ChrisW hat geschrieben: 22.02.2026, 20:37
Wir müssen so langsam aufpassen, dass diese überzogene Hetze gegen die eigenen Spieler nicht langsam zu einem Problem für den Verein wird.
Auf sky und in den Zusammenfassungen von ARD oder ZDF wurde das Bassette Bashing aufgegriffen und als "überzogen" betrachtet. Auch die Pfiffe nach einem Heimsieg werden mantra-artig in den Sportsendungen wiederholt.
Die sozialen Medien (zu denen ich DBB noch rechne) und auch die asozialen Medien haben viel mehr Macht als einige hier denken. Und solche jungen und ambitionierten Spieler wie Skyttä oder Bassette werden in Zukunft zweimal überlegen, ob sie zu diesem Verein wollen und sich diesem Druck aussetzen.
Du rackerst und läufst, reißt dir den Arsch auf und kämpfst ... und dann wird dir wg. ausgelassener Chancen die Fähigkeit aberkannt.
Hört euch mal die Interviews an, da merkt man, was das mit den Spielern macht.
Lieberknecht steht da drüber, weil er zu uns älteren Semestern gehört, aber für die jungen Spieler ist das Handy ihre zweite Welt. Und die lesen sich das überzogene Bashing auch durch. Wenn's sein muss, mit Google Übersetzer.
Im Kern hast du absolut recht. Aber dies nur auf unseren Verein und oder Spieler zu begrenzen ist nicht richtig. Die direkte, teils hemmungslose, überzogene und aggressive Äußerung einer Pseudokritik, manchmal auch persönlicher Angriff mit entwertenden Bestandteilen, ist leider ein gut dokumentiertes Phänomen seit Beginn der digitalen Kommunikation. Solche und ähnliche Phänomene in denen Menschen bspw entwertet werden bzw es in der Kritik garnicht mehr um irgendwelche Fakten geht, treten nicht nur im Sport auf. Sondern in allen möglichen Bereichen. Daher ist es vollkommen falsch den Eindruck entstehen zu lassen, dass dies exklusiv ein Problem des FCK ist. Zudem nimmt bspw auch die Hassrede zu.
Unabhängig davon stimme ich dir aber zu, dass gerade das DBB Forum seit gefühlt 2 Jahren eine deutliche Verrohung der Grundwerte erlebt, welche sich bspw durch eine unangemessene Ausdrucksweise kennzeichnet. Inwieweit dies mit der gestiegenen Erwartungshaltung zu tun hat (egal ob Fan oder Mitarbeiter des FCK), dem polarisierenden Trainer TL und natürlich mit der gesellschaftlichen Veränderung in Deutschland (deutliche Unzufriedenheit innerhalb der Gesellschaft angefeuert durch bestimmte Parteien mit teils populistischen Mechanismen) sollte ein ausgewiesener Soziologe vollendest beantworten können. Ich als Pädagoge erkenne lediglich Parallelen, Zusammenhänge und Kennzeichen, ohne diese jedoch faktisch überprüft zu haben.
Ferner wollte ich zu der von dir genannten zweiten Welt Stellung nehmen: Du sprichst von einer zweiten Welt. Das ist rein wissenschaftlich aber falsch. Tatsächlich verschwimmen in so gut wie allen Bereichen des heutigen Lebens die Grenzen der analogen (Alpha) und virtuellen (Beta) Welt. Die Zeit in der wir uns alle in der Schnittmenge (Gamma) befinden, wächst immer weiter an. Die Folge davon und das beschreibst du vollkommen richtig, ist dies, dass immer mehr Personen erhebliche Probleme damit haben zwischen dem Einen und dem Anderen zu unterscheiden. Bspw wird die eigene virtuelle Persönlichkeit (bspw Insta Profil) teils als wichtiger bewertet, als die Reale. Dies bedeutet, dass eine fehlende Anerkennung auf der virtuellen Ebene häufig zu einer massiven Entwertung auf der persönlichen Ebene führt. Dies ist sehr gut bei jungen Menschen dokumentiert unf beobachtbar, wodurch ja aktuell nicht ohne Grund von einem Social-Media Verbot die Rede ist. Auf der anderen Seite muss man aber konstatieren, dass unser defizitäres und altbackenes Bildungssystem leider viele unmündige Eltern produziert, die zu einer Verschärfung des Problems beitragen. Ich nehme mich da nicht raus.
