu lachen.
vincevega84
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Beitrag von vincevega84 »

Toller Beitrag, wenn auch eine sehr traurige Geschichte.
Auf den Fußballer kann jeder FCK-Fan stolz sein.....aber nobody's perfect.
R.I.P.
Piranha
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Beitrag von Piranha »

kepptn hat geschrieben:
Schlossberg hat geschrieben:...

Zur Wiedergutmachung sollte KL eine dem Andenken an Werner Kohlmeyer gewidmete Stiftung gründen, die Suchtkranken legaler Drogen (Alkohol, Spiel) hilft.
Oder den Stiftsplatz nach ihm umbenennen. Aber da werden ja heute noch die Trinker verjagt. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Aber nur deshalb, weil die heutige Jugend nichts mehr verträgt und dort alles vollk....zt. Da gibt es keine Verbindung zu Kohli, der vertrug schon was. :beer:

@pebe
Werner Liebrich war alles andere als ein Wasserträger. Er war sowohl in der Vereins- als auch in der Nationalmannschaft im Defensivverband bestimmend. Nicht umsonst wurde er zum "Weltstopper" gekürt. Kopfballspiel und Spiel aus der Abwehr unnachahmlich, im Zweikampf unübertroffen. Was die "Blutgrätsche" betrifft, so ist mir kein Fall bekannt, wo er damit (!) einen Gegenspieler verletzte. Weil er sie eben perfekt beherrschte. Für mich ist Werner Liebrich ohnehin für den Gewinn der 54-er Weltmeisterschaft der entscheidende Spieler.
Sein Grab liegt nur einige Meter entfernt von dem Fritz Walters. Es wird von seinen Angehörigen unterhalten. Irgendein Engagement von Stadt oder Verein sind nicht erkennbar.

Was unseren Kohli betrifft, so muß ich noch deutlicher werden: N.m.M. haben nicht nur DFB und Stadt zu wenig getan, um ihn auf einen anderen Weg zu bringen, sondern vor allem auch der 1.FCK, auch seine ehemaligen Mannschaftskameraden, einschl. Herberger und Fritz Walter.
Offenbar schämt sich da bis heute niemand, daß Kohli von einem Amateurfußballer, der mit dem FCK nichts zu tun hatte, aus der Mainzer Gosse geholt werden mußte. Aber trotz dessen Hilfe war es schon zu spät. Mehr sag ich zu diesem Thema jetzt nicht mehr.
speyrer72
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Beitrag von speyrer72 »

...immerhin trägt man diesem grossen Namen insoweit Rechnung, als man den Eingang zur Ostkurve als "Werner-Kohlmeyer-Tor" bezeichnet hat, das ist aber auch das allermindeste !
kepptn
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Beitrag von kepptn »

Piranha hat geschrieben:...

Aber nur deshalb, weil die heutige Jugend nichts mehr verträgt und dort alles vollk....zt. Da gibt es keine Verbindung zu Kohli, der vertrug schon was. :beer: ...
Das Alter, auch wenn die REWE-Kids neben den GIs die größte Gruppe stellen, ist irrelevant. Die Lautrer Society (oder was sich dafür hält) mag beim flanieren keine Trinker sehen, darum wird alles getan um das Centrum sauber zu halten, oder die Beoffenen zumindest in die Altstadt einzugrenzen.

Wie gesagt, aus den Augen, aus dem Sinn. So gesehen passt es doch wieder irgendwie zum Verhalten gegenüber Kohlmeyer. Ver- und Abdrängen ist einfacher als sich zu kümmern.
Es gibt immer was zu lachen.
Schärjer
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Beitrag von Schärjer »

Wie in Altmeisters Bericht erwähnt,hat Kohlmeyer jede Hilfe abgelehnt,weil er sein wirkliches Problem nicht erkennen wollte.Man kann niemanden zwingen,sich helfen zu lassen,wenn dieser es nicht will.Ursache für seine Sucht war sicher der plötzliche Ruhm und das tiefe Loch,in das man fällt,wenn die Kariere vorbei ist.Auch Gerd Müller hatte ein solches Problem.Da halfen ihm die alten Weggefährten.Aber er ließ sich auch helfen.Kohlis Lebensgeschichte endet sicher tragisch,aber sie zeigt auch,das Idole auch menschliche Schwächen haben wie jeder von uns.Und die Erwartungen und der Leistungsdruck bei Spitzensportlern ist gegenüber früher sicher gewachsen.Der eine kommt damit klar,der andere nicht.Auch das sollte uns Fans gelegentlich bewußt sein,das dort auf dem Platz immer noch Menschen stehen,die ein Talent haben,sich ansonsten aber nicht von uns unterscheiden.
fck 1197
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Beitrag von fck 1197 »

