Es war ein Bombengeschäft für alle, und der FC Bayern wurde noch pumperlgesunder. Und Hainer wies stolz darauf hin, Adidas habe als Ausrüster deutlich weniger beim FC Bayern als Nike bei Manchester United gezahlt. 35 Millionen Euro pro Saison soll Nike damals die Revolution in Manchester wert gewesen sein.
Gezahlt werden von den Sportartikelherstellern auch Prämien für sportliche Erfolge und die Fernsehpräsenz. Sollte der FC Bayern das Triple gewinnen, wird Adidas voraussichtlich 25 Millionen Euro oder mehr an den Verein überweisen.
Kommt auf das Bundesland an in dem die Verhandlung stattfindet.Schlossberg hat geschrieben:In diesem Zusammenhang hätte ich noch zwei Fragen.
Wenn jemand Hoeness als korruptes Bayernschwein bezeichnen würde, wäre das eine Beleidigung oder eine Tatsachenfeststellung?
Meinst Du etwas es gäbe mehrere "Schweize"?OWL-Teufel hat geschrieben:Nee, der Wulff hat gehoeneßt
Gegen das, was da möglicherweise noch rauskommt, ist der Großburgwedeler echt ein kleines Licht.
Die Fälle Uli Hoeneß und Jérôme Cahuzac erschüttern Europa. Doch die beiden sind keine Einzeltäter. Das Problem ist ein prinzipielles: Das System ist unfair.
... Darum ist es so ermüdend, die Fälle Cahuzac und Hoeneß, die uns gerade die Luft rauben, diese Volltreffer auf den sozialen Solarplexus, mittels einer improvisierten Psychoanalyse aus der Ferne zu deuten.
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Das waren doch keine spontanen Ausbrüche krimineller Energie, beide Herren sind Symbole, die erfolgreichen Agenten eines hochtourigen Systems. Darum ist im Fall Hoeneß auch der Begriff des „Spielgelds“ so irreführend - der Begriff hat, bei einem Betrag, der viel höher ist als jede Summe, welche die meisten Deutschen in ihrem Leben verdienen werden, gute Chancen auf das Unwort des Jahres.
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Er wollte nur spielen - das ist als Erklärung das Gegenteil von Aufklärung. Denn das Spiel ist längst unser System.
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Ihn und Hoeneß zeichnet lediglich aus, dass sie außer nach Geld noch nach symbolischem Kapital strebten; so findet sich die systemische Schizophrenie in ihnen besonders konzentriert wieder. Aber die Rettung privater Pleitebanken mit öffentlichen Mitteln war im Prinzip nichts anderes: Das Spiel musste weitergehen, egal um welchen Preis.
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Am Ende der Kette stehen private Sparguthaben, Löhne und Gehälter derer, die für die Verbindlichkeiten haften, die bei Spielen aufgelaufen sind, von denen sie nichts hatten, weder den Spaß noch den Gewinn.
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Will man Hoeneß als Einzeltäter hinstellen? Die Leute werden lachen. Was, wenn er auf Attacke wechselt und erklärt, er habe kein Vertrauen mehr in Staat und Steuern, nicht in den Euro und nicht in die Bundesregierung? Glauben die Leute ihm oder Markus Söder?
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Doch was, „wenn die Menschen begreifen, unter welchen Umständen ihnen zugemutet wird, harte und ehrliche Arbeit zu leisten, die es ihnen aber allzu oft noch nicht einmal ermöglicht, ein halbwegs unbeschwertes Dasein zu fristen“? Wenn sie also kapieren, dass es ihr Geld ist, mit dem ein verschachteltes System aus schwachen Nationalstaaten und starken Firmen, aus armen Gemeinden und Regionen und reichen Spielern unterhalten wird? Sie könnten begreifen, dass Leistung und Lohn längst entkoppelt wurden, dass „Gerechtigkeit zum hohlen Pathos verkommen“ ist und dass die Demokratie abgelöst wurde durch ein Computerspiel, das alle abzockt.
Am Montag könnte es eng werden für Uli Hoeneß: Dann tagt der Aufsichtsrat des FC Bayern München. Einige der Mitglieder wollen Hoeneß nach SPIEGEL-Informationen nahelegen, seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratschef zunächst ruhen zu lassen.
... Hoeneß hat das reine Verwertungsprinzip zwar nicht erfunden, das sich mit der Globalisierung der Märkte und dem Auftauchen des neuen, großen Geldes vom Golf, aus Fernost und Russland entwickelte. Aber der langjährige Bayern-Manager erklärte die grenzenlose Merkantilisierung der Sport-Leidenschaft auch in Mitteleuropa als einer der Ersten für alternativlos.
