Rocket hat geschrieben:Bierhoff mit einem interessanten Interview zum deutschen Fußball und Investoren. Wenn man dann noch überlegt, dass dieser Typ mit seiner Firma die TSG Hoppenheim berät. Mir graut es vor den nächsten Jahren im deutschen Fußball. Allein schon das dieser Hotelbucher des DFB nichts mit "diesem Traditionsgerede" anfangen kann
http://www.welt.de/sport/fussball/wm-20 ... FB-an.html
Da läufts einem kalt den Rücken runter, wenn man das liest. Da werden die Tatsachen verdreht, dass es kracht. Als dürfte heute nicht jeder Reiche soviel Geld in einen Club einbringen, wie es ihm beliebt. Doch, darf er, nur darf er sich dann nicht als Diktator aufführen und den Verein, an dem jahrzehntelang aufgebaute Bindungen vieler Menschen stehen, als sein persönliches Spielzeug betrachten. Das darf er nicht. Wollen Sie das, Herr Bierhoff?
Und weiter: Wolfsburg ein gelungenes Beispiel? Wofür, Herr Bierhoff? Dafür, dass es möglich ist, einen Wersportverein ohne Fangemeinde, ohne Rückhalt in der eigenen Region, in der Bundeliga zu halten, wenn man nur genug Geld hinein pumpt? Dafür, dass man einem Verein wie Lautern die Schlüsselspieler mit völlig überzogenen Gehältern wegkauft und sie dann auf die Bank setzt? Oder wofür soll das ein Beispiel sein?
Und Abramowitsch wäre auch bei Rückzug ein Segen für Chelsea? So? Wenn die Transferrechte ihm gehören? Und die Liegenschaften? Wenn er beschließt, das alles mitzunehmen zu einem anderen Club und Chelsea die "tolle Infrastruktur" und die überzogenen Gehälter nicht mehr zahlen kann? Was bleibt dann außer ein paar Fans? Wer wissen will, was dann passiert, kann zu Bayer Uerdingen schauen.
Und wie geschickt er die Alternative ausbaut. Entweder Raubtierkapitalsismus oder Umbau der Ligen nach amerikanischen Modell, mit Drafts und Clubbesitzergewerkschaft und allem pipapo. Wohl wissend, dass das überhaupt nicht auf das europäische Clubsystem passt und im durch nationale Interessen zerissenen Europa niemals durchsetzbar ist. Tja, zuckt Olli traurig mit dem Achseln, dann bleibt halt nur Alternatiuve 1. So siehst Du mir aus, Olli.
Man könnte jetzt sagen, das spricht halt ein fußballmanager, die sind so. Oder man nimmt an, dass sich da einer bei Hopp bewirbt. Und vielleicht ist das auch so. Aber ich glaube, da steckt etwas anderes, viel Schlimmeres dahinter.
Da spricht ein Millionärssohn, dem in seinem Leben alles in den Schoß gefallen ist. Dem seine Eltern goldene Löffel ins verwöhnte Maul steckten und der auch noch das Glück hatte, gut kicken zu können und damit erneut Millionen zu verdienen. Ein solcher Mensch ist überhaupt nicht in der Lage, sich in den normalen Fan hinein zu versetzen. Der lebt den totalen Sozialdarwinismus, schließlich ist es doch gut, wenn der Stärkere sich im freien Spiel der Kräfte durchsetzt, ihm jedenfalls hats genutzt. In den Gleichungen des Herrn B. spielen Menschen, erst Recht Fußballfans, jedenfalls solche ohne Geld und Macht keine Rolle, die werden ausgeixt. Clubs sind Unternehmen und Fans sind Kunden. Und wenn der eigene Verein kaputt ist, kann man sich ja einen anderen suchen, die Fußballindustrie bietet ja eine große Auswahl, da sollte für jeden was dabei sein. Bierhoff hat es nicht nötig, sich in einen Fan hineinzudenken, dessen Verein durch das freie Spiel der Wirtschaftskräfte zugrunde gerichtet wird und aus der Bundesliga absteigen musss, weil irgendein Millionär das so möchte.
Aber so geht es natürlich nicht. Auch das von Bierhoff so gelobte Wirtschaftsleben kennt Schutzmechanismen, Regeln, Einschränkungen. Es gibt Kartellrecht, Gewerkschaften, Wettbewrbsregeln. Und natürlich gibt es auch dort Maßnahmen, die verhindern, dass die Mehrheit von Unternehmen in "falsche" Hände gerät, bestes Beispiel ist - ausgerechnet - VW!
Bierhoff ist einfach ein niederträchtiger Schnösel, der "mit Traditionsgerede nichts anfangen kann". Anders als Hopp hat er in seinem Leben nichts aufgebaut, nichts geleistet, hat sich ins gemachte Bett seiner Eltern gelegt, gekickt und danach dank guter Beziehungen in die Kuschelzone des DFB gewechselt, wo er Hotels buchen lässt, Halbzeitinterviews gibt und dafür sorgt, dass nach verlorenen Endspieln auch ja alle mit dem Spruchband zu den Kunden gehen, um die Markenbindung zu festigen. Soviel zu einem, der sich dem freien Spiel der Kräfte stellt. Und jetzt polemisiert er aus seiner wettbewerbsfreien Zone gegen Tradition, also dass, worauf Menschen stolz sind, woran sie glauben, an dem sie sich festhalten, was ihnen wichtig ist.
Ich spucke virtuell aus vor diesem Heiopei. Viel Spaß in Hoffenheim, Herr Bierhoff. Aber passen sie bloß auf, dass sie auch das erste Jahr überlebn dort. Hopp steht auf Leistung und Entlassungen von Maulhelden haben "Tradition" dort.