Dass FFM nicht gerade das Auswärtsspiel ist, zu dem man seine Kids mitnehmen sollte, dass muss jedem klar sein
Hier mal mein Entlastungszug-Bericht, ich hab mich wieder weitestgehend abgeregt..
In KL um 10.50 am Gleis angekommen, alles friedlich, super. Massenweise Fans warten auf den Zug, gemixt mit Turtles, aber keine Probleme. So weit so gut, die Fahrt ging los, der Zug war natürlich schon in KL proppevoll, hielt trotzdem brav überall an, hier und da schon auf dem Hinweg einige Chaoten mit Sekt/Wein/Wodka unterwegs, ein paar hyperaktive Kids auf Energydrinks mussten natürlich ihre Bierflaschen auf fahrende Züge aus dem Fenster werfen (ernteten auch dementsprechend nette Kommentare), bei der Fahrt durch Mannheim wurden die üblichen Schmählieder gesungen, ansonsten eine mehr oder minder normale Hinfahrt mit den üblichen Entlastungszugproblemen. Ein gut angetrunkener Typ, der meinte sich die Lippen ablecken zu müssen, als er sich an mir vorbei schob und seine Finger nicht bei sich lassen konnte. Ein "Behalt deine Drecksgriffel bei dir" meinerseits machte das ganze dann perfekt. Abgezischt ist er erst, nachdem er das ganze Abteil zugelallt hatte, dass er nix getan hat

Mein erstes Fazit des Tages : etwas weniger Alkohol auf der Hinfahrt würde einigen schon sichtlich gut tun..
In FFM am Stadion FAST angekommen, musste der erste Vollpfosten dann die Notbremse ziehen. Was natürlich kein Zufall war, denn nur 20 Meter und ein Zaun trennten den Zug vom schwarz gekleideten Frankfurter Mob, der natürlich nur auf Ringelpiez mit Anfassen aus war und seine Liebe für die FCK Fans kundtun wollte.. Die Turtles im Zug angespannt, es könnte ja jemand auf die Idee kommen auszusteigen - die Idioten im Zug klebten an den Fenstern, Pöbelattacken richtung Zaun und fliegende Flaschen inklusive. Da häuften sich dann auch die ersten Wehwehchen. Jemand rannte vorbei und laberte was von gebrochenem Finger, ein anderer, der vorher schon mit ner Flasche Wein oder Sekt rumgetanzt war, lag als Alkoholleiche ausgeknockt aufm Sitz. Total weg.
Was sich dann aber jenseits des Zaunes abspielte war das eigentliche Kinohighlight. Maßlos überforderte Cops, die natürlich erstmal zahlenmäßig nicht in der Lage waren, den Zaun abzuschirmen, und auch nicht die enorme Länge des Zuges. Dann konnte man also erstmal dem Frankfurter Mob beim Werfen von Pyro, Flaschen und ähnlichem zugucken, und den Cops, die wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen von A nach B und wieder zurück nach A rannten. Dann gabs Pfefferspray für die Stricher, als nächstes kamen die Hunde und die Knüppel und zu guter letzt wurde der Mob dann mit Pferdchen zurückgedrängt. Das die bockten und aufstiegen, war den fliegenden Flaschen zu verdanken.
Als dann die Situation am Zaun unter Kontrolle war, gings aber trotzdem nicht weiter. Die Turtles standen also erst mal zwischen Zaun und Zug, während das dumme Bahnpersonal überfordert war, die Bremsen zu lösen. In der Zwischenzeit haben es dann einige Frankfurter geschafft, sich ihren Weg außenrum auf die andere Seite zu bahnen, und liefen am Waldrand und den Gleisen entlang, wollten wohl von der anderen Seite kommen. Also mussten wieder Turtles zur anderen Seite des Zuges, was relativ schnell und reibungslos klappte, so dass sich hier kein Stricher in die Nähe getraut hat.
Das war übrigens mit ein Grund für den Ausfall der Züge, denn keine 200m entfernt stand ein ICE still, und auch sonst fuhr dann nix mehr, weil die Idioten auf den Gleisen rumgehampelt sind.
