Ich verfolge die Diskussion zum Thema und habe mich dazu entschlossen ebenfalls einen Beitrag zu leisten, da mir einige Dinge in diesem Meinungsaustausch bisher unklar erscheinen. Ich möchte mich deshalb eher auf die grundlegende Situationsanalyse konzentrieren. Die Frage ist doch zunächst, was ist ein Sportvorstand bzw. wofür ist er da, welche Aufgaben hat er und was versprechen wir uns von ihm?
Dazu muss man zunächst einmal einen Blick in unser Organigramm werfen. Das findet man hier:
http://fck.de/de/fck-der-club/vereinsstruktur/
Wenn man sich das mal genauer anschaut erkennt man den Schwachpunkt sofort. Trotzdem will ich etwas früher ansetzen. Bei Uwe Stöver nämlich. Eine der wiederkehrenden Kritikpunkte an seiner Arbeit war das fehlende Konzept für das NLZ, welches er nie geliefert hat. Stattdessen hat er seinen Vertrauten Moser auf den U23 Chefposten gesetzt und ansonsten im NLZ auf Paula verwiesen. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Damit wurde der Fröhnerhof nur noch auf dem Papier vom Sportdirektor geführt. Als der dann mitten in der Transferphase zur aktuellen Saison hingeworfen hat, ist im Prinzip der maximale Schaden entstanden. Nicht nur Ziele und Vorgaben der abgelaufenen Spielzeit wurden verfehlt und so erheblicher finanzieller Schaden angerichtet (Zuschauer, TV Gelder) - wie ja auf der JHV klar herausgearbeitet wurde. Sondern mit dem Wechsel zu diesem Zeitpunkt kurzfristig die Saisonplanung für den aktuell laufenden Wettbewerb stark beschädigt bzw. zerstört. Das hat den ganzen Verein offenbar auf dem falschen Fuß erwischt und ist mit eine Ursache für die Lage, in der unser FCK derzeit steckt.
In dieser Situation, und da geht meine Kritik an den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden, hätte man anders agieren müssen. Stöver hätte entweder nicht zu diesem Zeitpunkt aus dem Vertrag entlassen werden dürfen einerseits, andrerseits - weil ersteres wohl nicht zu vermeiden war, hätte man sehr schnell für klare Verhältnisse nach außen, vor allem aber nach innen sorgen müssen. Das ist nicht passiert. Stattdessen hat man auf die Gründung eines Gremiums gesetzt und die Verantwortung verteilt, statt die naheliegende Lösung zu wählen und mit Boris Notzon die einzige Person wenigstens kommissarisch zu befördern, die ansatzweise mit der Planung Stövers und den Strukturen vertraut war. Das passierte erst in der zweiten Augusthälfte.
Parallel dazu versuchte der AR das mittlerweile erkannte Defizit in der Struktur des Vorstandes zu beheben und einen Sportvorstand zu bestellen. Mit bekanntem Ausgang. Vor diesem Hintergrund wurde Boris Notzon auf dessen Wunsch hin, als er endlich ins Amt kam, das NLZ auch formal nicht mehr unterstellt.
Dadurch ergibt sich folgende Situation in der Vereinsstruktur:
„Sportdirektor Lizenzbereich“ und „Leiter NLZ“ sind zunächst nebeneinander angesiedelt und sitzen im bereits erwähnten Gremium. Neben „Cheftrainer“ und „Scouting“. Zwar sitzt der „Sportdirektor Lizenzbereich“ dem sportlichen „Beratungsgremium“ vor - ja so heißt das, eine formale Leitungsposition ergibt sich daraus jedoch nicht. Damit agiert das NLZ frei, ist nur dem Vorstand unterstellt und fällt in den Aufgabenbereich des Vorstandsvorsitzenden, der bis vor kurzem Thomas Gries hieß und selbst erklärte - ich kann auch das persönlich bestätigen, dass er von Fußball „keine Ahnung“ hat. Nur so waren die Fehlentwicklungen in diesem Bereich überhaupt möglich.
An dieser Stelle ist es jetzt aber notwendig ein Missverständnis über den Einstieg eines „Sportvorstands“ auszuräumen. Mir war immer klar, dass das kurzfristig nicht funktionieren wird und ich habe das - vor allem in der Veranstaltung in Waldsee auch sehr ausführlich dargelegt, da ich mit den Schwierigkeiten der Suche durchaus vertraut war. Extern wird da so schnell niemand zu bekommen sein, denn diese Kandidaten wollen wenigstens von einem mittelfristigen Konzept überzeugt werden. Ein kurzfristig engagierter „Sportvorstand“ kann also nur aus dem unmittelbaren FCK Umfeld kommen, ideelle Motivation mitbringen - also praktisch „einspringen“ und damit im Prinzip lediglich eine Übergangslösung darstellen. Träume von Leuten wie Schmadtke sind für den Verein im derzeitigen Umfeld ungefähr so sinnvoll, wie die Planung der nächsten Meisterschaft. Um einen „Sportvorstand“ zu engagieren, der von außen kommt und einigermaßen den Anforderungen entspricht braucht der AR mehr Zeit als sechs Wochen. Aber ist das schlimm?
