„Können Sie mir sagen, wo es hier die Bayern-Trikots gibt?“
„Kommen Sie mit, ich zeige es Ihnen“.
„Sehen Sie dort, genau diese Richtung, fast immer südöstlich, ungefähr 430 km, genau dort gibt es die Bayern-Trikots!“
Dieser Dialog fand am 1.8.12 vor dem Freundschaftsspiel gegen die Bayern zwischen einer sehr ansehnlichen „Endneununddreißigeren“ und mir statt. Die Dame mit dem angenehmen Äußeren war in Begleitung zweier ebenfalls nicht hässlichen Damen, Ort der Begegnung: Fritz-Walter-Stadion, Westkurve, ungefähr auf der Höhe des Aufganges zum Block 8.1.
Die nette Dame wollte von mir wissen, wo sie in der Westkurve auf dem Betzenberg Bayern-Trikots kaufen könne. Egal zu wem und in welcher Lebenslage, ich bin stets ein freundlicher Mensch, selbst wenn es sich um eine gut aussehende weibliche Person handelt, die trotz leichtem pfälzischen Unterton in der Stimme in der Westkurve nach Bayern-Trikots sucht.
„Kommen Sie mit, ich zeige es Ihnen“ Und dann bin ich mit den drei Damen Richtung Süd gelaufen, genau in das Eck an der Bude, in der sich die Fanbeiräte meist vor den Spielen aufhalten.
Und dann habe ich ihr die Hand auf die Schulter gelegt und gesagt: „Sehen Sie dort, genau diese Richtung, fast immer südöstlich, ungefähr 430 km, genau dort gibt es die Bayern-Trikots“.
Ich verzichte lieber darauf, die Antwort auf meine in einem äußerst freundlichen Tonfall gehaltene Erklärung hier wiederzugeben, nur kurz: Die Dame war der pfälzischen Sprache mächtig, sehr mächtig.
In und um das Stadion war richtig was los. Ich habe das nicht mehr so genau in Erinnerung, wenigstens glaube ich, das Stadion war proppenvoll. Wie viele Zuschauer es tatsächlich waren, könnte ich googeln – doch darum geht es mir nicht (ich hoffe, es macht auch sonst keiner).
Um was es mir jedoch geht: Dieses Spiel fand an einem Wochentag statt, zudem hatten wir Ferien, viele Pfälzer dürfte zu dieser Zeit wohl in Urlaub gewesen sein.
Und es handelte sich um ein Freundschaftsspiel gegen einen aus meiner subjektiven Sicht äußerst unsympathischen Verein, mit einer damals unattraktiven Spielweise. Sportlich gesehen ging es um nichts, um absolut nichts!
Der nächste Sonntag fällt weder auf einen Wochentag, noch haben wir Ferienzeit, die Osterferien sind vorbei. So ziemlich alle dürften daheim sein. Und im Gegensatz zu diesem Spiel vor mehr als dreieinhalb Jahren geht es diesmal um etwas, es geht eventuell um sehr viel. Nach meiner Einschätzung reichen 6 Punkte aus den restlichen Begegnungen, um uns den Abstieg in die Drittklassigkeit zu ersparen.
Diese 6 Punkte sollten wir umgehend holen, um möglichst schnell Planungssicherheit für die 2.Liga in der nächsten Saison zu haben. Eine weitere Niederlage würde den FCK und die Mannschaft endgültig in einen Sog ziehen, der im Abstiegsstrudel enden könnte.
Es gilt also, den FCK zu unterstützen. Es tut mir weh, es schmerzt unendlich, wenn ich sage, „den FCK, das ehemalige Aushängeschild unserer Stadt, zu unterstützen.“
Mann, was schmerzt das, wenn ich diese Buchstaben und Wörter irgendwie aus meinem Kopf, aus meinem Herz, von den Lippen über die Finger in die Tastatur tippe, oder sagen wir besser, tippen muss! Es kostet mich unendlich viel Überwindung dies zu tun, es kostet mich aber keinerlei Überwindung zu sagen, dass es so ist (die erwähnte Dame vom Spiel gegen die Bayern wird das sicherlich nie verstehen).
Einige Fans haben eine Initiative ins Leben gerufen „40.000 gegen Sandhausen“.
Ich muss wieder abschweifen, ich erkläre im Anschluss, warum.
Ich gehe seit 57 Jahren regelmäßig auf den Betze, nächstes Jahr dürfte ich wohl ein rundes Jubiläum feiern.