Als das Bahnpersonal dann doch endlich die Bremse gelöst hatte, gings weiter - ca. 50m, bis wieder die Notbremse gezogen wurde..Also standen wir insgesamt gefühlte 50 min (ich hab nicht auf die Uhr geguckt) an der selben Stelle. Das Bahnpersonal versagte dann im Lösen der Bremsen, und so ging es eben quietschend und im Schleichtempo die letzten 200m zum Ziel. Mit joggenden Turtles neben dem Zug
Am Bahngleis angekommen, konnten wir auch zügig aussteigen, mein werter Kollege und ich mussten allerdings feststellen, dass die Wagons mit unseren etwas härteren Jungs abgesperrt wurden. Dürften sie ja eigentlich garnicht, Fluchtwege. Schon komisch, dass es genau diese waren *hust* muss ein Zufall gewesen sein. Dem wurde dann mit etwas Fachwerkzeug nachgeholfen.. Der Lauf zum Stadion verlief (zumindest aus meiner Sicht) relativ ruhig, an der DFB Zentrale vorbei, ab zum Gästebereich (aber weiter vorne muss es wohl zumindest laut Medien auch da schon gebrannt haben, hab ich nicht mitbekommen). Dann ging die Verarsche los. Ein paar Gesänge in Richtung Frankfurter Schaulustige (waren aber vermehrt Kids und Ältere), die oben unsere Ankunft begutachteten, und nichts ging mehr. Ich hab keine Ahnung wie es einige von uns rechtzeitig zu Spielanpfiff ins Stadion geschafft haben aus dem Zug, ich jedenfalls nicht. Es ging alle 10 Minuten 50cm vorwärts und das Ordnungspersonal verhielt sich, als wäre es das erste Bundesligaspiel der Eintracht überhaupt. Dann sah man die Konfetti Luftschlangen Choreo (von außen), den Anpfiff, und da ist dann bei allen die noch draußen standen der Geduldsfaden gerissen. Man rannte zum andern Eingang, wo man uns dann hätte reinlassen sollen nach Informationen, ein Cop dort wollte die Leute reinlassen, die andern Cops sahen das offensichtlich nicht so und bauten gleich mal ne Mauer auf. Dass sich dann diverse verbale Gefechte mit der Polizei geliefert wurden, kann ich hier keinem mehr übel nehmen. Lediglich eine weibliche Polizistin verhielt sich sachlich und ruhig, die Typen neben ihr waren übelst auf Provokation aus, mal wieder.. das Pfefferspray war jedenfalls schon wieder ausgepackt.
Also nach Gepöbel und Beschwerde wieder zurück (so verarscht man die Leute..), wo es auf einmal, man glaubt es kaum, auch schleppend vorwärts ging. Nach nun plötzlich relativ lockeren Ordnerkontrollen im Tempo eines Schlafwandlers waren wir dann auch endlich im Stadion.
Oh Wunder, noch ein Plätzlein im Block gefunden, zwar relativ weit oben, aber immerhin durfte ich den Grottenkick sehen. Die Stimmung ebbte von unten nach oben hin ab, was nicht nur damit zusammenhing, dass man oben eigentlich wenig verstand, nein, es waren auch wieder zu viele Eventis (oder von unserem Spiel angewiderte Fans) unter den Massen, die eigentlich gar keinen Bock auf Support hatten.
Die Krönung des ganzen war für mich nicht die zweihundertprozentige des Herrn L. , sondern die Sitzschale die aus dem Oberrang kam und die Frau neben mir am Kopf traf. Immerhin hatte sie ne Mütze auf, aber gut Kopfschmerzen hatte sie den restlichen Tag mit Sicherheit, hoffentlich nichts Schlimmeres. Da ist mir die Sicherung durchgebrannt. Welcher Vollpfosten wirft Sitzschalen auf die eigenen Fans? Schönen dank auch.
Dann war der Grottenkick auch irgendwann schon wieder zu Ende und wir warteten im Stadion, bis die Turtles das Feld freigaben. Das geschah eigentlich relativ zügig, nur mies geplant, wie sich später herausstellte.