Schauen wir doch mal, was ein „Sportvorstand“ denn eigentlich leisten soll. Zum einen, dafür habe ich ja soweit ausgeholt, soll er das strukturelle Defizit beheben, den Gesamtverein im Auge haben und ein ineinandergreifendes Konzept für alle Bereiche entwickeln um eine übergeordnete Planung und damit eine mittel- bis langfristige Entwicklung zu ermöglichen, die aufeinander abgestimmt ein gemeinsames Ziel verfolgt. Zum anderen muss er das kommunikative Defizit in der Öffentlichkeit beheben. Er muss, wie in letzter Zeit in den Medien zu lesen war, das „Gesicht“ des FCK werden. Das braucht Zeit. Kurzfristige Transfers kann er im Winter ohnehin nicht einleiten, weil das was jetzt geplant ist, schon seit Wochen abgearbeitet wird. Einen Ruben Jenssen aus einem Vertrag in Groningen herauszuholen, läuft ja in unserer Lage nicht über Nacht. Insofern ist die Zielmarke für den Einstieg des „Sportvorstandes“ eben nicht Dezember/Januar sondern absolut ausreichend März. Denn da geht es dann um die Ausrichtung.
Allerdings muss man dabei noch folgenden Aspekt berücksichtigen. Für den Posten eines „Sportvorstands“ beim FCK stehen viele Kandidaten, die wir früher als natürlich geeignet und naheliegende Wahl betrachtet haben, aufgrund der finanziellen und sportlichen Situation nicht mehr zur Verfügung. Das Beispiel Schmadtke habe ich ja schon genannt. Aber auch nicht ganz so renommierte Leute sind nicht ohne weiteres bereit, den Gang zum FCK anzutreten. Man hat also an der Spitze weniger Möglichkeiten. Deshalb ergäbe sich ja theoretisch auch noch die Variante ein Nachwuchstalent einzusetzen. Aber man muss an dieser Stelle berücksichtigen, dass wir unseren „Sportdirektor Lizenzbereich“ aus zwei Gründen nicht gefährden sollten. Zum einen ist er ein wertvoller Baustein im zukünftigen Gesamtkonzept, zum anderen eröffnet sich mit einer solchen Struktur auch die Möglichkeit, über den Posten „Sportdirektor Lizenzbereich“ den künftigen „Sportvorstand“ im eigenen Verein „großzuziehen“ - wie es Mainz mit seinen Cheftrainern seit Jahren erfolgreich praktiziert. Eine Praxis, die ich in einem nachhaltig aufgestellten Verein übrigens durchaus ebenfalls sehen will. Vor diesem Hintergrund ist es aber wichtig, die Person Boris Notzon nicht direkt zu beschädigen. Ein Nachwuchsmanager hat aber gewöhnlich kaum mehr Berufspraxis als der in der Branche, einschließlich der ersten Liga, durchaus geschätzte Notzon. Um Boris Notzon positiv einzubinden müssen wir also darauf achten, dass der Abstand zwischen ihm und dem zukünftigen „Sportvorstand“ groß genug ist, damit alle Seiten die Situation akzeptieren und damit auch umgehen können. Missachtet der Verein diese Grundvoraussetzung im Auswahlprozess für den zukünftigen „Sportvorstand“, ist die nächste Sollbruchstelle bereits impliziert. Und Sollbruchstellen bzw. Baustellen haben wir derzeit ja genug.
Zum Schluss noch eine Randbemerkung. Dass Thomas Gries nicht zu halten sein wird, dürfte allen, die mit den Prozessen innerhalb des Vereins vertraut sind klar gewesen sein. An dieser Stelle jetzt nicht in ein Flickwerk einzusteigen, sondern einen ehrenamtlichen Vorstand zu bestellen um der Satzung genüge zu tun und weiterhin an der langfristigen Lösung „Vorstand Sport“ zu arbeiten ist gut und richtig. Den Posten mit Jürgen Kind zu besetzen ebenfalls. Sowohl Banf als auch Littig hätten sich dem Vorwurf ausgesetzt gesehen, es von Anfang an auf diese Konstellation abgesehen zu haben. Das war den Beteiligten offenbar klar, wofür ich dankbar bin. Kinds Wahl war jedoch kein Selbstgänger, er hat sich seiner Verantwortung und den Mitgliedern gestellt und ist mit den Vorgängen am längsten vertraut. Insofern also richtig und nachvollziehbar.
Abschließend noch ein Appell an uns alle und eine persönliches Anliegen. Der neue Aufsichtsrat ist erst wenige Wochen im Amt und muss sich unendlich vielen Aufgaben in sehr kurzer Zeit stellen. Er hat damit unser Vertrauen verdient, denn alle wussten, dass das kein einfacher Gang wird. Und durch simples Handauflegen ändert sich gar nichts.
Dass dabei auch die Scherben längst zerbrochener Dinge sichtbar werden, lässt sich leider nicht immer vermeiden. Aber minimieren. Deshalb sollte sich der AR - und auch der Vorstand, in dessen Aufgabenbereich das fällt, darüber klar sein, dass auch die Außendarstellung des Vereins über den zukünftigen Erfolg der jetzt geleisteten Arbeit maßgeblich mitentscheidet. Diese Baustelle wie bisher zu ignorieren oder zu unterschätzen kann die harte und überlegte Arbeit aller Beteiligten in Zukunft massiv behindern oder sogar zunichtemachen. Es gibt folglich keinen Grund die notwendigen Änderungen in diesem Bereich zurückzustellen, wie die letzten Tage meiner Ansicht nach erneut bewiesen haben. Hoffen wir also das Beste.
Nicht aufgeben. Nicht jetzt. Niemals.
Gruß Berti