Zum Interview insgesamt:
Ich muss hier einigen meiner Vorposter zustimmen, dieses Interview ist das Beste seiner Art seit mindestens zwei Jahren. Unser Trainer vermittelt einfach ein starkes Bild: kompetent, zielstrebig, fleißig, ehrlich, kommunikativ, unaufgeregt, natürlich, sympathisch.
Ich kannte Kosta Runjaic bereits vor seinem Engagement bei uns aufgrund seiner Erfolge bei Darmstadt oder dem MSV sowie seiner Expertenarbeit für das ZDF. Ich war aufgrund dieser Kenntnisse vorsichtig optimistisch bei seiner Verpflichtung (Hauptsache, man hat uns von Franco Foda erlöst) und muss nach der ersten Zeit ehrlich sagen, dass er alle Erwartungen übertroffen hat. Dieser Trainer ist ein Glückgriff für den FCK!
Zu Borysiuk und Fortounis im Speziellen:
Nach der trostlosen zweiten Erstligasaison und dem Abstieg sah ich in Heintz, Borysiuk, Fortounis und Zuck (für die aktuelle Saison ersetze Zuck bitte durch Zoller) die Zukunft des FCKs. Junge, talentierte und unverbrauchte Spieler, mit denen man den zwingend benötigten Neuaufbau angehen konnte und dem FCK sportlich wie finanziell (durch mögliche Ablösesummen der größeren Vereine) eine bessere Zukunft in Aussicht stellten. Davon ist nach etwas über einem Jahr nicht mehr so viel übrig, der eine hat in der Innenverteidigung zwei deutlich stärkere Spieler vor sich, der andere ist nach einer starken Hinrunde vollkommen überraschend in den Breisgau abgewandert und die beiden jungen Ausländer sind auch nicht so weit, wie ich mir das so gehofft hatte.
Wenn unser Coach auch noch unseren jungen Griechen wieder in die Spur kriegt, wird es mir langsam unheimlich, denn viele, auch ich, haben ihn aufgrund seines "Einsatzes" und seiner Körpersprache eigentlich bereits abgeschrieben. Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich zu der seltenen Spezies gehöre, die ein Herz für Kostas hat. Seine äußerst schüchterne Art gepaart mit seinem schlampigen Talent und der immer mal wieder aufblitzenden technischen Genialität gefallen mir in gewisser Weise. Bereits in der Vergangenheit ist mir aufgefallen, dass ich stets diejenigen Kicker zu meinen Lieblingsspielern zählte, die von den meisten anderen nicht so sehr gemocht wurden.
Aber auch wenn man es nüchtern betrachtet, ein Fortounis in Topform (davon sind wir zweifellos noch meilenweit entfernt) gehört einfach in diese Mannschaft, auch wenn es seine Position, die "10", aktuell in unserem Spielsystem gar nicht gibt. Daher sollte er auf dem Flügel wirbeln, denn was er an Kreativität, Spielfreude, technischen Fertigkeiten und "1 gegen 1"-Qualität auf den Platz bringt (bzw. bringen könnte), kann leider kein anderer Spieler unseres Kaders. Ich denke, er ist bei Runjaic genau in den richtigen Händen.
Deswegen bereitet mir unser junger Pole momentan mehr Kopfzerbrechen. Es ist verdächtig ruhig geworden um unseren einstigen Hoffnungsträger im defensiven Mittelfeld, der die Betze-Tugenden wie kaum ein Zweiter verkörpert, die letzten Spiele schaffte er es sogar gar nicht mehr in den Kader, daher schon beruhigend, dass ihn Kosta nicht vergessen zu haben scheint.
