Je genauer ich mir den Artikel anschaue, desto weniger plausibel halte ich die Einführung der 3-Punkte-Regel als Hauptgrund oder gar alleinige Ursache der weniger geschossenen Tore.
Die Untersuchung geht viel zu wenig auf andere mögliche Faktoren ein und bewertet ja wohl nur Weltmeisterschaften und die europäischen Spitzenligen mit dem Schwerpunkt England.
Der Trend bei WMs kann genauso mit dem stetigen Fortschritt der ehemals kleinen Fußballnationen erklärt werden. Waren Teams aus Afrika, Asien oder Nord-/Mittelamerika früher reines Kanonenfutter für die Großen, haben sie sich alle beständig taktisch und spielerisch weiterentwickelt. Daher können sie eher mithalten und bekommen nicht mehr so im vorbeigehen die Hütte voll.
Den Blick nur auf die europäischen Topligen zu richten, halte ich ebenfalls nicht für sinnvoll. Gerade in Europa ist Anfang bis Mitte der 90er so viel passiert, was ebenfalls als Grund für weniger Tore gelten könnte (z.B. das Bosmann-Urteil, Reform der CL, Wegfall von Ausländerbeschränkungen). Da die Spieler nun leichter auf den europäischen Markt eindringen können und zudem, wie oben beschrieben, auch gut ausgebildet sind, steigt die taktische und fußballerische Qualität an.
Auch die Zahlen selbst überzeugen m.M.n. nicht unbedingt. Es lässt sich klar erkennen, dass z.B. in England seit über hundert Jahren der Schnitt kontinuierlich sinkt. Nach Einführung der 3-Punkte-Regel ist er ebenfalls gesunken, aber nicht signifikant (von 2,67 zw. 1982-96 auf 2,47 in der Saison 2006/07).
Ich kann meine Gedankengänge nicht mit Zahlen oder Daten untermauern, daher will ich sie auch nicht bis aufs letzte ausführen. Aber wie gesagt, es sind Fakten, die zumindest einen Einfluss haben könnten und die im Bericht überhaupt nicht erwähnt werden. Wenn man einfach nur einen Fakt hervorheben will, könnte man genauso sagen, dass die Umsetzung des Bosmann-Urteils für die Torflaute verantwortlich ist. Vom Zeitrahmen würde es mit den Zahlen ja auch passen.
Nur eins ist sicher, für den FCK wurde die Regel mindestens ein Jahr zu früh eingeführt
