Ich hab mich mal versucht eine Analyse der verschiedenen Meinungsbilder hier im Forum zu machen und den Erfolg einer neuen Mitgliederversammlung auszuloten. Auch unter dem Hintergrund einer sich wohl bildenden Opposition mit bekannten Persönlichkeiten als Gallionsfigur.
AOMV und Opposition
Viel wird in den verschiedenen Foren diskutiert über eine eingehende Restrukturierung des FCK. Unbestritten ist bei allen: So wie heute geht es nicht weiter.
Je nach Hintergrund der Personen und auch dem Zeitpunkt der Meinungsäußerung ist die Prioritätenliste der notwendigen Veränderungen und der Ursachen der Mißstände recht unterschiedlich, doch ist der Tenor aller Meinungsäußerungen gleich:
Änderungen müssen her, personeller und organisatorischer Natur, aber auch im Stil, der Mannschaft, dem Auftreten dem Image des FCK.
Ich habe keine Ahnung von Fußball, ich bin nur ein alter, treuer Supporter des FCK, aber wenn ich das Problem des FCK mit den Erfahrungen ansehe, die ich in meinem Berufsleben als Unternehmensleiter gemacht habe, dann ist die Aufgabe eigentlich ganz klar. Der FCK hat tiefgreifende Probleme in den meisten Kerngebieten eines Unternehmens und es gilt einen kompletten Turnaround hinzulegen.Aber versuchen wir diese "Probleme" mal mit der Methodologie eines Betriebswirtschaftlers anzugehen.
Da wir uns darüber einig sind, das der FCK sehr vielschichtige, komplexe Probleme hat, verwenden wir zur Analyse ein recht modernes Tool, die sogenannte Balanced Scorecard. Um den "Erfolg" oder die Performance eines Unternehmens zu beurteilen, wird die 1992 von Robert S. Kaplan und David P. Norton eingeführte Balanced Scorecard benutzt. Die BSC ist ein Konzept zur Messung der Aktivitäten eines Unternehmens im Hinblick auf seine Vision und Strategien, um den Führungskräften einen umfassenden Überblick über die Leistungsfähigkeit und Effektivität der Organisation zu bieten. Das neue Element besteht darin, daß die BSC nicht nur auf die Finanzperspektive fokussiert, sondern auch die menschlichen Aspekte beinhaltet, die die Treiber für die Ergebnisse sind, so daß sich die Organisation auf ihre Zukunft und langfristigen Interessen konzentriert. (
http://de.wikipedia.org/wiki/Balanced_Scorecard)
Analysiert man die vier Hauptfelder oder Perspektiven der BSC für den FCK kommt man zu wirklich dramatischen Ergebnissen:
1. Finanzperspektive:
Der FCK gibt seit Jahren mehr Geld aus, als er einnimmt, er lebt von der Hand in den Mund und hat jetzt schon Einnahmen des nächsten Jahres ausgegeben, um die laufenden Ausgaben zu sichern. Zudem pumpt er in immer stärkeren Maße sein Umfeld an (Gönner, Werbepartner, Freunde), immer in der Hoffnung auf bessere Zeiten. Seine Investitionen (Spieler) erzielen nicht die gewünschten Ergebnisse, die Kosten hat er nicht im Griff und vor allem hat er keine Perspektive diese Entwicklung zu stoppen und umzudrehen. Er treibt immer mehr, ziellos in diesen Strudel der Finanzprobleme. Die radikalen Schnitte (Verkauf des Stadions, Verkauf des Tafelsilbers an Spielern) haben auch nur kurzfristig Atem verschafft und auch eine Finanzspritze des "Investors" würde keine strukturelle Änderung bringen.
2. Kundenperspektive:
Zur Analyse der Kundensicht müssen wir eigentlich nicht viel sagen. Tabellenplatz, die letzten Ergebnisse, das alles sind Fakten, die für sich selbst sprechen. Interessant ist sicherlich aber auch die Diskussion des Publikums zu verfolgen in Hinblick auf Feeling im Stadion, Beziehung zur Mannschaft, Standing der, das Unternehmen FCK repräsentierenden Personen in der Öffentlichkeit. Wenn jetzt die Kunden, d.h. die Fans in einem offenen Brief sich zu Wort melden müssen, ist alles über die Performance der Kundenbeziehung, gesagt. Kurzum, das Management hat es immer noch nicht geschafft diese endgültig zu zerstören, arbeitet aber daran.
