salamander hat geschrieben:
Das Problem sind eine Handvoll Hetzer, die nach jedem Punktverlust in abschätziger Weise auf Trainer und Spieler des FCK einprügeln. Meistens kulminiert das Ganze darin, dass der Einsatz irgendwelcher Bank- oder Tribünensitzer oder gleich die Entlassung des Trainers gefordert wird.
Ich seh diese Menschen nur als ein Teil des Problems, die andere Seite ist auch nicht besser, entweder ein unreflektiertes Beißen, gegen jeden der auch nur andeutet differenzierter zu denken, oder das Runterbeten von Mantras, wo wir den wären ohne K&K.
Ach was nutzt es....
Solange von den Fußballexperten hier eine Personal- und Systemdiskussion geführt wird, die in ihrer Ernsthaftigkeit an altchristliche Kirchenschismen erinnert (z.B. ob der Stuhlgang Jesu Christo Zeichen seiner göttlichen oder menschlichen Natur sei und ob überhaupt), solange werden wir hier bei dbb uns wohl kaum auf eine realistische Ansicht des aktuellen Zustandes des FCK und seiner kurz- und mittelfristigen Zukunftsperspektiven einigen können.
451 oder 442, eigentlich egal, denn sobald mehr als ein Spieler sich nicht mehr darum bemüht, den Raum zwischen Mittellinie und eigenem Strafraum zu verteidigen, bekommen wir derart Druck auf die Abwehr, daß irgendwann das Tor fällt und dabei Kevin Trapp oder einer der Innenverteidiger blöde aussieht.
Sobald einer der Außenbahnspieler nicht ausreichend nach hinten arbeitet, kann man auf das Gegentor wetten. Doch hinten ist nicht das Problem, Tore fallen, aber nicht viele. Das Problem ist Tore des Gegners zu kompensieren.
Alle Spieler bemühen sich zwar auch nach vorne zu spielen, aber die Bälle werden zu oft gleich wieder verloren, weil die Pässe zu schlampig, die Annahme ungenügend oder der Gegenspieler geistig und/oder körperlich schneller ist. Selbst wenn es gelingt Dominanz aufzubauen, wie in Wolfsburg oder gegen Hertha, fehlt dann vorne der Stürmer, der die Flanke oder den längeren Pass aufnehmen kann. Gegen Hertha brauchte es schon einen Gegenspieler, der am richtigen Platz stand und in die falsche Richtung (für ihn) köpfte.
Wenn jetzt gesagt wird, das ist doch das alte System, wir wollen anders spielen und haben dafür andere Leute gekauft, ja warum spielt unser Mittefeld dann nicht dieses neue System und warum setzen unsere Stürmer dann dieses neue System nicht um?
Das Tor gegen Hertha fiel nach einer Flanke von rechts, so wie letzte Saison Lakic eingesetzt wurde, und das Tor in Dortmund fiel nach einem langen Ball halbhoch von Mitte-Rechts steil nach Vorne, das war typisch Ivo-like gedacht, in den Sahan reinspurten sollte, der dann auch noch glücklicherweise mit Hilfe eines Dortmunders auf seinen Fuß fiel.
Ganz ehrlich, keiner unserer Wunderstürmer hat die Qualität, dauerhaft in der ersten Liga entweder dort zu stehen, wo der Ball im 16er hinkommt und den Fuß/Kopf hinzuhalten, oder sich den Ball vorm Strafraum zu holen, den Gegner auszuspielen und dann erfolgreich aufs Tor zu schießen. Und da kann der Trainer nix für. Dazu kommt, daß zu selten Chancen auch schon im Vorfeld überhaupt eingeleitet werden, weil der 2. oder 3. Kurzpass schon nicht mehr ankommt. Ich würde mir wünschen, Tiffert oder deWitt schnappen sich mal den Ball und gehen energisch Richtung Tor und ziehen ab, dieser Druck, der in den Vorsaisons teilweise sehr gut aufgebaut wurde, fehlt völlig.
Der Griff ins Klo, das war nicht das Festhalten am Trainer, das war die Personalplanung.
Seit Februar war klar, Lakic geht und Ivo will schnellstens weg. Aus der begründeten Furcht, wenn die beiden Goalgetter fehlen, in der Rückrunde keine Chance zu haben, wurde beide gezwungen zu bleiben und auf wichtige Millioneneinnahmen für Verstärkungen verzichtet. Hlousek war als Back-Up für Ivo vorgesehen, konnte aber nicht voll überzeugen, Hoffer & Micanski, hatten schon in der Saison gezeigt, Anspruch und Wirklichkeit waren nicht zur Deckung zu bringen.
Das war für Stefan sicher keine leichte Wahl zwischen Pest & Cholera. Der Schwung führte allerdings zu weit, bis zum 7. Platz, der leider für den Verein, schön für die Empfänger, einiges an liquiden Mitteln für Prämienzahlungen kostete.
Es wurde also Geld gesucht und anschließend auch noch viel Zeit verloren, als man sich in den Basaren von Haifa verlief. SuPa Richie und Fortounis sind Talente, keine gestandenen Spieler und der eine wohl überschätzt und der andere schnell überfordert. Dorge ist ein klassischer Notkauf und Sahan kämpft immer noch damit seine Position und sich in der 1. Liga zurecht zu finden.
Es ist aber auch schwer, aus dieser Gemengelage eine Strategie für die Zukunft zu entwickeln. Was so an Kader da ist, ist zwar eine Basis, muss aber verstärkt werden, denn in der Breite ist er eher mittelmäßig und läßt kaum Hoffnungen auf eine Leistungsexplosion zu. Reicht es diese Saison noch zu einem Nichtabstiegsplatz, dann ist eigentlich die Zeit für eine Neuplanung zu knapp, denn Verhandlungen mit neuen Spielern zu führen, ohne Wissen für welche Liga ist schwierig. Steigt man ab, ist der Kader wohl weniger das Problem, aber die Kasse für einen direkten Wiederaufstieg. Und da sind wir dann in der Bel-Etage des FCK.
...und das ist eine andere Diskussion.