Wow! Diese Diskussion macht Lust sich mal wieder zu beteiligen –
Dankeschön an viele, vor allem an Ktown2Xberg!
Diese Argumentation gehört zum Interessantesten, was ich zum Abstieg bisher gelesen habe und man sollte sie nicht auf das reduzieren, was Deinen Beitrag ausgelöst hat, nämlich die Frage nach dem Stürmertyp, mit der das gesamte taktische Gebilde im Zusammenhang steht. Soweit Du das Argumentierst stimme ich mit Dir vollkommen überein - habe in diesem Forum noch selten eine solche Übereinstimmung zu meinen Eindrücken zu den letzten Jahren gefunden.
(Das Erinnert übrigens auch an die Gomez-Klose Alternative bei der EM, mit der sich Löw jämmerlich vergriffen hat und auf die die Sportpresse mit einer noch erbärmlicheren Berichterstattung reagiert hat, aus der sich lediglich Scholls Stimme noch mit Argumenten gegen den vordergründigen Augenschein aufgelehnt hat.)
Neben der unmittelbar taktischen Ebene finde ich Ktown2Xberg’s Beitrag auch aufgrund seiner Deutung des Unterschieds von 1. und 2. Liga interessant – was Du da sagst, ist einerseits offensichtlich, die Stellung, die Du dem in Deiner Argumentation gegeben hast, war für mich bereichernd: Wenn Du recht damit hast, dass in der Zweiten taktisch noch geht, was man in der Ersten kaum noch aufrecht erhalten kann, dann lassen sich die letzten Jahre am Berg sportlich so erklären – Kompliment, ich finde das sehr schlüssig! – und dann stünde uns insbesondere in Lautern eine Trans-formation bevor, die vor allem auch uns Fans einiges abverlangt – wie man am Beitrag von jojo oben sieht, obgleich ich seiner Ansicht zur Besetzung des Kaders auch viel abgewinnen kann!
Zu Dick schreibt jojo:
"Dick, zwar mit technischen Schwächeln aber immer mit 120 % Einsatz, also eigentlich genau der Typ den man auf dem Betze sehen will."
Wie ich finde, steht das aber leider im krassen Widerspruch zu dem Satz, bei Ktown2Xberg, den ich nun wirklich vollends unterschreiben würde und den ich ganz besonders hervorheben will:
"Tradition ist unser Kapital - aber wenn es einen Bereich gibt, in dem Traditionalismus den Tod bringt, dann ist das Taktik."
Längst geht es mir wie Ktown2Xberg es andeutet, wenn erschreibt, dass er persönlich mittlerweile einen Fußball ohne den Typus Gomez/Drogba bevorzugt, ohne den technisch, taktisch limitierten körperbetonten – im Fall von Lautern immer gerne noch Gras fressenden Blut und Boden- Kicker. Bei mir ist es so, dass da längst zwei Seelen in meiner Brust schlagen: Es stimmt, was jojo über Dick schreibt (120%!) und der begeistert mich – vernünftig ist aber, was Ktown2Xberg schreibt, weil die sprichwörtliche Karawane weiterzieht und auch in der Zweiten nicht ewig der alte Stiefel mehr gekickt werden wird - der für uns vielleicht lange sogar das Überlebenskonzept abgegeben haben könnte! Ktown2Xberg hat aber auch im ersten Satzteil recht – die Karawane zieht auch nicht in die Richtung eines entleerten Marketings im Fußball: Es wird darauf ankommen, als Verein, als geschichtlich Gewordenes und von vielen Menschen mit viel Hingabe (Das Walter-Symbol) geschaffenes Gebilde ohne Selbstvergessenheit sich zuallererst den sportlichen Herausforderungen zu stellen und der Vermarktung den Charakter eines Mittels zum Zweck zuzuschreiben: Daraus folgt das es z.B. richtig war, sich nicht dem Trend zur Vermarktung des Stadionnamens anzupassen und das es richtig wäre, sich sportlich an der allgemeinen Entwicklung des Spiels zu orientieren, wobei den von Ktown2Xberg angedeuteten Kompromissen nichts im Wege steht und ich sogar ausdrücklich dagegen bin, Florian Dick vom Berg zu jagen!
Eine der größten Baustellen bei diesem Prozess, wären meine eigenen Wahrnehmungsmuster der Spielweise in diesem Verein und ich denke, dass ich nicht alleine bin, mit einer tradierten Verehrung von Kämpferhelden wie Briegel, Neues, Melzer oder den Brechern der frühen Siebziger Jahre, den Typen, wie Wagner oder Roos in den Neunzigern, den Kampfspielen mit schlachtrhetorischer Begleitung und spätem Siegtreffer in der 95. Spielminute nach zwei Toren Rückstand als Triumph des Willens.
Vielleicht muss diese Transformation auf dem sportlichen geschafft werden, um sportlich sich anpassen zu können, um wenigstens nicht von der Bildfläche zu verschwinden. Ich vermute, dass mit einer solchen Anpassung nicht nur von mir einiges verlangt wäre, sondern dass sich im ganzen Stadion die Beobachtungskultur des Spiels an die sportliche Entwicklung anpassen muss. Dazu werden wir möglicherweise etwas Geduld aufbringen müssen.
Von der Bildfläche kann man übrigens auch dann verschwunden sein, wenn man zu Unkenntlichkeit vermarktet jeden Preis akzeptiert hat, um in der ersten Liga Werbebanner zu zeigen. Das Konzept Hoffenheim, Wolfsburg, RB-Leibzig, etc. ist nicht nachhaltig und es werden aber leider noch einige Titel geopfert werden müssen, bis sich das erwiesen haben wird. Bis dahin kommt es, meiner Ansicht nach, darauf an uns treu zu bleiben indem wir uns sportlich verändern – wir brauchen uns nur an Spielertypen wie Bongartz, Breme oder Walter zu erinnern – also: wenn es sein muss lieber eine Jahr länger Liga zwei, dafür aber zurück in eine moderne sportliche Zukunft!