FCK-Boss Kuntz vor dem Pokalspiel in Osnabrück im Interview
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Vor dem Pokalspiel gegen den VfL Osnabrück sprach unsere Zeitung mit dem Boss vom 1. FC Kaiserslautern über den geglückten Aufstieg in die erste Bundesliga, über Tradition und Tränen vorm TV.
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Sie sind vor dem Fernseher aufgestiegen – der schönste Moment beim FCK?
Ja, wir haben uns mit der Mannschaft, den Frauen und Betreuern getroffen, in einem Lokalim Rathaus. Wenn ich zu Hause gesessen hätte, hätte ich wahrscheinlich acht Stücke Kuchen gegessen vor Aufregung. So konnte man gemeinsam zittern, wurde abgelenkt. Als es dann geschafft war, konnte man mit allen feiern, die dafür verantwortlich waren, und die Gefühle laufen lassen.
Ein paar Tränen liefen auch.
Ja. Ich mache da keinen Hehl draus. Wenn ich im Fernsehen Schicksalsschläge sehe, zum Beispiel zwei Brüder, die durch den Krieg getrennt wurden und sich nach 60 Jahren wiederfinden, da bin ich nahe am Wasser gebaut.
Zwei Jahre zuvor sicherte der Klub am letzten Spieltag mit einem 3:0 gegen Köln die Klasse – Ihr schwerster Tag bisher beim FCK?
Oh ja. Vor dem Spiel bin ich auf dem Friedhof gewesen, am Grab meiner Oma. Von ihr stammen viele Sprüche, die mich mein Leben lang begleiten – wie dieser: „Der liebe Gott legt dir nicht mehr auf die Schultern, als du tragen kannst.“
Als ich an ihrem Grab stand, musste ich daran denken, dann habe ich mich umgesehen und gewundert, dass so viele Fans auf dem Friedhof sind. Ich habe gedacht, das sind doch nicht solche Holzböcke, dass die eine Abkürzung zum Stadion nehmen.
Was war es dann?
Sie sind zum Grab von Fritz Walter gelaufen, haben Fritz um Beistand gebeten. Als ich das gesehen habe, ist es mir heiß und kalt geworden. Da habe ich die ganze Tragweite dieses Spiels vor Augen gehabt. Danach bin ich am Stiftsplatz vorbeigefahren, da waren 6000 Zuschauer beim Public Viewing, unser Stadion war ausverkauft mit 50 000, und die Stadt, die hat nur 100 000 Einwohner. Es hat lange 0:0 gestanden, Patrick Helmes schoss an den Pfosten, und
kurz danach fing es leicht an zu regnen. Da haben sich die Leute angeschaut, und einige haben gemurmelt: „Fritz-Walter-Wetter, jetzt guckt de Fritz, de Fritz guckt jetzt zu“, und fünf Minuten später stand es 1:0, boah, das war der Hammer. Das war der schwerste Tag bis jetzt, das stimmt.
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Sie sprechen viel von Tradition. Könnten Sie sich vorstellen bei Hoffenheim zu arbeiten oder Red Bull Leipzig?
Im Moment habe ich das Gefühl, am richtigen Fleck zu sein. Die Frage stellt sich also nicht. Hier ist die Tradition nun mal das Fundament vieler Entscheidungen. Die Generation Fritz Walter und viele Generationen danach, standen für gewisse Werte. Es gibt sie noch, auch wenn sie teilweise verloren gehen:
Anstand und Respekt, Ehrlichkeit, Offenheit, eine gesunde Realität, oder ein Schuss Demut. Sie wollen wir gerne nach außen tragen.