Hier mal meine Emotionen/Meinungen zu dem Thema FCK. Bin 20 Jahre alt, gehe seit der Seuchensaison 2007/2008 uff de Betze (Dauerkarte + Vereinsmitglied).
Dienstag letzte Woche ärgerte ich mich tierisch als ein Klassenkamerad von mir, seit der Kindheit auch Lautrer, mit einem Mainz Trikot und Leverkusenhosen in den Sportunterricht kam. Senste ihn beim Warmmachen kurzerhand um- aber das brachte mir auch keine Ruhe.
Weil ich mir, obwohl ich diesen "richtigen Betze" nie erlebte (außer vielleicht gegen Stuttgart, Vizekusen und Bayern) leider einen Reim darauf machen konnte, weshalb er vom Glauben abgefallen ist.
Betze so wie ich ihn aus Höhrensagen kenne heißt giftig spielen (also mit Fouls und Nicklichkeiten) , ohne Angst mit Zug und Wut nach vorne wie hinten. Auf der Tribüne wird getobt, gepfiffen, böse Lieder angestimmt (eine schöne Liste hatte Lonely Devil in einem anderen Thread aufgesetzt- die ich mir als Inspiration auf den PC kopierte

)
Diesen Betze habe nie kennengelernt. Das Bild vom Betze, welches ich mir gebildet habe ist zum einen zwar
manchmal kampfbetonter (Nichtabstiegssaison 07/08 und Fastaufstieg 08/09), aber
immer defensiv geprägter Fußball (Sasic, Kurz jetzt meiner Meinung nach Foda). Ruhiges Aufbauspiel von hinten, saubere Standarts in Glanzzeiten, ein zwei Männer auf dem Platz, die dem Gegner wehtaten (Bellinghausen, Bilek, Dick Rodnei seitdem ich dabei bin) sowie ein, zwei überragende Offensivkräfte, die nach einer Saison weg waren (Ziemer-Jendrisek-Sam/Lakic).
Das ist für mich das typische Betzesystem der letzten Jahre. Die einzigen Spieler, die ich mir auf mein Trikot machen würde wären Bellinghausen (verteufelt mich von mir aus dafür), Sippel, Dick und Bugera. Das sind für mich verdiente Spieler; Kämpfernaturen.
Bei den Restlichen kann ich keine Identifikation aufbauen, die so weit geht, ihren Namen zu tragen.
Aber es gibt für mich 2 Personen, die der FCK sind und mich faszinieren. Die Vorbilder sind. Und die auch emotional beide Seiten des FCK zeigen: Fritz Walter und Gerry Ehrmann. Fritz ist für mich die familiäre, bodenständige und Ehrmann die leidenschaftliche, aggressiv tobende Seite. Das ist eigentlich das, was mich beim FCK hält. Aber beide Seiten geht für mich verloren.
Als ich damals in unserer kleinen Bäckerei im Ort hörte, dass Stefan Kuntz das Ruder übernimmt schrie ich einfach nur laut „JA!!!“. Das war eigentlich der Moment, an dem ich wieder daran glaubte, dass es der FCK nochmal packen kann. Endlich ein Mann an der Spitze, mit dem ich mich, obwohl ich nur Berichte über ihn kannte, 100%ig identifizieren konnte. Einer, der wirklich was drauf hat (sehr gute Arbeit in Bochum zu diesem Zeitpunkt) und vor allem Charisma hat. Ein Meisterspieler. Kultfigur. Durch das ganze FCK-Umfeld ging ein Ruck.
Und jetzt soll er ein mehr oder weniger machtgeiles Arschloch sein, welches die Fans verraten hat und Meinungen unterdrückt. Der im Alleingang den FCK wieder in die zweite Liga brachte und eh keine gute Arbeit leiste. Wenn der auf der AOMV anfängt nach seiner Rede zu heulen, in der er sich gegen Anträge und Verleumdungen ala „Gib eine eidesstattliche Erklärung ab, dass du kein Geld veruntreut und Kurz Frau nicht gevögelt hast“ wehrte, von denen es ca. 6,7 Stück gab, ist es nur gespielt. Wenn er auf der JHV ruhig spricht, ist er ein kaltblütiger Drecksack, weil er ja nicht wie der gemeine Pfälzer spricht und vielleicht eher ein Anzugmensch ist.