Das Schicksal von Kohlmeyer war mir zwar auch in manchen Details bekannt -hatte mal vor vielen Jahren ne Fernsehsendung darüber gesehen- daß aber die "Herren mit der weisen Weste" vom DFB so erbärmlich reagierten (bezüglich der Endspiel-Karten) und das gegenüber einem Helden von Bern, ist erschütternd, aber auch wiederum vielsagend!
Möchte nicht wissen, was von Denen so weggebechert wurde/wird, bis der Tag verging/vergeht. Naja. Möchte nicht die Alkoholsucht runterspielen, aber "die ehrenwerte Gesellschaft" ergötzt sich ja immer wieder an "Strauchelnde / Gestrauchelte".
Ein trauriges Schicksal. Aber auch wenn er sich bezüglich der Krankheit nicht hat helfen lassen wollen, hätte man ihm mMn als "Held von Bern", der einer ganzen Nation wieder ein wenig Selbstbewußtsein und Selbstachtung (mit)zurückgab, ein würdiges Leben ermöglichen sollen!
Vielen Dank an den Autor des Artikels für die Erinnerung an Kohlmeyers Todestag!
... der FCK ist wieder da ...
Piranha
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Beitrag von Piranha »

kepptn hat geschrieben:
Piranha hat geschrieben:...

Aber nur deshalb, weil die heutige Jugend nichts mehr verträgt und dort alles vollk....zt. Da gibt es keine Verbindung zu Kohli, der vertrug schon was. :beer: ...
Das Alter, auch wenn die REWE-Kids neben den GIs die größte Gruppe stellen, ist irrelevant. Die Lautrer Society (oder was sich dafür hält) mag beim flanieren keine Trinker sehen, darum wird alles getan um das Centrum sauber zu halten, oder die Beoffenen zumindest in die Altstadt einzugrenzen.

Wie gesagt, aus den Augen, aus dem Sinn. So gesehen passt es doch wieder irgendwie zum Verhalten gegenüber Kohlmeyer. Ver- und Abdrängen ist einfacher als sich zu kümmern.
Guter Zusammenhang


@Seytan66, pebe u.a.

Archiv » 2003 » 11. Oktober » MagazinMagazinMagazin
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Der vergessene Weltmeister


Auf der Suche nach einem der Helden von Bern
Peter Riesbeck

Manchmal macht sich die große Geschichte ganz klein. Dann passt ein ganzes Heldenleben in eine schmale Kladde. Die Legende schlüpft in ein Fotoalbum und ruht jahrelang verborgen auf einem Dachboden, eingezwängt zwischen Plastikhüllen. Die Erinnerung verblasst wie die Fotos und Zeitungsausschnitte, zusammengetragen über einen Mann, der 1954 Geschichte schreibt. Lange hütet das Album sein stilles Geheimnis. Die Geschichte setzt zwei Jahrzehnte lang Staub an und wird Ende der neunziger Jahre von einem Unbekannten entsorgt - auf einem Flohmarkt in Mainz. An einem sonnigen Herbsttag taucht das Album mit seinen Bildern zwischen Schallplatten und Pokalen wieder auf: Ein stolzer Vater mit Schubkarre vor seinem Eigenheim, neben ihm lacht seine Tochter im Sonntagskleid. Ein kantiger Fußballspieler im Kampf um den Ball. Und schließlich: Der kräftige Mann mit rundem Gesicht, das schüttere pechschwarze Haar zurückgekämmt, inmitten seiner Mannschaftskameraden. Glückstrunken reihen sich die Spieler zur Siegerehrung auf: die Helden von Bern. Dritter von rechts: Werner Kohlmeyer, der Verteidiger. Selbst nach dem gewonnenen Finale gegen Ungarn wirken seine Augen ein wenig traurig und müde.

Eine ganze Nation feiert Werner Kohlmeyer an jenem 4. Juli 1954 als Retter. Zumindest für einen kurzen Moment - in der 53. Minute. Der Radio-Reporter Herbert Zimmermann kommentiert: "Der Regen prasselt. Keiner wankt im Wankdorf-Stadion zu Bern . Jetzt Gefahr! Schuss. Auf der Torlinie gerettet. Nachschuss müsste kommen. Noch mal auf der Torlinie gerettet. Das erste Mal Posipal. Das zweite Mal Kohlmeyer . Rettet. Rettet. Rettet." Kohlmeyer klärt im Finale gleich zweimal auf der Linie für den geschlagenen Torhüter Toni Turek. Und auf der anderen Seite schießt Helmut Rahn später das alles entscheidende Tor. Minuten später ruft Reporter Zimmermann erlöst: "Aus. Aus. Aus. Das Spiel ist aus. Deutschland ist Weltmeister."

