Bochumer-Hennes hat geschrieben:Jermies 16 hat geschrieben:Das aktuelle Problem liegt nicht in Runjaics taktischen Fähigkeiten, sondern im mentalen Bereich der Mannschaft und deren Klima. Hier muss seit der Phase des Aufschwungs einiges schief gelaufen sein. An der Aufarbeitung und Behebung dieser Probleme ist Runjaic zu messen. Ansätze zur Behebung dieser Probleme hat er zum jetzigen Zeitpunkt offenbar noch nicht gefunden und muss dafür in diesem Bereich kritisiert werden.
Genau das will ich nochmal aufgreifen, weil ich das für absolut richtig halte.
Mir kann keiner hier erzählen, Runjaic wüsste von Taktik weniger als der Großteil der User eines Internetforums. Das ist doch Unsinn.
Es ist auch vollkommen irrelevant, ob Spieler XY spielt oder ein anderer. Der FCK hat in nahezu jedem Spiel - zumindest in den Spielen gegen die vermeintlich Kleinen - diesem Spiel seinen Stempel aufgedrückt. Körperlich überlegen, mehr Ballbesitz. Das ist nicht der Grund für die Ergebniskrise.
Der FCK nutzt schlicht sein Potenzial nicht. Er hat noch immer einen großen Namen (zumindest in Liga zwei!), holt aber dennoch (oftmals) Spieler, die den Schritt zum FCK eher als Abstieg (zumeist von der ersten in die zweite Liga) empfinden müssen: Das täten wir anstelle der Lakics, Occeans usw. auch, wenn wir ehrlich sind. An deren Stelle müsste ich mir die zweite Liga auch erst schön reden.
Und dort treffen diese Spieler dann auf die "Bolzer" aus Aalen (nur überspitzt, nicht depektierlich gemeint - die machen ihre Sache gut!), die ihnen 90+x Minuten auf den Füßen stehen und alles unterbinden wollen, was ihnen dann auch oft gelingt, denn fußballerisch ist das nunmal einfacher, als selbst ein Spiel zu diktieren.
Simon Zoller ist - wahrscheinlich widersprechen nicht viele - der erfolgreichste und "beste" Stürmer des FCK diese Saison. Warum? Unter anderem deshalb, weil der Wechsel zum FCK für ihn kein Ab- sondern ein Aufstieg war/ist. Deshalb ist er besser als Lakic, Occean und (zumindest in der RR) als Idrissou. Die letztgenannten 3 sind keine Fußballer mit schlechteren Anlagen - nur sie sind eben auch nicht so viel besser, als dass sie die 100%-Motivation eines Zollers mit anderen Faktoren mal eben ausgleichen könnten.
Solche Spieler fehlen dem FCK auf zu vielen Positionen. Man kann es in Lautern für einen Zufall halten, wenn die beiden jüngsten Mannschaften der Liga auf 1 und 2 stehen, muss es aber nicht. Ein Motivationsproblem haben die jedenfalls (wie ein Zoller) eher selten.
Und der FCK macht den Riesenfehler, das alles brach liegen zu lassen und stattdessen lieber die zu verpflichten, die diesen Schritt tendenziell eher als Ab- als als Aufstieg betrachten.
Für den FCK muss es doch heißen, diese Talente, die vor dem Sprung in den Profifußball sind, vor 1860, Köln, Düsseldorf zu finden.
Das Dumme ist nur, dass so ein Transfer nicht so sonderlich schlagzeilenträchtig ist. Wurde überhaupt irgendwie außerhalb Kölns zur Kenntnis genommen, dass wir Finne und Nagasawa (von einer japanischen Universität - nicht von einem japanischen Proficlub!) verpflichtet haben? Eher nicht. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: bei beiden, insbesondere bei Finne, läuft auch noch einiges schief - wie sollte es auch anders sein? Aber ihnen wird beiden schon jetzt vertraut. Der eine ersetzt in der Startelf immerhin Ujah, der andere einen Peszko. Die kommen nicht rein, wenn die Saison gelaufen ist und sich danach mal "die Jungen" ein bisschen tummeln dürfen, weil nix mehr anbrennen kann. Fürth macht es ähnlich. Und das exakt ist der Unterschied auch zu Vereinen wie Freiburg und Mainz, die unseren beiden Vereinen einfach voraus haben, dass die guten Talente längst wissen, dass dies Vereine sind, die für die eigene Entwicklung goldrichtig sind. Dort wird auf sie gesetzt. Sie machen dort natürlich auch Fehler - aber sie entwickeln sich dadurch weiter. Das tut der 30-jährige, der den Schritt zurück aus Liga 1 macht, eher nicht mehr.
Das beste ist doch: der FCK hat noch immer diesen Namen, um Talente zu ergattern. Jedenfalls noch vor 90 % der Mitbewerber in Liga 2! Man muss nur (auf dem Platz!) auch so handeln, wie man es verkündet. Wenn man in Wahrheit doch nicht auf die Jungs setzt, fühlen die sich verarscht.
Max Eberl von den von mir aus tradierten Gründen besonders "geschätzten" Gladbachern hat jetzt TV zu der Hahn-Verpflichtung gesagt, dass junge, deutschsprachige Spieler an Gladbach zu binden, der Weg des Vereins sei und sie sich dehalb freuten ... wieher, wieher, wieher
Aber er machts richtig, wie ich finde. Und sie zeigen es auch, indem sie auf junge setzten und diese hervorbringen (Reus, Herrmann etc.). Das hat sich herumgesprochen (man sieht es auch einfach auf dem Platz!) und ich bin sicher, dass das für Hahn mitentscheidend war.
Schalke versuchts ähnlich (Goretzka, Draxler, Meyer), der BVB hats auch gemacht.
Und Runjaic wäre dafür auch nicht der Falsche. Er ist doch keiner, der Stars braucht. Die hatte er auch in Duisburg nicht und hat dort sehr gute Arbeit geleistet. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist alleine, dass der FCK sich nicht traut, einen Teil der Verantwortung auch auf die Jugend zu verlagern; nicht Alibi-Einsätze, wenn die Saison vorüber ist, sondern von Beginn an.
Stattdessen ärgert man sich scheinbar lieber darüber, dass die Erstligaspieler nicht das abrufen, was sie könn(t)en, was rein formal gesehen sogar nicht falsch ist. Es ist psychologisch aber nicht nur erklärbar sondern sogar naheliegend, dass sie es nicht tun. Wir würden uns alle miteinander auch schwer tun, uns einen objektiven Schritt zurück dauerhaft schönzureden. Vielleicht braucht der FCK einfach das Granteln und die Unzufriedenheit mit der eigenen Truppe. Bei meinem Verein hatte ich oftmals über die Jahre ein ähnliches Gefühl.