Wenn er
von der Politik den Druck bekommt ein Konzept zu unterzeichnen, wird er ausgestoßen und ist ein Verräter und will bei der DFL Karriere machen. Wenn sein Presseheini dieselben „professionellen“/ lahmen Texte wie seit Jahren herausposaunt, wird der Vergleich mit Goebbels Propagandaministerium bemüht. Ich weiß ja nicht was damals mit unserem Vorsitzenden dem Herren Thines abging. Der, soweit ich weiß ja äußerst fanfreundlich war. Und wohl von den Mitgliedern/Fans gelyncht und abgesägt wurde. Nach Jahren guter Arbeit- und einem Abstieg. Und ähnlich sieht es für mich grad hier aus. Die Basis zerfleischt sich und den Verein. Ultras gegen Fans, Fans gegen Ultras. Oben gegen unten, unten gegen oben. Es müssen ja immer Köpfe rollen. Mich kotzt auch an, dass unsere Jugend jahrelang keine Chance hatte. Das uns dieser überdimensionierte Betonklotz an der Backe klebt und wir gefühlt mehr Zweit- als Erstligist sind. Wenn man aber mal mit Grünewald und Kuntz spricht erfährt man auch, was die da oben treiben und wie sie versuchen Probleme zu lösen. Beim Thema Jugendabteilung war Grünewald auf der Fanversammlung im September uff’em Betze (auf der Kuntz übrigens durch die Blume auch ANKÜNDIGTE das DFL-Papier zu unterschreiben!) sehr gesprächig und gab Auskunft was getan werden muss um die Jugendarbeit zu verbessern. Und was getan wird. Wenn ein verdienter Exspieler, der den FCK stückweise reformiert, früher als geplant aufsteigt und sich nicht wie ein Bauer wirkt es nicht schafft Vettrauen aufzubauen, wer dann?
Ich kann, so Leid und weh es mir tut, nachvollziehen weshalb mein Klassenkamerad zu M05 gewechselt ist. Besserer vor allem kampfbetonter Fußball, Erfolg, gute Jugendarbeit, Erstligist, zuhause Bayernschreck. Das lockt leider und bereitet Freude. Für meine Generation ist die Hierarchie FCK/Mainz sportlich nichtmehr so klar verteilt wie für die Alten. Mainz scheint mit den Tugenden zu locken, die den FCK vor einigen Jahren auszeichnete während dem aktuellen FCK auf vielen Ebenen Identität und Anziehungskraft fehlen.
Und das sehe ich als bedrohlichstes Problem an. Verein und Fans entfernen sich voreinander. Ob man ein klärendes Gespräch braucht oder nicht, oder ob sowas überhaupt von einer der beiden Seiten gewünscht ist, kann ich nicht beantworten. Wobei z.B. die Fragerunde von dbb mit dem Verein eine Möglichkeit wäre, die Facebook Geschichte aus dem Weg zu räumen. Schnellstmöglich.
Man muss nicht alles Gutheißen was auf dem Berg abgeht- aber hier scheint mittlerweile ein ähnliches Misstrauen Kuntz gegenüber zu herrschen wie damals gegenüber Göbel (was auch gerechtfertigt war). Ich frage mich momentan, was man als Fan tun kann um zu helfen. Kuntz ähnlich wie Göbel abzusägen abzusägen ist für mich keine Alternative. Kuntz ist unsere/meine letzte Hoffnung. Jemand Besseren bekommen wir nicht. Aber was soll man tun? Soll man als Rentner evtl. als ehrenamtlicher Scout anfangen, wie es laut Grünewald wohl schon 3 Leute praktizieren? Soll man nen Brief an Kuntz schreiben; der Fanvertretung beitreten? Oder doch den Aufstand wagen und alles auf gut Glück plattmachen wie’s ein Mac41 vorschlägt?
Momentan ist es für mich als Jüngeren schwierig Argumente für den FCK zu finden. Sportlich gibt’s seit Jahren recht wenige- sowohl vom Ergebnis als auch von der Art des Fußballs her. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, den Verein ähnlich wie Union an die Basis heranzuführen und mit den Fans an Projekten zu arbeiten (siehe Umbau Alte Försterei). DAS wäre mal wieder was einmaliges, mit dem man wuchern könnte. Das könnte ein mögliches Konzept sein. Ob hier der Funke von Vereinsführung oder den Fans selbst kommen muss, weiß ich nicht.
Ich hänge momentan einfach in der Luft, bin hin und hergerissen zwischen Emotion und Rationalismus. Soll man sich noch den Berg hochquälen? Soll man sich einbringen? Einfach rebellieren? Soll ich die Klappe halten, wenn der Mainzer wieder seine Hetzreden schwingt? Dagegen gehen? Obwohl der FCK, seitdem ich hochgehe, nicht die schlechteste Ausgangsposition hat, fand ich es nie schwerer FCK-Fan zu sein als jetzt. Man hat seltsamerweise wenig bis nichts in der Hand um zu argumentieren. Gerade jetzt, wo sich auch die alten Fans langsam verziehen und nichts zurücklassen, an das man anknüpfen und sich orientieren kann.
Werde in der Weihnachtszeit mal in mich gehen und überlegen wie’s weitergeht. Irgendwas muss ich machen um diese Unruhe loszuwerden. Eine Flucht nach vorne ist angesagt. Fragt sich nur wie.