Achtung, hier kommt ein Roman:
Keine Ahnumg, was die intern bei der Fehleranalyse für Ergebnisse gefunden haben, aber aus meiner Sicht wurde bis zum 30. Spieltag in Bochum gerade von Runjaic sehr viel richtig gemacht. Er hatte eine vernünftige Spielidee und mit der haben wir immerhin genug Punkte geholt, um vier Spiele vor Schluss 4 Punkte Vorsprung auf den Vierten zu haben und letztlich schon mit mehr als einem Bein in der Bundesliga zu stehen. Klar hatte er nur dieses eine Spielsystem und zu oft haben wir auch bis dahin schon unnötig Punkte verloren, weil wir nach einer Führung zurückgeschaltet haben statt den Sack zuzumachen und seine Auswechslungen musste man auch nicht immer verstehen, aber trotzdem waren wir besser und wirkten sicherer und stabiler als die gesamte Konkurrenz.
Aber ab diesem 30.Spieltag hat Runjaic dann nahezu alles falsch gemacht. Das fing aus meiner Sicht schon nach dem Schlusspfiff an, bei der berühmten Badelatschenfeier der Spieler vor den Fans. Wer will kann sich das gerne noch mal ansehen (
https://www.youtube.com/watch?v=l_7P5O251_U &
https://www.youtube.com/watch?v=fcKOc2UWZIc). Das war doch im Gunde schon eine vorgezogene Aufstiegsfeier und der FCK hat das dann noch stolz bei Youtube reingestellt. Ich wage da mal zu behaupten, dass hätte es so bei Otto Rehhagel oder meinetwegen bei Huub Stevens nicht gegeben. Da hätte man nach dem
letzten Spieltag gefeiert, vorher wird gearbeitet. Dann hätten unsere selbstsicheren Jungs im folgenden Spiel in Darmstadt vielleicht auch nicht so verwirrt zugeschaut, wie sie von den Darmstädtern niedergerannt worden sind. Aber Schuld war ja nach Aussage von Runjaic der Schiedsrichter. Unabhängig davon, ob das inhaltlich richtig war (das Spiel bestand aus deutlich mehr als nur dem Elfmeter) hat er sich entschieden, den Druck von der Mannschaft zu nehmen, statt Alarm zu schlagen wie andere Trainer das vermutlich gemacht hätten. Dann kam die Niederlage gegen St. Pauli, mit der nun wirklich keiner, ich auch nicht, auch nur ansatzweise gerechnet hatte. Und was macht Runjaic in der Pressekonferenz: er bittet die Medienvertreter nicht zu kritisch mit den Jungs zu sein. Durchaus ungewöhnlich.
In Stuttgart wählt Huub Stevens etwa zur gleichen Zeit das andere Extrem und beschimpft seine Spieler als Affen, weil er mit deren Einsatzbereitschaft nicht zufrieden ist. Es mag Zufall sein oder auch nicht, aber Stuttgart gewinnt auf einmal alle seine drei "Endspiele" und rettet sich noch. Bei uns macht Runjaic dafür weiter den sanften Pädagogen, hält der Mannschaft die Hand vor den Hintern, erklärt öffentlich man wolle jetzt trotz der Rückschläge nichts ändern und genauso weiter machen wie vorher auch und was folgt sind zwei verunsicherte und blutleere Auftritte in Aue und gegen Ingolstadt. Der Betze erlebt nach langer Zeit mal wieder eines seiner Wunder, nur diesmal verkehrt herum, nämlich in dem man, obwohl man schon kaum einholbar vorne lag, sich am Ende von zwei schlechteren Mannschaften wie Karlsruhe und Darmstadt doch noch die Butter vom Brot nehmen lässt.
So hab ich es persönlich erlebt und vielleicht sehe ich es falsch. Aber hätte Runjaic über eine größere Flexibilität verfügt, sowohl in der Ansprache gegenüber den Spielern als auch taktisch, hätte er die Jungs einmal richtig heißgemacht anstatt sie nur als Rasenschachfiguren zu verwenden, wären wir jetzt wahrscheinlich in der Bundesliga. Weil er das nicht gemacht hat, war der Betze in den letzten Spielen, als 120 % erforderlich gewesen wären, nur bei 80 % und das hat eben nicht gereicht. Da hat Peter Briegel schon recht, auch wenn man das vielleicht nicht dem SWR ins Mikrofon hätte sagen müssen: es kann nicht sein, dass du im letzten Saisonspiel, wenn dir unter Umständen noch ein einziges Tor zum Aufstieg reicht, nicht alles riskierst und nach vorne wirfst, sondern weiter maschinengleich den üblichen Verwaltungsfussball spielst.
Für Runjaic war das ganz sicher auch ein großer Schock. Er dürfte mit diesem Absturz in den letzten vier Spielen selbst am wenigsten gerechnet haben, zu sehr war er für jeden erkennbar von seinem System überzeugt und die Ergebnisse bis dahin gaben ihm ja auch durchaus recht. Er hat sich wahrscheinlich tatsächlich schon früher oder später in der Champions League gesehen. Jetzt ist er innerhalb von vier Spieltagen auf einmal wieder weiter weg von der Bundesliga als jemals zuvor in den letzten Jahren. Jetzt hat er sich durch den zweiten verpassten Aufstieg ein Verliererimage erarbeitet, dass er jetzt erst einmal wieder abarbeiten muss, was mehrere Jahre dauern könnte und niemand kann sagen, ob es ihm üerhaupt gelingen wird. Das ist sicher auch für ihn keine einfache Situation, auch motivationstechnisch. Ob er sich dadurch verändert hat oder nicht, ob er jetzt weiter erfolgreich sein wird oder seine Autorität und das Verhältnis zur Mannschaft durch die letztlich selbstverschuldeten Nackenschläge der letzten Saison nachhaltig geschädigt sind, wird die neue Saison zeigen müssen. Als FCK-Fan kann man da im Moment nur abwarten und hoffen, dass Runjaic tatsächlich gelernt und sich weiter entwickelt hat.