Das Spiel macht Geschichte. Vieles wird verklärt. Und viel ist gedeutet worden über jenen Triumph. Vom Wunder ist die Rede. Und von den Helden von Bern. Der Historiker Joachim C. Fest spricht "von der mentalen Gründung der Bundesrepublik". Nun kommt das Wunder ins Kino. Regisseur Sönke Wortmann hat es mit viel Pathos verfilmt. "Jedes Kind braucht einen Vater. Jeder Mensch braucht einen Traum. Jedes Land braucht eine Legende", steht auf dem Filmplakat. Das Land braucht seine Helden. Unbezwingbare Helden. Für einen wie Werner Kohlmeyer ist bei so viel Mythos kein Platz. Für einen, der über sein Leben nach dem Triumph von Bern später sagt: "Was dann kam, das war ein einziges verlorenes Wochenende." Auch davon erzählt das kleine Album.

Werner Kohlmeyer kommt am 19. April 1924 in Kaiserslautern als Sohn eines Drechslers und einer Hausfrau zur Welt. In dem beschaulichen Städtchen im Pfälzer Wald stößt das Sporttalent früh zum 1. FC Kaiserslautern. Dort trifft er auf einen, der noch mehr Talent besitzt: Fritz Walter. Still und bescheiden begleitet Kohlmeyer Walters Karriere. Am Rand. Als linker Verteidiger.

An der Seite von Fritz Walter gewinnt er 1951 und 1953 mit Kaiserslautern die Deutsche Meisterschaft. Und an dessen Seite taucht er im berühmten Notizbuch des Bundestrainers Sepp Herberger auf. Mit Fritz Walter reist er 1954 zur Weltmeisterschaft in die Schweiz. Zusammen mit drei weiteren Lauterer Teamkollegen - Ottmar Walter, Werner Liebrich und Horst Eckel.

"Mei, waren wir jung damals", sagt Horst Eckel. Langsam blättert er bei einem Treffen durch das Foto-Album. Eigentlich braucht er keine Bilder, um sich zu erinnern. Eckel ist so etwas wie der inoffizielle Nachlassverwalter des Wunders von Bern. Nur drei der Spieler leben noch. Eckel, 71, ist der Jüngste. So bleibt das Erinnern häufig ihm überlassen. Eckel nennt Werner Kohlmeyer meist nur den "Kohli". "Der Kohli", sagt er, "war ein Sportler. Ein ganz großer Sportler. Der hat alles gekonnt. Basketball, Radfahren. Tischtennis. Und er war extrem schnell. Ein Leichtathlet. Hoch- und Weitsprung. Der war sogar pfälzischer Meister im Fünfkampf."
Häufig absolviert "der Kohli" am Morgen einen Leichtathletik-Wettkampf, bevor er am Nachmittag auf dem Betzenberg als Verteidiger aufläuft. "Der Kohli war sehr kopfballstark, sehr zweikampfstark. Der konnte die Abwehr wunderbar organisieren", sagt Eckel. Und die Regionalzeitung Rheinpfalz rühmte nach dem Finale um die Deutsche Meisterschaft 1951: "Der Lauterer Verteidiger zeigte diesmal seine Stärke besonders im spritzigen Dazwischenfahren, im klugen Zweikampf und im blitzartigen Start um den Gegner."

Alle schwärmen sie von dem überragenden Abwehrspieler Kohlmeyer. Und loben dessen Kameradschaft. "Wenn der Werner Kohlmeyer fünf Mark in der Tasche gehabt hat, und man kam zu ihm, der hat einem die fünf Mark gegeben", erinnert sich Eckel. Fritz Walter schreibt in seinem WM-Tagebuch: "Werner Kohlmeyer, der Kohli, schon oft Retter in höchster Not, ein Universalgenie, ein Typ, den man gern haben muss."

