Aufsichtsrat führt Gespräche mit Kuntz-Nachfolgern
DBB fragt nach: Die Aufsichtsratsmitglieder Nikolai Riesenkampff und Jürgen Kind geben Auskunft über den Stand der Dinge beim 1. FC Kaiserslautern.
Weil sowohl der Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz als auch Finanzvorstand Fritz Grünewalt den Verein in den kommenden Monaten verlassen, wird auf dem Betzenberg eine komplette neue Führungsetage gesucht. Der ehrenamtlich tätige Aufsichtsrat befindet sich mitten in aussichtsreichen Gesprächen.
Mit
Michael Klatt wurde bereits ein neuer
Finanzvorstand gefunden, der am 01. April seine Tätigkeit offiziell beginnen wird.
Als nächste Personalien sollen ein
Vorstandsmitglied für Marketing und Vertrieb und ein
neuer Sportchef präsentiert werden. Der Aufsichtsratsvorsitzende Nikolai Riesenkampff gibt einen Einblick in die aktuellen Planungen: „Wir führen momentan Gespräche mit konkreten Kandidaten für die beiden Bereiche. Unser Ziel ist – ebenso wie beim Finanzvorstand – ein reibungsloser Übergang, insbesondere auch um dem künftigen Sportchef genügend Einflussmöglichkeiten auf die Kaderplanung zu geben.“ Ob der neue Sportverantwortliche im Vorstand angesiedelt wird oder eine Personalebene darunter als Sportdirektor/Geschäftsführer, steht noch nicht endgültig fest.
„Nicht die schnellste, sondern die beste Lösung“
Auch auf ein konkretes Datum, wann die neue Vereinsführung komplett sein wird, möchte sich der Aufsichtsrat ungern festnageln lassen. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, ich selbst bin zurzeit jeden Tag für den FCK tätig. Aber wir möchten uns auch die Zeit nehmen, die Kandidaten im Detail zu testen. Nicht die schnellste, sondern die beste Lösung hat für uns Priorität“, gibt Riesenkampff zu Protokoll. Jürgen Kind, im Aufsichtsrat zuständig für die Belange der Mitglieder und Fans, ergänzt dazu: „Natürlich birgt so ein Umbruch gewisse Risiken, aber auch eine große Chance. Auf diese Chance möchten wir uns fokussieren.“
Und wer übernimmt bis dahin die laufenden Geschäfte, insbesondere die Vorbereitung auf die neue Saison? Riesenkampff: „Die sportliche Leitung hat wie bisher Stefan Kuntz mit seinem Team aus Chefscout Boris Notzon und Cheftrainer Konrad Fünfstück. Der Abschluss von Verträgen mit aktuellen oder neuen Spielern läuft auch in Rücksprache mit dem Aufsichtsrat, der als Kontrollgremium auch bei der Finanzplanung beteiligt wird. Fritz Grünewalt verantwortet bis zu seinem Ausscheiden am 31.März die Finanzen und bereitet momentan die im März fälligen Lizenzierungsunterlagen für die DFL vor.“
Sobald die neuen Führungskräfte an Bord sind, wird das Ruder am Betzenberg endgültig übergeben: Der „neue“ FCK nimmt langsam, aber sicher Gestalt an. Und Riesenkampff sagt unzweideutig das, was viele Fans beim FCK zuletzt vermissten: „Wir haben ganz klar das Ziel: Bundesliga!“
Quelle: Der Betze brennt
Die Rheinpfalz hat ebenfalls ein ausführliches Interview mit Nikolai Riesenkampff veröffentlicht. Unter dem Titel „Wir wollen die Besten holen“ nimmt der Aufsichtsratsvorsitzende nicht nur Stellung zur Zukunftsplanung, sondern auch zu den turbulenten letzten Monaten auf dem Betzenberg:
„Wir wollen die Besten holen“
INTERVIEW: FCK-Aufsichtsratschef Nikolai Riesenkampf über künftigen Vorstand, Trainer und Finanzen
KAISERSLAUTERN. Aufsichtsratsvorsitzender Nikolai Riesenkampff (44) sieht die Verpflichtung eines komplett neuen Vorstands als Entscheidung über die Zukunft des 1. FC Kaiserslautern. Der promovierte Jurist ist in Pirmasens aufgewachsen. Der freie Unternehmer lebt in Berlin.