Klar, sein Hauptkonkurrent Markus Karl spielt die Sechs bisher mehr als ordentlich und scheint mit seiner Persönlichkeit ein wichtiger Faktor innerhalb der Mannschaft zu sein, aber irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass er am Ende seiner Entwicklung ist und nach einem möglichen Aufstieg in Liga 1 deutliche Probleme bekommt (besonders in punkto Schnelligkeit, technischen Fertigkeiten und Spieleröffnung). Ich sehe in Borysiuk, den ich im Gesamtpaket nicht zwingend schlechter finde als Karl (einzig sein Kopfballspiel ist dann doch deutlich schwächer), nicht zuletzt aufgrund seiner Auftritte in den Relegationsspielen einen potenziellen Erstligaspieler, sein Entwicklungspotential ist in meinen Augen offensichtlich. Einen möglichen Verkauf (sei es jetzt im Winter oder im kommenden Sommer) sehe ich als großen Fehler, denn dann suchen wir wahrscheinlich genau solch einen Spieler für die "6" im kommenden Jahr, während Ariel in einem anderen Verein aufblüht, da würde mir wirklich das Herz bluten. Vielleicht bekommt er ja seine Chance (durch Sperre oder Verletzung Karls, die ich ihm natürlich nicht wünsche) und nutzt sie, wir werden sehen.
Ach ja, was macht nochmal Hendrik Zuck gerade

?
Zum Thema Fans:
Irgendetwas müssen die Kölner Fans ja haben, dass sie innerhalb eines Kalenderjahres gleich zweimal von aktuellen Trainern des FCK gelobt werden (ich erinnere da an eine PK nach dem Heimsieg über den FC in der letzten Saison). Ich finde es ja durchaus löblich, dass man auch als gegnerischer Trainer einen für Zweitligaverhältnisse durchaus herausragenden Support lobt, doch andererseits frage ich mich, was man damit denn bezweckt. Die eigenen Fans anstacheln und motivieren?
Natürlich, auf den ersten Blick sind beide Vereine durchaus vergleichbar: Traditionsverein, schlechter Fußball, pendeln zwischen erster und zweiter Liga, Stadien nahezu gleich groß. Aber die Zeiten, als sich regelmäßig nur 20000 Zuschauer ins weite Rund von Müngersdorf verirrten und der FCK mit 40000 Mann dort einfiel (man verzeihe mir die militärische Ausdrucksweise) sind eindeutig vorbei. Die WM 2006 und die modernen Arenen haben den Fußball endgültig gesellschaftsfähig gemacht, und davon profitiert eine Großstadt eben bedeutend mehr als die Provinz. Ich wohne im Kölner Umland und bekomme dies regelmäßig mit, der Verein hat in den letzten Jahren, besonders seitdem das Stadion umgebaut ist, einen regelrechten Boom erfahren. Die ganze Stadt hat sich zum Verein bekannt, es ist einfach „in“ zum FC zu gehen, es vergeht kaum ein Abend am Wochenende, wo ich nicht in irgendeinem Schuppen deren Hymne um die Ohren gehauen bekomme. Die haben mittlerweile über 55000 Mitglieder, deren Zuschauerschnitt liegt bestimmt so etwa 10000 über unserem (ohne das genau zu wissen), an einem Freitagabend fahren 8000 (!) Mann mit nach Bielefeld und 10000 Auswärtsfans (!) begleiten deren Mannschaft an einem Sonntagmittag nach Bochum.
Während sich in Köln also in den letzten Jahren in Sachen Fanmasse so einiges getan hat, stagnieren unsere Zahlen bestenfalls. Gründe dafür sind bekannt, der WM Boom ist ein wenig an uns vorbei gegangen, der sportliche Absturz nach den sehr erfolgreichen Neunzigern, der dauerhafte Erstligafußball beim Depp oder das Kunstprojekt von Herrn Hopp sind da sicherlich auch noch zu nennen. In jüngerer Vergangenheit hat der Foda-Furchtbarfußball das Stadion leer gespielt, auch die einen oder anderen Aussagen unseres Vorstandsvorsitzenden waren unglücklich. Vor allem in der ersten Erstligasaison unter Marco Kurz war unser Zuschauerschnitt trotzdem beachtlich, wobei man an dieser Stelle nicht vergessen darf, dass da der ein oder andere Gegner (Bayern, BVB, Schalke, Gladbach) auch ordentlich Zuschauer mitgebracht hat, was uns jetzt gegen Ingolstadt oder Paderborn eben fehlt. Und trotzdem bleiben auch viele FCK Fans (noch) zuhause, was ich sehr schade finde. Diese Mannschaft, d.h. auch die Arbeit dieses Trainers, hat zweifellos mehr Zuschauer verdient. Wir sollten nur aufhören, uns mit den Kölnern zu vergleichen, die spielen fantechnisch gesehen mittlerweile in einer anderen Liga.