Vielleicht ein wenig eigenbrötlerisch. Ein wenig eigenartig. Und immer wieder überraschend. Ein Foto im Album zeigt die Nationalelf in der Freizeit während des WM-Turniers in der Schweiz. Die Kicker tragen den engen Trainingsanzug des DFB. Einige haben in Spiez die Bühne einer Tanzkapelle gestürmt. Werner Kohlmeyer vorneweg. Das Foto verewigt ihn am Schlagzeug. "Sagen wir mal so", erinnert sich Horst Eckel, "die versuchten, Musik zu machen."

Selbst kurz vor dem Spiel agiert Kohlmeyer mitunter unberechenbar. In Lautern hatten sich die Spieler angewöhnt unrasiert aufzulaufen. Das bewährte sich auch bei der WM. Zehn Minuten vor der Halbfinalpartie gegen Österreich aber seift sich Kohlmeyer plötzlich in der Kabine sein Gesicht ein. Fritz Walters Tagebuch hält die Szene fest: ",Was machst du denn da? , fragen wir entgeistert. Oooch, ich rasiere mich , sagt er lapidar." Der Kohli sei eben der Kohli, erklärt Walter später schlicht. Von seinem Haus im Stadtteil Morlautern heißt es, Kohlmeyer habe dort gleich zwei Klaviere aufgestellt. Eines Parterre und eines im Obergeschoss. "Ja glaubst du denn, ich schleppe das Ding immer hoch und runter, je nachdem, wo die Party ist", hat er erklärt.

Ein Weltmeister in der Provinz, der sich auch etwas erlauben kann. Davon erzählt eine kleine Zeitungsnotiz. Wie der Buchhalter Kohlmeyer auf dem Weg zur Bank mit einigen tausend Mark plötzlich in Lautern auf dem "Gässje" stoppt, weil dort Kinder kicken. Die Geldtasche wird zum Torpfosten und der Weltmeister spielt Straßenfußball: Drei Ecken - ein Tor. Sein Chef soll getobt haben.

Aber unverwundbar ist der Verteidiger nicht. "Kohlmeyer wurde berühmt, als der Mann, der noch hinter dem Torwart stand", schreibt das Fachblatt kicker damals. Aber das ist nun mal der Job von Abwehrspielern, da zu sein. Gewürdigt wird das selten. In der Erinnerung bleiben Unachtsamkeiten hängen. Wie jene zum zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand im Finale von Bern. Fritz Walter hält die unglückliche Szene in seinem WM-Tagebuch fest: "Mai will Hidegkuti den Ball wegnehmen. Tut es auch, aber nicht gründlich genug. Kohlmeyer springt zur Verstärkung hinzu, erwischt das Leder und läuft, weil er es zu Turek zurückgeben will, mit ihm in Richtung eigenes Tor . Ein beiderseitiges Missverständnis! . Werner Kohlmeyer rutscht das nasse Leder vom Außenrist des rechten Fußes ab . unser Schlussmann wirf sich zwar blitzschnell zur Seite, kann den Ball aber nur mit einer Hand packen . Aus dem Hintergrund taucht Außenstürmer Czibor auf . Er hat nicht die geringste Mühe, es ins sperrangelweit geöffnete Tor einzuschießen."
........
.Vielleicht passt ein solches Spiel aber auch in die Karriere des Werner Kohlmeyer. "Der war einfach zu gutmütig. Der hätte viel länger spielen können, wenn er nicht zu gutmütig gewesen wäre", sagt Karl Schmidt, als er sich in Mainz das Kohlmeyer-Album anschaut. Schmidt kommt 1955 als junger Spieler nach Kaiserslautern. Und er macht eine außergewöhnliche Karriere. Nicht nur als Nationalspieler, sondern auch beruflich. Schmidt studiert Jura und wird Ministerialrat. Heute sitzt er im Präsidium des DFB. "Werner Kohlmeyer war einer der athletischsten Spieler, die ich kennen gelernt habe", sagt Schmidt. "Und ich habe vom Werner nie ein grobes Foul gesehen. Obwohl er ehrgeizig war."

Der junge Schmidt konkurriert in Lautern mit der Legende Kohlmeyer. "Es hat mir immer ein wenig wehgetan, dass ich den Werner Kohlmeyer langsam aus der ersten Elf verdrängte." Nach einem Streit mit dem Trainer wechselt Kohlmeyer 1957 zum FC Homburg.

Zu den Verlierern aber wollte Kohlmeyer nie gehören. Nicht im Sport. Und nicht im Beruf. Das Album berichtet darüber. Kohlmeyer erzählt im Interview, wie er nach einem Auswärtsspiel häufig direkt vom Bahnhof zur Arbeit marschierte. Sein Chef habe ihn dann erst mal nach Hause geschickt. Kohlmeyer arbeitet zu dieser Zeit als Lohnbuchhalter in der Spinnerei Kammgarn. Er ist verheiratet mit einer Lehrerin, hat drei Kinder. Im Album gibt es Bilder, die ihn stolz vor dem eigenen Haus im Stadtteil Morlautern zeigen. Ein kleiner Aufstieg im Wirtschaftswunderland.

