Hier der nächste Teil des Trainingslager-Tagebuchs, die Jungs werden immer schreibfreudiger
Diesmal etwas weniger FCK-Bezug, dafür dann morgen aber wieder mehr, wie mir schon versichert wurde.
Sonntag, 11. Januar 2009:
Nachdem am Vorabend an der Bar bis 3 Uhr gezaubert wurde - das All-Inclusive-Angebot wurde aufgrund guter Führung vom Hotelchef für uns um drei Stunden verlängert, wird der heutige Sonntag ruhig angegangen und das Frühstück getrost ausfallen lassen. Auch das morgendliche Training der Mannschaft fiel unserem nächtlichen Training an der Bar zum Opfer, bei welchem wir uns aufgrund des 50. Groundhopping-Länderpunktes eines Wohnortkollegens von Sebastian Reinert von der besseren Seite zeigten.
Um 11:30 Uhr, als über Agia Napa die Sonne schon wieder lacht und das Bier schon wieder die Kehlen durchfließt werden die Recherchen zu den genauen Spielansetzungen der ersten zypriotischen Liga weiter geführt. Zwar sind wir Fans in Deutschland von späten Terminierungen arg bestraft, doch auf Zypern ist das Thema Spielansetzungen aus unserer Sicht noch wesentlich schlimmer: So werden die Spiele erst eine Woche vor Austragung auf Samstag, Sonntag oder Montag gelegt, können aber trotzdem ein bis zwei Tage vorher nochmal verlegt werden, vor allem aufgrund von TV-Übertragungen. Und das ist genau das Problem heute: Für zwei Erstligaspiele konnten sieben (!) verschiedene Anstoßzeiten ermittelt werden, doch dank intensiver Recherchen und engagiertem Hotelpersonal konnten gar die richtigen Zeiten ausfindig gemacht werden. Somit geht es nach dem Mittagessen, wo erste Kontakte zum „Koloss von Belgrados“ geknüpft werden (2,12m groß, Wadenumfang 46cm), nach Larnaka zum Spiel:
Alki Larnaka FC - Erosis Neon Paralimniou FC
In Larnaka wartet ein schönes Stadion mit zwei Tribünen, welches von 1.100 Zuschauern, darunter 250 Gästen bevölkert wird. Doch bevor der Ball rollt werden erst einmal die kompletten Biervorräte im Stadion von Alki (Name = Programm?) leer getrunken. Hier auch ein Wort zur Bierkultur in zypriotischen Stadien: Diese lässt sehr zu wünschen übrig, denn abgesehen von Alki (Name = Programm!) gibt es bei keinem weiteren Spiel Bier im Stadion.
Die folgenden 90 Minuten sind recht ansehnlich und der zypriotische Fußball weiß zu überzeugen. 2:1 für die Heimmanschaft steht es am Ende der Spielzeit und der Torwart von Alki fällt nach einem Feuerzeugwurf in der Nachspielzeit zu Boden. Ob es reines Zeitspiel war oder doch eine ernste Verletzung sei mal dahingestellt, aber um diese Diskussion, vor allem mit dem Schiedrsrichter direkt im Keim zu ersticken, entfernt ein Spieler der Gäste umgehend die „Tatwaffe“ vom Rasen.
Im Anschluss an dieses Spiel müssen die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Zypern (100km/h Höchstgeschwindigkeit!) leider überschritten werden, doch pünktlich vor Anpfiff wird das Spitzenspiel des Sonntags erreicht:
APOEL Nikoasia - A.E. Paphos
Die billigste Eintrittskarte für diese Spiel schlägt mit 17Euro zu Buche, aber dafür bekommen wir auch ein echtes Schmuckstückchen zu Gesicht. Das Stadion von APOEL ist gleichzeitig auch das Nationalstadion von Zypern, in welchem im November 2007 auch die deutsche Nationalmannschaft gastierte. Insbesondere die Haupttribüne mit ihrem geschwungenen Dach und den seitlichen Augangstürmen, ähnlich wie in Mailand, kann begeistern. Aber auch die gebogenen Hintertortribünen, ein kleines Abbild der Fankurven von Marseille, gefallen, wenn auch die Fangruppen dann weniger mit Marseille zu vergleichen sind. Nur 40 Gäste bevölkern die eine Hintertortribüne, wedeln paar Fahnen während dem Spiel und nennen sich „Gate 5“. „Gate“ ist ein gutes Stichwort. In Sachen Namensgebung sind die Fangruppen auf Zypern ähnlich unkreativ wie die Fans in Griechenland. Fast jede Fangruppe heißt „Gate“ 1-1998, immer benannt nach der jeweiligen Block- bzw. Eingangsnummer.
Besser in Erinnerung bleiben da die Heimfans. In der Kurve stehen in der Mitte die Ultras von Apoel, welche ihre kompletten Kurve ansehnlich beflaggt haben (selber treten die Jungs alle in orange auf) und auch 90 Minuten am Singen sind. Leider ist die Lautstaerke oftmals Opfer einfacher „Lalalala“-Gesaenge. Das es dennoch laut werden kann und südosteuropäische Atmosphäre aufblitzt, zeigt sich nach den Toren. Und davon schießt die Heimmanschaft schon in der ersten Hälfte drei Stück, davon zwei eiskalt versenkte Elfmeter. Die Gäste können in den zweiten 45 Minuten zwar noch auf 3:1 verkürzen verlieren aber doch deutlich mit 4:1.
Zufrieden mit den besuchten Spielen und Stadien geht es jetzt mit Vollgas zurück zu unserem Schlafgemach, wo das abendliche Trinktraining auf dem Programm steht. Scheinbar hatte das Hotelmanagement Sorge, dass wir bei den besuchten Kicks nicht genügend mit Support und Gesang versorgt wurden und so geben zwei zypritoische Folklorebarden einheimisches Geklimper zum Besten. Obwohl uns dieses Gedudel eher nervt, hält es uns nicht vom Support der Bar ab, sondern ist eher ein Antrieb noch intensiver und mehr der zypriotischen Hopfenkultur in ihrer reinsten Form zu fröhnen - Kulturprogramm genug!
Im Spielerhotel trifft zu dieser Zeit Lauterns Vorstandsvorsitzender Stefan Kuntz ein, bei welchem im Flieger neben einem Koch für unsere Mannschaft – das Hotelessen sagte Trainer Milan Sasic bekanntlich nicht besonders zu - auch das Team vom heutigen Gegner FC St. Pauli ist.
Der Abend an der Bar endet diesmal ein wenig früher als am Vortag, dennoch wird auf der Suche nach weiterem Bier das nächtliche, zu dieser Jahreszeit fast ausgestorbene Agia Napa erkundet.
Fazit: Die ersten Planungen für das Abschlusstraining an der Bar für Dienstag und Mittwoch (dann geht es leider wieder nachhause) laufen bereits - wie es da weiter geht, wie auch über die Geschehnisse am heutigen Montag werden wir euch hier weiter auf dem Laufenden halten!
Quelle: Der Betze brennt