Sehe ich genauso. Aus dem Bayern-Spiel jetzt zu schließen, dass "der Ballbesitzfussball am Ende" ist, scheint mir übertrieben. Natürlich sieht es für die dominante Mannschaft immer scheisse aus, wenn sie selbst den Ball hin und her schiebt und dann elegant ausgekontert wird. Aber wie Du richtig schreibst: oft gibt es dazu gar keine Alternative. Reinrassiger Umschaltfussball, so geil das Aussehen mag, funktioniert halt nicht, wenn der Gegner mit 2 Viererketten hinten steht und es nichts umzuschalten gibt.Ktown2Xberg hat geschrieben:Kann man sicher diskutieren. Dass die allgemeine "der König ist tot, es lebe der König"-Stimmung nach dem Spiel gestern etwas übertrieben ist, zeigt witzigerweise Dein Beispiel.Weschtkurv hat geschrieben: Nö.
Tiki taka hat ausgespielt.
So einfach is des.
Denn Barcelona hat gegen Madrid auch den Pokal verloren, und bei denen war noch nix abgehakt.
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Bayern gestern war wie unser 0:4 vor der Foda Entlassung.
Ein Haufen Ballbesitz, null Idee, null Torgefahr, aber 4 kassiert.
Wir hatten unter Foda generell wenig Ballbesitz - der wollte nämlich genau den Konterfußball spielen, der jetzt so abgefeiert wird. Das Problem ist allerdings, dass dieses Konterspiel als Favorit nur schwer zu spielen ist. Real, Chelsea - wenn die gegen ein Kellerkind spielen, dann lassen die ihre Edel-Offensive los und tun den Teufel, auf Konter zu spielen. Insofern ist Pep vielleicht gestern "ausgecoacht" worden (was man bei 2 Standardtoren als Dosenöffner auch nochmal diskutieren könnte) - in der Liga könnten die Bayern niemals auf Konterspiel setzen, ebensowenig wie Chelsea, Real oder Dortmund diesen Ansatz gegen kleinere Teams wählen würden.
Was passiert, wenn man nur mit Konterspiel oben mitspielen will, musste Sami Hypia bei Leverkusen erfahren. Als die anderen den Dreh raus hatten und nicht mehr mitspielen wollten, ging's abwärts.
Keine Taktik ist per se "der neue Hit", es kommt immer auf die Konstellation an. Und dazu gehört dann auch die Frage, ob wir nächste Saison "die Liga ärgern" oder oben mitspielen wollen. Und selbst in Liga 1 kann es ganz gut sein, wenn man mit Ballbesitz was anzufangen weiß (denn nur darum geht's bei der Frage, ob Ballbesitzfußball "gut" oder "schlecht" ist).
Schließlich hat die Tatsache, nur kompakt stehen und kontern zu können uns in unserer letzten Erstligasaison (ebenso wie in dieser Saison Nürnberg) in der Winterpause gezwungen, das System auf Ballbesitz umzustellen, um nicht sehenden Auges als Remis-Könige abzusteigen - was bekanntlich ja dann in einer missglückten Operation am offenen Herzen geendet ist.
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Bayern hat aus meiner Sicht nicht wegen des falschen Spielstils sondern aus 3 anderen Gründen gewonnen.
Zum einen hat Madrid dieses Jahr einfach eine Bombenmannschaft, die in dieser Form auch die Heynckes-Truppe des Vorjahres geputzt hätte. Nicht umsonst haben die gegen die drei deutschen Topteams insgesamt 17:4 Tore (!!) erzielt und die spielten verschiedene Spielsysteme. Ein Team, dass flexibel ganz unterschiedliche Systeme spielen kann und auch die Basics wie Standards glänzend beherrscht (wie wichtig letzteres ist, hat man Dienstag gesehen, auch wenn Trainer wie Guardiola oder Löw das anders sehen).
Zum zweiten hat Madrid einen Spieler wie Ronaldo, der auch auf diesem Niveau Spiele entscheiden kann. Über einen Kicker dieser Qualität verfügt Bayern schlicht nicht, auch nicht Ribéry, der ja grundsätzlich überschätzt wird und ohnehin im Vorjahr nur aus rein marketingtaktischen Gründen in die Kategorie Messi/Ronaldo aufgeblasen wurde, weil der CL-Sieger nun mal ein "Gesicht" braucht und Bayern sonst keinen geeigneten Kandidaten hatte, der als "Weltstar" taugte.
Zum dritten, und das ist aus meiner Sicht entscheidend, wenn sich 2 Mannschaften auf gleichem Niveau begegnen: Madrid wollte mehr. Bayern hat den Pokal halt schon mal geholt, alle auf dem Platz wissen, wie das ist. Es zu wiederholen, wäre nett. Im Vorjahr dagegen wollte Bayern den Erfolg nach den 2verlorenen Finals mit aller Gewalt, so, wie jetzt Madrid. Die Madrider Spieler, selbst Ronaldo haben alles gewonnen, aber eben nicht die höchste Trophäe, die es im Vereinsfussball gibt. Die wollten unbedingt und waren heiß ohne Ende.
Zu diesen 3 Punkten kam noch hinzu, dass die Bayern irgendwie nach Bundeligaende die Spannung verloren haben.
Jedenfalls hat das alles nichts mit dem "Ballbesitzfussball"zu tun, mit dem die Bayern ja auch vorher die Konkurrenz gnadenlos platt gedrückt haben.
Ballbesitzfussball versucht auch Runjaic spielen zu lassen. Allerdings ohne die Fähigkeit, aus dem Mittelfeld heraus Chancen zu kreieren, ohne gefährliches Flügelspiel, ohne einstudierte Konter, die es bei eigener Führung erlauben, den Sack zuzumachen, dafür mit hölzernen Sechsern, deren Ballverluste im Spielaufbau die für ein Kombinationsspiel notwendige Sicherheit nicht aufkommen lassen. Und mit hoch stehenden Aussenverteidigern, die die Tür für schnell konternde Gegner weit öffnen. Es ist die Parodie gekonnten Ballbesitzfussballs, ein Spielsystem, welches zu einem grausamen Quergeschiebe führt, das die Experten höhnen lässt und dem FCK Fan die Tränen in die Augen treibt. Dass, was Runjaic vorhat, sieht auf dem Papier gut aus, hat aber in der Praxis dazu geführt, dass wir gegen qualitativ schlechter besetzte Teams reihenweise verloren haben und jetzt 5 Punkte hinter Paderborn liegen.
Ich weiß nicht, wo die Qualitäten von Runjaic liegen. Vielleicht in der Menschenführung? Mir scheint er vor allem in der Selbstvermarktung gut zu sein. Auf dem Platz sehe ich jedoch nichts, was mich optimistisch stimmt,dass er mit einem Team ohne Zoller, Idrissou und Löwe, womöglich auch ohne Torrejon, nächste Saison bessere Ergebnisse produziert.