Bayern, Gladbach, Real, Göteborg, Barcelona, was habe ich hier alles mitgemacht, was durfte ich hier erleben, welche Spiele habe ich hier gesehen, was habe ich mitgemacht, was habe ich mich gefreut und was habe ich gelitten! Wohl genau die Gründe, warum es so viele FCK-Fans gegeben hat! Abstiege, Aufstiege, Pokalsiege, Meisterschaften, ein Zimmer voller FCK-Utensilien, ich muss mich nur umschauen und Erinnerungen, die ich immer in mir herumtrage, kommen noch intensiver zurück, holen mich wieder ein, obwohl sie allgegenwärtig sind.
Vor mir an der Wand hängen ein paar Bilder vom 7:4 gegen die Bayern, Bilder von den Pokalsiegen, von den Meisterschaften (von allen!), rechts die Original-Pressedienst-Mitteilungen vom UEFA-Cup-Spiel 1. FCK – IFK Göteborg. Grob geschätzt hängen da 25 FCK-Schals und zumindest 30 Trikots, die Schränke sind auch noch voll! Bilder von Fritz Walter und Ottmar Walter, alles orginal unterschrieben. Zähle ich die Bücher über und von Fritz Walter dazu, dürften gut und gerne vierzig FCK-Bücher in den Regalen liegen und stehen.
Und nun darf ich erklären, warum ich wieder abgeschweift bin bzw. abschweifen musste: Während ich diesen Text hier tippe, schaue ich wie erwähnt in meinem Zimmer auf Bilder, Berichte, Fotos, Mannschaftsbilder aus vergangen Jahren. Und dann tippe ich den Namen unseres nächsten Gegners in die Tastatur: Sandhausen, da schon wieder! Diese Rechtschreibkorrektur oder wie man das nennen mag, unterstreicht den Namen rot. Entweder habe ich das jetzt tatsächlich falsch geschrieben oder Name des Ortes ist vollkommen unbekannt, ich schaue mal kurz nach.
O.k., wie von mir vermutet, ich hatte das richtig geschrieben, der Ort scheint aber derartig unbekannt zu sein, dass mein veraltertes Programm den Namen nicht kennt und für falsch erachtet.
Umgekehrt wäre es mir lieber gewesen, ich hätte viel lieber Barcelona falsch geschrieben. Ungefähr so: Barzelona – dafür müsste es dies aber der Name unseres nächsten Gegners sein.
Nach all den Jahren mit dem FCK spielen wir diese Saison gegen den Verein, dessen Namen mein Computer anscheinend nicht aussprechen kann. Sandhausen aber gibt es tatsächlich, ich war schon ein paar mal dort. Es waren immer Scheißspiele (was jetzt, schon wieder rot untermalt?) - auch der Blick auf die Tabelle bestätigt, „Sandhausen“ gibt es, die liegen sogar noch vor uns, obwohl man denen vor der Runde drei Punkte abgezogen hat. Haben die etwa Standortvorteile gegenüber uns? Ein klares „Nein“, insbesondere wenn ich mir überlege wo ich letztes Jahr dort geparkt habe, da waren nur Matsch und Schlamm, das waren keine Standortvorteile.
Doch wieder zurück zur Initiative „40.000 gegen Sandhausen“. Das interessiert anscheinend nur ganz wenige, eventuell wurden die wenigen Karten, die man mehr verkauft hat, von den Initiatoren selbst gekauft.
Es interessiert niemand, wo nächstes Jahr der Verein der Walterelf, der zweimalige Pokalsieger, der viermalige Deutsche Meister spielen wird. Nein, lieber wird im Internet Stimmung gegen den Verein, gegen die derzeitig Verantwortlichen und gegen die Spieler gemacht. Durch Abstimmungen und m.M.n. dümmste Kommentare werden Torhüter noch mehr verunsichert als diese schon sind. Am besten stellen wir einen Tormann der Bambinis auf, der kann eventuell hier noch nicht mitlesen bzw. gestatten es ihm seine Alten nicht.
Über dieses Forum hatten sich viele Ende 2007 bzw. im Laufe des Jahres 2008 kennen gelernt. Wir hatten die am Feierdeiwel in der West vertieft, zum Teil sind auch Freundschaften bis zur Heirat entstanden. Nun treffen wir uns an der Buzzhaltestelle, einige aus dieser Zeit fehlen, andere sind hinzu gekommen.
Was jedoch fehlt, ist der Glaube an bessere Zeiten, irgendwie ist dieser Gang auf den Berg zu einer eine Art Pflichtübung verkommen.
