Hier mal was aus einem anderen Forum. Ein "K" hinten dran und das passt zum größten Teil auch hier!
Herzklopfen
Was gibt es eigentlich Schlimmeres, als eine Fußball-Sommerpause?
O.k. – Atom-Weltkrieg …, aber direkt danach kommt diese elende Warterei, und die damit verbundene steigende Unsicherheit. Reicht es dieses Mal? Haben wir uns gut verstärkt? Wurde etwas versäumt? Wie hat die Konkurrenz ‚aufgerüstet‘?
Mit dem Schlusspfiff des letzten Spieles einer Saison, beginnt praktisch schon der Countdown zur Nächsten. Im idealen Fall gehen dann alle in den Urlaub, die sportliche Leitung verstärkt den Kader um 2 oder 3 Neuzugänge – alles geht seinen Lauf.
Nicht aber in Köln.
Bei uns verschwinden gerne Präsidenten, Vize-Präsidenten, sonstige Würdenträger, Spieler – und Ende letzter Saison (wieder einmal) unser Trainer. Ich will jetzt nicht nachtreten, aber jedes Mal, wenn so ein Wechsel vollzogen wird, wird der FC regelrecht dazu gezwungen, sich neu zu erfinden. Es erscheint einem als reine Glückssache, ob denn dann die Wunschspieler des Trainers A auch den Vorstellungen des ihm folgenden Trainers B entsprechen. Umbruch folgt sozusagen auf Umbruch, wenn dem nicht so ist – auch daran können Vereine zerbrechen.
Trotz allem habe ich aber das Gefühl, der Verein sei auf dem richtigen Weg. Trainer werden nicht mehr per Lostrommel oder nach Sympathie bestimmt und auch für andere Sportfunktionäre werden zunächst die erforderlichen Profile erstellt – und dann gesucht. Gefunden hat man dieses Mal einen Österreicher, der die nötige Portion Wahnsinn in sich zu haben scheint, um nicht schon nach ein paar Wochen wieder entnervt über die Alpen zu verschwinden. Stöger ist ein Trainer, der sich nicht dazu herablässt den FC zu trainieren, sondern für den das eine Ehre zu sein scheint. Was für eine Wohltat.
Und apropos ‚Ehre‘ – auch von Spielerseite hat man Leute verpflichtet, die den FC als Aufstieg und nicht als Strafversetzung oder sportlichen Abstieg verstehen. Das mag auf der einen Seite bedeuten, dass sie nicht die Klasse von Womés und Maniches haben – auf der anderen Seite aber kann sich auch niemand auf Lorbeeren vergangener Tage ausruhen, die meistens sowieso nicht für den FC errungen wurden.
Vielmehr sehe ich eine Truppe, denen der Hunger und die Geilheit auf den FC fast schon anzusehen ist. Es sind Typen, die sich entwickeln wollen, und die auch noch zu entwickeln sind. Die einzige Sorge die ich wirklich habe ist …: Wissen die eigentlich, worauf sie sich WIRKLICH eingelassen haben? Sind sie sich bewusst, was da auf sie zukommt? Wie sich das anfühlt, wenn man zwischen Zigtausenden entgegengestreckten rot/weißen Schals aufläuft, während sich ebenso viele via Hymne die Kehle heiser brüllen?
Auch in jüngster Vergangenheit habe ich mich immer wieder gefragt, wieso dieser oder jener Spieler trotz allem Talent vor so einer Kulisse nicht funktioniert – vor allem bei jüngeren Spielern ist es nicht so abwegig zu vermuten, dass sie die Wucht von den Tribünen im einen oder anderen Fall auch regelrecht gelähmt hat. Aber wie dem auch sei – bleibt nun zu hoffen, dass wir Spieler aus anderem ‚Holz‘ gefunden haben, denn die ‚Wucht‘ wird ganz sicher nicht weniger.
Die Auslosung, die uns ein Derby zu Beginn bescherte, macht die Sache sicherlich unterm Strich nicht einfacher. Da wird nicht viel Zeit zum Akklimatisieren bleiben – in Dresden und dann zu Hause gegen Düsseldorf, das ist gleich die ganz große Kelle ‚FC-Jeföhl‘, mit der unseren Bubis da eingeschenkt wird. Der ‚Kindergeburtstag‘ Eröffnungsfeier hat sie schon alle fasziniert – oh Mann, irgendwer muss sie darauf vorbereiten, dass das was auf sie zukommen wird, noch einmal eine andere Dimension ist.
Aber erst ist Dresden dran.
