Mir wird dieses Thema "professionelle Strukturen" und "Kompetenzüberschreitung" in letzter Zeit überbetont.
Die professionelle Struktur haben wir uns mit der Ausgliederung gegeben, die Organigramme von KGaA und EV unterscheiden sich da nicht groß von denen anderer Profivereine vergleichbaren Maßstabs, die Kompetenzbereiche von Geschäftsführung, Aufsichts-, bzw. Beirat, etc. sind rechtlich klar umrissen und für jeden einsehbar.
Ja, Herr Merk gebart sich öffentlich nicht wie ein Aufsichtsrat, sondern wie ein Präsident oder Geschäftsführer, aber wie genau die internen Entscheidungsfindungen genau ablaufen, können wir anhand dieser Auftritte auch nur mutmaßen. Was er in fast jeder Stellungnahme betont, ist die Einigkeit, die zwischen ihm und seinen Kollegen in den Gremien sowie der Geschäftsführung herrschen soll - d.h. für mich, es wird viel miteinander kommuniziert und diskutiert und bei sportlichen Sachfragen lässt sich ein SOV satzungskonform auch von der fußballerischen Kompetenz im Beirat beraten. Notzon wollte man aus gutem Grund (und wie vom Umfeld gefordert) nicht mehr in die Trainersuche miteinbeziehen, dann bleiben eben Merk und Fuchs. Und da Erstgenannter sich die Transparenz und Offenheit gegenüber den Fananliegen auf die Fahnen geschrieben hat und von diesen eher als "Gesicht" des FCK wahrgenommen wird als Voigt selbst, lässt dieser auf der PK Merk den Vorzug, der wiederum Fuchs einlädt, um Einblicke in den Entscheidungsprozess zu geben. Auch die völlig deplatzierte Einlassung zu Lieberknecht sollte eigentlich nur die Botschaft an die Fans senden: wir hören euch zu.
Natürlich wirkte das alles etwas unbeholfen und niemand kann diesen pastoralen Duktus von Markus Merk noch hören, aber man kann davon ausgehen, dass vereinsintern eine Diskussion stattfand, in der die Räte, der Geschäftsführer und auch ein Investorenvertreter an einem Tisch saßen und diejenigen mit der größten sportlichen Kompetenz die anderen von ihrer Präferenz überzeugen mussten bis man sich auf eine Entscheidung geeinigt hat, die wiederum der Geschäftsführer vollumfänglich zu verantworten hat.
Hätte sich SOV persönlich in die PK gesetzt, hätte er auch nur die üblichen Phrasen bei der Neueinstellung eines Trainers zum besten geben können. Auch bezüglich der zukünftigen Einbindung von Notzon und dem kommenden Sportdirektor hätte man von ihm vermutlich nichts anderes wie von Merk vernommen. Warum muss man also von außen dann gleich annehmen, dass es wieder einen internen Machtkampf gebe?
Entweder man ist generell nicht mit der Führung des FCK zufrieden, weil man z.B. seine Hoffnungen in die große Professionalisierung powered by Horst Peter Petersen (Stichwort Kompetenzteam, brasilianische Olympiamannschaft...) gesetzt hätte. Schließlich ist alles, das den Anstrich eines internationalen Wirtschaftsunternehmens hat, um Welten besser für den FCK als das provinzielle Klüngeltum der letzten Jahrzehnte. Nur blendet diese Vorstellung die Möglichkeiten aus, dass a) besagte Klüngel-Verbindungen bereits gekappt wurden und b) die externe Sanierung durch einen ausländischen Anker-Investor mit scheinbar zweifelhafter Transaktionssicherheit mindestens so viele Risiken wie Chancen birgt (ohne das jetzt wieder vertiefen zu wollen, es wurde hier schließlich bereits in aller Länge ausdiskutiert).
Oder man ist von der Presse und weiß, dass der FCK als einziger Verein im Südwesten trotz seiner Drittklassigkeit noch extrem viele Interessenten und Emotionen hervorruft, die letztlich wiederum höhere Internet-Werbeeinnahmen, Auflagen und Quoten generieren.
Jahrelang hatten wir keine konkurrenzfähige professionelle Struktur bis zur Ausgliederung, nun sind wir auch einen Großteil der Altlasten los und trotzdem wird noch auf Teufel-komm-raus das Narrativ von "Chaoslautern" mit seiner inkompetenten Führung und schlechten Organisation bedient. Viele ach so professionelle Konkurrenten wie Sandhausen oder Heidenheim unterscheiden sich strukturell auch nicht so groß vom FCK, nur fehlt ihnen - neben dem Stadion als schwarzem Loch in der Haushaltsplanung - völlig diese Eskalationsdynamik zwischen Verein, Umfeld und Medien, diese extreme Emotionskodierung und Polarisierung. Und ja, bei uns wurde über Jahre ohne Zweifel viel Misswirtschaft betrieben und Fehlentscheidungen von Verantwortlichen auf allen Ebenen haben uns zurecht dort hingeführt, wo wir heute stehen.
Aber die aktuelle Konstellation mit Voigt als Geschäftsführer, Merk als Beiratsvorsitzenden und einem neuen sportlichen Hauptverantwortlichen scheint mir gute Arbeit zu leisten und obwohl es natürlich noch zu früh ist, um die jüngste Entscheidung zu bewerten, hab ich nach dem Waldhof-Spiel ein so gutes Gefühl wie seit Jahren nicht mehr.
Dass gerade jetzt und kurz vor der JHV wieder Stimmung gemacht wird, musste ja so kommen, aber ich hoffe, dass wir als Fans dieses Mal zusammenstehen und "die da oben" allen Unkenrufen zum Trotz unterstützen. Dass die JHV ohne Skandale abläuft und sich Mannschaft, Trainer und Umfeld ganz auf den Sport konzentrieren können - mit dem Erfolg kommt dann auch die Kontinuität und Ruhe und wiederum neuer Erfolg. Lasst die Medien ihr Spiel spielen, die Vergangenheit ruhen und die Abwärtsspirale endlich in eine Aufwärtsspirale verwandeln
