WernerL's Argumentation für eine Ausgliederung klingt sehr sympatisch, wenn es dieses Theorem Verein = Dilettanten und Kapitalgesellschaft = wirtschaftliche Kompetenz wirklich gibt.
Dann frag ich mich nur, sind denn die Leute im Vorstand des Vereins heute Dilettanten und werden morgen nach Ausgliederung wirtschaftliche Überflieger? (Dilettant im neuzeitlichen Sprachgebrauch)
Weckt eine Organisationsänderung wirklich die inneren Kräfte? Oder geht es hier um die wirtschaftliche Transparenz, oder besser das Arbeiten im Schutze der Gesellschaft, wie es WernerL beschreibt.
Geht es darum, dass Mitglieder einfach nicht in der Lage sind, die Vorgänge richtig zu interpretieren und man deshalb besser alles im Verborgenen einer Gesellschafterversammlung bespricht?
@ pebe:
Ich hab wirklich keine Lust zum wiederholten Male die Vor- und Nachteile einer Ausgliederung runterzubeten, denn so einfach schwarz/weiss ist die Welt da leider nicht.
Zumal der Wechsel der Organisationsform an den Problemen des FCK erstmal garnix ändert.
Die Liquidität bleibt fragil, der Ertrag äußerst mäßig und die langfristigen Investitionen sind nicht aus Eigenmitteln möglich.
Schon früher habe ich geschrieben, dass es durchaus Sinn macht gewisse Aktivitäten des Vereins in externe Gesellschaften auszugliedern, dazu gehört beispielsweise das Engagement im NLZ. Eine GmbH deren Eigenkapital sich aus zu Kapitalanteilen umgewandelten Betzeanleihe speist, könnte gewisse Abgrenzungsprobleme des Vereins hinsichtlich Nutzung durch die Profimannschaft verringern und auch steuerliche Einsparungen ermöglichen. Das machen heute auch schon andere Vereine, ohne ihre e.V. Struktur aufzugeben. Das wäre auch für einige Teile der heutigen Geschäftsstellenaktivitäten möglich.
Der FCK macht es übrigens mit seiner Gastro GmbH schon länger so, allerding lieber Werner, nicht unbedingt mit viel Erfolg, denn der Verein musste in den letzten Jahren schon mehrmals nicht wenig Geld zuschießen, um Misswirtschaft im Gastrobereich auszugleichen.
Bei einer Ausgliederung der der Profi- und Jugendmannschaft würde sich der Verein - und damit die Mitglieder- der einzigen nennenswerten Werte, die er noch hat entledigen und sie gegen eine Beteiligung an einer externen Gesellschaft eintauschen. Diese Gesellschaft würde danach durch die Mitglieder nur noch sehr indirekt kontrolliert, geschweige denn bestimmt, denn unsere Satzung kennt kein imperatives Mandat für Aufsichtsrat und Vorstand.
Um an weiteres Kapital zu kommen, und daran mangelt es vorallem, kann die Gesellschaft dann fast unbegrenzt Anteile verkaufen, solange sie die Mehrheit an den Stimmrechtsanteilen hält (laut dfb 50+1 Regelung).
Das Problem ist nur, an wenn soll man verkaufen? Und für wieviel?
Das Problem an solchen Investoren ist doch, entweder sind sie an Rendite interessiert oder an ihrer Selbstdarstellung.
Die einzigen, die bereit wären auf beides ggf. zu verzichten wären die Fans des FCK bei einem Aktienverkauf à la Fananleihe, doch angesichts des Verhältnis zwischen institutionellen Anlegern und Kleinsparern bei der Betzeanleihe, kämen da schwerlich die großen Summen zusammen von denen einige träumen, zumal was die Transparenzregeln angeht, unterliegt die Gesellschaft dann den Regeln des HGB und des jeweiligen Gesellschaftsrechts, was bei der Größenordnung des FCK sicher mehr ist, als er heute zu beachten hat.
Dann tauscht Stefan die Mitgliederversammlung gegen eine Aktionärsversammlung ein, auf der 1000 Kleinanleger erscheinen, sich ggf. sogar zusammenschließen und Minderheitsrechte einfordern.
Sicher es gibt genügend Gründe mit denen man eine Ausgliederung bewerben kann und nicht jeder davon ist unsinnig, aber umgekehrt gilt das auch für den Status quo des Vereins.
Wirtschaftlicher Sachverstand und kaufmännisches Handeln ist sowohl im Verein möglich, wie auch in einer Kapitalgesellschaft.
Den Mitgliedern sollte klar sein, gerade den aktiven, dass ihre eigene Aktivität bei Ausgliederung am Tropf der Kapitlgesellschaft hängt, und sie keinen Einfluss mehr auf deren Entscheidungen haben.
Steuerliche Abgrenzungsprobleme sind kein Argument pro großflächige Ausgliederung, sondern erfordern lediglich organisatorischen Sachverstand.
Ich kann sogar mit dem Slogan
daachdieb hat geschrieben: Ausgliederung = mehr Geld = mehr Mitsprache für die Mitglieder?
mitgehen,
nur ohne?
Er sollte mir aber auch erklären, wo das mehr Geld herkommt.
Solange das aber bei den Ausgliederungsfundis die einen Manchesterkapitalismus auch für Fußballvereine fordern kein Thema ist, werde ich mich als Vereinsmitglied doch nicht meiner eigenen (wenigen) Rechte entledigen.