Die Masse (diesmal ziemlich weit gestreckt) bewegte sich also wieder in Richtung Bahnhof, mit erstaunlich wenig Polizeipräsenz. Es dauerte nicht lang, bis wir am oben genannten Einlass vorbei kamen (jener, an welchem wir dann angeblich hätten ins Stadion dürfen), welcher wieder durch einen Zaun von der Straße abgetrennt war. Nur waren die Frankfurter diesmal nicht weit, und schon standen sich die Fangruppen gegenüber, es flogen Steine, Äste (was man im Wald so findet), schließlich auch Flaschen und Böller. Dass grade die Böller ziemlich uncool waren, muss ich glaube ich nicht erörtern.. jedenfalls qualmte es gewaltig und das Chaos brach aus, als es Böller regnete. Die einen rannten natürlich zum Geschehen hin, die anderen weg. War wie immer in solchen Situation ziemlich undurchsichtig, wo was wie abgeht und ob es sich nun grade um Frankfurter oder Cops handelt. Gut, haben wir wieder 2 Fliegen mit einer Klatsche geschlagen, und den wöchentlichen Stadionbesuch mit ner schönen Runde Sport in Form von Jogging durch den Wald kombiniert. Hat man ja auch nicht jede Woche, ne? An der DFB Zentrale flüchteten dann einige Leute seitwärts, andere folgten dem Waldweg, aber gesehen hat man alle möglichen Gruppen, laufend in alle möglichen Richtungen. Natürlich auch einige Verletzte, die im vorherigen Szenario nicht so viel Glück hatten.
Am meisten erschreckt an der ganzen Sache hat mich, dass wir in kleineren Grüppchen (der Mob hatte sich zunächst irgendwie aufgelöst durch das Chaos) bestimmt 500m im Wald umherirrten, ohne auch nur einen einzigen Cop gesehen zu haben. Erst an der Kreuzung standen wieder 3 (!). Typisch. Wenns hart auf hart kommt, sind sie irgendwie nie da wo man sie gern hätte. Oder es waren einfach zu wenige und der größte Teil befand sich noch an besagtem Einlass, um Fangrupen zu trennen. Tolles Gefühl mitten im Wald zu stehen mit ein paar Leuten im Halbdunkel, nach vorn gucken, nach hinten, und nach rechts und links, die hätten können von überall kommen. Am Bahnhof war die Situation dann wieder recht entspannt, der Weg abgeschirmt, wir konnten zügig einsteigen und losfahren - bis wieder die Bremse gezogen wurde, und wir standen.
Tolles Gefühl im hell beleuchteten Zug zu stehen und draußen im Stockdunkel nichts zu sehen. Verlief dann aber ohne weitere Zwischenfälle und so ging es doch friedlich in Richtung Heimat - bis in LU viele ausstiegen, weil ein Vogel gezwitschert hat, dass dort Mannheimer am Bahnhof warten.. war dann aber anscheinend doch nicht so, und so gings weiter nach KL.
Fazit :
- weniger Alkohol täte einigen sehr gut (ich heule nicht über ein wenig Bier, aber was da einige wieder weggezischt haben schon auf der Hinfahrt..)
- das Ordnungspersonal vorm Einlass inklusive Turtles hatte das Organisations- und Kompetenzvermögen einer Scheibe Brot, eher weniger
- dass Fluchtwege zugesperrt werden ist eine bodenlose Frechheit und zeigt nur wieder, dass man als Fußballfan wie Schlachtvieh behandelt wird
- einigen Gesichtern im Zug (Familien, ältere Leute, Kids) würde ich dann doch eher dazu raten, wenn FFM, dann neutral mit Auto und erst im Block den Schal raus..
- wir haben nicht nur ein "L-Problem", sondern auch ein "K-Problem"
- Böller sind scheiße, Sitzschalen auch
- gutes Schuhwerk zahlt sich an Tagen wie diesen aus
- Frankfurter Ultras sind kranke Psychos
Gute Besserung allen, die was abbekommen haben.
Wer bis hier hin gelesen hat, herzlichen Glückwunsch.
Dieser Bericht spiegelt lediglich meine persönlichen Impressionen eines beschissenen Samstages wider, nicht zwangsläufig das tatsächliche Geschehen.
@Betzebiene - keine Ahnung, jedenfalls stand die Frau neben mir. Von Bengalos in meiner Umgebung hab ich nix mitbekommen, die wurden unten gezündelt. Da hab ich keine Vorfälle beobachten können, aber wenn es denn so war - sei froh, dass es nur ein Trainingsanzug war; gestern hätte es können durchaus mehr sein. Frankfurt ist kein Familienspiel.
Wer nach Frankfurt fährt, noch dazu mit dem Entlastungszug, sollte sich vorher bewusst sein, auf welcher Schiene er fährt.. der gechilltere Weg ist definitv frühzeitige An- und Abreise mit dem Auto.
Grade in FFM hat man ein erhöhtes Aufkommen von Primaten, denen nicht mehr zu helfen ist.