mster hat geschrieben:
Aber nun gut. Da darf sich die erste Liga nächste Saison dann ja auf ein neues "Highlight" freuen wenn es heißt "Audi Ingolstadt vs VW Wolfsburg".
Mögen die Einschaltquoten auf Sky ins Bodenlose sinken, alles andere verstehen diese Totengräber des Fußballs nämlich nicht.
Ja, das sind richtig geile Duelle zwischen Bayer, VW, Audi, Red Bull und SAP. Bestimmt super zu vermarkten. So wird man die Premier League locker abhängen. Wer will schon Liverpool gegen Arsenal sehen, wenn er VW gegen Audi vor 9500 Unentwegten haben kann, von denen die Hälfte Freikarten hat? Genau, keiner. Alle wollen die Weltmeisterliga sehen, Logo.
Im Gegensatz zu England werden bei uns Clubs mit Geld gepimpt, die eigentlich fussballfern sind und keine Basis, keine Fans, keine Tradition haben. Konstrukte, die der Laune eines Konzerns oder Mäzens entspringen. Dass die solchermaßen mit dem Geldturbo aufgeladenen dann auf internationaler Ebene regelmäßig implodieren, ist eine schöne Randnotiz. Die aber nicht zum Nachdenken darüber führt, ob das Geld, dass nach Markranstädt oder Sinsheim fließt, um dort auf dem Acker Fusball zu erschaffen, nicht besser in Nürnberg, Essen oder Kaiserslautern angelegt wäre. Dort, wo die Ressource überreich vorhanden ist, die in Ingolstadt fehlt: Emotion.
Die DFL pienst, dass man immer weiter hinter England zurückfällt. Und vergisst dabei, dass Fußball Emotion braucht. Emotion, die nur über Jahrzehnte wächst und in der Erinnerung an große Spiele und Spieler, an selbst Erlebtes, an Abgründe der Trauer und größte Euphorie fortlebt. Das können all die Plastikclubs nicht bieten. Interesse kann man erzeugen, Liebe nicht. Die DFL jedoch sucht ihr Heil nicht in einer Rückbesinnung auf den Kern dessen, was Millionen dazu bringt, 22 Mann zuzuschauen, die um einen Ball kämpfen. Nein, man "steuert nach", indem man den Spieltag weiter zerstückelt, um mehr Kohle von Sky zu erpressen. Ob zu den Zeiten noch Jemand ins Stadion kann ist den Plastikvereinen auch fast schon wieder Wurscht, denn "echte" Fans haben sie nicht und von ihren Kunden hängen sie nicht ab. Das Produkt, dass sie herstellen verkauft sich über andere Kanäle. TV, Merchandising. Und was fehlt, kommt vom Geldgeber. Fuck you, Fan.
Der Fußball wird ausgebeutet. Es ist ein Fußball, bei dem man sie Sitze bunt anstreicht, damit beim Totalenschwenk das Stadion voll wirkt, bei dem die Kameras verschämt den Heimblock nur in der Großaufnahme zeigen, um das verlorene Grüppchen dort zu kaschieren, bei dem die Mikrofone fast schon IM Gästeblock stehen, um die Illusion tatsächlich wetteifernder Fans zu erzeugen. Ein Fußball, bei dem nach Toren ohrenbetäubende Musik lärmt um den Kunden zu zeigen, dass nun der Zeitpunkt zur Extase gekommen ist. Ein Fußball, der 10 schalschwenkende Hoffenheimer zum "You'll never.." im Hintergrund der Anmoderation zeigt und versucht den Eindruck zu erwecken, man stehe auf auf der West zwischen 15.000. Und ein Fußball, dem jede sportpolitisch-kritische Öffentlichkeit abhanden gekommen ist, weil die journalistischen Beobachter klammheimlich durch smarte Produktvermarkter ersetzt wurden, die selbst an der Nadel Profifussball hängen.
Ja, sie brauchen die Emotion für die Vermarktung, aber sie ist ihnen längst entglitten. Fangesänge werden durch Stadionradio ersetzt, Fluchen und Schreien und Klatschpappen, Fanrituale durch Danke-Bitte-Peinlichkeiten. Das fühlt sich alles längst nicht mehr echt an. Atmo aus der Retorte.
Und genau das ist das Problem: Sie wollen rote Teufel, Hölle, Mythen und Legenden verkaufen, aber was sie haben, ist nur das, was die nassforschen Marketing-Twentysomethings aus Wolfsburg oder Salzburg für Fußball halten: ein Surrogat. Und das wird den Fußball in Deutschland, anders als in England, wo Geld und Tradition irgendwie zusammen gefunden haben, zerstören.