Herr Riesenkampff, der Aufsichtsrat hat sich nach dem Rücktritt von Dieter Rombach in der Besetzung ja nur auf einer Position verändert. Trotzdem kam es zum überraschenden Bruch mit Stefan Kuntz und der vorzeitigen Vertragsauflösung zum Saisonende. Was sind die wahren Gründe?
Die Jahreshauptversammlung war schon ein Ereignis, das uns alle sehr mitgenommen und nachdenklich gemacht hat. Das ist nicht spurlos an uns vorbei gegangen. Was passiert ist, ist so, wie wir es bei der Pressekonferenz bei Bekanntgabe der Trennung gesagt haben: Stefan Kuntz und ich haben eng zusammen gearbeitet, wir standen in einem fast täglichen Austausch – auch was Wintertransfers angeht. Da haben sich zwischen Aufsichtsrat und Stefan unterschiedliche Auffassungen aufgetan. Stefan und ich haben uns getroffen, als wir gemerkt haben, das es Unstimmigkeiten gibt. Dann haben wir beide überlegt, was ist das Beste für den FCK und sind zu dieser Lösung gekommen.
Sie haben ja bei besagter Pressekonferenz den Arbeitseinsatz von Stefan Kuntz gelobt und gesagt, dass er bei der Auflösung des bis Ende 2017 laufenden Vertrages gezeigt habe, dass es ihm wirklich um das Wohl des Vereins geht. Der Vertrag, den 2008 Dieter Buchholz und Ottmar Frenger unterzeichnet haben, gab mehr für ihn her…
Über finanzielle Modalitäten haben wir Stillschweigen vereinbart. Aber das Gespräch war sehr produktiv. Ich kann sagen, dass ihm das Wohl des FCK sehr am Herzen lag und liegt. Ohne Zahlen zu nennen, kann ich sagen, dass Stefan dem FCK entgegen gekommen ist.
Wenn der Aufsichtsrat die Verpflichtung eines ablösefreien Spielers wie Emanuel Pogatetz ablehnt, gibt es zwei Möglichkeiten: Ihr Gremium hält den Spieler für zu alt oder zu schwach. Oder es fehlt Geld. Oder wollte man Kuntz die Grenzen aufzeigen, zeigen, dass man kein Abnicker-Gremium ist? Wie ist die finanzielle Situation?
Es ist nicht die Aufgabe des Aufsichtsrates, bestimmte Spieleranalysen zu treffen. Aber wir haben Aufsicht zu führen, müssen mittel- und langfristig planen. Wir hatten schon einen relativ großen Kader und unsere sportlichen Erwartungen – wir wollten ja um den Aufstieg in die Bundesliga mitspielen – hatten sich nicht erfüllt. Dadurch gingen die Zuschauerzahlen zurück, die Einnahmen in der Gastro und an den Kiosken, im Hospitality und Sponsoring waren rückläufig. In der Situation haben wir gesagt, wir wollen den Etat nicht weiter belasten und zusätzliche Kosten verursachen. Wir wissen ja nicht, was die Saison noch bringt. Bei jedem Platz, den wir uns in der Fernsehtabelle verschlechtern, verlieren wir Geld. Es ist wie in jedem Betrieb. Wenn es nicht läuft, muss man vorausschauend handeln. Es ging nur um die Sache und nicht darum, mit einer Entscheidung bei irgendwem zu punkten. (...)
Quelle und kompletter Text: Rheinpfalz