Und wenn die sich noch so tief im Osten verstecken – was uns an Plätzen im Stadion gewährt wird, ist gebucht. Es ist ein Unterschied, ob die Spieler von ein paar verirrten Bussen begleitet werden, oder ob jedes Mal der Kern einer Szene geschlossen anrückt, um für jeden Spieler in seinen Farben spürbaren, druckvollen Support zu zelebrieren.
Liebe Spieler, gewöhnt euch nicht nur daran, dass der Gästeblock jedes Mal überfüllt sein wird – wundert euch vielmehr nicht, wenn wir ganze Stadien einnehmen, sobald wir die Gelegenheit dazu haben. Ihr habt nicht, wie ‚normale‘ Vereine 17 Heimspiele, Ihr habt derer mindestens 20. Wenn verloren, aber ehrlich gekämpft und gerackert wird, braucht sich kein Spieler vor seinen Fans zu fürchten – so viel hat uns die vergangene Saison Gott sei Dank gelehrt. Wenn gut gespielt und gewonnen wird, werdet Ihr Szenen in Köln erleben, Sprechchöre und Gesänge hören, wie man sie nur an wenigen Orten in Europa sieht und hört. Wer einmal das ‚Veedels-Lied‘ gehört hat, wenn es wie ein Kanon über drei Tribünen geschmettert wird, kann den Begriff ‚FC-Jeföhl‘ im Schlaf rückwärts buchstabieren. Das ist mein ganz persönlicher Pachelbel - Kanon in D-Dur.
Ich weiß nicht, wie viele tausend sie nach Dresden begleiten werden – aber Hunderttausende haben jetzt schon Blutdruck und Herzklopfen, wenn sie an die neue Saison denken. Hat man Monate überstanden, die sich wie Jahre hinzogen, kommen uns verbleibende Wochen wie Monate und verbleibende Tage wie Wochen vor. Konzentriertes Arbeiten ist nur noch jenen möglich, die über eine übermenschliche Selbstdisziplin verfügen. „Ja, lieber Kunde, natürlich werden wir das gerne für Sie erledigen – aber wie zum Teufel lässt Stöger am Samstag spielen?“ Kann passieren, wenn man nicht höllisch aufpasst.
Was mir unterm Strich am wichtigsten sein wird, ist, dass ‚es‘ nicht an der falschen Einstellung irgendeines Beteiligten scheitern wird. Vom Präsidenten über den Sportdirektor, Trainer, Spieler und auch wir Fans – alle haben kapiert, um was es diese Saison geht. Niemand unterschätzt die Aufgabe – man lernt mit der Zeit dazu, auch als FC-Fan.
Am allerwenigsten darf es an uns Fans scheitern. Letzte Saison waren die Auftritte unserer Fans nicht nur vorbildlich, vielmehr haben sie fast schon einen Trend eingeläutet. Nachdem unsere Spieler trotz einer 0:3 – Klatsche in Kaiserslautern vom mitgereisten Anhang gefeiert wurden, hat man auch in Bremen und Hoffenheim ähnliche Bilder gesehen.
Es ist kein Zufall, dass der Abstiegskampf gerade für diese beiden Teams gut ausging.
Hoffen wir also, dass wir bei allem Herzblut, dass mit unserem Herzklopfen durch unsere Adern gejagt wird, in schlechten Phasen nicht die Nerven verlieren und gerade d a n n unseren Bubis zeigen was es heißt, die rote Wand hinter sich zu haben. Diese Wand ist ein Versprechen, das nur darauf wartet eingelöst zu werden. Sie geht in ‚Vorkasse‘ - laut, heftig und bedingungslos. Kommt entsprechendes vom Spielfeld zurück, wird es schon mal so laut, dass die Gegner Butterbeine bekommen.
Unsere Jungs sollen diese Atmosphäre, den 12. Mann, diesen schier unbezahlbaren Joker genießen – und für sich nutzen. Sie haben die Gewissheit, dass dieser Stadion-Urknall, den es in Köln schon mal gibt, zu ihrer Unterstützung ‚gezündet‘ wird und sich dessen bewusst sein, dass die armen Teufel auf der anderen Seite des Spielfeldes den Radau 90 Minuten und länger gegen sich haben.
Wir haben nun mal keine billigen Energy-Drinks, die Flügel verleihen. Wir haben unsere Herzen, die unaufhörlich dem Beginn der neuen Saison ‚entgegenklopfen‘ und zeitweise nur für diesen Verein zu schlagen scheinen.
Lasst Samstag die Leinen los und gebt was Ihr habt – Ihr erhaltet mehr zurück, als Ihr euch in euren kühnsten Vorstellungen ausmalen könntet …