Doch das Glück bröckelt. Schon früh heißt es, Kohlmeyer schätze die Geselligkeit. Er sei nach dem Duschen bei den ersten, die in der Vereinskneipe sitzen und Karten spielen. Bundestrainer Sepp Herberger attestiert Kohlmeyer eine "salzige Leber", einen Hang zum Alkohol. Der Buchhalter überzieht immer öfter seine Mittagspause. Der Werkschutz stellt ihn in der Kneipe zur Rede. Aber einen Weltmeister entlässt man nicht. Der Held von Bern hat Stolz. Und er ist verletzlich. "Meine Papiere will ich und Schluss", sagt Kohlmeyer. So jedenfalls steht es in einem Zeitungsartikel in dem Album.

Ähnlich radikal und eigenwillig verlässt Kohlmeyer Kaiserslautern und seine Familie. Mitten in der Nacht geht er aus dem Haus. Ohne Abschied. Einfach so. Zurück bleiben seine Frau und die drei Kinder. "In der Ehe hat es nicht mehr geklappt. Und dann ging es immer ein bisschen weiter nach unten. Wir haben versucht, ihn da unten rauszuholen. Aber wir haben keine Möglichkeit mehr gehabt", erzählt Horst Eckel. Mehr will er darüber nicht sagen. Aus alter Freundschaft, Anstand und Scham. Kohlmeyers Ehe wird 1965 geschieden.

Kohlmeyer taucht unter. Er ist weg. Verschwunden. Aus Kohli, dem Weltklasse-Verteidiger, wird Wermut-Kohli. Das Wiedersehen mit den 54-er Weltmeistern zu Sepp Herbergers 70. Geburtstag 1967 verpasst er. "Aber nur, weil niemand wusste, wo er steckte", beteuert Fritz Walter damals in einem Interview. Ein Held von Bern ohne Adresse. Das passt nicht in den Mythos.

Werner Kohlmeyer, der Weltmeister, landet in der A-Klasse in Gustavsburg nahe Mainz. Am Spielfeldrand. Als Linienrichter. Ein Unternehmer schmückt sich mit ihm und verschafft ihm eine Stelle auf dem Bau. Das Fotoalbum zeigt Kohlmeyer als Hilfsarbeiter. "Der Mann aufgedunsen, schweißüberströmt, unrasiert, unter Zementsäcken keuchend, dieser Mann ist doch nicht der vitale Werner Kohlmeyer?", fragt die Bild-Zeitung. Kohlmeyers lapidare Antwort: "Ja, ich bin s."

In Mainz besorgt ihm der Sportreporter Werner Höllein eine Stelle bei der Allgemeinen Zeitung. Werner Kohlmeyer arbeitet nun als Pförtner. Einem Reporter, der ihn besucht, erzählt er mit alter Pfiffigkeit: "Das mit dem Bau habe ich nur gemacht, weil mir der Arzt frische Luft verordnet hat." Der Mann, der früher nur durch das Hauptportal ging, sitzt nun am Hintereingang des Rhein Main Verlags. Das ehemalige Verlagsgebäude in der Mainzer Innenstadt ist längst abgerissen. Kohlmeyers Pförtnerhäuschen soll als letztes gefallen sein.

Richard Rosenbaum hat sein ganzes Leben in Mainz verbracht. Sein Vater führte einst die Vereinsgaststätte des Stadtteil-Klubs Mombach 03. In dem Viertel liegt eine Kaffeerösterei, deshalb schwebt oft ein süßlicher Duft über der Gegend. Werner Kohlmeyer hat dort zuletzt gelebt, in einer Sozialwohnung, seine Mutter führte ihm den Haushalt.

"Eines Abends", erzählt Rosenbaum, "steht Kohlmeyer plötzlich im Vereinsheim. Der Ruf, dass er gesundheitliche Probleme hatte, der ist ihm ja vorausgeeilt. Überall, wo er hinkam hieß es, ah, Werner trink e mol." Vater Rosenbaum serviert deshalb zunächst Apfelsaft. Und der Pförtner Werner Kohlmeyer findet an diesem Ort und beim Fußball wieder ein wenig Halt. Er wird zu einer Art Manager des Klubs. Manchmal gibt er den Spielern im Training Tipps. "Der hatte immer noch ein prima Stellungsspiel", erinnert sich Rosenbaum. "Zu jedem Training war der pünktlich da. Bei jedem Auswärtsspiel war der zeitig am Bus."

