Meinungen zur Neufassung der Stadionverbotsrichtlinien
Gestern gab der DFB in einer Pressemitteilung bekannt, dass es eine Neufassung der Stadionverbotsrichtlinien geben wird. Stadionwelt hat erste Kommentare zu einem Thema eingeholt, dass die deutsche Fanszene wie kein anderes beschäftigt.
„Zunächst einmal gilt der Dank `Unsere Kurve`, die es möglich gemacht haben die Stadionverbots – Richtlinien zu ändern. Die Interessengemeinschaft hat es geschafft, durch ihr seriöses Auftreten und konstruktive, argumentativ vorgebrachte Vorschläge diesen Erfolg zu verzeichnen. Ein weiterer Punkt für den Erfolg waren sicher die realistischen Vorschläge zur Änderung. Durch Forderungen Stadionverbote komplett abzuschaffen, stößt man seitens des DFB auf taube Ohren. Stadionverbote werden sicher nie verschwinden. Wie die neuen Richtlinien in der Praxis angewandt werden bleibt abzuwarten. Ich hoffe, dass durch die Schulungen der Stadionverbotsbeauftragten, die zum Teil übertriebenen Forderungen der Polizei besser geprüft werden. Die Änderung ist ein wichtiger Schritt in Bezug auf Fanarbeit, trotzdem bleibt jedes Stadionverbot ein Stadionverbot zu viel.“
Sascha Pinger, Ultras Mainz
„Der DFB ist unseren Anregungen soweit gefolgt. Mehr konnte man nicht erwarten. Nun hat jeder Verein die Möglichkeit, fair mit dem Thema Stadionverbote umzugehen. Niemand kann sich mehr hinter den Richtlinien verstecken. Auch wenn noch nicht alles perfekt ist, hat der DFB mit Zwanziger und Spahn alle Zusagen eingehalten. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass sich die Vertreter im ´Nationalen Ausschuss´ ähnlich vernünftig verhalten. Natürlich kommt es auch darauf an, dass die neuen Vorgaben in die Praxis umgesetzt werden.“
Wilko Zicht, BAFF-Sprecher
„Dass die Stadionverbotsdauer reduziert wurde, freut mich natürlich sehr. Dass die Heimvereine mehr Spielraum bei Bewährungsprogrammen und der Aussetzung von Stadionverboten haben, ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings kommt es hier auch sehr auf das Interesse des jeweiligen Vereins an. So wird diese Regelung für Szenen, die kein gutes Verhältnis zur Polizei und vor allem zum Verein haben, keine grundlegenden Änderungen mit sich bringen.“
Kevin Baumanns, Fanatics Ahlen
„Im Allgemeinen ist die Änderung positiv zu betrachten.“
Daniel Grünwald, Inferno Koblenz
„Prinzipiell waren wir an den Gesprächen als begleitende Instanz beteiligt. Die Reform, die sich aus dem Fan-Kongress entwickelt hat, ist an sich bemerkenswert. Eine konkrete Beurteilung ist natürlich erst möglich, wenn das Papier vorliegt. Unter dem Standpunkt der kleinen Schritte ist es auf jeden Fall eine Verbesserung.“
Volker Goll, KOS
„Von DFB-Seite haben wir die Zeitschiene eingehalten. Ich war in der AG, an der DFB, DFL und Unsere Kurve teilgenommen haben. Dort wurde kontrovers, aber sehr sachlich diskutiert. Deswegen sind wir in dieser komplexen Thematik sehr schnell vorangekommen. Ich denke es liegt nun ein Ergebnis vor, mit dem alle Teilnehmer der AG gut leben können. Die Neufassung ist durch das Präsidium des DFB abgesegnet. Jetzt steht noch die Stellungnahme der staatlichen Stellen aus."