Wichtige Medienkompetenzen werden teils nicht aufgebaut. In der Folge können diese dann auch nicht multipliziert werden und in letzter Konsequenz an die Kinder weitergegeben werden. Dennoch entwickeln trotzdem viele eine Widerstandskraft. Gerade Erwachsene der Millenials besitzen bspw über die entsprechende Erfahrung, damit gut umzugehen und die Fähigkeit Widersprüche der virtuellen und realen Welt auszubalancieren. Dies liegt aber auch daran, dass sie das getrennte Leben beider Welten (Alpha & Beta) und das Zusammenwachsende zu Einer (Gamma) miterlebt haben. Die Rede ist aber von jüngeren Menschen wie Basette bspw.. Er hat natürlich nicht das erlebt, was ein Millenial erlebt hat. Er ist quasi mitten in die Gamma Welt hineingeboren worden und muss sich nahezu unweigerlich mit all den damit einhergehenden Herausforderungen auseinandersetzen. Ferner verfügt er bspw nicht über die Erfahrungen sein ICH zwischen beiden Welten (Alpha und Beta) auszubalancieren.
Bezogen auf Profisportler ist die professionelle Präsentation des eigenen Ichs mittlerweile Teil des Games, welches sich gerade Personen des öffentlichen Interesses (wie es eben Profi-Fußballer sind) nicht entziehen können. Vor allem dann nicht, wenn sie sich bewusst dazu entscheiden, ein solches virtuelles Profil anzulegen. Auf der anderen Seite hat der ein oder andere auch keine andere Wahl, da es ja auch erheblich zur eigenen Vermarktung beiträgt und bestimmt durch den Berater etc. propagiert wird. Dass solche Risikofaktoren (in dem Fall Umgang mit Hate Speech etc) auf persönlicher Ebene nicht in dem Aufbau einer professionellen Spielerentwicklung berücksichtigt werden, kann ich mir nicht vorstellen. Natürlich gibt es bestimmt qualitative Unterschiede von Verein zu Verein und von Spielerberater zu Spielerberater. Zudem hängt es natürlich auch von den individuellen Kompetenzen ab, damit professionell umzugehen. Also bspw überzogene Kritik von seinem eigenen ICH fern zu halten. Einige im Forum beschrieben dies immer wieder hier lapidar mit der sogenannten Friss oder Stirb Mentalität. Ergo, ein Profisportler muss das aushalten. So primitiv sich dies auch anhören mag, aber ich stimme dem tatsächlich zu. Das wissen mit Sicherheit auch viele Profisportler. Aber inwieweit man eine Kritik und im schlimmsten Fall Hatespeech an sich rankommen lässt, ist letzten Endes dann doch individuell. Meiner Meinung nach her, müsste jeder Profisportler von Beginn seiner Kariere an der eigenen Widerstandskraft arbeiten müssen. Auch verpflichtend durch den DFB, welches die Vereine letzten Endes mit dem Spieler umsetzen müssen. Nur so als Idee.
Zu den Medien. Du nennst hier die ARD und ZDF:
Für Medien ist es natürlich immer lohnenswert brisante Zusammenhänge herzustellen, um das Bild des hitzigen Betze weiter zu festigen.
Gerade das von dir beschriebene Beispiel (Pfeifen im Stadion und überzogene Kritik auf Social Media + Spieler bekennt sich dazu, dass es ihn negativ beeinflusst) passt auch sehr gut in die aktuelle Debatte um ein generelles Social-Media-Verbot für Jüngere. Dass sie (Medien) selber aber teils unreflektiert die Problematik befeuern, indem sie bestimmte Ereignisse von oben herab bewerten, ist leider auch Teil des Problems. Eine kritische Aufarbeitung mitsamt der verdeckten Mechanismen, wie ich es gerade Zeile für Zeile versuche wäre weitaus angebrachter. Verkauft sich leider nur nicht so gut, wie ein brennender und chaotischer Betze, um den junge und talentierte Spieler zukünftig womöglich einen Bogen machen.