Werner Kohlmeyer fängt sich. Zur Arbeit in die Mainzer Innenstadt geht er zu Fuß. Immer den Kopf ein wenig nach unten. Fast so als sei er beschämt. Über seine Weltmeister-Vergangenheit spricht er in dieser Zeit selten. Nie ungefragt. Nie freiwillig. "Er war bescheiden. Und mit Sicherheit stolz", sagt Richard Rosenbaum, aber das hat er nie rausgekehrt. "Das war ein ganz angenehmer Mensch. Das war ein ganz gutmütiger Mensch. Der ist ja niemals aufgefallen."

Die Wohnung der Rosenbaums liegt im Klubheim. Direkt hinter der Gaststätte. Im Wohnzimmer schaut Kohlmeyer sonnabends die Sportschau. Und ab und an erzählt er dann doch von Bern. Selbst zu den Treffen der Weltmeister macht er sich wieder auf - mit geliehenem weißen Hemd und Binder. Und mit viel Respekt vor dem ewigen Übervater Herberger. "Oh", hat er gesagt, "ich muss zum Chef." Und hat den Alkohol strikt limitiert.

Herberger nimmt ihn wieder auf. Ein Zeitungsausschnitt im Album dokumentiert es. Die gealterten WM-Spieler sind zu Gast bei Willy Brandt. Die Adenauer schen Helden treffen den sozialdemokratischen Reformgeist. Gleich hinter dem Kanzler grüßt Werner Kohlmeyer. Rosenbaum berichtet von der Fürsorge der Mannschaftskameraden: "Was die für ein Gewese gemacht haben um den Kohli. Der Herr Herberger und seine Frau, der Fritz und der Ottmar - wie die sich alle um den kümmern. Hopp, wie geht s dir dann? Hopp, komm doch mal vorbei. Ruf doch mal an. Das hat er aber fast nie gemacht."

Am Tag vor seinem Tod kehrt Kohlmeyer noch mal nach Kaiserslautern zurück. Er trifft Ottmar Walter. "Der Werner war auf einem guten Weg", erinnert sich Rosenbaum. Doch der Weg zurück ins Leben endet am frühen Morgen des 26. März 1974. Gegen vier Uhr erleidet Kohlmeyer einen Herzanfall, während er sich für die Arbeit fertig macht. Seine Mutter findet ihn tot in der Küche. Knapp zwanzig Jahre nach dem Wunder von Bern, kurz vor seinem 50. Geburtstag.

Das Album ist voller Nachrufe und Todesanzeigen. "Der Mann, der am Ruhm zerbrach", heißt es oder: "Der Held, der abseits stand". Der Journalist Jürgen Bertram hat Kohlmeyer kurz vor seinem Tod noch einmal fürs Fernsehen interviewt. Ihm hat der Weltmeister eine letzte Enttäuschung mitgeteilt. Beim DFB hatte er um Karten für die Fußball-WM 1974 gebeten. Er bekommt einen Formbrief - und eine Rechnung. "Das ist der Dank des Vaterlands", sagte Kohlmeyer mit traurigem, verletzten Blick.
Der Dank des Vaterlands bleibt eine Trauerfeier auf dem Mainzer Hauptfriedhof. Sepp Herberger ruft ein "Ruhe sanft". Der Präsident des 1. FC Kaiserslauterns Eugen Müller spricht: "Unser Werner Kohlmeyer wird ein Ehrenblatt im Geschichtsbuch unseres Vereins erhalten."

Die Seite ist leer geblieben
. An Fritz Walter, den WM-Kapitän, erinnert in Kaiserslautern ein großes Stadion. Selbst eine Wetterlage haben sie nach ihm benannt. Helmut Rahn, der in Bern das Siegtor erzielt, erhält ein eigenes Denkmal. Und Werner Kohlmeyer, der Retter des Sieges auf der Torlinie von Bern? Er ist noch im Tod verschollen. In Mainz vermuten viele sein Grab. Tatsächlich hält man dort nur die offizielle Trauerfeier ab. Beigesetzt wird Kohlmeyer in aller Stille in Kaiserslautern. Eine leise Rückkehr in seine Heimatstadt. Wenig erinnert dort an ihn. Sein Grab ist seit acht Jahren eingeebnet.
Kohlmeyers einziger Sohn hat es nie besucht. Der Vater blieb ihm fremd. "Ich hatte nach 1965 keinen Kontakt mehr zu ihm", sagt er. "Zweimal musste unser Haus verkauft werden. Wir haben nie einen Pfennig gesehen." Werner Kohlmeyer junior hat nur wenige Erinnerungen an den berühmten Vater. Sieben ist er, als der in Bern zum Helden wird. Bei den Großeltern verfolgt er das Spiel und wettet auf Sieg. Seine ganz persönliche WM-Prämie: "Ein Glas Frankfurter Würstchen."

