Am Sonntagabend war ich mächtig missmutig gestimmt. Ein Bierchen mehr getrunken als sonst, der "El Classico" konnte mich auch nicht vom Hocker reißen, in der Nacht folgedessen "tears on my pillow". Aber als ich dann am Montag das Spiel noch mal habe "Paroli laufen lassen", hat sich meine Stimmung sichtlich wieder aufgebessert.
Insgesamt war das doch eine packende Partie, wenn auch auf niedrigem Nveau. Und nach dieser unterirdischen Leistung in der ersten Halbzeit schafften die Jungs es doch noch eindeutig, in den zweiten 45 Minuten die Kontrolle über das Spiel zu erlangen. Aber leider auch da wieder diese Patzer und Aussetzer, die uns in unserem Elan zeitweise immer wieder etwas zurückwarfen. Die müssen unbedingt in Zukunft abgestellt werden.
Leider fiel der Ausgleich zu spät. Ansonsten hätten wir die Partie noch gedreht. Daher resümiere ich nicht mit "leistungsgrechtes Ergebnis", eh ein sehr dehnbarer Begriff. Die Augsburger profitierten fast ausschließlich von unseren Fehlern.
Der frühe Gegentreffer brachte das Team sichtbar aus dem Rhythmus. Im wahrsten Sinne des Wortes auf dem falschen Fuß erwischt. Unbegreiflich auch, dass Petsos Abel in dieser Situation alleine ließ.
Übrigens hat Rodnei von der gleichen Stelle aus, von wo ihm in HZ1 noch das Malheur unterlief, den Ausgleichstreffer mit dem spieleröffnenden Pass eingeleitet.
Negativ aufgefallen ist neben den schon aufgeführten Aussetzern und der auffallend hohen Felhpassquote, wie schon gegen Werder, die mangelhafte "konstruktive" Laufbereitschaft. Andere haben es auch schon angemerkt, dadurch entfallen die notwendigen Anspielmöglichkeiten. Logische Folge sind dann diese ideenlosen hohen Anspiele, die in der Regel meist in Ballverlusten enden, und wiederum zur allgemeinen Verunsicherunng führen. Und ohne diese läuferische Arbeit kannst du im heutigen Fußball auf diesem Niveau keine Schnitte mehr machen.
Eine Baustelle ist sicherlich unser Mittelfeld. Da müssen so schnell wie möglich klarere Verhältnisse Platz greifen. Die Frage, die sich mir in diesem Zusammenhang stellt, ist die, wie es mit dem taktischen Verständnis der in Frage kommenden Spieler bestellt ist. Ohne das kann es nun mal nicht funktionieren. Die allgemeine Abstimmung und die gegenseitigen Laufwege scheinen noch nicht in den Köpfen angelangt zu sein.
Der Spielaufbau verläuft auch zu oft zu behäbig. Dazu fehlt beispielsweise Leon Jessen einfach die Ballsicherheit. Da geht einfach wertvolle Zeit verloren, sodass er wiederholt wieder nach hinten abdrehen muss.
Ivo hat mir ausgesprochen gut gefallen. Fand es faszinierend, wie er, fast schon provozierend aufreizend, den Unbeteiligten mimte, und dann, sobald er den Ball am Fuß hatte, wie eine Rakete loszischte. Sollte aber unbedingt mal wieder öfters den Abschluss suchen.
Hoffentlich platzt bei Sahan bald der Knoten, haben wir Geduld mit ihm, er kann es doch. Muss wohl erst noch seinen Kopf frei kriegen.
Sehr gefallen haben mir auch SuPaRichie (Danke an SaarTeufel79 > sehr origineller Einfall

) und Kouemaha. Bin mal gespannt, wie lange es bei mir dauern wird, bis ich die beiden Burschen auseinander halten kann. Deren Auftritt stimmte mich jedenfalls zuversichtlich.
Damit wären wir auch bei Itay. Der hat seine Klasse bei diesem Spiel unter Beweis gestellt, nicht nur wegen seines grandios herausgespielten Tores. Beeindruckend auch sein Verhalten, wenn er nicht gerade am Ball war. Wie er dem einen Augsburger, nicht aggressiv, aber entschieden, aus seinem "Heulkrampf" aufhalf, zeigte schon, dass er einen kräfigen Schuss "Betzementalität" mitgebracht hat. Sein impulsiver Auftritt nach dem Treffer zeigte dann aber, dass er darüber hinaus auch auf engste Tuchfühlung mit den Zuschauern steht. Mit der Hand am Ohr genoss er den Torjubel und seine Geste - mit dem Zeigefinger ins Publikum weisend - sollte klar machen, dass er das Tor vor allem als Gechenk an die Fans verstand.
Zwei Punkte wurden zwar liegen gelassen, aber dieser Auftritt der Mannschaft hinterließ doch die Botschaft, dass die Jungs sich so langsam an die gestellten Herausforderungen heranpirschen. Die zweite Halbzeit hat gezeigt was möglich ist. Den erkämpften Ausgleichstreffer als mehr als verdienten Lohn im Köscher, das wird der Mannschaft mächtig Auftrieb für die Partie in Köln mitgegeben haben. Auch den Fans, denn die Reaktionen und Kommentare hier im Forum zeigen, dass die Zuversicht merklich gewachsen ist.
Die Freiheit der Pfalz wird am Betzenberg verteidigt.
Der FCK ist das Gewehr, das man sich Tag und Nacht an die Stirn hält, ohne je abzudrücken.