3. Organisation- bzw. Prozeßperspektive:
das Chaos der letzten Monate, das Personalkarussell, die ständig wechselnden Personen in Vorstand und Aufsichtsrat, die ungeklärten Verhältnisse in der sportlichen Leitung, all das läßt sich natürlich nicht als vertrauensbildende Maßnahme und organisatorische Kompetenz verkaufen. Selbst der Laie erkennt, daß die rechte Hand nicht weis was die Linke tut, daß die Verteilung der Aufgaben und Kompetenzen nicht klar ist und immer wieder Kompetenzschwierigkeiten auftreten.
.4. Mitarbeiterperspektive:
Wenn wir uns die Leistungen der letzten Spiele anschauen, wissen wir, daß die Motivation der Mitarbeiter (Spieler) so niedrig ist, daß die Grashalme auf dem Trainingsplatz dagegen wie Urwaldriesen scheinen. Von Lustlosigkeit bis hin zu Angstneurosen ist die komplette Bandbreite der menschlichen psychologischen Reaktionen auf Streß und Überforderung ablesbar. Aber auch im Vorstand sind schon krankhaft zu nennende psychologische Muster erkennbar.
Diese Kurzanalyse zeigt aber auch gleichzeitig die Handlungsfelder an, und das einfache Lösungen nicht greifen. Nicht eine einzelne Maßnahme, nicht ein einzelner Heilsbringer können den Verein aus dieser Krise bringen.Wir müssen die Strukturen verändern, wir müssen die Personen verändern, wir müssen am finanztechnischen Gerüst arbeiten und auch das Produkt FCK weiterentwickeln. Viele Baustellen, die nicht von einem Einzelnen bearbeitet werden können und die Step-by-Step in einem Aktionsplan von einem ganzen Team, dem ganzen Unternehmen abgearbeitet werden müssen.Klar ist, das es immer Einzelne oder Gruppen gibt, die Partikularinteressen haben und diese verteidigen, es ist jedoch wichtig diese im Hinblick auf die Gesamtheit des Vereins auf die Waage zu legen und den Nutzen zu bewerten. klar ist auch, daß einzelne Aktionen für sich zwar positiv beurteilt werden können, aber auch dem Gesamtkontext schaden können.In einer Struktur wie einem Verein ist es allerdings sehr schwierig eine ausgewogene Wertung (Balanced Score) zu finden, da sich einzeln Handelnde immer einer rein zahlenmäßig wertenden Mitgliedschaft gegenüber durchsetzen müssen. So und nun schließt sich der Kreis meiner kleinen BWL Vorlesung.Wenn ich so was auf einer AMV vortragen würde, um zu begründen, das der jetzige Vorstand unfähig ist und der Aufsichtrat in die Wüste geschickt werden muß, da er nicht in der Lage ist, das Unternehmen FCK vernünftig zu steuern und er dabei ist das einst stolze Schiff voll auf die Klippen rasen läßt, dann würde ich von den meisten Mitgliedern nicht verstanden, beim 2. Punkt von Buchholz abgebrochen, wegen Zeitüberschreitung und von einigen Gruppierungen angepöbelt weil ich einen beliebten Spieler als Psychowrack bezeichnet hätte.Aus diesem Grund ist es auch äußerst schwer eine funktionierende Opposition aufzubauen, denn zum einen muß ein Schattenkabinett mit einem Programm aufgebaut werden, das in allen Belangen dem Partikularinteresse der einzelnen Gruppen entspricht und zum anderen auch noch mehr oder weniger eine Garantie für die bessere Zukunft verspricht.
Ein Aspekt sollte auch nicht vergessen werden. Alle Personen, die sich für den FCK engagieren wollen, haben heute auch andere Verpflichtungen, die Wenigsten sind wohl Rentner, abgehalfterte Politiker oder werden von ihren Arbeitgebern einfach mal freigestellt.
Lohn und Brot für die Familie einfach mal für den Verein zu riskieren ist leichter gesagt als getan.