Der neue Wett-Skandal
Die Tricks der Wett-Betrüger
Vier Jahre nach dem Hoyzer-Skandal hat eine Bande alle Sicherheitsvorkehrungen umgegangen. Nur die Spitze des Eisbergs?
Von M. FUNK, C. KITSCH, K. NACHTSHEIM, M. NIEHUES, J. SCHUTH und N. SEELIGER 22.11.2009 - 07:22 UHR
Schlusspfiff im Stadion an der Bremer Brücke, 9200 Fans feiern den 4:1-Sieg ihres VfL Osnabrück gegen Dortmund II. Stürmer Thomas Reichenberger (35) klettert auf den Zaun der Stadion-Ostkurve, feiert mit den Fans.
Scheinbar ein ganz normaler Spieltag in Liga drei. Doch seit Freitag ist im Fußball nichts mehr wie zuvor. Auch nicht für den Fußballer Reichenberger.
Tag zwei nach dem großen Schock. Hunderte Polizisten aus Deutschland von Kripo, Bundes- und Landeskriminalamt, Englands Scotland Yard, Österreich und der Schweiz haben den größten Wettbetrug in der europäischen Fußball-Geschichte aufgedeckt.
200 Spiele sollen verschoben worden sein.
Ein Schaden von 10 Millionen Euro ist entstanden. 16 mutmaßliche Drahtzieher sitzen in Haft, es gab 50 Durchsuchungen, gegen 200 Personen wird ermittelt. (...)
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Der neue Wett-Skandal
Die Tricks der Wettbetrüger, 2. Teil
Frühwarnsystem meldet verdächtige Wetten auf Regionalliga-Spiel am Samstag
22.11.2009 - 00:28 UHR
Ob Poker, Backgammon oder Fußball-Wetten – Zocken ist längst ein Massenphänomen. Und für die Mafia ein Milliardengeschäft.
In Deutschland steht wie vor vier Jahren das berüchtigte „Café King“ in Berlin im Zentrum. Das gehört Milan Sapina. Der Wettpate von Betrugsschiri Hoyzer sitzt in Moabit in Haft, sein Bruder Ante im Ruhrgebiet. Sie gelten als Drahtzieher.
Die großen Bosse aber sitzen in Asien. Von dort kontrollieren chinesische Paten den Wettmarkt. Es kann auf alles gezockt werden – auf Endstände von Spielen, auf Rote Karten, den ersten Torschützen. Auf Länderspiele, Landesliga-, sogar Jugendspiele. Um die Millionen-Einsätze abzusichern, werden eben Spieler, Schiedsrichter und Offizielle mit vergleichsweise kleinen Summen gekauft.
Und die Wettpaten schicken so genannte „Spotter“ zu den Spielen, lassen sich per Handy oder Laptop alle wichtigen Entscheidungen live übermitteln. Nicht erst seit 2009. Bereits im Juli 2007 wurde in Frankfurt der Malaysier William Bee Wah Lim zu zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt – wegen versuchter Manipulation von Spielen der Regionalliga. Nach Zahlung von 40 000 Euro Kaution tauchte er ab.
Er soll 2005 auch die Spiele Hannover 96 gegen Kaiserlautern (5:1) und KSC gegen Siegen (2:0) manipuliert haben. Nur Beweise fehlten. Auf beide Spiele wettete er damals insgesamt fünf Millionen Euro. (...)
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Der grösste Wett-Skandal aller Zeiten
Betrugs-Liste: Diese Spiele sollen verschoben worden sein
+++ So wurde gewettet – das gewannen die Täter +++
22.11.2009 - 13:56 UHR
Die Staatsanwaltschaft Bochum spricht von mindestens 200 Spielen in neun europäischen Ländern – aber welche Spiele wurden im größten Wett-Skandal aller Zeiten wirklich manipuliert?
Mehrere Partien stehen unter Verdacht, ein Einzelfällen sind sogar bereits die genauen Abläufe bekannt.
Wie gewettet wurde und welche Summen im Spiel waren – BILD.de zeigt die Betrugs-Liste!
Bei den manipulierten Spielen soll es sich um Partien aus der Schweiz, Belgien, Kroatien und der Türkei handeln. Also Spiele in Ländern, die auch im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum genannt wurden. Alle Spiele fanden im Jahr 2009 statt.
Beispiel Schweiz, 2. Liga: Beim Spiel Yverdon gegen Thun sollen Spieler der Gastmannschaft 15 000 Euro dafür erhalten haben, dass sie mit vier Toren Unterschied verlieren. Das Spiel endete 5:1 – der Wettgewinn der angeblichen Bande soll 60 000 Euro betragen haben. (...)
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