Der Sohn betreibt in Kaiserslautern eine Lotto-Annahmestelle. Beinahe eine Fußballer-Karriere. Auch er hat einst erfolgreich in der A-Jugend des FCK gespielt. Stürmer - eine Offensiv-Rolle, die dem Vater verwehrt blieb. Sein Trainer war Werner Liebrich, der mit dem Vater in Bern Weltmeister wird. Aber ihm fehlt der letzte Ehrgeiz.

Vom Erfolg des Vaters ist wenig geblieben. Die goldene WM-Medaille, das Silberne Lorbeerblatt des Bundespräsidenten und der Siegel-Ring des 1. FC Kaiserslautern. "Bei den Umzügen ging manches verloren", sagt Kohlmeyer. Er stöbert in dem alten braunen Album. Liest alte Artikel, betrachtet die Fotos. "Das ist die Oma", sagt er und stutzt eine Seite später bei einem Foto: Ein Junge mit Beatles-Pilzkopf spielt Gitarre. "Das bin ich." Und dann ein Bild seines Vaters: "Mein Sohn sieht genauso aus."

Der Enkel bewirbt sich als schauspielender Fußballer für die Rolle des Großvaters in Sönke Wortmanns Film über das Wunder von Bern. Er bekommt sie nicht. Vielleicht wäre es eine späte Versöhnung geworden.



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Zuletzt geändert von Piranha am 28.03.2010, 19:32, insgesamt 1-mal geändert.
Piranha
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Beitrag von Piranha »

"Werner Kohlmeyer, der Kohli, schon oft Retter in höchster Not, ein Universalgenie, ein Typ, den man gern haben muss. " Fritz Walter.
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fck 1197
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Beitrag von fck 1197 »

... "Unser Werner Kohlmeyer wird ein Ehrenblatt im Geschichtsbuch unseres Vereins erhalten." ... Die Seite ist leer geblieben. ...

... Beigesetzt wird Kohlmeyer in aller Stille in Kaiserslautern. Eine leise Rückkehr in seine Heimatstadt. Wenig erinnert dort an ihn. Sein Grab ist seit acht Jahren eingeebnet.
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DAS ist ja wohl mehr als traurig, schon eher ärmlich bis erbärmlich !!!!!!
Sollte irgendeiner der DBB-User mal unseren VV, Stefan Kuntz sehen und sprechen können, dann sollte nicht nur, sondern MUSS angesprochen werden, daß dem Spieler und Menschen Werner Kohlmeyer ein ihm gerecht werdendes ehrwürdiges Andenken gesetzt werden soll/te: Und zwar im "Geschichtsbuch unseres Vereines", als auch auf dem Friedhof. Das Letztere dürfte aber auch insbesondere eine Angelegenheit der Stadt sein.

Mann o Mann. Einen "Helden von Bern" so verschwinden zu lassen. Daß ist ja wohl aller unterste Schublade von Anstand, Geschichtsbewußtsein und Dankbarkeit!!!

Würde ich meiner Wut den Lauf lassen und meine Empörung in Worte ausdrücken, müßte man meinen Beitrag zensieren ... . Hierzu habe ich aber wohl etwas mehr Anstand, als Diejenigen, die sich angesprochen fühlen müßten. Von Denen dürfte aber wohl kaum noch Einer leben.
Habe die Ehre.
Zuletzt geändert von fck 1197 am 28.03.2010, 20:06, insgesamt 1-mal geändert.
... der FCK ist wieder da ...
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Beitrag von kepptn »

Piranha hat geschrieben:...

@Seytan66, pebe u.a.

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Der vergessene Weltmeister


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Danke!
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Beitrag von Steffbert »

kepptn hat geschrieben:Danke!
Ich schließe mich dem kepptn an und danke pebe und Piranha für's einstellen. Morgen mache ich mal eine kleine Pause vor dem Weltmeisterdenkmal und bedanke mich ganz besonders bei Werner Kohlmeyer, dem Mann mit den traurigen Augen.

