Von Lothar Heinke
Teil 1
Benni oder Kalle,Mulli oder Schnalle - jeder hat hier seinen Namen auf einem Aufhänger,den er sich ans Hemd klemmt,wenn er überhaupt eines trägt. "Stadionbauer" steht noch drauf,und das ist etwas Einmaliges:Die Anhänglichkeit an ihren Fußballverein,den Noch-Drittligisten 1.Fc Union,führt dazu, dass Fans selbstlos und irgendwie auch selbstverständlich das traditionsreiche,aber auch alte Stadion(Baujahr 1920) "An der Alten Försterei" erneuern und ausbauen.Dazu nehmen sie Urlaub oder kommen nach Feieraband zur zweiten schicht - "auf ihre geilste und schönste Baustelle der Welt"
Es ist früher Vormittag,an einem Seiteneingang steht die Gittertür offen,"Wo hin des Wegs?,fragt ein junger Mann namens Marek,der in einem gelben Leibchen steckt,was eine höhere position verrät."Ick woolte stadionbauer werden",antworte ich."Nur zu",spricht er,erhebt sich und schreitet zum Baubüro. Dort gibt er mir ein Formular,"füll doch einfach mal aus,Name und so".Ungerührt legt Marek den zettel weg,obwohl er gelesen hat,dass ich bei "geburtsjahr" 1934 eingetrageb habe. "Na junger Mann,dann wooln wa mal,sagt eine blonde,agile Frau,die sich später als Unions Eiserne Lady entpuppt;Sylvia Weisheit,die Oberbauleiterin.In ihrem kopf dribbelt es ohne Pause,"die is die Seele vons janze",sagt einer,und so geht sie mit mir zum Materialcontainer und fragt ob für den jungen Mann noch "was" da ist."Hmm,na det hier",meint der Materialverwalter,nachdem er mit einem Blick meine Fähigkeiten erahnt,mit dem Alter multipliziert und durch meinen Bauchumfang geteilt hat.Dann holt er einen breiten Besen.Mit diesem Arbeitsgerät gehen wir duchrs Stadion,Sylviaa,die Aktivistin,und ich,der freiwillige Feger,der die Ehre hat,die neuen Traversen vom Betonstaub zu befreien.Das ist wie Laubfegen im Herbst,aber man darf sagen:Auch ich war dabei gewesen.