Hat zwar nix mim USK zu tun, schlägt aber in die selbe Kerbe:
„Persönlich hatte ich so etwas bisher noch nicht erlebt“
Am gestrigen Donnerstag spielte Paris St.-Germain auf Schalke. Über 500 Fans des Clubs aus der französischen Hauptstadt hatten sich in Gelsenkirchen eingefunden. Stadionwelt-Mitarbeiter Johannes Mäling war vor Ort und weiß nichts Gutes zu berichten.
Stadionwelt: TV-Kommentator Thomas Wark sprach bei der ZDF-Übertragung von Auseinandersetzungen vor dem Stadion und dass die Ordner froh wären, wenn die PSG-Fans wieder weg wären. Was kannst Du dazu sagen?
Mäling: Letztendlich war es so, dass ein Großteil der angereisten französischen Fans den Gang ins Innere des Stadions erst einmal verweigerte, weil vor der Arena ein Zelt für Leibesvisitationen aufgestellt war. Es gab wohl ein bisschen Gerangel. Das Gerücht machte die Runde, dass sich jeder Fan komplett ausziehen müsse.
Stadionwelt: Und war an dem Gerücht was dran?
Mäling: Mir ist von Parisern mitgeteilt worden, dass sich ausnahmslos alle Fans ausziehen mussten. Dabei wurde keine Unterscheidung zwischen „normalen“ Fans und Ultras gemacht. Ich persönlich musste mich vor zeitweise bis zu vier Ordnern sogar ganz entkleiden.
Stadionwelt: Hast Du etwas derartiges schon einmal erlebt?
Mäling: Um ehrlich zu sein: Nein! Sicherlich sind einem vergleichbare Fälle bekannt. Beispielsweise der Fall mit einer Dresdnerin aus dem Jahre 2005, die sich beim Spiel in Saarbrücken entkleiden musste. So weit ich mich erinnere hat ein Gericht entschieden, dass das in diesem speziellen Fall unverhältnismäßig war. Persönlich hatte ich so etwas bisher noch nicht erlebt.
Stadionwelt: War das Vorgehen der Ordner den gestern verhältnismäßig?
Mäling: Klares Nein. Aus meiner Sicht wurde ein Punkt überschritten, um Pyro im Stadion zu verhindern. Sicherlich ist es in Frankreich einigermaßen normal, dass während der Spiele gezündelt wird. Natürlich wurden gestern auch im Gästeblock während der zweiten Halbzeit einige wenige pyrotechnische Gegenstände gezündet. Das rechtfertigt die Vorgehensweise der Ordner in meinen Augen aber keinesfalls. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Fans später angeblich gar nicht mehr kontrolliert wurden.
Stadionwelt: Wie reagierten die französischen Gäste auf die Situation?
Mäling: Letztendlich kamen die PSG-Fans doch noch in den Block. Nach dem ersten Entsetzen wurde allerdings erst einmal beschlossen, dass man das Stadion aufgrund der harschen Kontrollen nicht betrete. Viele sehen ein solches Vorgehen als Eingriff in die Privatsphäre an. Natürlich sind französische Fußballfans auch Kontrollen gewohnt, aber nicht in der gestern geschehenen Form. Die PSG-Fans werden sich nicht als willkommene Gäste gefühlt haben. Es gab Gesänge, in denen das Wort „GESTAPO“ vorkam.
Stadionwelt: Würden die Einlasskontrollen ausschließlich vom dortigen Sicherheitsdienst gemacht, oder waren auch Polizeibeamte beteiligt?
Mäling: Was ich mitbekommen habe, handelte es sich ausschließlich um den Sicherheitsdienst.
Stadionwelt: Gerne hättest Du auch einige eigene Fotos der Kontrollen und Zelte mitgebracht. Wieso war das nicht möglich?
Mäling: Als ich die Fotos machte, meinte einer der Ordner, dies zu unterlassen. Dabei fiel der Satz „Den kontrollieren wir jetzt mal richtig“. In der Kabine schaute einer der Ordner, die Bilder auf meiner Kamera durch. Auch nach der Durchsuchung wurde mir noch einmal ausdrücklich verboten, Fotos von den Durchsuchungszelten zu machen. (Stadionwelt, 24.10.2008)
Quelle:
http://www.stadionwelt.de/neu/sw_fans/i ... ws_id=2082