Link: http://www.spiegel.de/sport/fussball/po ... 49864.htmlEinsatz von V-Männern
Schnüffler in der Fankurve
Gerüchte gab es schon länger, nun wird ein konkreter Fall bekannt: Die Polizei setzt in der Fußball-Fanszene vermehrt auf den Einsatz von V-Leuten. Das Verhältnis zwischen Anhängern und Ordnungshütern wird damit weiter belastet, es herrscht eine Atmosphäre des Misstrauens.
Der Treffpunkt befindet sich im "Goldenen Posthorn", direkt gegenüber der ältesten Nürnberger Pfarrkirche, dem Heiligen St. Sebald. Doch das, was Ralf Peisl und ein Mann namens Klaus zu berichten haben, hat mit Frömmigkeit nur wenig zu tun. Die beiden Männer wirken misstrauisch, schauen sich vor dem Betreten des Restaurants mehrfach um. Der Tisch, den sie für das Gespräch ausgesucht haben, liegt im hintersten Eck des Hauses, Peisl nennt ihn "konspirativ". Hier, im sonst so beschaulichen Teil Nürnbergs, geht es nun um eine Geschichte, die die deutsche Ultra- und Fanszene seit über zwei Wochen in wilde Diskussionen und Verschwörungstheorien stürzt.
"Das Ganze ist der Hammer, unfassbar", flüstert Klaus, ein kerniger Kerl, der weder Polizisten noch Journalisten leiden kann. Seinen wirklichen Namen nennt er zwar, will ihn aber nirgendwo lesen. "Bei uns allen herrscht große Verunsicherung", sagt Peisl. Er vertritt als Anwalt die "Rot Schwarze Hilfe" (RSH). Der Solidarverein hilft Fans des 1. FC Nürnberg, wenn sie Probleme mit der Polizei haben. Klaus arbeitet ehrenamtlich für das Projekt und kümmert sich um Fanbelange.
Am 18. Juli, einen Tag nach dem Berliner Sicherheitsgipfel, auf dem erneut die vermeintliche Fan-Brutalität und -Kriminalität Gegenstand der politisch-polizeilichen Diskussionen war, erreichte die RSH ein Anruf eines Mitglieds der Ultras Nürnberg 94 (UN). Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE handelte es sich bei dem Angerufenen um "Chris", eines der führenden UN-Mitglieder.
Vergünstigungen wie Hilfe bei der Jobsuche
Er berichtete der RSH, dass er am Vormittag vor einer Imbissbude in einem Nürnberger Vorort von einem Mann angesprochen worden sei. Dieser bot ihm an, für die Münchner Polizei als V-Mann zu arbeiten. Ihm sollen Vergünstigungen sowie Vorteile wie Hilfe bei der Jobsuche angeboten worden sein.
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