Aber noch immer ruft uns der Berg, diese unbändige Kraft seiner Stimme, dieser Mythos, seine Ausstrahlung, dieser Vulkan sind immer noch vorhanden, ich höre es genau! Wenn ihr die Stimme hört, geht am Sonntag hoch, unterstützt Team und Verein!
Es darf nicht sterben was voller Leben ist!
Mal sehen, wie viele es am Sonntag tatsächlich werden. Ich befürchte, ich hätte die letzten 63 Minuten besser nutzen können, als dies zu schreiben. Doch ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Ich würde auch gerne wieder gegen Barzelona spielen, die falsche Schreibweise wäre mir dann so was von schnuppe.............obwohl, der SV Waldhof hätte auch etwas. Da kämen die 40.000, selbst in der dritten Liga.
Ich habe im Museum bisher keine Megaphonanlage der Walter-Elf gesehen, ebenso keine von unseren Meisterschaften/Pokalsiegen 1951-1953-1990-1991-1996-1998!
Sehr schön gschrieben. Ja es ist irgendwie eine Art Pflichtübung, weil es eben gar nicht zur Debatte steht nicht hinzugehen. Gerade jetzt in der schweren Zeit. ABER, wenn ich Richtung Stadion laufe und spätestens wenn ich in den Block komme, ist es eben doch immer noch etwas besonderes und mehr als eine Pflichtübung, weil der FCK auch mehr ist als ein schnödes Hobby. Auch wenn das viele leider vergessen haben. Deshalb muss dann eben der Rest (mal) wieder zusammen rücken und dafür sorgen, dass auch über dem Betzenberg die Sonne wieder heller scheint
Und ein Afang wären drei biedere, hart erkämpfte Punkte gegen dieses seltsame Sandhausen.
Toller Bericht,trifft den Nagel genau auf den Kopf. Kann leider berufsbedingt gegen Sandhausen nicht auf den Betze.Bin aber heute von Sandhofen uff de Bersch gfahr unn honn mer moi Katt gesche Karlsruhe gholt.Wonn trefft mer sich on de Butz? Ded gerre mol vorbeigugge.Bitte gebt mer e Ontwort.
In einer weit weit entfernten Zukunft werden wir auch wieder gegen Barzelona spielen, nachdem die eine Runde vorher Sandhausen rausgeworfen haben. Wenn wir dann gewonnen haben, spielen wir im Finale der Champions-League in der Münchner Allianz-Arena gegen Waldhof Mannheim.
Also Barzelona wär mir auch lieber wie Waldhof. Würde mich in absehbarer Zeit auch mit dem VFB, dem HSV, Pillenkusen oder den Geißböcken zufrieden geben.
FCK 4-life
"Sieger zweifeln nicht und Zweifler siegen nicht!" (Gerry Ehrmann)
Vielen Dank!!!
Betrachte dich als umarmt
und kräftig gedrückt!
Pippi in den Augen?? Ja!
Schwelgen in der schönen
Vergangenheit... nützt nix.
In Resignation, Selbstmitleid und Lethargie verfallen...hilft keinem..
Die Zukunft ins Auge fassen. Von nix kommt nix.
Also anpacken.
Das Projekt "Betze"
oder "der Berg ruft"...
oder wie auch immer wir es nennen wollen...
Entweder wird es sterben,
oder wir lassen es leben!
Mich erschreckt die geringe Resonanz auf diesen leidenschaftlichen
Bericht.
Ein Pessimist sieht in jeder Aufgabe ein Problem.
Ein Optimist sieht in jedem Problem eine Aufgabe!
Ich bin verantwortlich für das was ich sage,
nicht für das, was du verstehst
So, das Spiel ist vorbei und meine selbst auferlegte Schreibpause somit auch. Danke für diesen Beitrag @Der_alter_FCKler. In angemessenem Ton die Situation eingefangen. Das ist in stürmischen Zeiten nicht einfach. Heute waren schon ein paar Leute mehr oben und gegen den KSC, der sicher nicht nur den Gästekäfig voll bekommt, werden es wieder mehr werden.
Jetz muß ich bei meinem Text nachbessern, nicht verbessern:
"Sandhausen", die liegen sogar vor uns"
Seit gestern Mittag stimmt das nicht mehr.
Ich habe im Museum bisher keine Megaphonanlage der Walter-Elf gesehen, ebenso keine von unseren Meisterschaften/Pokalsiegen 1951-1953-1990-1991-1996-1998!