Ein Erfolgsduo sorgt für Deja-vus (faz.net)
04. November 2008 Vor dem Anpfiff des Spiels zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem TSV 1860 München zeigte sich mal wieder ein Geist aus der furchterregenden jüngeren Vergangenheit des Pfälzer Traditionsvereins auf dem Rasen des Fritz-Walter-Stadions. Hans-Artur Bauckhage, der den Klub in der Vorsaison als Sprecher eines vor sich hin dilettierenden Vorstands beinahe bis in den Abgrund der Drittklassigkeit geführt hätte, ehrte dieses Mal aber lediglich in seiner Funktion als Präsident des Behindertensportverbands erfolgreiche rheinland-pfälzische Paralympics-Teilnehmer. Als Funktionär des FCK ist Bauckhage, der einst mit dem Versprechen der Vermittlung eines Investors für den klammen Klub antrat, indes seit April Geschichte. Fortan ging es mit dem Klub stetig bergauf.
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Aufschwung dank psychologischer Tricks
Sasic trug zu dem überraschenden Aufschwung vor allem auch durch seine psychologischen Tricks bei: Beispielsweise musste die Mannschaft nicht mehr wie in den Vorjahren den merkwürdig anmutenden morgendlichen Bustransfer vom Stadion zum 15 Minuten entfernten Trainingsgelände der „Roten Teufel“ am Fröhnerhof antreten, wo der klamme FCK den einst geplanten Bau eines vernünftigen Kabinentrakts bis heute nicht verwirklicht hat.
Sasic bestand stattdessen darauf, den für die Spiele der Amateurmannschaft reservierten Nebenplatz des Fritz-Walter-Stadions zu nutzen, um den Spielern das Gefühl einer Heimat auf dem Berg zu vermitteln. „Das sind schon Kleinigkeiten, mit denen der Trainer uns in der Situation des Abstiegskampfs etwas Stress nimmt“, sagte Torwart Tobias Sippel in den Wochen des Ringens um die Existenz des Klubs.
„Unser Trainer ist einer, der es drauf hat“
Spielgestalter Anel Dzaka kennt diese Kniffe des Trainers schon aus der gemeinsamen Zeit beim Ligarivalen TuS Koblenz. Den Klub aus dem fußballerischen Niemandsland hatte Sasic zwischen 2002 und 2007 von der Viertklassigkeit bis in die Zweite Bundesliga geführt, ehe er entlassen wurde. „Unser Trainer ist einer, der es drauf hat“, sagt Dzaka. „Er schafft es, dass wir uns von Woche zu Woche konzentrieren und uns nicht schon jetzt von irgendwelchen Aufstiegsträumen verwirren lassen.“
Einen ähnlichen Beitrag wie Sasic leistet unterdessen ein zweiter ehemaliger Wegbegleiter Dzakas aus Koblenzer Tagen. Stefan Kuntz war am Rhein-Mosel-Eck einst der Architekt des Teams, das den Weg in die Zweite Liga fand, seit April ist der Europameister von 1996 in Kaiserslautern als nahezu allmächtiger Vorstandsvorsitzender der Macher.
Kuntz ist nicht mehr der „liebe Stefan“
Der bei den Fans uneingeschränkt verehrte ehemalige Kult-Stürmer hat überraschend schnell Ordnung in die zuvor chaotische Führungsetage gebracht, die Macht komplett an sich und seinen in Finanzfragen kompetenten engen Vertrauten Johannes Ohlinger gerissen und zugleich die gesamte, vom FCK der vergangenen Jahre tief enttäuschte Region mit der klugen Imagekampagne „Herzblut“ wieder mit dem Verein versöhnt. Das war die unabdingbare Grundlage für das Unterfangen, die finanziellen Probleme des durch den Größenwahn des Klubs im Anschluss an die Sensations-Meisterschaft von 1998 und den Ausbau des Betzenbergs zur WM-tauglichen Arena in Schieflage geratenen Klubs beseitigen zu können.
Bei diesem Gewaltakt darf Kuntz auf eine etwas merkwürdige finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand bauen, die dem notleidenden Klub vorläufig ohne triftigen Grund 1,4 Millionen Euro der jährlichen Stadionmiete erlässt. Kuntz beweist aber derzeit auch, dass er aus Managementfehlern bei den vorherigen Stationen in Bochum und Koblenz lernte und sich zugleich vom immernetten Kumpel zum reifen Fußball-Manager weiterentwickelt hat, wie Insider bestätigen. „Ich bin nicht mehr der liebe Stefan“, gibt Kuntz auch gerne zu kund.
Deja-vu für Spieler
„Die beiden arbeiten sehr gut zusammen, sie sind extrem ehrgeizig und vermitteln das auch jedem einzelnen Spieler“, sagt Dzaka. „Das war auch in Koblenz schon so. Wenn ich Kuntz und Sasic jetzt hier in Kaiserslautern sehen, habe ich oft das Gefühl von Deja-vus. Und das ist auch gut so, weil es mir schon einmal Erfolg gebracht hat.“
Das Deja-vu der anderen Art, jenen Auftritt des ehemaligen Vorstandssprechers Bauckhage vor dem Spiel, konnte Dzaka indes nicht belasten. Zu jener Zeit, als Bauckhage das Regiment führte, kickte der gebürtige Bosnier noch in Koblenz.
kompletter Bericht:
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