So gründete Bayern München als erster deutscher Club ein Fußball-Internat. Was auf den ersten Blick nach fürsorglicher Talentförderung aussieht, ist in Wirklichkeit eine reine Leistungsauslese, die ihre Schatten bis auf die F-Jugend-Mannschaften in der Provinz wirft.
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Entsprechend verfuhr Hoeneß auch auf allen anderen Feldern: Das Merchandising baute er zum internationalen Geschäft aus, das sogar in Japan und der Volksrepublik China Gewinne einfuhr. Noch der nutzloseste Nippes wird als Ausdruck eines Gemeinschaftsgefühls der Fans zu überhöhten Preisen angepriesen. Neben den Vereinen aus Spanien und England war es vor allem der FC Bayern, der westlichen Fußball zum Dreh- und Angelpunkt des internationalen Sportkonsums aufbaute – zu einem Milliardengeschäft, von dem sehr wenige sehr viel profitieren und die meisten gar nicht.
Das Leistungsprinzip und die Eigenverantwortung, von denen Hoeneß in Talkshows so gerne phrasierte, zählen in Sportökonomie und Sportpolitik nichts, die Old-Boys-Netzwerke aus Verbänden, Sponsoren, Oligarchen, Entscheidern, Politikern, Großkonzernen dagegen alles. Ohne diese kruden Strukturen im Zentrum der Macht hätten sich nicht an der Peripherie die ähnlich mafiösen Organisationen der Wettmafia etablieren können.
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Der eigentliche Skandal ist nicht, dass Uli Hoeneß mutmaßlich dubiose Gelder in der Schweiz hatte, sondern dass sein Verständnis von Fußball und Geschäft allgemein als große Leistung anerkannt war. Und der noch größere Skandal ist, dass dies auch so bleiben wird.
Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Focus läuft gegen Rummenigge ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Das Verfahren führt das Hauptzollamt Augsburg.
Rummenigge hatte offenbar geglaubt, das Gastgeschenke steuerfrei seien. Ein Irrtum: Alles über 450 Euro muss verzollt werden. Rummenigge hat inzwischen die fällige Zollgebühr auf den geschätzten Ist-Wert der Chronometer (in Höhe der deutschen Mehrwertsteuer) bezahlt. Ob noch eine Geldbuße fällig wird, ist offen.
http://www.welt.de/debatte/article11565 ... geist.htmlDass die ganze Republik wegen Hoeneß' illegalen Extratouren so voll und ganz aus allen moralischen Wolken fällt, sagt weniger über den Charakter des Beschuldigten aus als über die Selbstgerechtigkeit einer Gesellschaft von Schnäppchenjägern, die sich selbst kein Steuerschlupfloch und keine finanzielle Vergünstigung entgehen lassen, für die sich die Abgründe der Amoral aber immer nur bei den anderen auftun (...)
Steuerhinterziehung ist halt ein Volkssport und das Volk will lesen, daß doch eigentlich alles nicht so schlimm ist. Vor allem vielleicht die gegenüber BILD etwas begütertere Leserschaft der WELT.trützkow hat geschrieben: Irgendwie finde ich den Artikel etwas übertrieben, schließlich hat Hoeness ja -falls die Anschuldingungen zutreffen- eine Straftat und keine Lappalie begangen...
lustig auch der futiklub zum Thema:Nichts ist mehr wie vorher. Im deutschen Fußball gibt es nun die Zeit vor der Hoeneß-Affäre und den Halbfinal-Hinspiel-Triumphen gegen Barcelona und Madrid.
Und die Zeit danach.
Ansonsten bitte alles lassen, wie es ist?salamander hat geschrieben:Sperrt Hoeness weg und gut ist.
Deine Meinung ist zwar aus abstrakt-ethischer Sicht durchaus vertretbar, aber unser Rechts- und Strafrechtssystem, wie die meisten anderen dieser Welt, ist anders gestrickt.salamander hat geschrieben:Auf dem Land ...
Nein - der Unterschied liegt jedoch woanders.salamander hat geschrieben:Wenn Rummenigge mit zwei geschenkten Rolex durch den Zollfrei-Ausgang läuft ist das nicht schlimmer, als wenn Lieschen Müller das Gleiche mit dem billig in Florida erworenen I-Pad macht.