Handball-Weltmeisterschaft in Katar! Ein Vorgeschmäckle…
Dank einer Wildcard erreichte der DHB die Weltmeisterschaft in Qatar. Nach einer äußerst positiv verlaufenden Vorrunde mit Siegen gegen Polen (29:26), Russland (27:26), Dänemark (30:30), Argentinien (28:23) und Saudi Arabien (36:19), wähnte man sich bei der deutschen Handballnationalmannschaft bereits in der Weltspitze angekommen zu sein. Die deutsche Gruppe D war mit Sicherheit die schwierigste von vier Gruppen. Dort ungeschlagen als Tabellenerster weiter zu kommen war nicht selbstverständlich.
Im Achtelfinale erwartete das deutsche Team die ägyptische Nationalmannschaft, welche in Gruppe C auf dem vierten Tabellenplatz landete. Mit der entsprechenden Entschlossenheit erreichte man mit 23:16 die nächste Runde. Dort wartete Gastgeber Katar. Um ehrlich zu sein, hatte ich von Katar und Handball noch nie was gehört. Erst am Spieltag informierte ich mich über die Mannschaft, welche quasi eine internationale Söldnertruppe ist. Passend dazu auch der Artikel in der Süddeutschen Zeitung:
http://www.sueddeutsche.de/sport/sportl ... -1.2329198
Nun ja. Für den Handballsport stellt der arabische Raum ein interessantes Wachstumsfeld dar, um die Scheichs mit Bierbauchansatz zum sportlichen Wetteifern zu bewegen. Spass holt. Solange sie den Schiedsrichtern nicht die teuren Uhren schenken, ist es auch im Sinne des Sports.
Die deutsche Nationalmannschaft konnte sich gegen den Gastgeber aus Katar im Viertelfinale nicht durchsetzen. In einem spannenden Spiel zeigte sich, dass den deutschen Handballspielern die spielerische Reife und Flexibilität fehlte, um im Hexenkessel von Doha bestehen zu können. Das Endresultat lautete 26:24. Die Niederlage gegen Katar wirkte noch im nächsten Platzierungsspiel gegen Kroatien nach, welches mit 23:28 recht klar verloren ging.
Im Platzierungsspiel gegen Slowenien um Platz 7 wahrte man die Chance auf die olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Ob und wie man sich qualifiziert, sollen andere erklären. So richtig kapiert wie das Procedere funktionieren soll, habe ich nicht wirklich:
http://www.sport1.de/handball/nationalt ... uf-olympia
In einem interessanten Endspiel setzte sich die französische Equipe um die Welthandballer Karabatic und Thierry Omeyer mit 25:22 gegen die Mannschaft aus Katar durch. Eine sehr souveräne und respektable Leistung der Franzosen.
Das deutsche Winterhandballmärchen fand leider nicht statt. Woran lag es? Viele Gründe mögen zusammen kommen. Vergleicht man die Belastung deutscher Fußballspieler mit deutschen Handballspielern, dann wird man eine extreme physische und mentale Belastung bei den Handballern feststellen. Die Handballbundesliga umfasst dieses Jahr 19 Mannschaften wodurch jedes Team 36 Spiele im Jahr bestreiten muss. Für die Nationalspieler stehen jedes Jahr entweder Europameisterschaft oder Weltmeisterschaften an. Zusätzlich alle vier Jahre auch noch Olympische Spiele.
Ob man mit einer Bundesliga Süd und einer Bundesliga Nord bestehend aus jeweils 16-18 Mannschaften sowohl die wichtige Breite als auch die Spitze fördern kann, wäre zumindest nachdenkenswert. Auch wenn der Süden die Spiele gegen den THW Kiel vermissen wird. Eben masochistisch veranlagt. Demgegenüber steht der Reiz von traditionsreichen lokalen Derbys.
Quo vadis, DHB?
Zunächst wohl doch nach Brasilien zu den olympischen Spielen 2016 an die Copacabana. Danach oder davor (?) zur Europameisterschaft nach Polen (2016).
Handballweltmeisterschaft 2017 in Frankreich? Europameisterschaft in Kroatien 2018? Dann definitiv dabei bei der Weltmeisterschaft 2019 in Dänemark und Deutschland - als Mitgastgeber!
Hört man bei Heiner Brand, dem Weltmeistertrainer von 2007 genauer nach, dann zeichnet sich eine Spielphilosophie ab, welche sich wohl recht deutlich von der Spielweise der Spanier, Katarer oder Kroaten unterscheiden wird. Zumindest hörte man heraus, dass er wenig begeistert von der katarischen Spielweise war. Ob sich beim Handball wie beim Fußball eine Spielweise wie bei den Italienern mit dem berühmt berüchtigten Catenaccio erkennen lässt? Vielleicht bei den Spaniern erkennbar? Der Handballsport wird übrigens von den italienischen Defensivfetischisten verschont.
Wenn man ein sportliches Vorbild sucht, dann wird man zwangsläufig bei der französischen Equipe landen, welche sich dann doch in den engen Spielen im Halbfinale oder Finale durchsetzt. Quasi ein Siegergen entwickelt hat. Erfahrung, Flexibilität, Robustheit und Spielerische Klasse gepaart mit individueller Stärke.
Für die deutsche Nationalmannschaft um Gensheimer und Lichtlein ist bis 2019 noch Luft nach oben vorhanden. Jedes Turnier zählt.
http://www.wormser-zeitung.de/mediathek ... 689001.htm
Inwiefern Katar ein guter Gastgeber war, müssen andere beurteilen.
Katar ist immer bereit – für alles.
http://www.wormser-zeitung.de/mediathek ... 129001.htm