Those who came before us have built the road that we now walk upon. Why do we feel so tall? It's just because we are standing on the shoulders of giants.
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Beitrag von Piranha »

Steffbert hat geschrieben:
kepptn hat geschrieben:Danke!
Those who came before us have built the road that we now walk upon. Why do we feel so tall? It's just because we are standing on the shoulders of giants.
Yes,Yes,Yes :!: :!: That is it :!:

Aber nicht nur der FCK steht auf den Schultern unserer Helden, sondern der ganze deutsche Fussball, auch wenn man das in den Metropolen nicht wahr haben will. Es liegt an uns, es diesen immer wieder in Erinnerung zu bringen. Manchmal müssen wir das sogar den Epigonen im Verein näher bringen. Ohne 54 wäre der deutsche Fussball bis heute zweitklassig geblieben.

Deswegen, weil alle auf unseren Schultern stehen, wird der FCK immer wieder zu Grossem fähig sein. Die Zeit ist wieder einmal gekommen!
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Beitrag von FCK-Ralle »

Danke Altmeister für den schönen Bericht über einen weiteren Helden des FCK.

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Beitrag von Altmeister »

Vielen Dank für das viele Lob zu meinem Artikel hier. Ich hatte während der Artikel-Recherche mit einigen Zeitzeugen gesprochen, u. a. auch mit Horst Eckel. Aber auch mit Mitgliedern der Familie Kohlmeyer und einigen Journalisten. Dadurch kam ein ziemlich umfangreiches Bild über Werner Kohlmeyer zustande. Mit dem FCK lief nicht zu allen Zeiten alles gut in diesem Zusammenhang. Es wurde ja hier auch angeregt, dies mal beim FCK vorzutragen. Ich werde dies bei Gelegenheit tun, vielleicht kann man von Vereinsseite da doch einiges wieder ausgleichen, was vor längerer Zeit von anderen, damals handelnden Personen verbockt wurde.
Aus meiner Sicht wäre dies gerade im Zuge der neueren Vereinspolitik und des Zusammenwachsens verschiedener Gruppierungen rund um dem FCK sehr wünschenswert, auch wenn der FCK natürlich schon einiges gemacht hat wie beispielsweise das Weltmeisterdenkmal.
Jedenfalls war diese Recherche über den von vielen tatsächlich fast vergessenen Weltmeister Werner Kohlmeyer sehr interessant. Bewahren wir ihm dennoch oder gerade deswegen ein angemessenes Andenken.
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Beitrag von Piranha »

Altmeister,

dann will ich Deine "Recherche" noch etwas ergänzen. Wie Du bestimmt auch erfahren haben dürftest, war Kohli auch zutiefst unzufrieden mit dem FCK, ja, er fühlte sich durch diesen gegen Ende seiner aktiven Zeit verletzt, zumindest nicht richtig gewürdigt. Bei seiner Neigung zur manischen Depressivität und seinen Stolz ist es nahezu zwangsläufig, daß es zu einem solchen Bruch kommt. Zum anderen war Kohli grenzenlos gutmütig und gab immer, wenn er konnte. Seine Erwartung, daß das bei anderen genauso ist, wurde leider bitterlich enttäuscht.

"Etwas" wurde Deiner Meinung nach immerhin getan, ein Eingangsloch nach ihm benannt und auf dem lächerlichen "Denkmal" ist er auch berücksichtigt. Was Du nicht erwähnst, auch ein Jugend-Fußballturnier im Stadtteil Morlautern ist nach ihm benannt. Aber wo bleibt das Engagement der Stadt Kaiserslautern und auch des FCK für ihre bedeutendsten Imageträger?

Da ich sehr viel von der aktuellen Führung des FCK halte, erwarte ich, daß sie die Dinge in die Hand nimmt. Falls dafür finanzielle Unterstützung erforderlich ist, sollen sie das öffentlich machen. Es sind noch genug Ältere da, die sich für diesen Zweck nicht "lumpen lassen".

Ich weiß z. B., daß viele Pfalztouristen das Grab von Fritz Walter besuchen. Das finden sie zur Not noch, aber die anderen sind für die unauffindbar. Hier wäre ein Ansatzpunkt.

Übrigens: Wenn Du das den aktuell Handelnden erst noch vortragen mußt und die das Dilemma um Kohli noch nicht mitbekommen haben, wäre das wiederum ein Armutszeugnis für das aktuelle Führungspersonal.
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