Auf der anderen Seite behaupte ich, dass gerade diese pfälzer Hitzigkeit unseren FCK bzw. die selbst propagierte Betze-DNA ausmacht. Und zwar schon immer wenn wir ehrlich sind. Bin zwar erst (oder schon) FCK Fan seit 1993, aber selbst da wurde mir in jungen Jahren mantraartig von vielen nicht FCK‘lern gesagt, wie verrückt der Betze doch ist. Die Rede von Spinnern war bspw. immer die Rede. Ich finde dies kommt auch ganz gut in der „Rise-Fall Doku“ rüber. Ergo gehört ein wenig Wahnsinn, sowohl ins Positive, als auch ins Negative Spektrum zum FCK dazu, wie das Gebet zur Kirche. Wieso sollte dann der Druck von Vereinsseite und im Stadion heute per se höher sein als früher? Ist er mit Sicherheit nicht. Ich empfinde die heutigen FCK Besuche tatsächlich weitaus gesitteter als früher. Nicht zu verachten ist aber die Konstante Social Media, welche früher natürlich nicht existierte. Aber dazu habe ich weiter oben bereits schon viel geschrieben.
Desto trotz wäre mir eine, wie du schon schriebst, reflektierende Haltung unser aller wünschenswert. Und zwar nicht nur hier im DBB Forum, sondern auch sonst wo auf Social Media. Dies schließt tatsächlich viele „Basher“ mit ein, als auch solche „Kommentierenden“, die sich teils unangebracht äußern und ihre bspw teils dogmatische Liebe zum FCK, mit teils massivem Einsatz, nämlich in Form von auch aggressiven, verbalen Angriffen verteidigen. Oft auch auf persönlicher Ebene, wenn bspw die Rede davon ist, dass es sich um keine echten FCK-Fans handeln soll. Deeskalierend ist diese Reaktion natürlich nicht. Und hier auf DBB verschwimmen auch ein wenig die Grenzen zwischen dem Opfer und dem Täter. Generell wird hier im Forum eine florierende „DU-Botschafts-Kultur“ gelebt mit ausgrenzenden Tendenzen. Wer nicht der gleichen Meinung ist, wird teilweise ausgegrenzt und teils hier unangebracht angegangen. Zurück zur Reiz-Reaktions-Kette und der Frage, wer das Opfer und der Täter ist. Im Bereich des Mobbing spricht man tatsächlich davon, dass der größte Teil der Menschen die mobben sowohl Opfer, als auch Täter sind.
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass große Teile der Floristen wahrscheinlich nicht mehr kommentieren dürften, wenn man konsequenterweise dagegen administrativ vorgehen würde.
Ein Stück weit nehme ich aber dennoch die Betreiber des DBB Forums in die Pflicht bzw. möchte den Impuls setzen, sich über geeignete und realisierbare, intervenierende Maßnahmen hier im Forum Gedanken zu machen. Ansonsten kann ich persönlich nur empfehlen, solche Kommentare konsequent zu ignorieren, anstatt sich der Unzufriedenheit darüber hingeben zu lassen. Für die meisten Menschen ist nichts schlimmer auf Social Media, als keine Beachtung zu erhalten. Und diejenigen, welche das DBB Forum rein als eine Art Ventil nutzen,um bspw seine persönliche Unzufriedenheit & Frust loszuwerden, haben perse kein Interesse daran, an irgendwelchen sachlichen Diskussionen teilzunehmen.
@Edit:
Mittlerweile hat @Thomas einen Beitrag zu dem Umgang von Seiten der Betreiber des DBB Forums veröffentlicht, welches Teile meiner Forderung erfüllt. Sich rein auf Meldungen durch die User zu verlassen, ist zwar lobenswert, wünschenswert wäre aber eine genauere Erklärung was genau meldenswert ist und was nicht.Vielleicht auch ein kurzer Artikel auf der Main Page zum Umgang hier im Forum. Nur eine Idee.