Gerald von Gorrissen, DFB-Fanbeauftragter
„Nach meinem Dafürhalten ist das ein großer Schritt in die richtige Richtung. In der Pressemitteilung fehlt mir aber eine klare Positionierung zur Aufhebung von Stadionverboten anlässlich wie auch immer gearteteter Einstellungen der den Stadionverboten zu Grunde liegenden Strafverfahren. Es sollte diesbezüglich fanfreundlichere Richtlinien geben.“
Tobias Westkamp, Rechtsanwalt / Dachverband Köln
„Grundsätzlich ist es gut, dass sich der DFB damit beschäftigt und es zeigt sich auch, dass sich nun was tut. Wie die Heimatvereine da eingebunden werden, wird sich dann zeigen. Die Reduzierung der Höchststrafe ist natürlich ebenfalls positiv zu sehen, wobei ich in Leverkusen in den letzten Jahren nur noch Stadionverbote von drei oder weniger Jahren mitbekommen habe, so dass bei uns der Eindruck entstanden ist, dass diese Reduzierung schon länger angewendet wurde.“
Sebastian Pöschke, Ultras Leverkusen
„Meine Meinung dazu ist auf jeden Fall positiv, da in der Vergangenheit oft oberflächlich Stadionverbote verhängt wurden. So kann man jeden Fall individuell behandeln. Und außerdem sind fünf Jahre komplett überzogen...drei sind schon viel. Vielleicht sollte man auch in dem Fall die Vereine selbst entscheiden lassen, ob man den Fan ein, zwei oder drei Jahre vor den Stadiontoren schmoren lassen will.“
Sascha Neubauer, Wob on tour
„Zunächst einmal ist es ein positiver Schritt, dass wir das geschafft haben. Die Umsetzung in die Tat muss natürlich noch folgen. Die Richtlinien müssen ausgeschöpft werden. Der Einzelfallbetrachtung kommt dabei eine große Rolle zu. Auch wichtig sind die Schulungen der Stadionverbotsbeauftragten, die aufgrund einer Vereinbarung mit dem DFB durchgeführt werden. Vertreter von Unsere Kurve werden dabei sein und so Einfluss nehmen können. Mit der Art und Weise des Umgangs sind wir sehr zufrieden, obwohl die Verhandlungen teilweise mit harten Bandagen geführt wurden. Erstmals ist spürbar, dass man sich auf Zusagen verlassen konnte. Der DFB nimmt den Dialog mit Fans ernst. Wer es durchgesetzt hat, ist gar nicht wichtig, sondern dass es durchgesetzt wurde, weil es jeden Fan betrifft.“
Mathias Scheurer, Unsere Kurve
„Die Neuregelung der Stadionverbotsrichtlinien ist sicher ein erster und richtiger Schritt, um den Forderungen der Fanszenen gerecht zu werden. Trotzdem wird abzuwarten bleiben wie die neuen Regelungen, sollten sie in Kraft treten, umgesetzt werden. Letztlich wird es aber auch darauf ankommen, dass die Kriminalisierung von Fußballfans zurückgeht und ein stärkeres Vorgehen gegen Polizeiwillkür stattfindet.
Jan Oberdieck, Göttingen 05
„Grundsätzlich ist es schon mal als positiv zu werten, dass überhaupt Bewegung in die Stadionverbotsdebatte gekommen ist. Angesichts des seit Jahren praktizierten, ungerechten Systems, ist das aber lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. die Repressionsschraube wurde und wird um zehn Drehungen angezogen und als Zugeständnis um eine Drehung gelockert. Das reicht definitiv nicht!"
Johanna, Filmstadtinferno 99
„Man kann auf jeden Fall sagen, dass sehr viel von der Schulung der Sicherheits- beziehungsweise Stadionverbotsbeauftragten abhängt. Wenn weiterhin immer die Höchststrafe verhängt wird, bringt die Änderung gar nichts. Die Möglichkeiten etwas Positives zu machen, gab es auch schon vorher.“
Sandra Schwedler, Pro Fans
(Stadionwelt, 29.11.2007)
Quelle:
http://www.stadionwelt.de/neu/sw_fans/i ... ws_id=1360