Hier ein Bericht vom Giessener Anzeiger
Ein Kleiner will ganz hoch hinaus
Vor einem Jahr war Christoph Werner noch ein Nobody. Nur wenige Insider kannten den A-Juniorenspieler der Frankfurter Eintracht, der für viele überraschend nach seiner Jugendzeit wieder zu seinem Stammverein Sportfreunde Oberau zurückkehrte. Zwölf Monate später kennt den antrittschnellen Stürmer die ganze Oberliga Hessen. Mit neun Toren führt er die Torjägerliste an. Mittlerweile sind schon höherklassige Vereine auf den nur 1,71 Meter großen Angreifer aufmerksam geworden. "Bei mir hat schon der eine oder andere Kollege angerufen und sich nach ihm erkundigt", berichtet Thomas Biehrer.
Der Trainer des SV Bernbach freut sich über das Interesse an seinem Shooting-Star. "Ich sehe es als meine Aufgabe, junge Spieler zu fördern, auch auf die Gefahr hin, dass höherklassige Vereine sie abwerben". Bei Werner ist die Möglichkeit groß, dass er an der Birkenhainer Straße nicht allzu lange verweilt, auch wenn es ihm ausgesprochen gut beim Oberliga-Aufsteiger gefällt. "Mein Vertrag läuft über ein Jahr. Natürlich werde ich Angebote prüfen, wenn sie vorliegen. Das ist aber alles noch viel zu früh. Jetzt geht es darum, mein Bestes für den SV Bernbach zu geben", wiegelt der 20-Jährige ab.
Den Sprung in die Stammformation hat er überraschend schnell geschafft. Bei der 0:4-Auftaktniederlage beim KSV Klein-Karben saß er noch auf der Bank, im zweiten Spiel gegen Bayern Alzenau war er bereits von Anfang an dabei.
Allerdings nicht auf seiner Wunschposition im Angriff sondern im rechten Mittelfeld. Gegen den FSV Braunfels durfte er erstmals in der Spitze agieren, mit zwei Toren bedankte er sich dafür. Danach ging es Schlag auf Schlag: Beim 3:0 in Baunatal erzielte er alle Tore, zuletzt beim 5:2 in Bad Vilbel steuerte der Einzelhandels-Azubi zwei Treffer bei.
Kein Wunder, dass Dietmar Hamann den Namen Werner in seinem Notizblock vermerkte. Der Trainer des KSV Hessen Kassel war Zeuge des Bernbacher Sieges in Baunatal und wurde auch in Bad Vilbel gesichtet.
"Christoph hat sich überraschend schnell integriert. Er ist dank seiner enormen Schnelligkeit ein ständiger Unruheherd. Er profitiert allerdings auch von seinen Mitspielern, die ihn gut in Szene setzen", meint Biehrer. Der Bernbacher Coach denkt dabei insbesondere an seinen Spielmacher Marco Roth, der einen Narren an dem Youngster gefressen hat. Nach einem Probetraining Werners im Dezember letzten Jahres meinte Roth spontan: "Den müssen wir holen".
Die Wege von Werner und Biehrer kreuzten sich erstmals am 4. Dezember 2005. Die zweite Garnitur des SV Bernbach unterlag 1:3 in Oberau - Werner erzielte zwei Tore. Danach ging alles sehr schnell. Dem Probetraining in Bernbach folgte ein Angebot, noch in der Winterpause zum damaligen Landesligisten zu wechseln. "Das kam für mich nicht in Frage. Ich hatte Oberau für ein Jahr die Zusage gegeben und daran hielt ich mich auch", sagt Werner.
Im Nachhinein betrachtet gewinnt er dem Jahr in der Bezirksoberliga durchaus Positives ab. "Das war genau der richtige Schritt und kein Schritt zurück, wie andere meinten", verteilt er einen Seitenhieb Richtung Claus Schäfer. Schäfer war seinerzeit sein Trainer bei den A-Junioren der Eintracht. Der jetzt beim DFB beschäftigte Fußballlehrer versteht heute noch nicht, warum Werner von der A-Junioren-Bundesliga in die Bezirksoberliga wechselte. Mit dazu bei trug auch ein Zerwürfnis zwischen den Beiden, wie Werner einräumt.
Das ist mittlerweile Schnee von gestern, die Fußball-Sterne scheinen gut für das große Talent zu stehen. Auch weil er kein Egozentriker sondern ein Teamspieler ist, wie Biehrer betont. "Christoph hebt nicht ab, sondern bleibt schön auf dem Teppich". Beidfüssig stark und trotz seiner nur 1,71 Meter auch im Kopfballspiel kein Schlechter. Einer, der nie aufgibt und auch scheinbar aussichtslosen Bällen nachsetzt. Der SV Bernbach hat nach dem Weggang von Sebastian Göbig mehr als nur einen Ersatz gefunden. Am Freitag (17.30 Uhr, Birkenhainer Straße) will Werner im Derby gegen Viktoria Aschaffenburg ein weiteres Kapitel seiner Erfolgsstory schreiben.
Quelle:
Giessener Anzeiger